{"id":379253,"date":"2025-08-28T08:19:19","date_gmt":"2025-08-28T08:19:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/379253\/"},"modified":"2025-08-28T08:19:19","modified_gmt":"2025-08-28T08:19:19","slug":"schulen-in-stuttgart-eine-schule-nur-fuer-maedchen-ist-das-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/379253\/","title":{"rendered":"Schulen in Stuttgart: Eine Schule nur f\u00fcr M\u00e4dchen \u2013 ist das besser?"},"content":{"rendered":"<p>Eine Schule f\u00fcr Jungen, eine Schule f\u00fcr M\u00e4dchen: bis in die 1960er Jahre hinein war das in Deutschland weit verbreitet. \u201eHeute dagegen klingt es wahlweise altmodisch oder elit\u00e4r, wenn man auf eine monoedukative Schule geht\u201c, sagt Wiebke Waburg, Professorin f\u00fcr P\u00e4dagogik an der Universit\u00e4t Koblenz. Denn es gibt nur noch etwa 130 reine M\u00e4dchenschulen und f\u00fcnf reine Jungenschulen in Deutschland \u2013 gegen\u00fcber den mehr als 36 000 koedukativen Schulen bilden sie damit die absoluten Ausnahmen. Der Gro\u00dfteil dieser Schulen ist in S\u00fcddeutschland, viele sind privat und konfessionell gef\u00fchrt und meist in katholischer Tr\u00e4gerschaft. <\/p>\n<p> So wie beispielsweise das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.erinnerung-an-erste-deportation-aus-stuttgart-den-verstummten-wieder-eine-stimme-geben.8ab266cb-3e0b-4e8a-950d-d25430861b98.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00e4dchengymnasium St. Agnes <\/a>in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a>, das bereits im Jahr 1886 gegr\u00fcndet wurde und heute etwa 1000 Sch\u00fclerinnen besuchen. Eine davon ist Anna Faigle, 17 Jahre alt. Schon im Kindergarten hat ihr eine Freundin davon erz\u00e4hlt, dass es eine Schule nur f\u00fcr M\u00e4dchen gibt. \u201eVon da an war mir klar, da will ich hin. Ich habe zwei Br\u00fcder, vielleicht war f\u00fcr mich deshalb die Vorstellung so sch\u00f6n, mal nur unter M\u00e4dchen zu sein\u201c, erz\u00e4hlt Anna Faigle.\u00a0<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/media.media.75d54b3d-faf4-4a4f-bf56-91462840252d.original1024.media.jpeg\"\/>     Anna Faigle    Foto: privat    <\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich habe sie dort genau die Gemeinschaft gefunden, die sie sich immer gew\u00fcnscht habe. \u201eInsbesondere w\u00e4hrend der Pubert\u00e4t merkt man einfach, dass wir M\u00e4dels alle die gleichen Dinge durchmachen und uns dar\u00fcber gut austauschen k\u00f6nnen\u201c, sagt Anna Faigle. Auch Helene Wagner, 11 Jahre, die gerade ihr erstes Jahr am St. Agnes hinter sich hat, freut sich \u00fcber diesen Austausch und erz\u00e4hlt von einem Projekt \u00fcber k\u00f6rperliche Ver\u00e4nderungen bei M\u00e4dchen. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/media.media.3148d4de-fc6b-4ccd-b1b2-60ffacd239e7.original1024.media.jpeg\"\/>     Helene Wagner    Foto: privat    <\/p>\n<p>Helene Wagner erinnert sich noch gut an ihre Grundschulzeit in einer gemischten Klasse. \u201eDer Unterricht war oft lebhaft und lauter, was manchmal etwas ablenkend sein konnte. Jetzt f\u00e4llt es mir leichter, mich zu konzentrieren.\u201c <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/media.media.7c7c1441-f0c8-4c00-922b-8b1a0db2d8c1.original1024.media.jpeg\"\/>     Viktoria Schoenrade    Foto: privat    <\/p>\n<p>\u00c4hnlich geht es auch ihrer Freundin Viktoria Schoenrade, bei der schon Gro\u00dfmutter, Mutter und Patentante im St. Agnes waren. \u201eSie haben mir so viele sch\u00f6ne Dinge \u00fcber die Schule erz\u00e4hlt. Und ich habe auch schon gute Freundinnen gefunden hier.\u201c<\/p>\n<p>Da es nur noch so wenige monoedukative Schulen in Deutschland gibt, fehlt es auch an aktueller Forschung dazu, welche Vor- oder Nachteile die Geschlechtertrennung heute tats\u00e4chlich noch mit sich bringt. <\/p>\n<p>Als Wiebke Waburg vor mehr als 20 Jahren eine gro\u00dfe Studie zum Thema betreut hat, bei der auch viele Sch\u00fclerinnen befragt wurden, war in sozialer Hinsicht auch die Annahme, unter M\u00e4dchen gebe es viel \u201eZickenkrieg\u201c, ein Thema. Oder auch die Tatsache, dass Jungen manche Sozialkompetenzen vielleicht besser lernen, wenn sie mit M\u00e4dchen in einer Klasse sitzen, denen diese Talente eher zugeschrieben werden. Und gerade w\u00e4hrend der Pubert\u00e4t wurde das Fehlen von Jungs von den M\u00e4dchen nicht nur als positiv bewertet. Es gab auch die Sorge, ob der Umgang mit dem anderen Geschlecht trotz der Trennung einge\u00fcbt werden k\u00f6nnte. <\/p>\n<p> Studie: Vorteile f\u00fcr M\u00e4dchen in Physik <\/p>\n<p>Anna Faigle sieht das pragmatisch. \u201eIch verbringe ja nicht meine ganze Zeit an der Schule. Ich habe einen gemischten Freundeskreis, bin in der Jugendarbeit aktiv. Und da finde ich es dann auch sch\u00f6n, wenn Jungs dabei sind.