{"id":378553,"date":"2025-08-28T01:48:19","date_gmt":"2025-08-28T01:48:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/378553\/"},"modified":"2025-08-28T01:48:19","modified_gmt":"2025-08-28T01:48:19","slug":"lesen-unsere-buchempfehlungen-im-september-in-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/378553\/","title":{"rendered":"Lesen! Unsere Buchempfehlungen im September &#8211; IN M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p>        27.08.2025<br \/>\n      |<\/p>\n<p>        IN M\u00fcnchen Redaktion\n    <\/p>\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Neue B\u00fccher von Yuko Kuhn, Marco Wanda, Rachel Kushner, Rick Zabel und Paul Ruban<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"Onigiri_Buchcover_RZ02.indd - IN M\u00fcnchen - Das Stadtmagazin\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/w=620.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-702626 size-full\"  \/><\/p>\n<p><strong>Yuko Kuhn \u2013 Onigiri<\/strong> (Hanser Berlin)<\/p>\n<p>Wie verkn\u00fcpft man die losen F\u00e4den der eigenen Herkunft? Wie lebt es sich zwischen zwei Kulturen? Und wie findet man das Gl\u00fcck, wenn die eigene Familie zu verkorkst ist und als Vorbild nicht viel hergibt? \u00bbOnigiri\u00ab, das Deb\u00fct der M\u00fcnchner Autorin Yuko Kuhn, setzt in feinen Miniaturen aus Erinnerungsfetzen, inneren Monologen, alten Briefen und Alltagsepisoden die ganz besondere Geschichte einer deutsch-japanischen Familie zusammen. Aki begleitet ihre demenzkranke Mutter Keiko nach dem Tod der geliebten Gro\u00dfmutter noch einmal zu ihrer Familie nach Japan. Die Reise er\u00f6ffnet ihr einen neuen Blick auf die verschlossene Mutter, deren Distanziertheit Aki seit ihrer Kindheit zu \u00fcberbr\u00fccken versucht. Auch die Beziehung zum deutschen Vater, der die Familie fr\u00fch verlie\u00df, bleibt schwierig: Zu ihm und seiner privilegierten Familie findet Aki kaum Zugang, macht sie sie doch mitverantwortlich f\u00fcr die Traurigkeit der Mutter, die trotz allem in Deutschland blieb. Zwischen diesen Polen sucht Aki ihren Platz. Onigiri, die titelgebenden japanischen Reisdreiecke, symbolisieren ihre Suche nach Liebe und Geborgenheit. Die gemeinsame Reise nach Japan, die als riskante Unternehmung beginnt, wird zu einer vorsichtigen Ann\u00e4herung zwischen Mutter und Tochter. \u00bbIch frage mich, ob sich aus all den Puzzleteilen, die sie entdeckt, zumindest f\u00fcr einen Moment eine Erinnerung zusammensetzt\u2026\u00ab \u2013 dieser Satz beschreibt nicht nur Keikos Demenz, sondern auch die Fragilit\u00e4t von Erinnerung und Erz\u00e4hlen. Das gro\u00dfe Kunstst\u00fcck der Autorin ist es, dass all die Episoden einer versehrten Familie nie schwer werden, ihr Blick immer liebevoll und voll zartem Humor ist. Yuko Kuhn ist mit ihrer unaufgeregten, pr\u00e4zisen und doch poetischen Sprache ein kleines Meisterwerk gelungen.\u00a0(Yuko Kuhn stellt ihr Deb\u00fct im Gespr\u00e4ch Doris D\u00f6rrie am 16.9. im Literaturhaus vor.)<\/p>\n<p>Alke M\u00fcller-Wendlandt<\/p>\n<p><strong>Marco Wanda \u2013 Dass es uns \u00fcberhaupt gegeben hat <\/strong>(Zsolnay)<\/p>\n<p>Ein Rock\u2019n\u2019Roll-M\u00e4rchen, das sich Seite f\u00fcr Seite in einen Albtraum verwandelt und doch am Schluss mit sich selbst ins Reine kommt \u2013 so k\u00f6nnte man diese Lebensbeichte des \u00f6sterreichischen Beisl-Dandys Marco Wanda in einem Satz beschreiben. Der als Michael Marco Fitzthum 1987 in Wien geborene S\u00e4nger seiner nach der Zuh\u00e4lterin Wanda Kuchwalek benannten Band h\u00e4lt hier eine grausam ehrliche Nabelschau, die den John-Lennon-Fan auf den exzessiven, alkohol- und drogengespickten Spuren von Jim Morrison oder Amy Winehouse wandeln l\u00e4sst. Er erinnert an die Anfangstage der Band und seine ersten Versuche als Songwriter; schildert eindrucksvoll in der rauschhaften Tradition der Beatliteratur seine Erlebnisse in Kairo w\u00e4hrend des Arabischen Fr\u00fchlings, sp\u00e4ter in Paris und in New York. \u201eIn einer gewissen Tradition stehend hat das Poetische in \u00f6sterreichischen Songtexten einen gr\u00f6\u00dferen Stellenwert als in Deutschland\u201c, so Wanda. Er r\u00fcckt damit zwar haupts\u00e4chlich von ihm verehrte Kollegen wie Nino Mandl aka Der Nino aus Wien und David \u00d6llerer aka Voodoo