{"id":380927,"date":"2025-08-29T02:29:18","date_gmt":"2025-08-29T02:29:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/380927\/"},"modified":"2025-08-29T02:29:18","modified_gmt":"2025-08-29T02:29:18","slug":"von-innen-ist-es-eine-ganze-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/380927\/","title":{"rendered":"\u201eVon innen ist es eine ganze Welt\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"article_excerpt\">In ihrem Romandeb\u00fct \u201eHimmel ohne Ende\u201c feiert Julia Engelmann das Erwachsenwerden und die Freundschaft. Vor allem die Momente, die von au\u00dfen oft unsichtbar sind.<\/p>\n<p>Ein Interview mit <a href=\"https:\/\/kulturnews.de\/kuenstler\/julia-engelmann\/\" title=\"Julia Engelmann\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Julia Engelmann<\/a> \u00fcber ihren Deb\u00fctroman \u201eHimmel ohne Ende\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Julia, du kannst bereits auf eine lange Karriere als Dichterin, Schauspielerin und Singer\/Songwriterin zur\u00fcckblicken. Was hat dich nun bewogen, einen Roman zu schreiben?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturnews.de\/kuenstler\/julia-engelmann\/\" title=\"Julia Engelmann\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Julia Engelmann<\/a>: Der Wunsch, einen Roman zu schreiben, besteht schon, seit ich in der Grundschule war. Ich liebe es, Romane zu lesen, und ich liebe es auch, ausf\u00fchrlich zu erz\u00e4hlen \u2013 die Idee hatte ich also schon lange im Hinterkopf. Mit Ende 20 habe ich dann gemerkt, dass es nicht passiert, wenn ich es nicht entscheide. Deswegen habe ich mich gefragt: Worauf warte ich eigentlich noch?<\/p>\n<p><strong>Wie hat es sich angef\u00fchlt, erstmals einen so langen Text zu schreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Engelmann:\u00a0Ich glaube, es gibt Gemeinsamkeiten mit meinen Gedichten und Songtexten. Mein Geschmack f\u00fcr W\u00f6rter ist derselbe: Ich mag Sprache, die sich sehr direkt anf\u00fchlt, die nat\u00fcrlich klingt, ich mag Wiederholungen und Muster. Aber nat\u00fcrlich war der Zeitraum, \u00fcber den ich geschrieben habe, viel l\u00e4nger. Gedichte habe ich manchmal an drei Tagen geschrieben, f\u00fcr den Roman habe ich dagegen drei Jahre gebraucht, die erste Idee hatte ich schon vor sechs Jahren. Es ist eine ganz andere Herausforderung, \u00fcber einen solchen Zeitraum die Konzentration zu halten.<\/p>\n<p><strong>Bei Gedichten oder Songs geht man automatisch davon aus, dass das lyrische Ich mit dir identisch ist. In \u201eHimmel ohne Ende\u201c aber geht es um die 15-j\u00e4hrige Charlie, die eine Krise durchmacht und sich von ihrem Umfeld missverstanden f\u00fchlt, bis die Freundschaft mit dem neuen Mitsch\u00fcler Pommes ihr neue Lebensfreude schenkt.<\/strong><\/p>\n<p>Engelmann:\u00a0Ich fand es dankbar, mal nicht im Mittelpunkt zu stehen. Dass ich selber 15 war, ist jetzt 18 Jahre her. Mir war dieser Abstand eigentlich ganz angenehm. Zugleich kann ich mich noch gut an meine Jugend erinnern und vieles, was mich damals bewegt hat, besser in Worte fassen, aber aus der Vogelperspektive.<\/p>\n<p><strong>Wie viel Charlie steckt in dir?<\/strong><\/p>\n<p>Engelmann: Ich habe mich in meiner Jugend auch oft einsam gef\u00fchlt und nicht gewusst, wie ich an der Welt andocken soll. Irgendwann habe ich festgestellt, dass sich dieses Gef\u00fchl f\u00fcr mich dank meiner Freund:innen ver\u00e4ndert hat \u2013 auch wenn es nicht wie bei Charlie innerhalb eines Jahres passiert ist. Ihre Welt und ihr Leben sind anders als bei mir, aber der Umschwung, den sie erlebt, hat viel mit mir zu tun.