{"id":378865,"date":"2025-08-28T04:42:12","date_gmt":"2025-08-28T04:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/378865\/"},"modified":"2025-08-28T04:42:12","modified_gmt":"2025-08-28T04:42:12","slug":"warum-sich-die-zustaendigen-minister-beim-fleisch-schwertun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/378865\/","title":{"rendered":"Warum sich die zust\u00e4ndigen Minister beim Fleisch schwertun"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 28.08.2025 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Zu viel Fleisch schadet dem Klima. Doch weder Landwirtschaftsminister Rainer noch Klimaschutzminister Schneider wollen das offenbar klar benennen. Scheuen sie beim Thema Fleisch die Fakten?<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/lambrecht-103.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Oda Lambrecht\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/lambrecht-119.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKlimaschutz sei der gesamten Bundesregierung ein wichtiges Ziel, mit dem Fleischkonsum habe das aber seines Erachtens nichts zu tun, hat Bundesminister f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung, Alois Rainer, dem ARD-Politikmagazin Panorama gesagt. Leugnet der CSU-Minister damit Fakten zum Klimawandel?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeine Aussage entspricht jedenfalls nicht dem Stand der Wissenschaft. Das Umweltbundesamt (UBA) schreibt, die Tierhaltung sei eine entscheidende Quelle klimasch\u00e4dlicher Treibhausgase. Aus dem Verdauungstrakt von Rindern entweichen zum Beispiel gro\u00dfe Mengen an Methan. Dazu kommen Lachgasemissionen aus Wirtschaftsd\u00fcngern wie G\u00fclle und Mist. Sehr klimasch\u00e4dlich ist auch die Nutzung trockengelegter Moore f\u00fcr die Rinderhaltung oder das Abholzen von W\u00e4ldern, um Futtermittel wie Soja auf den frei gewordenen Fl\u00e4chen anzubauen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDeshalb ist das Pariser Klimaschutzziel ohne eine andere Ern\u00e4hrung mit weniger tierischen Produkten nicht zu erreichen, erkl\u00e4rt der Klimaforscher und Agrar\u00f6konom Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK).<\/p>\n<p>    Konsumverhalten und Klima<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWarum hat Agrarminister und Metzger Rainer dennoch gesagt, der Fleischkonsum habe nichts mit dem Klimaschutz zu tun? Auf schriftliche Nachfrage des NDR schreibt ein Ministeriumssprecher lediglich ausweichend, es sei wissenschaftlich belegt, dass sich Konsumverhalten auf das Klima auswirke.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBundesminister Rainer habe zum Ausdruck bringen wollen, dass Klimaschutz mehr umfasse als Konsumverhalten, und dass die Bundesregierung den Menschen keine Vorgaben beim Konsum mache. &#8222;Wer Fleisch essen m\u00f6chte, soll das auch tun d\u00fcrfen&#8220;, hei\u00dft es in der Antwort. Auch auf erneute Nachfrage l\u00e4sst das Ministerium offen, ob Minister Rainer den hohen Fleischkonsum f\u00fcr klimasch\u00e4dlich h\u00e4lt oder nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Klimaforscher Lotze-Campen, der auch gelernter Landwirt ist, ist eine Reduktion des Fleischkonsums auf jeden Fall zentral. Anders sei es schlicht nicht m\u00f6glich, das Ziel von Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Er empfiehlt, den Fleischkonsum in Deutschland um 70 Prozent zu senken &#8211; &#8222;also eine Ern\u00e4hrungsweise f\u00fcr einen gesunden Planeten und gesunde Menschen&#8220;.<\/p>\n<p>    Mehr als ein Kilo Fleisch in der Woche<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBisher essen die Menschen in Deutschland im Schnitt mehr als ein Kilogramm Fleisch in der Woche. Auch die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung (DGE) empfiehlt deutlich weniger. Um die Umwelt zu sch\u00fctzen und die Risiken f\u00fcr Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie Dickdarmkrebs zu senken, r\u00e4t sie zu w\u00f6chentlich nicht mehr als 300 Gramm Fleisch und Wurst.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUm daf\u00fcr Anreize zu schaffen, fordern Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon l\u00e4nger, Fleisch steuerlich nicht weiter zu beg\u00fcnstigen und den reduzierten Mehrwertsteuersatz von derzeit 7 Prozent auf den normalen Satz von 19 Prozent anzuheben. Das hat k\u00fcrzlich auch der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung f\u00fcr Agrarpolitik, Ern\u00e4hrung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) erneut empfohlen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLandwirtschaftsminister Rainer spricht sich jedoch gegen eine Erh\u00f6hung der Mehrwertsteuer bei tierischen Produkten aus. Sein Ministerium verweist au\u00dferdem darauf, dass die Entscheidung in die Zust\u00e4ndigkeit des Bundesfinanzministeriums falle.