J\u00fcrgens ins verdiente Licht, \u00fcberhaupt erf\u00e4hrt der Leser so einiges \u00fcber die \u201eNeue \u00d6sterreichische Welle\u201c, stellt aber nat\u00fcrlich die eigene Strahlkraft \u2013 trotz aller schnapsgetr\u00e4nkten Selbstzweifel \u2013 auch nicht unter den Scheffel der Wiener Subkultur-Boheme. Auch das leicht Narzisstische ist schonungslos ehrlich an dieser Lebensabschnitts-Autobiografie \u2013 himmelhochjauchzend und zu Tode betr\u00fcbt erz\u00e4hlt Wanda von Erfolg, Rausch und Sucht; s\u00e4uft, raucht und doped sich fast zu Tode, um am Schluss zu erfahren, dass der Verlust seines Freundes und Keyboarders Christian Hummer vor zwei Jahren auch fast f\u00fcr das Ende des kometenhaften Aufstiegs dieser au\u00dfergew\u00f6hnlichen Bande von Freunden aus Wien gesorgt h\u00e4tte. Aber noch einmal gut gegangen \u2013 der letzte Satz vor einem Heimspiel vor 100.000 Leuten auf dem Donauinselfest lautet: \u201eEs hat noch gar nicht angefangen, da wollte ich bereits, dass es nicht mehr aufh\u00f6rt.\u201c Absolut lesenswert, nicht nur f\u00fcr Musikmenschen.<\/p>\n<p>Rainer Germann<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"dass-es-uns-ueberhaupt-gegeben-hat-gebundene-ausgabe-marco-wanda - IN M\u00fcnchen - Das Stadtmagazin\" decoding=\"async\" width=\"368\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/w=368.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-702627 size-full\"  \/><\/p>\n<p><img title=\"BUCH 09 petraschka_ Rachel Kushner_See der Scho\u0308pfung - IN M\u00fcnchen - Das Stadtmagazin\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"625\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/w=625.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-702628 size-full\"  \/><\/p>\n<p><strong>Rachel Kushner \u2013 See der Sch\u00f6pfung <\/strong>(Rowohlt)<strong> <\/strong><\/p>\n<p>Was w\u00e4re, wenn der vertr\u00e4umte Neandertaler \u00fcberlebt h\u00e4tte, nicht \u201aBruder\u2018 Homo sapiens, der in zerst\u00f6rerischer Gier aus der Erde rausholt, was geht. Wenn die Menschheit die falsche Abzweigung genommen hat, wie steigt sie aus dem \u201eWagen, der auf die Ausl\u00f6schung zurast\u201c, wieder aus? Bruno Lacombe, Vordenker der \u00d6kokommune \u201eLe Moulin\u201c, der als Eremit in einer Steinzeith\u00f6hle in der Guyenne haust, beschw\u00f6rt seine Anh\u00e4nger in esoterischen E-Mails, \u201edie Welt zu verlassen\u201c. Nichtsahnend, dass eine abgebr\u00fchte amerikanische Spionin \u201amitliest\u2018. Sadie Smith wurde von unbekannten M\u00e4chten engagiert, gegen die Moulinarden zu ermitteln. Sie stehen im Verdacht, Agrarkonzerne zu sabotieren, die in Megabassins Grundwasser absch\u00f6pfen. Das attraktive Busenwunder schafft sich Zugang zur Gemeinschaft. Doch bald wird die Verf\u00fchrerin zur Verf\u00fchrten. Mit ihrem aktuellen Roman \u201eSee der Sch\u00f6pfung\u201c \u00fcbertrifft US-Starautorin Rachel Kushner sich selbst an Fabulierfreude, anarchischem Witz und raffinierter Erz\u00e4hltechnik. Was nicht zuletzt am herrlich desillusionierten Blick ihrer Ich-Erz\u00e4hlerin liegt, der die Widerspr\u00fcche im Leben der Kommunarden entlarvt: Deren F\u00fchrung (\u201enette Jungs aus netten Pariser Familien\u201c) setzt auf die alte Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau und rivalisiert miteinander, wer der beste Aktivist ist. Job erledigt, braust Sadie mit ihrem neuen Mercedes davon. Sie allein hat Brunos Botschaft richtig verstanden \u2013 und steigt aus.\u00a0<\/p>\n<p>Eveline Petraschka<\/p>\n<p><strong>Rick Zabel \u2013<\/strong> <strong>On The Road<\/strong> (Kiepenheuer &amp; Witsch)<\/p>\n<p>Als Steppke staunt Rick Zabel, als Vater Erik als punktbester Fahrer bei der Tour de France auf dem Podest steht, mit Marcel Kittel und Andr\u00e9 Geipel tritt er f\u00fcr den gleichen Rennstall in die Pedale und umrundet als Radprofi elfmal die Welt. Im Memoir \u201eOn The Road\u201c erz\u00e4hlt Zabel junior von seiner Liebe zum Radsport: von K\u00f6nigsetappen, Belgischen Kreiseln und seiner Lieblingstour Paris-Roubaix, der \u201eH\u00f6lle des Nordens\u201c. Auch Schattenseiten des Radsports werden thematisiert: Dopingkontrollen, l\u00e4dierte Hintern oder ein doppelter B\u00e4nderriss, mit dem sich Zabel durch die Tour de France qu\u00e4lt. Die 21 Etappen