\u201c Auch Wiebke Waburg gibt zu bedenken, dass M\u00e4dchen und Jungen auch an gemischten Schulen h\u00e4ufig stark getrennte Gruppen bilden, die zwar in einem Klassenzimmer sitzen \u2013 dar\u00fcber hinaus aber oft weniger Austausch h\u00e4tten, als Eltern das so vermuten w\u00fcrden. <\/p>\n<p>Wo Wiebke Warburg damals eindeutige Vorteile f\u00fcr M\u00e4dchenschulen feststellen konnte, war der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.frauen-in-mint-berufen-in-den-naturwissenschaften-fehlt-es-an-weiblichen-vorbildern.eb0ae902-f2a7-471b-a3d2-fdc1dc8907aa.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Physikunterricht<\/a>. \u201eIn diesem Fach haben sich die M\u00e4dchen wohler gef\u00fchlt, wenn sie nur unter sich waren. Sie hatten gr\u00f6\u00dferes Interesse daran und auch bessere Noten.\u201c Zudem mussten sie die Experimente selbst durchf\u00fchren, statt diese den Jungs zu \u00fcberlassen und nur die Protokolle zu schreiben &#8211; wie es im koedukativen Unterricht oft der Fall ist. In anderen F\u00e4chern dagegen seien die Unterschiede nicht nennenswert gewesen. Eine Sonderrolle spielt dabei der Sportunterricht, der nicht untersucht wurde, weil er ab der weiterf\u00fchrenden Schule ohnehin meist nach Geschlechtern getrennt unterrichtet wird. <\/p>\n<p>Eine oft geh\u00f6rte Sorge von Eltern in Bezug auf Monoedukation kann die P\u00e4dagogin entkr\u00e4ften: dass dort <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.girls-day-und-boys-day-in-esslingen-weg-mit-den-geschlechterklischees-jetzt-modeln-die-jungs.d4ea8cdb-815c-4d26-88a7-a78d647674d9.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">klassische Rollenbilder<\/a> eher verfestigt w\u00fcrden. \u201eEs ist vielmehr sogar so, dass M\u00e4dchen und Jungen sich tats\u00e4chlich differenzierter verhalten, wenn sie in gleichgeschlechtlichen Gruppen unterrichtet werden\u201c, sagt Wiebke Waburg. Letztlich sieht sie aber all diese Vor- oder Nachteile nicht als ausschlaggebend daf\u00fcr, dass sich Eltern oder Kinder f\u00fcr eine monoedukative Schule entscheiden. \u201eOft ist es ja vielmehr der Ruf der Schule oder das gesamte Konzept oder die regionale N\u00e4he, was den Ausschlag gibt\u201c, sagt Wiebke Waburg.<\/p>\n<p> Vater: Mehr Bewegung kommt Jungen entgegen <\/p>\n<p>So sieht es auch Marcus Schafft, Elternbeiratsvorsitzender der Franz-von-Sales-Schule. Sie ist eine katholische Freie Schule der Di\u00f6zese Rottenburg-Stuttgart und hat in Obermarchtal einen Standort nur f\u00fcr M\u00e4dchen. In Ehingen gibt es eine der wenigen reinen Jungenrealschulen in Deutschland. \u201eWir haben uns dazu entschieden, unseren Sohn auf diese Schule zu geben, weil sie sehr klein ist und sich alle 160 Sch\u00fcler mit Namen kennen\u201c, sagt Marcus Schafft. <\/p>\n<p>Auch das Lernkonzept, das eine klare Struktur mit vielf\u00e4ltigen Pausen und Bewegung vorsieht, habe ihn \u00fcberzeugt. \u201eDas kommt gerade Jungs beim Wechsel auf die weiterf\u00fchrende Schule entgegen, weil sie oft noch mehr Zeit und auch Bewegung brauchen, um in den Lernrhythmus zu finden\u201c, findet er.<\/p>\n<p>In seiner Freizeit habe der Sohn einen gemischten Freundeskreis, der \u00fcber die Schule hinausgehe \u2013 und auch eine Freundin. \u201eIch habe nicht den Eindruck, dass er da durch die Schulwahl irgendwelche Nachteile oder Probleme h\u00e4tte\u201c, sagt Marcus Schafft.