{"id":377752,"date":"2025-08-27T18:24:10","date_gmt":"2025-08-27T18:24:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/377752\/"},"modified":"2025-08-27T18:24:10","modified_gmt":"2025-08-27T18:24:10","slug":"klimawandel-fuehrt-zu-mehr-superzellen-gewittern-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/377752\/","title":{"rendered":"Klimawandel f\u00fchrt zu mehr \u00abSuperzellen-Gewittern\u00bb in Europa"},"content":{"rendered":"<p>Superzellen-Gewitter z\u00e4hlen zu den gef\u00e4hrlichsten Wetterph\u00e4nomenen Europas. Diese besonders intensiven Gewitterzellen treten meistens im Sommer auf. Sie zeichnen sich durch einen rotierenden Aufwind, also aufsteigende, warme, feuchte Luft aus und bringen heftige Windb\u00f6en, grossen Hagel, und starke Regenf\u00e4lle mit sich. Superzellen-Gewitter f\u00fchren regelm\u00e4ssig zu erheblichen Sachsch\u00e4den, Ernteverlusten, Verkehrsproblemen und zu Verletzungen oder sogar Todesf\u00e4llen.<\/p>\n<p>Einem Team von Forschenden vom Geographischen Institut, dem Oeschger-Zentrum f\u00fcr Klimaforschung und dem Mobiliar Lab f\u00fcr Naturrisiken an der Universit\u00e4t Bern sowie dem Institut f\u00fcr Atmosph\u00e4ren- und Klimawissenschaften der ETH Z\u00fcrich ist es nun gelungen, die H\u00e4ufigkeit dieser St\u00fcrme in Europa so detailliert zu simulieren wie noch nie. Die Forschenden erstellten dazu eine hochaufl\u00f6sende digitale Sturmkarte, die einzelne Gewitterzellen viel pr\u00e4ziser darstellen kann als bisher m\u00f6glich. Anhand dieser Karte untersuchte das Forschungsteam auch, wie sich der Klimawandel auf die H\u00e4ufigkeit von Superzellen-Gewittern auswirken wird. Die Ergebnisse der k\u00fcrzlich in der Fachzeitschrift Sciences Advances ver\u00f6ffentlichten Studie zeigen: Der Alpenraum und Teile Zentral- und Osteuropas m\u00fcssen sich auf deutlich h\u00e4ufigere St\u00fcrme einstellen \u2013 insbesondere auf der Alpennordseite k\u00f6nnten Superzellen-Gewitter um bis zu 50 Prozent zunehmen. Dies bei einem Erw\u00e4rmungsszenario von 3 Grad Celsius gegen\u00fcber dem vorindustriellen Mittel.<\/p>\n<p>Gute \u00dcbereinstimmung zwischen Beobachtungen und Simulation<\/p>\n<p>Superzellen-Gewitter werden in Europa via Wetterradar \u00fcberwacht. Doch die einzelnen Radarnetzwerke der europ\u00e4ischen L\u00e4nder sind unterschiedlich ausgebaut und arbeiten oft nicht zusammen. \u00abDas macht eine l\u00e4nder\u00fcbergreifende, fl\u00e4chendeckende Erfassung und Analyse schwierig\u00bb, sagt die korrespondierende Autorin Monika Feldmann vom Mobiliar Lab f\u00fcr Naturrisiken und vom Oeschger-Zentrum f\u00fcr Klimaforschung an der Universit\u00e4t Bern. Die Forschenden griffen deshalb erstmals auf ein neuartiges Klimamodell zur\u00fcck, das Entstehung und den Verlauf eines Superzellen-Gewitters mit einer Genauigkeit von 2.2 Kilometern simuliert. Die Simulation entstand im Rahmen des scClim-Projekts (siehe Kasten auf Seite 3).<\/p>\n<p>Die Forschenden erstellten eine \u00fcber elf Jahre laufende Simulation von Superzellen-Gewittern. Diese glichen sie mit den Daten der tats\u00e4chlich aufgetretenen St\u00fcrme zwischen 2016 und 2021 ab. \u00abDie Simulation stimmt gut mit der Realit\u00e4t \u00fcberein, zeigt jedoch etwas weniger Gewitter an als tats\u00e4chlich registriert\u00bb, so Feldmann. Dies sei aber zu erwarten, erkl\u00e4rt sie: \u00abDas Modell kann nur Superzellen-Gewitter darstellen, die eine Ausdehnung von mehr als 2.2 Kilometern aufweisen und l\u00e4nger dauern als eine Stunde. Manche St\u00fcrme sind aber kleiner und dauern weniger lang.\u00bb<\/p>\n<p>Alpenraum bleibt \u00abGewitter-Hotspot\u00bb<\/p>\n<p>Insbesondere zeigt die Simulation einen \u00abHotspot\u00bb f\u00fcr Superzellen-Gewitter \u00fcber den Alpen, wie Feldmann erg\u00e4nzt. Diese H\u00e4ufung entspricht den Beobachtungen, mit rund 38 simulierten Superzellen-Gewittern pro Saison am Alpennord- und 61 am Alpens\u00fcdhang. Bei einer Erderw\u00e4rmung von 3 Grad Celsius gegen\u00fcber dem langj\u00e4hrigen Mittel werden sie sich auch weiterhin im Alpenraum ballen. An der Alpennordseite sind demnach bis zu 52 Prozent mehr St\u00fcrme zu erwarten; s\u00fcdlich der Alpen um bis zu 36 Prozent. Demgegen\u00fcber nimmt die H\u00e4ufigkeit auf der Iberischen Halbinsel und im S\u00fcdwesten Frankreichs gem\u00e4ss Simulation ab. Insgesamt sind jedoch auf dem ganzen europ\u00e4ischen Kontinent 11 Prozent mehr Superzellen-Gewitter zu erwarten. \u00abDiese regionalen Unterschiede machen deutlich, wie unterschiedlich sich der Klimawandel in Europa auswirken kann\u00bb, erl\u00e4utert Monika Feldmann.