{"id":378232,"date":"2025-08-27T22:53:13","date_gmt":"2025-08-27T22:53:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/378232\/"},"modified":"2025-08-27T22:53:13","modified_gmt":"2025-08-27T22:53:13","slug":"was-kann-eine-neue-maennlichkeit-sein-choices","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/378232\/","title":{"rendered":"\u201eWas kann eine neue M\u00e4nnlichkeit sein?\u201c | choices"},"content":{"rendered":"\n<p>\t\t<img decoding=\"async\" alt=\"\" style=\"width: 500px; max-width: 100%;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/upload\/images\/ch-premiere-0925-678.jpg&#038;width=500.JPEG\"\/><\/p>\n<p>Nicola Schubert in der K\u00f6lner Altstadt<\/p>\n<p>Foto: Thomas Dahl<\/p>\n<p>28. August 2025<\/p>\n<p>Nicola Schubert \u00fcber ihr St\u00fcck \u201eTo #allmen\u201c an Gro\u00df St. Martin \u2013 Premiere 09\/25<\/p>\n<p>Zur Spielzeiter\u00f6ffnung zeigt die Studiob\u00fchne eine Audiowalk-Performance \u00fcber Femizide und h\u00e4usliche Gewalt. Ein Gespr\u00e4ch mit der Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Nicola Schubert, drei Wochen vor der Premiere.<\/p>\n<p><strong>choices:<\/strong> <strong>Frau Schubert, an alle M\u00e4nner oder nicht alle M\u00e4nner? Wie beantworten Sie die Frage?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nicola Schubert:<\/strong> Ich kann das nicht beantworten. Die Frage ist auch, was eine neue M\u00e4nnlichkeit sein kann. Global gesehen geht es momentan zur\u00fcck zu einem Bild m\u00e4nnlicher Vormachtstellung, wenn man sich Despoten wie Putin oder Trump anschaut. Gleichzeitig werden queere und weibliche Identitfikationsmodelle klein gemacht. Es ist Zeit, dass Cis-M\u00e4nner anfangen, sich mit ihrer M\u00e4nnlichkeit auseinanderzusetzen, miteinander zu reden, und aufh\u00f6ren, sich dar\u00fcber zu beschweren, dass sie nicht alle so seien.<\/p>\n<p>\nZur Person<br \/>\nNicola Schubert<br \/>\nist Schauspielerin, Regisseurin und Autorin. Zuletzt zeigte sie mit \u201eArrest\u201c in K\u00f6ln und Dortmund eine Arbeit \u00fcber Frauen im Nationalsozialismus. Derzeit spielt sie am Freien Werkstatt Theater K\u00f6ln in \u201eLiebe \u2013 eine argumentative \u00dcbung\u201c, das 2022 f\u00fcr den K\u00f6lner Theaterpreis nominiert war.<\/p>\n<p><strong>Wie hoch kalkulieren Sie den M\u00e4nneranteil im Publikum des neuen St\u00fccks?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir, dass m\u00f6glichst viele kommen. Ich mach mir keine Illusionen, dass auch bei diesem Projekt der Frauenanteil h\u00f6her ist.<\/p>\n<p><strong>Wie realistisch ist es, die selbstgek\u00fcrten Herrscher, feigen Schl\u00e4ger, Vergewaltiger und M\u00f6rder zu erreichen?<\/strong><\/p>\n<p>Dass die auftauchen, glaube ich nicht. Aber ich denke, dass alle M\u00e4nner die Chance haben, solche Themen im eigenen Umfeld einzubringen und etwas zu ver\u00e4ndern. So, wie wir alle im t\u00e4glichen Kontakt etwas f\u00fcr Demokratie tun k\u00f6nnen. Fans von Maximilian Krah werden vermutlich nicht kommen. Falls doch, muss man schauen, wie sich das verh\u00e4lt. Vermutlich sind die Zuschauer:innen, die den Weg finden, offen f\u00fcr die Problematik. \u201e#allmen\u201c ist eine Einladung, ins Gespr\u00e4ch zu kommen, verspricht aber keine Antworten auf die komplexen Fragen.<\/p>\n<p><strong>Das St\u00fcck ist eine Audio-Performance, deren Handlung die Zuschauer:innen \u00fcber Kopfh\u00f6rer folgen. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mit den Kopfh\u00f6rern eine gewisse Intimit\u00e4t im offenen Raum schaffen, die gleichzeitig auch ein Schutzraum ist, weil nicht jeder mith\u00f6ren kann.<\/p>\n<p><strong>Sie spielen in der Inszenierung auch die Hauptrolle. Wie haben Sie sich auf die Darstellung vorbereitet?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind noch mitten in den Proben. Ich arbeite eng mit meiner Szeneografin Clara Kulemeyer zusammen. Man ist immer auf ein Feedback von au\u00dfen angewiesen. Bei fr\u00fcheren St\u00fccken wurden Szenen auch mit Video aufgenommen, damit ich sie mir sp\u00e4ter anschauen konnte. Mir waren beim Schreiben schnell einige Bilder f\u00fcr die Inszenierung klar, aber da m\u00f6chte ich nicht zu viel verraten.