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/media.media.14950170-bed5-4fa4-8504-302f92631574.original1024.media.jpeg\"\/>     Philipp Hagel    Foto: privat    <\/p>\n<p> Philipp Hagel ist 14 Jahre alt, Sch\u00fcler der Franz-von-Sales-Schule und spielt in seiner Freizeit am liebsten Fu\u00dfball. Dass er auch w\u00e4hrend der Schulzeit immer wieder Zeit zum Kicken hat und sich die vielen Sportstunden oder auch Ausfl\u00fcge an den Bed\u00fcrfnissen der Jungs ausrichten, findet er gut. \u201eAu\u00dferdem sind wir eine Ganztagesschule. Ich habe keine <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.von-hausaufgaben-klassenfahrten-und-schweren-schulranzen-was-in-der-schule-erlaubt-ist-und-was-nicht.bb0fdc8c-9d26-4ebe-a22f-720b691c69dd.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hausaufgaben<\/a> mehr, wenn ich nach Hause komme, auch das gef\u00e4llt mir.\u201c <\/p>\n<p>Im Vergleich zu seiner Grundschulzeit in einer gemischten Klasse sei es schon manchmal lauter oder wilder, wenn nur Jungs in einer Klasse s\u00e4\u00dfen. \u201eAber daran habe ich mich gew\u00f6hnt und k\u00f6nnte mir keine andere Schule mehr vorstellen\u201c, erz\u00e4hlt sagt Philipp Hagel. <\/p>\n<p> Expertin: In Deutschland werden monoedukative Schulen aussterben <\/p>\n<p>Seit Wiebke Waburg vor \u00fcber 20 Jahren ihre Studie zu den monoedukativen Schulen in Deutschland durchgef\u00fchrt hat, ist deren Zahl stetig gesunken. \u00dcber die Gr\u00fcnde kann sie nur mutma\u00dfen. \u201eViele dieser Schulen sind ja in katholischer Tr\u00e4gerschaft, dahinter muss man als Eltern stehen. Und auch Lehrkr\u00e4fte, die an solchen Schulen unterrichten, m\u00fcssen das Konzept gut finden\u201c, sagt Wiebke Waburg. <\/p>\n<p> Die P\u00e4dagogik-Professorin geht davon aus, dass es hierzulande irgendwann keine monoedukativen Schulen mehr gibt. \u201eAndererseits werden sie in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgarter-lindenmuseum-archaeologe-aus-tansania-erforscht-das-erbe-seiner-ahnen.c2bd7059-ce0e-4ad2-ab6e-c392ce4528a8.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tansania<\/a> gerade erst eingef\u00fchrt und dort als gro\u00dfer Fortschritt betrachtet. Hier findet man, dass sie den unterschiedlichen Bed\u00fcrfnissen von Jungen und M\u00e4dchen besser Rechenschaft tragen.\u201c<\/p>\n<p> M\u00e4dchen und Schulbildung <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Vor 100 Jahren <\/strong><br \/>gingen Jungen und M\u00e4dchen nur gemeinsam zur Grundschule. Danach gab es deshalb spezielle Schulen f\u00fcr M\u00e4dchen, weil der Schwerpunkt ihrer Ausbildung auf Hauswirtschaft, Handarbeit und Religion lag und sie meist nicht so lange wie Jungen eine Schule besuchten, sondern Dienstm\u00e4dchen wurden oder eine eigene Familie gr\u00fcndeten.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Im Jahr 1908<\/strong><br \/>wurde dann eine Bildungsreform verabschiedet, mit der M\u00e4dchenbildung gef\u00f6rdert werden sollte. Ab da gab es auch Gymnasien f\u00fcr M\u00e4dchen, die auch auf ein Universit\u00e4tsstudium vorbereiten sollten, trotzdem aber lange Zeit weiterhin den Schwerpunkt auf h\u00e4uslichen T\u00e4tigkeiten hatten. Erst mit der Bildungsreform nach 1968 wird das M\u00e4dchengymnasium zum Auslaufmodell. \u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Schule f\u00fcr Jungen, eine Schule f\u00fcr M\u00e4dchen: bis in die 1960er Jahre hinein war das in Deutschland&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":379254,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,752,3364,29,37153,4480,30,102679,102681,102678,102680,102682,1441,102683],"class_list":{"0":"post-379253","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-bildung","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-familiengeschichten","13":"tag-familienleben","14":"tag-germany","15":"tag-jungenschulen","16":"tag-koedukation","17":"tag-maedchenschulen","18":"tag-monoedukative-schule","19":"tag-st-agnes-gymnasium-stuttgart","20":"tag-stuttgart","21":"tag-wiebke-waburg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115105416543950215","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/379253","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=379253"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/379253\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/379254"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=379253"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=379253"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=379253"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}