{"id":380850,"date":"2025-08-29T01:45:18","date_gmt":"2025-08-29T01:45:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/380850\/"},"modified":"2025-08-29T01:45:18","modified_gmt":"2025-08-29T01:45:18","slug":"rueckblick-auf-zehn-jahre-irregulaere-migration-in-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/380850\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick auf zehn Jahre irregul\u00e4re Migration in Zahlen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Seit der Fl\u00fcchtlingskrise 2015 pr\u00e4gen Ankunftszahlen die Migrationsdebatte in Europa. Ein Jahrzehnt im Rhythmus der Statistik.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2v58rbi2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Der Sp\u00e4tsommer 2015 war ein Einschnitt, der Europa ver\u00e4ndert hat. Ein Jahrzehnt sp\u00e4ter wirkt seine historische Dimension noch nach: Seit Beginn der Datenerfassung 2009 hat die europ\u00e4ische Grenzschutzagentur Frontex nie so viele irregul\u00e4re Grenz\u00fcbertritte nach Europa gez\u00e4hlt. Ende 2015 summierten sie sich auf knapp 2 Millionen, allein im Oktober waren es mehr als 400\u00a0000.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. 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Die Hauptwege f\u00fchren \u00fcber das Mittelmeer: von Marokko oder der westafrikanischen K\u00fcste nach Spanien, von der T\u00fcrkei nach Griechenland und von Libyen nach Italien.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j38aajqh0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Wer nach Europa \u00fcbersetzt, kommt meist aus Nordafrika oder dem Nahen Osten. Dort ist die politische Lage chronisch instabil. Aus den Massenprotesten des Arabischen Fr\u00fchlings entstehen in Syrien und Libyen B\u00fcrgerkriege. Der Rest Europas sp\u00fcrt davon zun\u00e4chst wenig.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j392apkk1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Der Kontinent ist noch mit der Euro-Krise besch\u00e4ftigt, als ein <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/gesellschaft\/fluechtlinge-im-mittelmeer-suche-nach-namenlosen-toten-forensiker-ld.1796357\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bootsungl\u00fcck im Oktober 2013<\/a> erstmals ganz Europa ersch\u00fcttert. Vor Lampedusa kentert ein alter Fischkutter, 373 Bootsmigranten sterben. Italien reagiert und ruft die Seenotrettungsoperation \u00abMare Nostrum\u00bb ins Leben.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3g6mrr21\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In den Wintermonaten gehen die Migrationszahlen zur\u00fcck, doch das Ungl\u00fcck erweist sich als Vorbote. Schon im April 2014 liegt die Zahl irregul\u00e4rer Einreisen \u00fcber dem Vorjahreswert. Im September kommen doppelt so viele Menschen in Europa an wie 2013. Insgesamt registriert Frontex 2014 \u00fcber 280\u00a0000 irregul\u00e4re Einreisen, die meisten Menschen kommen \u00fcber die zentrale Mittelmeerroute.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3dr28np0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Der pl\u00f6tzliche Zustrom von Schutzsuchenden aus Syrien und Eritrea setzt die Mittelmeerstaaten massiv unter Druck. Als s\u00fcdlichste Staaten Europas verzeichnen sie besonders viele irregul\u00e4re Einreisen. Sie m\u00fcssen die Neuank\u00f6mmlinge nicht nur versorgen, sondern nach den Dublin-Regeln auch ihre Asylantr\u00e4ge bearbeiten. Italien schl\u00e4gt Alarm. Mit der Aufnahme und Kontrolle der Migranten ist das Land heillos \u00fcberfordert, zumal ein Grossteil der Migranten auf Anweisung der Schlepperbanden ihre Papiere zur\u00fccklassen.<\/p>\n<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j392e53o0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Auf EU-Ebene entsteht in dieser Zeit das Hotspot-Konzept. In den am st\u00e4rksten betroffenen L\u00e4ndern sollen Registrierungszentren entstehen, in denen Migranten erfasst, \u00fcberpr\u00fcft und weitergeleitet werden \u2013 sei es zum Verbleib im Erststaat, zur Verteilung auf andere EU-L\u00e4nder oder zur Ausschaffung. Kaum beginnen Italien, Griechenland und Spanien mit dem Bau, verlagert sich der Zustrom aber schon auf neue Routen.