des Buchs sind voller Anekdoten und Emotionen, der Rad-Junkie spricht \u00fcber Spitzengeh\u00e4lter im Rennzirkus, zwei Dopingbeichten seines Vaters Erik \u2013 w\u00e4hrend der Filius \u201eclean\u201c bleibt \u2013 sowie k\u00f6rperlichen und mentalen Druck. Zabels Karriere ist ein Auf und Ab: Mit 13 Jahren geht er ins Internat nach Erfurt, lebt zwischenzeitlich wieder bei den Eltern in Kesseb\u00fcren, zofft sich mit Vater Erik \u00fcber Trainingspl\u00e4ne und Siegermentalit\u00e4t, 2017 geh\u00f6rt er zur Weltspitze, um ein Jahr sp\u00e4ter dem Peloton hinterher zu fahren und 2024 mit 30 Jahren die Profikarriere zu beenden. Als Experte und Bike-Influencer bleibt er dem Radsport treu: f\u00fcr die ARD kommentiert er die Tour de France oder spricht mit Jan Ullrich im Podcast \u201eUlle und Rick\u201c \u00fcber Radsporttrends. Zabels Buch ist eine spannende und mitrei\u00dfende Hymne auf den Radsport.<\/p>\n<p>Wolfgang Scheidt<\/p>\n<p><img title=\"BUCH 09 scheidt_Rick Zabel_On The Road - IN M\u00fcnchen - Das Stadtmagazin\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"635\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/w=635.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-702632 size-full\"  \/><\/p>\n<p><img title=\"BUCH 09 sommer_Paul_Ruban_Der_Duft_des_Wals - IN M\u00fcnchen - Das Stadtmagazin\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"590\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/w=590.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-702633 size-full\"  \/><\/p>\n<p><strong>Paul Ruban- <\/strong>Der Duft des Wals (Aufbau)<strong> <\/strong><\/p>\n<p>So traurig die Tatsache ist: Vielleicht ist es gut, dass der Hochsommer und damit die Hauptferienzeit jetzt vorbei ist. Als Strandlekt\u00fcre h\u00e4tten sich beim Lesen des Romandeb\u00fcts des aus Kanada stammenden, zweitweise in M\u00fcnchen lebenden Autors schon manchmal Brechreiz eingestellt \u2013 und akute Lachmuskelverspannung. Es ist ein denkbar groteskes Szenario, das Ruban schildert und das zun\u00e4chst einmal nicht gro\u00df hinterfragt wird. In einem Luxus-Ferienanlage in Mexiko wurde \u00fcber Nacht am Strand ein gigantischer toter Meeress\u00e4uger eingeschwemmt, der nun vor sich hin verwest \u2013 und bestialisch stinkt. In einer Welt, die mehr Schein als Sein ist und in der auch die Urlauberpaare darauf bem\u00fcht sind, die Fassade zu wahren, ignoriert man den Einbruch des Abscheulichen einfach mal so gut es geht. Mehr noch: Der Hotel-Besitzer, der selbst nichts riechen kann, l\u00e4sst teures Markenparf\u00fcm verspr\u00fchen \u2013 zu Ablenkung. Und doch kriselt und br\u00f6selt und br\u00f6ckelt es nat\u00fcrlich, wie man es auch als treuer \u201eMonaco Franze\u201c-Fan ahnt. Vor allem der aberwitzige Plan der Eheleute Judith und Hugo, mittelreiche Gringos aus dem Norden, unter s\u00fcdlicher Sonne ihre kaputte Ehe zu retten, kann nat\u00fcrlich nur scheitern. Paul Ruban schafft es, auf nur 220 ein wahres Panoptikum an Typen, Schicksalen und Geschichten zu entfalten. Atemberaubend gut, ziemlich witzig \u2013 und so deftig, dass es stinkt.<\/p>\n<p>Rupert Sommer<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.in-muenchen.de\/literatur\/bucher-aktuell.html\" class=\"image-wrapper\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Bildschirmfoto-2025-07-30-um-16.08.19-300x205.png\" alt=\"Lesen! Unsere Buchempfehlungen im August\"  \/><\/a><\/p>\n<p>\t\tBeitrags-Navigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"27.08.2025 | IN M\u00fcnchen Redaktion Neue B\u00fccher von Yuko Kuhn, Marco Wanda, Rachel Kushner, Rick Zabel und Paul&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":378554,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-378553","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115103879080439853","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/378553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=378553"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/378553\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/378554"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=378553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=378553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=378553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}