<\/p>\n<p>Einige wenige Gewitter verursachen die meisten Sch\u00e4den<\/p>\n<p>Das Projekt tr\u00e4gt dazu bei, Superzellen-Gewitter genauer vorhersagen zu k\u00f6nnen. Obwohl sie nur einen Bruchteil aller Gewitter ausmachen, geht von ihnen ein Grossteil der Gewittergefahren aus. Sie sind zudem ein wichtiger Treiber finanzieller Gewittersch\u00e4den. \u00abDas zeigt, wie wichtig es ist, Superzellen-Gewitter systematisch in Wetterrisikobewertungen und Katastrophenschutzstrategien einzubeziehen\u00bb, betont Monika Feldmann. Die Zunahme von Superzellen-Gewittern stellt die Gesellschaft vor wachsende Herausforderungen, weil die potenziellen Sch\u00e4den an Infrastruktur, Landwirtschaft und privatem Eigentum steigen, wie sie sagt. Zudem sei auch die Bev\u00f6lkerung st\u00e4rker gef\u00e4hrdet. \u00abJe besser wir verstehen, unter welchen Umst\u00e4nden diese St\u00fcrme entstehen, desto besser k\u00f6nnen wir uns dagegen wappnen.\u00bb<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n\t&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>&#13;<br \/>\n\t\t\tAngaben zur Publikation:&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Monika Feldmann, Michael Blanc, Killian P. Brennan, Iris Thurnherr, Patricio Velasquez, Olivia Martius, Christoph Sch\u00e4r. 2025. European supercell thunderstorms \u2013 A prevalent current threat and an increasing future hazard.\u00a0Science Advances.<br \/>&#13;<br \/>\n\t\t\tDOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1126\/sciadv.adx0513\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">10.1126\/sciadv.adx0513<\/a><\/p>\n<p>&#13;\n\t\t\t<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n\t\t<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>&#13;<br \/>\n\t\t\tOeschger-Zentrum fu\u0308r Klimaforschung&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Das Oeschger-Zentrum fu\u0308r Klimaforschung (OCCR) ist eines der strategischen Zentren der Universita\u0308t Bern. Es bringt Forscherinnen und Forscher aus 14 Instituten und vier Fakulta\u0308ten zusammen. Das OCCR forscht interdisziplina\u0308r an vorderster Front der Klimawissenschaften. Das Oeschger-Zentrum wurde 2007 gegru\u0308ndet und tra\u0308gt den Namen von Hans Oeschger (1927-1998), einem Pionier der modernen Klimaforschung, der in Bern ta\u0308tig war.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.oeschger.unibe.ch\/index_ger.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">oeschger.unibe.ch<\/a><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n\t\t<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>&#13;<br \/>\n\t\t\tMobiliar Lab f\u00fcr Naturrisiken an der Universit\u00e4t Bern&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Das Mobiliar Lab f\u00fcr Naturrisiken ist eine gemeinsame Forschungsinitiative des Oeschger-Zentrums f\u00fcr Klimaforschung der Universit\u00e4t Bern und der Mobiliar. Untersucht werden in erster Linie die an Hagel, Hochwasser und Sturm beteiligten Prozesse und die Sch\u00e4den, die daraus entstehen. Das Mobiliar Lab arbeitet an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis und strebt Resultate mit hohem Nutzen f\u00fcr die Allgemeinheit an. Die Unterst\u00fctzung durch die Mobiliar ist Teil des Gesellschaftsengagements der Mobiliar Genossenschaft.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n\t\t\t<a href=\"http:\/\/www.mobiliarlab.unibe.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mobiliarlab.unibe.ch<\/a><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n\t\t<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>&#13;<br \/>\n\t\t\tDas scClim-Projekt&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Hagelschl\u00e4ge geh\u00f6ren in Mitteleuropa zu den gr\u00f6ssten wetterbedingten Schadenstreibern f\u00fcr landwirtschaftliche Kulturen und Infrastruktur. Forschende entwickeln daher im Rahmen des scClim-Projekts (Seamless coupling of kilometer-resolution weather predictions and climate simulations with hail impact assessments for multiple sectors) Modelle, um Gewitter und Hagelschlag in der Schweiz heute und unter k\u00fcnftigen Klimabedingungen zu simulieren. Das interdisziplin\u00e4re Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds SNF finanziert. Es ist in f\u00fcnf Teilprojekte gegliedert, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der ETH Z\u00fcrich, der Universit\u00e4t Bern und von Agroscope geleitet werden. Zudem bezieht es die Expertise von MeteoSchweiz und Partnern aus der Industrie mit ein.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/scclim.ethz.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">scclim.ethz.ch<\/a><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n\t\t<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n\t&#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Superzellen-Gewitter z\u00e4hlen zu den gef\u00e4hrlichsten Wetterph\u00e4nomenen Europas. Diese besonders intensiven Gewitterzellen treten meistens im Sommer auf. 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