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1j33ithb10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>2015<br \/>Ein Jahr, das Chaos schafft<\/p><\/blockquote>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j33lh27r0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Zum Jahreswechsel 2015 wird die Route nach Griechenland erstmals wichtiger als die zentrale Mittelmeerroute. \u00dcber den Westbalkan ziehen Tausende weiter nach \u00d6sterreich <a data-li-document-ref=\"1899157\" href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/-ld.1899157\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">und Deutschland<\/a>. Schon im M\u00e4rz geben erste Bundesl\u00e4nder zu bedenken, dass ihre Kapazit\u00e4tsgrenzen ersch\u00f6pft seien.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j31669m00\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00dcber <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/syrische-fluechtlinge-105.html\" rel=\"noopener\">3,5 Millionen Syrer<\/a> befinden sich da noch in den Nachbarl\u00e4ndern T\u00fcrkei, Libanon oder Jordanien. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.unhcr.org\/de\/news\/press-releases\/warum-fluechtlinge-nach-europa-kommen\" rel=\"noopener\">Ihre Lage ist prek\u00e4r.<\/a> Sie haben kaum Arbeitsperspektiven und Bildungsm\u00f6glichkeiten, viele k\u00e4mpfen ums t\u00e4gliche \u00dcberleben. Im Fr\u00fchjahr brechen viele zu Fuss \u00fcber die Landroute in Richtung Mittel- und Nordeuropa auf. Auch die Zahl der Einreisen von Afghanen und Irakern steigt rapide; allein im Juli erreichen fast 120\u00a0000 Menschen Europa.<\/p>\n<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3g1u1tr0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Ungarn reagiert auf die Menschenkolonnen am schnellsten und k\u00fcndigt an, keine Fl\u00fcchtlinge mehr aufzunehmen. Im Juli beginnt das Land mit dem Bau eines Grenzzauns zu Serbien. Kurz darauf erkl\u00e4rt Nordmazedonien den Notstand und schliesst seine Grenze zu Griechenland. Tausende Menschen stranden in St\u00e4dten, Bahnh\u00f6fen und kleinen Grenzorten.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3g3setv0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In Deutschland herrscht <a href=\"https:\/\/edit.nzz.ch\/p\/nzz\/document\/1898643\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">noch eine andere Stimmung<\/a>. An Bahnh\u00f6fen empfangen Ehrenamtliche Zehntausende Migranten, die mit Z\u00fcgen aus \u00d6sterreich und Ungarn ankommen, mit Applaus, Wasser und Teddyb\u00e4ren. Ende August, auf dem H\u00f6hepunkt der Willkommenskultur, pr\u00e4gt Kanzlerin Angela Merkel ihren bis heute bekanntesten Satz. Gefragt, ob Deutschland diese grosse Zahl an Neuank\u00f6mmlingen bew\u00e4ltigen k\u00f6nne, sagt sie: \u00abWir schaffen das.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3g713rg0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Da hat Frontex bereits mehr als eine halbe Million irregul\u00e4rer Einreisen gez\u00e4hlt. Bis Jahresende werden es 1,8 Millionen sein.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3g71bgg0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Am 4.\u00a0September setzt Deutschland wegen der gestrandeten Migranten im Budapester Bahnhof die Dublin-Regeln aus. Hunderttausende \u00fcberqueren die Grenze, die Westbalkan-Staaten lassen sie passieren. In \u00d6sterreich kommen t\u00e4glich 6000 Menschen an, bis Deutschland eine Woche sp\u00e4ter die Grenze schliesst und Kontrollen einf\u00fchrt. Entlang der Westbalkan-Route setzt ein Dominoeffekt ein: \u00d6sterreich, Ungarn, Kroatien und Slowenien f\u00fchren Grenzkontrollen ein und errichten neue Z\u00e4une. Die Zahlen sinken nicht, sie verlagern sich nur. Im Oktober erreicht die Migration mit 430\u00a0000 Einreisen nach Europa einen Monatsh\u00f6chststand.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3gjeanr1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Das europ\u00e4ische Dublin-System ist de facto tot, die EU schaut den nationalen Alleing\u00e4ngen weitgehend machtlos zu. Zwar beschliesst Br\u00fcssel Milliardenhilfen f\u00fcr die Frontstaaten und ein Relocation-Programm zur Verteilung von Fl\u00fcchtlingen aus Italien und Griechenland. Doch nach dem Herbst sind die Mitgliedstaaten kaum noch aufnahmewillig. Die Union sucht die L\u00f6sung daher nicht mehr in sich selbst, sondern jenseits ihrer Grenzen. Ende des Jahres beginnen die Verhandlungen \u00fcber ein Abkommen mit der T\u00fcrkei.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1j3166rpl0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>2016 bis 2019<br \/>Abschottung<\/p><\/blockquote>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3gpngdq0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Im M\u00e4rz 2016 schliessen die EU und die T\u00fcrkei einen Migrationspakt. Ankara verpflichtet sich, Migranten, die \u00fcber die \u00f6stliche Mittelmeerroute gekommen sind, zur\u00fcckzunehmen. Im Gegenzug verspricht die EU 6 Milliarden Euro Hilfe, Visafreiheit f\u00fcr T\u00fcrken und neue Beitrittsgespr\u00e4che. 2018 werden weitere 3 Milliarden Euro fliessen. Das Abkommen zeigt Wirkung: Im Fr\u00fchjahr brechen die irregul\u00e4ren Einreisen \u00fcber die T\u00fcrkei drastisch ein.