<\/p>\n<p><strong>Der Roman spielt dann auch zu der Zeit, in der du in Charlies Alter warst. Zum Beispiel spielen die sozialen Medien noch kaum eine Rolle \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Engelmann:\u00a0Es war eine bewusste Entscheidung, die Geschichte nicht im Jetzt spielen zu lassen, weil ich nicht das Gef\u00fchl hatte, dem gerecht werden zu k\u00f6nnen. Jugend, vor allem Schule, ist heutzutage ganz anders als damals, obwohl nat\u00fcrlich viele Gef\u00fchle, die Jugendliche haben, universell sind. Obwohl ich es nie explizit gemacht habe, ist der Roman f\u00fcr mich im Jahr 2009 angesiedelt. Ich wollte ein konkretes Jahr haben, um nicht total ins Blaue zu schreiben, um zum Beispiel Wetterlagen und Ferienpl\u00e4ne recherchieren zu k\u00f6nnen. Es gibt ja auch Songs, die in der Geschichte vorkommen, von denen ich wissen musste, ob es sie schon gab.<\/p>\n<p><strong>Auf einer Ebene ist \u201eHimmel ohne Ende\u201c ein Coming-of-Age-Roman, bricht aber auch mit den Konventionen des Genres, etwa indem Charlie gar nichts wirklich Spektakul\u00e4res erlebt und die gro\u00dfe Katharsis ausbleibt.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Engelmann:\u00a0Coming-of-Age-Romane lese ich bis heute gerne. Ich habe mich beim Schreiben immer wieder damit auseinandergesetzt, ob die Geschichte zu still ist, ob der gro\u00dfe Knall fehlt. Die Traurigkeit, die Charlie belastet, ist ja auch kein gro\u00dfer Knall, ist aber trotzdem total verbreitet, glaube ich: Man ist ein bisschen traurig, aber es f\u00e4llt nicht so sehr auf, und dann wird man wieder ein bisschen gl\u00fccklich, und das f\u00e4llt auch nicht auf. Aber in einem selber hat sich viel ver\u00e4ndert. Ich habe mich auch gefragt, ob die gro\u00dfe Liebe fehlt, aber ich finde, dass in Charlies Alter die gro\u00dfe Freundschaft etwas ganz \u00c4hnliches mit einem machen kann.<\/p>\n<p><strong>Das Wort \u201eDepression\u201c f\u00e4llt im Roman nicht, und Charlie nimmt auch keine professionelle Hilfe in Anspruch. Wolltest du vermeiden, dass \u201eHimmel ohne Ende\u201c zu einem Problembuch wird?<\/strong><\/p>\n<p>Engelmann:\u00a0Das h\u00e4tte mir gar keine Sorgen bereitet, ich kann mir auch vorstellen, irgendwann noch mal expliziter \u00fcber Depression oder mentale Gesundheit zu schreiben. Aber hier wollte ich \u00fcber eine depressive Phase schreiben, ohne das zu pathologisieren. Damit Charlie professionelle Hilfe bek\u00e4me, m\u00fcssten sich entweder ihre Probleme verschlimmern oder sie m\u00fcsste in der Lage sein, sie besser zu beschreiben. Das stille Leid, das Charlie durchmacht, ist eben nicht immer sichtbar von au\u00dfen, dadurch aber nicht weniger wichtig. Zum Gl\u00fcck tritt Pommes in ihr Leben.<\/p>\n<p><strong>Die Freundschaft zwischen Charlie und Pommes ist ein zentrales Element des Buchs. Gab es daf\u00fcr eine konkrete Inspiration?<\/strong><\/p>\n<p>Engelmann:\u00a02019 habe ich eine Reihe Schreibworkshops an englischen Schulen gegeben. In einem waren zwei stille Jugendliche, ein gro\u00dfer Junge und ein kleineres M\u00e4dchen, die sich beim Schreiben Kopfh\u00f6rer geteilt haben. Sie waren in der gro\u00dfen Gruppe recht still, aber wirkten total zufrieden miteinander. Das hat mich irgendwie anger\u00fchrt: eine Freundschaft, die von au\u00dfen unsichtbar ist, wenn man nicht genau hinschaut, aber von innen ist es eine ganze Welt. \u00dcber so einen Moment wollte ich schreiben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturnews.de\/kuenstler\/julia-engelmann\/\" title=\"Julia Engelmann\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Julia Engelmann<\/a>: Himmel ohne Ende<\/p>\n<p>Diogenes, 2025, 336 S., 25 Euro<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-190202\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/cover-julia-engelmann-190x300.jpg\" alt=\"Buchcover \u201eHimmel ohne Ende\u201c von Julia Engelmann\" width=\"190\" height=\"300\"  \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In ihrem Romandeb\u00fct \u201eHimmel ohne Ende\u201c feiert Julia Engelmann das Erwachsenwerden und die Freundschaft. 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