{"id":379354,"date":"2025-08-28T09:16:24","date_gmt":"2025-08-28T09:16:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/379354\/"},"modified":"2025-08-28T09:16:24","modified_gmt":"2025-08-28T09:16:24","slug":"alexander-stubb-finnlands-praesident-auf-europas-krisenbuehne-ein-moderner-paulus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/379354\/","title":{"rendered":"Alexander Stubb: Finnlands Pr\u00e4sident auf Europas Krisenb\u00fchne \u2013 ein moderner Paulus?"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin-bottom:11px\">Geografisch gesehen ist Finnland Russland so nah wie kein anderes europ\u00e4isches Land. Was auf Google Maps wie ein Strich aussieht, ist zugleich eine Erinnerungsnarbe: Sie zeugt von der russischen Besatzung und dem langen Kampf um Unabh\u00e4ngigkeit. Wer eine 1.340 Kilometer lange Grenze mit Russland teilt, spricht bei Friedensverhandlungen nicht aus reiner H\u00f6flichkeit, sondern vor dem Hintergrund seiner Geschichte.<\/p>\n<p>Alexander Stubb: Vom Triathleten zum europ\u00e4ischen Vermittler<\/p>\n<p>Doch geografische N\u00e4he allein schafft noch keine Autorit\u00e4t auf der politischen Weltb\u00fchne. Auch nicht jahrhundertealte, komplexe Geschichte mit Russland. Die eigentliche Frage lautet: Warum durfte ausgerechnet Alexander Stubb, seit 2024 finnischer Pr\u00e4sident, als einer von nur sieben europ\u00e4ischen Spitzenpolitikern vor wenigen Wochen mit nach Washington reisen, um Donald Trump von Europas Interessen im Ukraine-Krieg zu \u00fcberzeugen? Wie hat Stubb es in diesen erlesenen Kreis geschafft? Was ist seine Rolle \u2013 und seine Vision f\u00fcr einen Kontinent im Ausnahmezustand?<\/p>\n<p>Die erste Antwort klingt fast folkloristisch, und doch steckt Wahrheit darin. &#8222;Was in den USA der Golfplatz ist, ist in Finnland die Sauna&#8220;, sagte der ehemalige US-Botschafter Doug Hickey laut <a href=\"https:\/\/www.hs.fi\/politiikka\/art-2000011442183.html\" title=\"politiikka\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">finnischen Medien<\/a> nach dem ersten Bonding-Moment zwischen Stubb und Trump im M\u00e4rz. Bei seinem USA-Besuch im Fr\u00fchjahr spielten die beiden an einem Samstagvormittag Golf \u2013 dort, wo Trump sich am wohlsten f\u00fchlt &#8211; nat\u00fcrlich in Florida.<\/p>\n<p>Stubb wusste, was er an jenem Tag tat \u2013 er ist selbst erfahrener Golfer, auch wenn sein eigentlicher Sport der Triathlon ist. In einem Interview erz\u00e4hlte er laut &#8222;Deutschlandfunk Europa&#8220; von seinem Vater, der ihm als Kind gesagt hatte: &#8222;Selbst wenn du kein professioneller Golfer werden solltest, wird dir Golf eines Tages n\u00fctzlich sein.&#8220;<\/p>\n<p>Fast schon prophetischer Worte. Er sollte Recht behalten.<\/p>\n<p>Wie Finnlands Pr\u00e4sident Vertrauen bei Donald Trump gewinnt<\/p>\n<p>Stubb gelang an diesem Vormittag, worum sich europ\u00e4ische Spitzenpolitiker seit Jahren vergeblich bem\u00fchen: echtes Vertrauen zu Trump zu gewinnen. Amerikas wichtigste Deals entstehen offenbar nicht in Konferenzr\u00e4umen, sondern auf perfekt gem\u00e4hten Rasen der Golfpl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Und immerhin einer scheint begriffen zu haben, was das bedeutet: Stubb gelingt etwas, was fast niemand mehr schafft. Er wird sowohl in Washington als auch in Br\u00fcssel respektiert.<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Zu den &#8222;Heiligen Sieben&#8220;, die heute Europas Kern bilden, z\u00e4hlen neben Macron, Starmer, Merz, Meloni, NATO-Chef Rutte und EU-Kommissionspr\u00e4sidentin von der Leyen seit neustem auch Stubb.<\/p>\n<p>Alaska und der Wendepunkt: Was nach dem Treffen mit Putin geschah<\/p>\n<p>Um diese diplomatische Wendung zu verstehen, f\u00fchrt kein Weg vorbei am 15. August\u2013 jenem Tag vor der Ankunft der &#8222;Heiligen Sieben&#8220; in Washington. Stichwort: Alaska. Stichwort: Putin, der vom Internationalen Strafgerichtshof per Haftbefehl als Kriegsverbrecher gesucht wird, und seine Anspr\u00fcche ungest\u00f6rt untermauern durfte.<\/p>\n<p>Trump gab sich bei dem Treffen zun\u00e4chst siegessicher: Erst m\u00fcsse ein Waffenstillstand her. Doch nach drei Stunden mit Putin schwenkte er um. Statt Waffenstillstand wolle man gleich einen Friedensvertrag aushandeln. &#8222;Alle&#8220; hielten das f\u00fcr den besten Weg \u2013 womit Trump ausschlie\u00dflich Putin meinte.