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3177mhs0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Zugleich <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/international\/europa\/neue-barrieren--neue-wege-1.18708221\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schliessen verschiedene Balkanstaaten<\/a> und \u00d6sterreich die Balkanroute. Der Grenz\u00fcbertritt wird nur noch jenen Personen erlaubt, die \u00fcber ein g\u00fcltiges Visum verf\u00fcgen oder direkt im Ankunftsland Asyl beantragen. Auf dem Westbalkan stauen sich die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me in improvisierten Lagern, die Migranten versuchen schliesslich, <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/europa\/fluechtlinge-stuermen-eisenbahntrasse-nach-mazedonien-ld.101655\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wie im griechischen Idomeni<\/a>, die Grenzz\u00e4une nach Norden zu durchbrechen. Andere weichen erneut auf alternative Routen aus, vor allem nach Italien.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3gvj09f1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">F\u00fcr die Schlepperbanden, welche die Fl\u00fcchtlinge \u00fcber das Mittelmeer bringen, floriert das Gesch\u00e4ft. Sie setzen auf immer riskantere Man\u00f6ver und sch\u00e4bigere Boote, was zu immer mehr Bootsungl\u00fccken f\u00fchrt. 2016 sterben laut Internationaler Organisation f\u00fcr Migration rund 5000 Menschen auf See, die Dunkelziffer d\u00fcrfte weit h\u00f6her liegen. Viele Boote sinken, ohne dass jemand geborgen wird oder je bekannt ist, wer an Bord war.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3h07lra0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Frontex verst\u00e4rkt daraufhin seine Eins\u00e4tze im Mittelmeer, w\u00e4hrend Italien eine enge Kooperation mit der libyschen K\u00fcstenwache vereinbart. Wegen der miserablen Zust\u00e4nde in libyschen Lagern ist das hoch umstritten, doch die Migrationszahlen gehen deutlich zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3h0n4eg0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Trotz sinkenden Zahlen schl\u00e4gt sich die Fl\u00fcchtlingskrise politisch nieder. In Europa gewinnen migrationskritische Parteien an Einfluss: Der Brexit wird als Abrechnung mit offenen Grenzen verstanden, in Deutschland zieht die AfD erstmals in den Bundestag ein. In \u00d6sterreich wird der \u00d6VP-Chef Sebastian Kurz Kanzler, in Italien gewinnt Matteo Salvinis Lega-Partei an St\u00e4rke. Als Innenminister profiliert sich Salvini sp\u00e4ter bei der Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3gsemq71\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Knapp f\u00fcnf Jahre nach Beginn der Fl\u00fcchtlingskrise erreicht die irregul\u00e4re Migration wieder Vorkrisenniveau: Nur noch ein Bruchteil der Syrer und Afghanen kommt nach Europa, auch die Zahl der Undokumentierten ist eingebrochen. Statistisch wirkt die Krise \u00fcberwunden, doch der Ton gegen\u00fcber Migranten ist rau geworden. Die EU diskutiert \u00fcber Abschreckung, Obergrenzen und Abschiebungen. Dann erreicht das Coronavirus den Kontinent und \u00fcberlagert die Debatte \u2013 zun\u00e4chst.<\/p>\n<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1j3171vba0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>2020 bis 2023<br \/>Bleiben Sie zu Hause \u2013 oder doch nicht<\/p><\/blockquote>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3h8dfmt0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Anfang 2020 legt ein Lockdown Europa und auch die irregul\u00e4re Migration lahm. Erstmals seit Beginn der Datenerfassung kommen nur wenige hundert Menschen irregul\u00e4r an. Doch die Ruhe w\u00e4hrt nur kurz. Im Fr\u00fchjahr setzt die T\u00fcrkei das Abkommen mit der EU vor\u00fcbergehend aus und erkl\u00e4rt, Migranten nicht mehr an der Weiterreise hindern zu wollen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3heu93n1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die Pandemie hat die Zust\u00e4nde in Krisenregionen und Auffanglagern weiter verschlimmert. Zum Mahnmal daf\u00fcr wird das Fl\u00fcchtlingslager auf der griechischen Insel Moria, das 2020 in einer Septembernacht praktisch vollst\u00e4ndig ausbrennt. Im Rest Europas l\u00f6st