<\/p>\n<p><strong>Sie zitieren in der Ank\u00fcndigung eine Leuchtgestalt des Feminismus, Simone de Beauvoir. Beobachten Sie auch mehr M\u00e4nner, die ihre Stimme gegen Diskriminierung, verbale und k\u00f6rperliche Gewalt erheben?<\/strong><\/p>\n<p>Mein Algorithmus hat sich im Zuge des Projekts bei den Sucheingaben im Netz ein wenig angepasst. Ich bekomme immer mehr m\u00e4nnliche Influencer zugespielt. Auf jeden Fall gibt es diese M\u00e4nner. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer will jetzt aber kein Gendern in seinem Ministerium und legt allen Institutionen nahe, die eine \u00f6ffentliche F\u00f6rderung erhalten, dies auch zu unterlassen. Die Frage ist: Wer ruft da den Kulturkampf gegen wen aus und wer redet ihn herbei? Wir werden sehen, wie sich die queerfeministische F\u00fcrsprache von cis-m\u00e4nnlicher Seite im Zuge dieses offensichtlichen Rechtsrucks der Konservativen entwickelt.<\/p>\n<p><strong>Die Unterdr\u00fcckung und Stigmatisierung von Frauen zieht sich durch die Geschichte. Was sind die Brandbeschleuniger, die heute den Hass auf Frauen entfachen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, es gibt ein kollektives Gef\u00fchl von m\u00e4nnlichem Kontrollverlust. Es w\u00e4re viel zu einfach, zu sagen, der Feminismus sei daran schuld, und ich halte es auch schlicht f\u00fcr falsch. Ich denke, dass die \u00f6konomischen und strukturellen Verh\u00e4ltnisse etwas damit zu tun haben. Wenn es Leuten schlechter geht, treten sie nach unten. Das sieht man daran, wie \u00fcber B\u00fcrgergeldempf\u00e4nger:innen, Migrant:innen, Frauen und Queere gesprochen wird. Zudem ist es durch die hohen Lebenshaltungskosten auch schwieriger f\u00fcr Frauen geworden, aus gewaltt\u00e4tigen Beziehungen auszubrechen, wenn eigene Wohnungen nicht mehr bezahlbar sind. Gerade Frauen mit Kindern haben es da schwer. Wie soll man als alleinerziehende Mutter ein Leben f\u00fchren, das nicht in die Armut rutscht? All dies sind Verkettungen von Umst\u00e4nden, die die Situation beeinflussen.<\/p>\n<p><strong>Wie gro\u00df ist die Mitschuld selbst seri\u00f6ser Medien an den t\u00e4glichen Trag\u00f6dien?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Wir haben im St\u00fcck einen Exkurs eingebaut. 1991 wurde in einem Geb\u00fcsch in der Innenstadt die Leiche von Angelika Beyer gefunden. Sie war vergewaltigt und ermordet worden und lag zwei Tage dort. Die Boulevardmedien haben intensiv dar\u00fcber berichtet. Das ging dann bald in die Richtung \u201eVictim blaming\u201c (T\u00e4ter-Opfer-Umkehr, d. Red.). Ich glaube, so etwas gibt es in der Form nicht mehr in den Tageszeitungen. Heute bieten die sozialen Medien da wesentlich mehr Raum f\u00fcr frauenfeindliche Sichtweisen oder die Verherrlichung von Gewalt.<\/p>\n<p><strong>Welche politischen Ma\u00dfnahmen fordern Sie zum verst\u00e4rkten Schutz von Frauen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich schlie\u00dfe mich den Forderungen aller Frauenh\u00e4user zum massiven Ausbau der dortigen Pl\u00e4tze an. Es fehlen tausende davon. In Gro\u00dfbritannien sollen Misogynie (Frauenhass, d. Red.) und toxische M\u00e4nnlichkeit Teil des Schulunterrichts werden. Eine der nachhaltigsten Strategien liegt in der Pr\u00e4vention. Ich glaube, es dauert gerade mal acht Minuten, bis der Algorithmus dich im Netz nach der Identifikation als junger m\u00e4nnlicher User mit Inhalten der sogenannten \u201eManosphere\u201c \u00fcberschwemmt, die sich in Verlautbarungen von Andrew Tate (antifeministischer Influencer, d. Red.) und Co. offenbaren. Man muss bei der Bildung ansetzen, damit wir nicht in 15 Jahren eine Quote von 70 Prozent an M\u00e4nnern haben, die ein geschlossen frauenfeindliches Weltbild haben. Das gleiche gilt f\u00fcr die T\u00e4terarbeit. Da gibt es viel Bedarf.<\/p>\n<p><strong>Sind Ihnen andere Gesellschaftsmodelle bekannt, von denen man lernen kann?