{"id":377744,"date":"2025-08-27T18:20:14","date_gmt":"2025-08-27T18:20:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/377744\/"},"modified":"2025-08-27T18:20:14","modified_gmt":"2025-08-27T18:20:14","slug":"zoll-deal-nur-vorteil-fuer-usa-darum-kann-trump-die-europaeer-ueber-den-tisch-ziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/377744\/","title":{"rendered":"Zoll-Deal nur Vorteil f\u00fcr USA: Darum kann Trump die Europ\u00e4er \u00fcber den Tisch ziehen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wirtschaftsverb\u00e4nde schlagen Alarm: Trumps Z\u00f6lle drohen die Produktion mancher Branchen in Europa zu ersticken. Bei den Verhandlungen mit Trump habe die EU jedoch keine Wahl gehabt, sagt der EVP-Vorsitzende Weber. Der US-Pr\u00e4sident habe ein m\u00e4chtiges Druckmittel in der Hand.<\/strong><\/p>\n<p>Donald Trump geht als klarer Sieger aus den Zollverhandlungen mit der Europ\u00e4ischen Union hervor. Der US-Pr\u00e4sident hat EU-Kommissionpr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen viele Zugest\u00e4ndnisse abgepresst. Auf die meisten europ\u00e4ischen Waren erhebt die US-Regierung nun einen Zoll von 15 Prozent. F\u00fcr den Import europ\u00e4ischer Stahl- und Aluminium-Produkte werden sogar Abgaben in H\u00f6he von 50 Prozent f\u00e4llig. Branchen- und Wirtschaftsverb\u00e4nde schlagen deshalb Alarm.<\/p>\n<p>Die US-Sonderz\u00f6lle auf Aluminium und Stahl bedrohten viele Maschinen- und Anlagenbauer in ihrer Existenz, hei\u00dft es in einem Schreiben des Branchenverbandes VDMA an von der Leyen. 55 Prozent der deutschen Firmen sehen den Zoll-Deal als zu starke Belastung der europ\u00e4ischen Wirtschaft und bef\u00fcrworten eine harte Linie in weiteren Verhandlungen, wie eine Befragung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) ergab.<\/p>\n<p>Die EU zeigte sich in den Verhandlungen mit Trump bislang unterw\u00fcrfig. Sie sagte dem US-Pr\u00e4sidenten nicht nur Milliardeninvestitionen in den USA zu, sondern auch, die Zolls\u00e4tze f\u00fcr US-Industrieg\u00fcter auf null zu senken. Den Entwurf f\u00fcr eine entsprechende Verordnung pr\u00e4sentiert die Kommission bereits am heutigen Mittwoch. Trump gelang es also, die Europ\u00e4er \u00fcber den Tisch zu ziehen. Nur die USA profitieren von dem Deal.<\/p>\n<p>Weber: Zoll-Deal mit Trump f\u00fcr EU &#8222;schmerzlich&#8220;<\/p>\n<p>Die Einigung mit Trump sei f\u00fcr die EU zwar &#8222;schmerzlich&#8220;, aber &#8222;in der Sache richtig&#8220;, sagt dagegen Manfred Weber, Vorsitzender der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, in Berlin vor Journalisten. Im Grunde h\u00e4tten die Europ\u00e4er keine Wahl gehabt &#8211; aufgrund ihrer milit\u00e4rischen Unterlegenheit: &#8222;Weil Europa gegen\u00fcber Trump in Sachen Verteidigung die Abh\u00e4ngigkeiten gesp\u00fcrt hat, konnten wir bei den Handelsvertr\u00e4gen nicht stark genug auftreten und sagen: Wir sind gegen\u00fcber den USA ein gleichwertig starker wirtschaftlicher Player auf der Welt&#8220;. Trump sei der erste US-Pr\u00e4sident, der geopolitische und sicherheitspolitische Druckmittel nutze, um die Europ\u00e4er wirtschaftlich zu Zugest\u00e4ndnissen zu zwingen, sagt Weber.<\/p>\n<p>Als Wirtschaftsmacht muss sich die EU eigentlich kaum hinter den USA verstecken. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegen die USA mit 29,2 Billionen US-Dollar zwar an der Weltspitze &#8211; die EU folgt aber mit einem BIP von 19,4 Billionen US-Dollar schon auf dem zweiten Platz. Die Europ\u00e4er h\u00e4tten aus rein wirtschaftlicher Perspektive also genug Grund f\u00fcr Selbstbewusstsein. Ganz anders sieht es im sicherheitspolitischen Bereich aus. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs verl\u00e4sst sich der alte Kontinent auf den milit\u00e4rischen Schutzschirm der USA. Die nukleare Abschreckung, die F\u00fchrung von Gro\u00dfverb\u00e4nden, der schwere Lufttransport, die Satelliten-Aufkl\u00e4rung und die effektive \u00dcberwachung durch Nachrichtendienste &#8211; all das k\u00f6nnen die Europ\u00e4er ohne die USA milit\u00e4risch nicht leisten.<\/p>\n<p>Die EU trieb in den Zoll-Gespr\u00e4chen mit Trump also die gro\u00dfe Angst um: Was, wenn der US-Pr\u00e4sident die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine kappt &#8211; oder sogar den milit\u00e4rischen Schutzschirm \u00fcber Europa abzieht? Entsprechende Drohungen hatte Trump oft ausgesto\u00dfen. Auch seine N\u00e4he zum russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin, den er beim gemeinsamen Gipfel in Alaska zur\u00fcck auf die internationale B\u00fchne brachte, bereitet Br\u00fcssel Sorge. Deshalb sei es ein Erfolg, dass die EU in den Zollverhandlungen z\u00fcgig zu einer Einigung mit Trump gefunden habe, sagt Weber: &#8222;Man stelle sich vor, wir h\u00e4tten den Alaska-Gipfel zur Ukraine in einer Situation, in der wir \u00fcber den Sommer hinweg in einen veritablen Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten von Amerika gerutscht w\u00e4ren.&#8220; Bei Trump seien wirtschafts- und sicherheitspolitische Themen &#8222;nat\u00fcrlich verwoben&#8220;. Er h\u00e4tte also vermutlich keine Skrupel gehabt, die Europ\u00e4er milit\u00e4risch unter Druck zu setzen.<\/p>\n<p>EU plant Binnenmarkt f\u00fcr R\u00fcstungsg\u00fcter<\/p>\n<p>Um Trump die Stirn bieten zu k\u00f6nnen, m\u00fcsse Europa sich verteidigungspolitisch von den USA emanzipieren, vor allem in jenen Bereichen, in denen die Abh\u00e4ngigkeit besonders hoch ist, fordert Weber: &#8222;Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in Amerika Waffensysteme kaufen und dann der amerikanische Verteidigungsminister dar\u00fcber entscheidet, ob wir beim Einsatz dieser Waffen die notwendigen Satelliten-Daten bekommen oder nicht, so wie es die Ukraine derzeit leider Gottes erleben muss.&#8220;<\/p>\n<p>Die gute Nachricht: Erste Schritte hin zu einer gemeinsamen Verteidigung hat die EU bereits unternommen. Sie hat einen 150 Milliarden Euro schweren Verteidigungsfonds aufgesetzt f\u00fcr R\u00fcstungsprojekte, die mindestens zwei Mitgliedstaaten gemeinsam realisieren. Ziel ist die Schaffung eines Binnenmarkts f\u00fcr R\u00fcstungsg\u00fcter. Bislang kann die EU die Aufr\u00fcstung Europas nur wirtschaftlich unterst\u00fctzen &#8211; die Hoheit \u00fcber verteidigungspolitische Entscheidungen wollen die Mitgliedstaaten nicht aus der Hand geben.