{"id":378905,"date":"2025-08-28T05:04:10","date_gmt":"2025-08-28T05:04:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/378905\/"},"modified":"2025-08-28T05:04:10","modified_gmt":"2025-08-28T05:04:10","slug":"besetzte-gebiete-wie-moskau-ukrainern-einen-russischen-pass-aufzwingt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/378905\/","title":{"rendered":"Besetzte Gebiete: Wie Moskau Ukrainern einen russischen Pass aufzwingt"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In zwei Wochen l\u00e4uft f\u00fcr die Ukrainer in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten eine Frist ab: Wenn sie bis zum 10. September keinen russischen Pass oder keine Aufenthaltserlaubnis beantragt haben, dann gelten sie in ihrer Heimat als illegal dort lebende Ausl\u00e4nder und m\u00fcssen mit Abschiebung oder Inhaftierung rechnen. In den besetzten Gebieten und in der angrenzenden Region Rostow in Russland habe die russische Migrationsbeh\u00f6rde seit vorigem Jahr einige Dutzend Zentren f\u00fcr die Festsetzung von \u201eAusl\u00e4ndern ohne Aufenthaltserlaubnis\u201c eingerichtet, sagt Wjatscheslaw Lichatschow vom Zentrum f\u00fcr B\u00fcrgerliche Freiheiten in \u00adKiew, der ukrainischen Menschenrechtsorganisation, die 2022 den Friedensnobelpreis bekommen hat.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ob die Besatzer diese Zentren \u00fcberhaupt ben\u00f6tigen werden, ist allerdings unklar. Vermutlich habe schon die gro\u00dfe Mehrheit der Menschen in den besetzten Gebieten einen russischen Pass, sagt Lichatschow: \u201eOhne ihn ist das \u00dcberleben dort kaum noch m\u00f6glich.\u201c Der Zugang zu medizinischer Versorgung, die Auszahlung von Renten, Schulbildung und die M\u00f6glichkeit, legal zu arbeiten, sind an den Besitz eines russischen Passes gebunden. Ein weiterer Hebel, mit dem die Menschen in die Staatsb\u00fcrgerschaft der Okkupanten gezwungen werden, ist der Wohnraum: Wer keinen russischen Pass hat, hat keine Eigentumsrechte mehr.<\/p>\n<p>Russische Soldaten pl\u00fcndern Wohnungen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In den von russischen Truppen kon\u00adtrollierten Teilen der 2022 annektierten Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson ist zu beobachten, was den Menschen im freien Teil dieser Gebiete drohen w\u00fcrde, wenn es f\u00fcr einen Waffenstillstand zu dem \u201eLandtausch\u201c mit Russland k\u00e4me, f\u00fcr den der amerikanische Pr\u00e4sident Donald Trump Sympathien gezeigt hat. Der Kreml betreibt dort \u2013 wie schon seit 2014 auf der Krim \u2013 eine harte Politik der Russifizierung mit dem Ziel, alles auszul\u00f6schen, was an eine eigenst\u00e4ndige <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Ukraine\" data-rtr-id=\"acb898af5ea66a22c43878bf8691be74ce4ecd86\" data-rtr-score=\"38.05964230171073\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/ukraine\" title=\"Ukraine\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine<\/a> erinnert.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In einem Bericht des UN-Hochkommissariats f\u00fcr Menschenrechte aus dem M\u00e4rz 2024 hei\u00dft es, die russische Besatzungsmacht habe mit \u201eMorden, Folter, sexueller Gewalt, gewaltsamem Verschwindenlassen, willk\u00fcrlichen Festnahmen, unmotivierter Gewalt und Einsch\u00fcchterungen gegen eine breiten Kreis von Zivilisten\u201c eine \u201ealles durchdringende Atmosph\u00e4re der Angst\u201c geschaffen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der UN-Bericht deckt die Zeit vom Beginn der Invasion <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Russland\" data-rtr-id=\"1600ce7bdca92f9d620063165b2874ddee746c27\" data-rtr-score=\"56.91100311041991\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/russland\" title=\"Russland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russlands<\/a> bis Ende 2023 ab. In dieser Zeit war das Verhalten der Besatzer noch davon gepr\u00e4gt, dass gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung offenen Widerstand zeigten. Zugleich fiel es ihnen schwer, eine ausreichende Zahl von Kollaborateuren zu finden. In vielen Berichten \u00fcber die Lage in den besetzten Gebieten in jener Zeit ist von chaotischen Zust\u00e4nden die Rede, von einem Zusammenbruch staatlicher Strukturen und von Versorgungsm\u00e4ngeln.