<\/p>\n<p>Nach Alaska telefonierte Trump mit Selenskyj und anschlie\u00dfend mit weiteren europ\u00e4ischen Staatschefs, Stubb eingeschlossen. Die Europ\u00e4er dr\u00e4ngten darauf, dass Trump nicht nur Putin, sondern auch Selenskyj treffen sollte. Trump willigte ein und schlug vor, dass Selenskyj Verb\u00fcndete mitbringen solle.<\/p>\n<p>Die Wahl fiel auf Stubb &#8211; wohl eher kein Zufall.\u00a0Das Ziel: Spannungen mit Trump vermeiden, Br\u00fccken bauen, ohne europ\u00e4ische Interessen zu verraten \u2013 daf\u00fcr steht der 57-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Greifbare Ergebnisse statt Show: Stubbs Ansatz f\u00fcr Konfliktl\u00f6sung<\/p>\n<p>W\u00e4hrend andere Staatschefs in dieser Aufgabe eher scheitern und versuchen, Trump mit royalem Glanz oder provinziellen Gesten zu k\u00f6dern \u2013 Starmer mit k\u00f6niglichen Einladungen, Merz mit Golfschl\u00e4gern und deutscher Ahnentafel, als h\u00e4tte er schnell &#8222;Trump Hobbys&#8220; gegoogelt und dabei auch zuf\u00e4llig entdeckt, dass er Verwandtschaft in der Pfalz hat \u2013 geht Stubb einen anderen Weg: Er \u00fcbersetzt Politik in Bilder, die Trump versteht.<\/p>\n<p>Seine Idee war einfach: Karten im Oval Office ausbreiten. Um Trump die Gr\u00f6\u00dfenordnung russischer Forderungen zu verdeutlichen, verglich er sie mit US-Bundesstaaten \u2013 &#8222;von Florida bis Virginia&#8220;.<\/p>\n<p>Trump wirkte beeindruckt und lobte Stuck f\u00fcr seine &#8222;hervorragende Arbeit&#8220;. Ein bemerkenswerter Unterschied zu seinen anderen G\u00e4sten. Sie w\u00fcrdigte er meist f\u00fcr ihr \u00c4u\u00dferes \u2013 Meloni f\u00fcr ihr Aussehen, Merz f\u00fcr seine &#8222;fantastische Br\u00e4une&#8220;.<\/p>\n<p>Stubb k\u00f6nnte sich jetzt als Trump-Fl\u00fcsterer inszenieren. Das tut er nicht \u2013 was f\u00fcr einen Finnen nicht untypisch ist. Er bleibt bescheiden. Der Staatsmann eines f\u00fcnf Millionen Volkes am n\u00f6rdlichsten Rand Europas versteht seine Rolle klar: Vermittler sein, nicht Hauptdarsteller. Stubb bl\u00e4ht sich nicht auf, sondern bringt sich ein, wo es n\u00f6tig ist.<\/p>\n<p>Der finnische Staatschef scheint kein Illusionist zu sein, er setzt auf greifbare Ergebnisse: &#8222;In den letzten Wochen sind wir beim Beenden des Krieges weitergekommen als in den letzten dreieinhalb Jahren&#8220;, sagte Stubb im Oval Office. Eine andere Art der \u00dcberzeugungsarbeit \u2013 mit messbaren Taten statt gro\u00dfen Ank\u00fcndigungen.<\/p>\n<p>Ein moderner Apostel? Verantwortung und Geduld in der Politik<\/p>\n<p>Der Vergleich mag gewagt wirken \u2013 und doch hat Stubb etwas Apostelhaftes an sich. Paulus war st\u00e4ndig unterwegs: reiste nach Korinth, nach Ephesus, \u00fcberallhin, wo Gemeinden stritten und Vermittlung brauchten. Er schlichtete Konflikte, ermahnte und ermutigte, zog weiter \u2013 manchmal im Streit, manchmal vers\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Seine Mission war komplex: Gemeinden aufbauen, Christus verk\u00fcnden, f\u00fcr die Menschen sorgen. Nicht immer erfolgreich, aber im Dienst einer gr\u00f6\u00dferen Sache.<\/p>\n<p>Stubb handelt \u00e4hnlich: uneitel, konzentriert, geduldig, mit Gesp\u00fcr f\u00fcr das, was vor Ort z\u00e4hlt. Ein Hauch von Sendungsbewusstsein \u2013 auch wenn dieser sich manchmal nur im Vergleich mit Florida erschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Was Finnlands Pr\u00e4sident f\u00fcr die Zukunft Europas bedeutet<\/p>\n<p>Wie Paulus riskiert auch Stubb viel. Scheitern die Friedensbem\u00fchungen, tr\u00e4gt er daf\u00fcr Mitverantwortung. Paulus landete daf\u00fcr im Gef\u00e4ngnis, Stubb droht allenfalls politisches Scheitern. Doch das Prinzip bleibt dasselbe: &#8222;Einer trage des anderen Last&#8220; (Gal 6,2). Vielleicht ist das Stubbs Europa-Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Anders als manche Kolleg*innen beherzigt er wohl auch die Warnung aus demselben Galaterbrief\u00a0&#8222;Wer sich einbildet, etwas zu sein, obwohl er nichts ist, der betr\u00fcgt sich.&#8220;<\/p>\n<p>Keine Pose, keine Gesten f\u00fcr die Kameras. Stubb \u00fcbernimmt Verantwortung \u2013 ruhig, bescheiden, zielgerichtet. Genau das macht ihn als Vermittler glaubw\u00fcrdig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Geografisch gesehen ist Finnland Russland so nah wie kein anderes europ\u00e4isches Land. 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