<\/strong><\/p>\n<p>In Spanien gibt es den Femizid als Straftatbestand im Strafgesetzbuch. Im deutschen juristischen System gibt es mitunter sehr viele Vorbehalte und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Eifersucht als Motiv bei gewaltt\u00e4tigen M\u00e4nnern. Es wird zum Teil auch nach der \u201eMitschuld\u201c von Frauen gefragt \u2013 als ob es die g\u00e4be. Tatsache ist, dass die Zahlen steigen. Das ist durch den Lagebericht H\u00e4usliche Gewalt seit einigen Jahren in der Politik angekommen, aber es muss auch etwas passieren und darf sich nicht in Lippenbekenntnissen ersch\u00f6pfen.<\/p>\n<p><strong>Wie hoch sind die b\u00fcrokratischen H\u00fcrden f\u00fcr eine Inszenierung im \u00f6ffentlichen Raum der Stadt K\u00f6ln?<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal war die F\u00f6rdersituation nicht einfach. Ich habe lange um die Finanzierung des Projekts gek\u00e4mpft. Ich habe einen sehr angenehmen Kontakt zum Ordnungsamt, das im Sommer immer eine F\u00fclle von Antr\u00e4gen bearbeiten muss. Ich kenne es aus anderen St\u00e4dten dennoch viel einfacher. Zum Vergleich: Mein erster Kontakt zum Ordnungsamt K\u00f6ln war im Mai dieses Jahres. In Hagen und Dortmund hat es dagegen in Bezug auf die Wiederaufnahme eines fr\u00fcheren St\u00fccks gerade mal drei Tage gedauert. In Dortmund fiel das unter Kunst im \u00f6ffentlichen Raum und konnte sofort angemeldet werden. Die Best\u00e4tigung daf\u00fcr folgte prompt. Urspr\u00fcnglich wollte ich auf dem Alter Markt spielen. Das darf ich nicht. Dort sind meines Wissens nach nur der Weihnachtsmarkt und Karneval erlaubt. Ich finde das einschr\u00e4nkend, weil der \u00f6ffentliche Raum allen geh\u00f6ren sollte.<\/p>\n<p><strong>Der Spielort rund um die Kirche Gro\u00df St. Martin versinnbildlicht das Patriarchat des christlichen Abendlandes. Stand auch die Hohe Domkirche St. Petrus alias K\u00f6lner Dom zur Debatte?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Ich wollte die N\u00e4he zum Rathaus, daher der Alter Markt. Es stimmt nat\u00fcrlich, dass die Kirche in puncto Hexenverfolgung mitverantwortlich f\u00fcr den Tod von Frauen war, aber auch die damalige Politik. Am Alten K\u00f6lner Rathausturm gibt es ja auch die Figur von Katharina Henot, die als Hexe verbrannt worden ist.<\/p>\n<p>To #allmen | 3. (P), 4., 5.9. je 19 Uhr, 6.9. 17 + 19 Uhr, 7.9. 18 Uhr | an Gro\u00df St. Martin | 0221 470 51 50<\/p>\n<p>Interview: Thomas Dahl<\/p>\n<p>\u2764 Jetzt unterst\u00fctzen<\/p>\n<p style=\"padding: 0; margin: 0; hyphens: none; -webkit-hyphens: none; -moz-hyphens: none;\"><b>Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?<\/b><br \/>Als unabh\u00e4ngiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterst\u00fctzung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren <b>verantwortlichen Journalismus<\/b> finanziell (einmalig oder monatlich)  unterst\u00fctzen m\u00f6chten, klicken Sie bitte hier.<\/p>\n<p>\t\t<a href=\"#\" class=\"closebox\" onclick=\"return toggle_notification();\"\/><\/p>\n<p>Ihre E-Mail-Adresse:<\/p>\n<p>E-Mail-Adresse des Empf\u00e4ngers (mehrere durch Komma trennen):<\/p>\n<p><b>\u201eWas kann eine neue M\u00e4nnlichkeit sein?\u201c | choices &#8211; Kultur. Kino. K\u00f6ln.<\/b><\/p>\n<p>Zur Spielzeiter\u00f6ffnung zeigt die Studiob\u00fchne eine Audiowalk-Performance \u00fcber Femizide und h\u00e4usliche Gewalt. Premiere am 3. September.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliche Nachricht (optional):<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p class=\"small\">Klicken Sie auf den untenstehenden Button und wir versenden im Namen der angegebenen Absenderadresse einen Hinweis auf diesen Artikel an die angegebene Empf\u00e4ngeradresse(n).<br \/>\n\t\tIhre aktuelle IP Adresse speichern wir, um einen m\u00f6glichen Missbrauch dieses Dienstes nachvollziehen zu k\u00f6nnen. Alle Daten in Zusammenhang mit dieser Nachricht werden nach 4 Wochen gel\u00f6scht.\n<\/p>\n<p>Weitersagen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nicola Schubert in der K\u00f6lner Altstadt Foto: Thomas Dahl 28. 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