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Pl\u00fcnderungen waren an der Tagesordnung: Laut Augenzeugenberichten, die von den <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Vereinte Nationen\" data-rtr-id=\"6057187a0dea68d4323c13939c84e5d27eb3169d\" data-rtr-score=\"29.883359253499226\" data-rtr-etype=\"organisation\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/vereinte-nationen\" title=\"Vereinte Nationen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">UN<\/a>, Menschenrechtsorganisationen und ukrainischen Medien zitiert wurden, nahmen russische Soldaten aus den Wohnungen von Fernsehern \u00fcber Schmuck bis zu Alkohol ungestraft mit, was auch immer ihnen gefiel.<\/p>\n<p>Rund drei Millionen Menschen vor Russen geflohen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Je l\u00e4nger der Krieg andauert, desto strukturierter wurde die Herrschaft, die Russland in den besetzten Gebieten aus\u00fcbt. Und desto h\u00e4rter wird der Zugriff auf die Bev\u00f6lkerung. So mehren sich in den vergangenen Wochen laut Wjatscheslaw Lichatschow Berichte \u00fcber Zwangsrekrutierung von M\u00e4nnern in die russische Armee. Allerdings dringen immer weniger gesicherte Informationen \u00fcber die Lage nach au\u00dfen. Menschenrechtsorganisationen haben in den besetzten Gebieten zwar noch Kontakte, doch diese gehen ein hohes Risiko ein.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wesentliche Z\u00fcge der Besatzungspolitik lassen sich indes auch aus offenen Quellen erschlie\u00dfen. Die Politik des Kremls zielt offenbar darauf, die nach verschiedenen Sch\u00e4tzungen knapp drei Millionen Menschen, die seit 2022 in freie Teile der Ukraine oder nach Europa geflohen sind, durch Neusiedler aus Russland zu ersetzen. Beamte, \u00c4rzte, Lehrer, Bauarbeiter und andere Berufsgruppen werden aus Russland mit h\u00f6heren Geh\u00e4ltern und Karrierechancen in die besetzten ukrainischen Gebiete gelockt. Um den Umzug dorthin attraktiv zu machen, gibt es daf\u00fcr Programme zum verg\u00fcnstigen Erwerb von Wohnungen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Zustrom aus Russland scheint sich bisher auf Orte zu konzentrieren, die wie Mariupol f\u00fcr den Kreml von besonderer strategischer Bedeutung sind. Vielerorts herrschen offenbar so katas\u00adtrophale Lebensbedingungen, dass die russische Propaganda nicht dar\u00fcber hinwegsehen kann: So werden mehrere Gro\u00dfst\u00e4dte des Gebiets Donezk nur noch zwei Mal in der Woche mit flie\u00dfendem Wasser versorgt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Besonderer Druck liegt auf den Schulen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat Unterrichts\u00admaterial untersucht, das dort eingesetzt wird. Danach m\u00fcssen die Sch\u00fcler aus B\u00fcchern lernen, in denen behauptet wird, es gebe keine ukrainische Staatlichkeit und keine ukrainische Sprache. Bis zum Ende vorigen Schuljahres war es theoretisch noch m\u00f6glich, an einem freiwilligen Ukrainischunterricht teilzunehmen; wer das tat, setzte sich jedoch dem Verdacht der Illoyalit\u00e4t gegen\u00fcber den Besatzern aus.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ende Juni ver\u00f6ffentlichte das russische Bildungsministerium dann einen Erlass, laut dem \u201eaufgrund ver\u00e4nderter geopolitischer Umst\u00e4nde\u201c gar kein Unterricht in ukrainischer Sprache mehr angeboten wird. Ukrainische Telegramkan\u00e4le berichteten dieser Tage, Eltern in den besetzten Gebieten seien gewarnt worden, dass der Gebrauch der ukrainischen Sprache im nun beginnenden Schuljahr komplett verboten sei. \u201eWas wir gerade sehen, ist der Drang, die bisherige Besatzungspolitik immer schneller und h\u00e4rter voranzutreiben\u201c, sagt Wjatscheslaw Lichatschow.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In zwei Wochen l\u00e4uft f\u00fcr die Ukrainer in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten eine Frist ab: Wenn&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":378906,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,13,14,15,4043,4044,850,307,12],"class_list":{"0":"post-378905","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-russia","14":"tag-russian-federation","15":"tag-russische-foederation","16":"tag-russland","17":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115104649668091577","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/378905","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=378905"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/378905\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/378906"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=378905"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=378905"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=378905"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}