<\/p>\n<p>    Auch der Umweltminister weicht aus<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Finanzministerium schreibt dem ARD-Politikmagazin Panorama, der Koalitionsvertrag sehe hier keine \u00c4nderungen vor. Ein Sprecher von SPD-Minister Lars Klingbeil weist darauf hin, dass grunds\u00e4tzlich alle Nahrungsmittel dem erm\u00e4\u00dfigten Steuersatz unterl\u00e4gen. Der Gesetzgeber habe dabei auf eine Differenzierung nach individuellen Lebensweisen sowie pers\u00f6nlichen Neigungen verzichtet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd was sagt der Bundesminister f\u00fcr Klimaschutz, Carsten Schneider, auf die Frage von Panorama, ob ihm Klimaschutz oder die Beibehaltung des hohen Fleischkonsums wichtiger sei? Erst einmal lacht der SPD-Minister. Dann sagt er: &#8222;Klimaschutz steht wie viele andere Punkte im Grundgesetz und hat nat\u00fcrlich eine hohe Priorit\u00e4t, aber dieses Gegeneinander ist nichts, was ich teile.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie schriftliche Nachfrage, ob Schneider den hohen Fleischkonsum in Deutschland f\u00fcr klimasch\u00e4dlich halte, beantwortet sein Ministerium nicht und schreibt, seiner \u00c4u\u00dferung sei nichts hinzuzuf\u00fcgen. Offenbar f\u00e4llt es den beiden zust\u00e4ndigen Ministern schwer, \u00fcber die wissenschaftlichen Fakten zum Fleischkonsum zu sprechen.<\/p>\n<p>    Fleisch als Metapher<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDabei spiele Fleisch in der politischen Auseinandersetzung eine zentrale Rolle, sagt der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder von der Universit\u00e4t Regensburg. Denn die Themen Klima, Ern\u00e4hrung und Umweltschutz geh\u00f6rten zu den \u00dcberlebensfragen des 21. Jahrhunderts. &#8222;Wir k\u00f6nnen und wir m\u00fcssen Ern\u00e4hrung nachhaltiger gestalten&#8220;, so Hirschfelder.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFleisch sei aber l\u00e4ngst zu einer Metapher geworden, erkl\u00e4rt der Kulturforscher. Es stehe heute auf der einen Seite f\u00fcr Weltzerst\u00f6rung und einen nachl\u00e4ssigen Umgang mit dem K\u00f6rper, auf der anderen Seite f\u00fcr M\u00e4nnlichkeit, Individualit\u00e4t und Genuss, so Hirschfelder.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer gesellschaftliche Austausch dar\u00fcber sei schwierig, weil viele Menschen, die \u00fcber Fleisch sprechen und die Ern\u00e4hrung nachhaltiger gestalten wollten, im \u00f6ffentlichen, privaten und vor allem im digitalen Raum verunglimpft w\u00fcrden, sagt Hirschfelder, der sich intensiv mit der Bedeutung von Fleisch in der Gesellschaft auseinandersetzt.<\/p>\n<p>    Identit\u00e4ten und Werte<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBei der Debatte ums Essen gehe es im Kern um Identit\u00e4ten und Werte, die mit bestimmten Lebensmitteln verbunden werden, erkl\u00e4rt die Psychologin Britta Renner von der Universit\u00e4t Konstanz, die auch Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat f\u00fcr Agrarpolitik, Ern\u00e4hrung und gesundheitlichen Verbraucherschutz ist. Insbesondere Fleisch sei tief in historischen und kulturellen Traditionen verankert, so Renner. Es gehe also nicht nur um N\u00e4hrstoffe und Geschmack, sondern auch um Zugeh\u00f6rigkeit und soziale Anerkennung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDebatten wie die \u00fcber Fleisch k\u00f6nnten zu einer Polarisierung f\u00fchren, wenn sie als Eingriffe in privat empfundene Bereiche wahrgenommen w\u00fcrden, hei\u00dft es im aktuellen Gutachten des Wissenschaftlichen Agrarbeirates.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSo sieht es auch Klimaforscher und Agrar\u00f6konom Lotze-Campen. Viele Menschen h\u00e4tten den Eindruck, da sollte einem niemand reinreden. Er gibt aber zu bedenken, dass ein zu hoher Fleischkonsum zu Gesundheits- und Umweltfolgekosten f\u00fchre, die dann der Gesellschaft als Ganzes aufgeb\u00fcrdet w\u00fcrden. Es gehe also um die wahren und ehrlichen Preise von Fleisch, sagt Lotze-Campen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Ziel, bis 2045 auf Netto-Null-Emissionen zu kommen, sei zentral, so Lotze-Campen. Es gehe dabei nicht darum, die Gesellschaft zu qu\u00e4len, sondern darum, zuk\u00fcnftige Klimasch\u00e4den zu vermeiden. Der Klimaforscher betont: &#8222;Das ist ein Vorsorgeprinzip.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 28.08.2025 06:00 Uhr Zu viel Fleisch schadet dem Klima. 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