das zwar kurzzeitig eine <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/brand-in-moria-keine-annaeherung-in-fluechtlingsdebatte-in-europa-ld.1575850\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Debatte \u00fcber den Zustand der Fl\u00fcchtlingspolitik<\/a> aus, verschiedene L\u00e4nder versprechen humanit\u00e4re Hilfe. Zus\u00e4tzliche Migranten will aber niemand aufnehmen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3helj7h1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Ab Sommer 2021, mit dem Ende vieler Corona-Massnahmen, steigen die irregul\u00e4ren Einreisen wieder: \u00fcber Bulgarien in Richtung Westbalkan, von \u00c4gypten und Libyen nach Italien und \u00fcber Westafrika nach Spanien. 2022 sind es rund 350\u00a0000 irregul\u00e4re Einreisen. Doch diese Zahl verblasst im Schatten des Ukraine-Kriegs, in dessen Folge Europa \u00fcber 6 Millionen Fl\u00fcchtlinge aufnimmt. Sie gelangen unter dem Schutzstatus S allerdings legal nach Europa.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3hf0ehr1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Doch die Migration bleibt ein Dauerthema. <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/die-asylsituation-in-europa-in-zahlen-ld.1846902\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Im Jahr 2023<\/a> versch\u00e4rft ein neues Ungl\u00fcck die Lage. Nach einem verheerenden Erdbeben in der T\u00fcrkei und Nordsyrien vervielfacht sich die Zahl syrischer Fl\u00fcchtlinge erneut.<\/p>\n<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3hhcc370\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Steigende Zahlen spielen Rechtsaussenparteien in die H\u00e4nde. Sie sprechen von \u00abKontrollverlust\u00bb und \u00abAsylchaos\u00bb. In mehreren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern haben Migrationsdebatten den Weg f\u00fcr Rechtsregierungen geebnet, anderswo setzen Rechtsaussenparteien die Regierungen mit ihrer Kritik massiv unter Druck.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3gec7lv0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Unter diesen politischen Bedingungen und mit Blick auf die Erfahrungen von 2015 versucht die EU, die Kontrolle zur\u00fcckzugewinnen. Sie schliesst ein Abkommen mit Tunesien, reaktiviert Grenzkontrollen entlang der Westbalkan-Route bis nach Deutschland, und einige Staaten \u2013 allen voran Italien und Grossbritannien \u2013 erw\u00e4gen Abschiebezentren in Drittstaaten wie Albanien oder Rwanda.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1j3177dvv0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>2025<br \/>Zehn Jahre danach<\/p><\/blockquote>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3177pi30\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Sowohl das Albanien- als auch das Rwanda-Modell sind bisher in der Umsetzung gescheitert, w\u00e4hrend das Abkommen mit Tunesien erste Wirkung zeigt. Insgesamt geht die Migration im Vergleich zum Vorjahr zur\u00fcck. Dazu tr\u00e4gt auch die ver\u00e4nderte Lage in Syrien bei, wo der Sturz des Asad-Regimes syrischen Fl\u00fcchtlingen nun die M\u00f6glichkeit zur R\u00fcckkehr in die Heimat bietet.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3j1jmmc0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Irregul\u00e4re Migration bringt stets neue Muster hervor. Inzwischen stellen Migranten aus Bangladesh die gr\u00f6sste Gruppe, meist kommen sie \u00fcber die zentrale Mittelmeerroute. Auf anderen Routen passen sich die Schleppernetzwerke auch laufend an. In Frankreich etwa stachen bis im Juni t\u00e4glich Boote in See, um \u00fcber den \u00c4rmelkanal nach Grossbritannien zu gelangen. Dort sieht man sich trotz Brexit-Votum mit Rekordzahlen irregul\u00e4r eingereister Migranten konfrontiert.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3lb52fs0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die zehn Jahre nach der Fl\u00fcchtlingskrise haben aber auch gezeigt: Wo Krisenherde befriedet werden, wo Abkommen mit Drittstaaten greifen und wo Grenzen streng kontrolliert werden, geht die irregul\u00e4re Migration zur\u00fcck. Eine Revision der Dublin-Regeln ist aber in weite Ferne ger\u00fcckt, die Verteilung \u00fcber Quoten gescheitert \u2013 und offen bleibt auch, was mit jenen geschieht, die bereits hier sind und eigentlich zur\u00fcckkehren m\u00fcssten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit der Fl\u00fcchtlingskrise 2015 pr\u00e4gen Ankunftszahlen die Migrationsdebatte in Europa. Ein Jahrzehnt im Rhythmus der Statistik. 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