<\/p>\n<p>Doch Br\u00fcssel hat mit dem R\u00fcstungsbinnenmarkt genug zu tun. Allein die Vereinheitlichung der technischen Standards der verschiedenen europ\u00e4ischen R\u00fcstungsg\u00fcter ist eine Mammutaufgabe. Bislang gibt es weder eine gemeinsame Beschaffung noch eine einheitliche Produktion. Im Gegenteil: Die R\u00fcstungsfirmen der einzelnen Staaten konkurrieren untereinander. Die EU-Kommission plant deshalb, mehr Geld f\u00fcr die R\u00fcstung zur Verf\u00fcgung zu stellen. Das machte sie in ihrem Entwurf f\u00fcr den n\u00e4chsten mehrj\u00e4hrigen Finanzrahmen der EU (MEF) deutlich, der den EU-Haushalt f\u00fcr die Jahre zwischen 2028 und 2034 regelt. Innerhalb eines geplanten Wettbewerbsfonds sind in diesem Entwurf 131 Milliarden Euro f\u00fcr Verteidigung ausgewiesen.<\/p>\n<p>Auch China droht der EU<\/p>\n<p>\u00dcber den Vorschlag muss die Kommission noch mit dem Europ\u00e4ischen Parlament sowie dem Rat der Staats- und Regierungschefs verhandeln. F\u00fcr die EVP sei das Budget f\u00fcr die gemeinsame Verteidigung in den Verhandlungen \u00fcber den kommenden EU-Haushalt eine der obersten Priorit\u00e4ten, sagt Weber: &#8222;Wir werden viel Steuergeld sparen, wenn wir gemeinsame Beschaffung und gemeinsame Projekte angehen.&#8220; Wichtig sei vor allem der Aufbau einer eigenen effektiven Satelliten\u00fcberwachung, eines gemeinsamen Raketenabwehrsystems und einer Brigade f\u00fcr die Cybersicherheit. F\u00fcr die europ\u00e4ische Koordinierung der Verteidigung schl\u00e4gt Weber die Gr\u00fcndung eines Sicherheitsrates vor.<\/p>\n<p>M\u00f6gen die Pl\u00e4ne f\u00fcr die gemeinsame Verteidigung noch so ambitioniert sein &#8211; es wird viele Jahre dauern, bis die Europ\u00e4er sich v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von den USA machen k\u00f6nnen. An Trump wird die EU so schnell also nicht vorbeikommen. Auch Weber h\u00e4lt an einer Zusammenarbeit mit den USA fest &#8211; vor allem, wenn es um China geht. W\u00e4hrend die EU den Zollstreit mit Trump m\u00f6glichst rasch beendet hat, ist der Handelskrieg zwischen den USA und China noch in vollem Gange. Zuletzt hatte Trump mit Strafz\u00f6llen von bis zu 200 Prozent gedroht, falls Peking die Vereinigten Staaten nicht zuverl\u00e4ssig mit Magneten aus seltenen Erden beliefert. &#8222;Eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr Europa besteht darin, mit Amerika ins Gespr\u00e4ch zu kommen, einen gemeinsamen Weg zu finden, sich mit China zu besch\u00e4ftigen&#8220;, sagt Weber.<\/p>\n<p>So einfach wird das aber nicht. Zum einen ist China den Europ\u00e4ern ebenfalls milit\u00e4risch \u00fcberlegen &#8211; und unterst\u00fctzt Russlands Angriffskrieg in der Ukraine. Zum anderen sind nicht nur die Amerikaner, sondern auch die Europ\u00e4er auf die seltenen Erden aus China angewiesen f\u00fcr die Produktion technologischer Schl\u00fcsseltechnologien wie Windkraftanlagen, Energiesparlampen oder Elektroautos. Peking reduzierte im April bereits die Ausfuhr f\u00fcr sieben seltene Erden. Firmen in der EU bekommen gerade noch so viel, dass sie weiter herstellen k\u00f6nnen. Um \u00fcberhaupt beliefert zu werden, m\u00fcssen sie detaillierte Angaben \u00fcber die Produktion machen. Ganz offensichtlich hat China ebenso wenig Hemmungen wie Trump, die Europ\u00e4er f\u00fcr wirtschaftliche Zugest\u00e4ndnisse unter Druck zu setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wirtschaftsverb\u00e4nde schlagen Alarm: Trumps Z\u00f6lle drohen die Produktion mancher Branchen in Europa zu ersticken. 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