{"id":381328,"date":"2025-08-29T07:20:14","date_gmt":"2025-08-29T07:20:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/381328\/"},"modified":"2025-08-29T07:20:14","modified_gmt":"2025-08-29T07:20:14","slug":"stuttgart-album-zur-altstadt-leonhardsbad-und-krempelesmarkt-das-leonhardsviertel-war-nicht-immer-verrucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/381328\/","title":{"rendered":"Stuttgart-Album zur Altstadt: Leonhardsbad und Krempelesmarkt \u2013 Das Leonhardsviertel war nicht immer verrucht"},"content":{"rendered":"<p>Einst Heimat von Mostwirtschaften und des \u201eKrempelesmarkts\u201c, dann Symbol der Halbwelt: Das Leonhardsviertel hat Stadtgeschichte geschrieben \u2013 und kommt nicht zur Ruhe. Ein R\u00fcckblick.<\/p>\n<p>Niemand konnte ahnen, dass diese Pracht nur wenige Jahre bleiben durfte. Im Zweiten Weltkrieg ist das markante Geb\u00e4ude, das den Leonhardsplatz mit kleineren L\u00e4den gepr\u00e4gt hat, zerst\u00f6rt worden. Und auch von den Gesch\u00e4ftsh\u00e4usern mit den Markisen, an denen die Stra\u00dfenbahnen vorbeizuckelt, wie auf dem Vorkriegsfoto aus den 1930ern zu sehen ist, blieb nichts \u00fcbrig. Die scheinbare Idylle ist l\u00e4ngst vergangen. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/media.media.249a674f-4801-48e4-976c-3c68f8ac2094.original1024.media.jpeg\"\/>     Die Vereinigten H\u00fcttenwerke in den 1970ern.    Foto: Gerhard Goller    <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Leonhardsviertel\" title=\"Leonhardsviertel\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leonhardsviertel<\/a> steht erneut im Zentrum einer gesellschaftlichen Debatte  <\/p>\n<p>Einst war der Leonhardsplatz noch nicht von der \u201eStadtautobahn\u201c zerrissen, er war mal ein echter Platz. Das dazugeh\u00f6rige Leonhardsviertel z\u00e4hlt zu den \u00e4ltesten Quartieren Stuttgarts. Gepr\u00e4gt war das Quartier von Handwerksbetrieben, kleinen Gastst\u00e4tten und Mostwirtschaften. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zum Inbegriff der verruchten Seite der Stadt \u2013 und steht heute erneut im Zentrum einer gesellschaftlichen Debatte.<\/p>\n<p>Die Esslinger Vorstadt (Leonhardsviertel, auch ein Teil des Bohnenviertels geh\u00f6rte dazu) war die erste Stadterweiterung des mittelalterlichen Kernbereichs der Stadt <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a>. \u00dcber die Hauptst\u00e4tter Stra\u00dfe gab es eine direkte Verbindung mit dem Gerberviertel und dem Rathausplatz. In Dokumenten von 1408 wird die Pfarrkirche St. Leonhard, nach dem das Viertel benannt ist, erstmals erw\u00e4hnt, sp\u00e4ter mehrmals umgebaut. Im Bombenhagel 1944 brannte sie nieder und wurde in ver\u00e4nderter Form 1950 neu errichtet, ebenso das benachbarte Gustav-Siegle-Haus, das aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammt.<\/p>\n<p>1977 rockte AC\/DC im Leonhardsviertel im Siegle-Haus <\/p>\n<p>Am Leonhardsplatz, direkt neben der Leonhardskirche, fand bis 1910 der \u201eKrempelesmarkt\u201c statt, ein quirliger Flohmarkt, dessen Buden sich an die Mauern des ehemaligen Friedhofs reihten. Auch Tagel\u00f6hner, im Volksmund \u201eLeonhardsschlamper\u201c genannt, suchten hier t\u00e4glich Arbeit. Mit dem Gustav-Siegle-Haus, 1912 errichtet, bekam das Viertel eine bedeutende Bildungs- und Kulturst\u00e4tte \u2013 und Jahrzehnte sp\u00e4ter eine Konzertlegende: 1977 rockte AC\/DC vor 800 Zuschauern das Haus.<\/p>\n<p>Das 1930 er\u00f6ffnete Leonhardsbad war wiederum ein St\u00fcck Alltagskultur. Bis 1990 diente es Generationen von Stuttgartern, die zu Hause kein eigenes Bad hatten \u2013 f\u00fcr viele war es ein w\u00f6chentliches Ritual, in den Zinkwannen das \u201egro\u00dfe Baden\u201c zu vollziehen.<\/p>\n<p>Leonhardsviertel: Hilfe vom Staat blieb lange aus <\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg \u00e4nderte sich das Bild des Quartiers grundlegend. Die Stadt lag in Tr\u00fcmmern, Behelfsl\u00e4den und provisorische Wohnungen pr\u00e4gten das Bild.<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgart-album-ueber-die-vereinigten-huettenwerke-rotlicht-und-rock-n-roll-wie-nach-dem-krieg-die-altstadt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> In den Ruinen rund um die Leonhardskirche, auch in den sogenannten Vereinigten H\u00fcttenwerken, breitete sich das \u00e4lteste Gewerbe der Welt aus<\/a>. Das Viertel bekam den Ruf eines Rotlichtbezirks, \u00fcber das 1956 im \u201eAmtsblatt\u201c zu lesen war: \u201eObwohl das Meer und die Reeperbahn weit weg sind, bekam die Leonhardstra\u00dfe etwas von der Stimmung St. Paulis.\u201c Ein Lob oder eine Drohung? <\/p>\n<p>Was anfangs nach einer Mischung aus Wirtsstuben, Handwerk und Unterhaltung klang, entwickelte sich bald zu einem schwierigen Milieu. Menschenhandel, Zuh\u00e4lterei und Kriminalit\u00e4t verdr\u00e4ngten nach und nach die alte Nachbarschaft. Hilfe von der Stadt blieb lange aus, und die historische Substanz des Viertels verfiel \u00fcber Jahrzehnte.<\/p>\n<p> Leonhardsplatz war ein isolierter Rest <\/p>\n<p>Die Stadtautobahn zerschnitt das Quartier und machte den einstigen Leonhardsplatz zu einem isolierten Rest. Das Viertel wurde immer st\u00e4rker auf sein Rotlicht reduziert, und die Politik schien kaum Interesse daran zu haben, diese Entwicklung aufzuhalten.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren hat ein Umdenken eingesetzt. Mit einem neuen Bebauungsplan, den der Gemeinderat im Dezember 2024 beschlossen hat, will die Stadt Stuttgart einen klaren Schnitt vollziehen: Laufh\u00e4user, Wettb\u00fcros und \u00e4hnliche Vergn\u00fcgungsst\u00e4tten sollen im Leonhardsviertel nicht l\u00e4nger zul\u00e4ssig sein. Bordelle sind k\u00fcnftig au\u00dferhalb des City-Rings nicht mehr erlaubt, also nicht mehr in der Altstadt. Damit sollen nicht nur Konflikte um Prostitution eingegrenzt werden, sondern auch Kriminalit\u00e4t und Drogenhandel. Das urbane Leben mit Wohnen, Bars und Handwerk soll aufbl\u00fchen.<\/p>\n<p> Leonhardsviertel im Wandel \u2013 In der Stuttgarter Altstadt brodelt es  <\/p>\n<p>Doch wo neue Gastronomie Hoffnung auf Wandel gibt, entstehen zugleich neue Konflikte. In der Altstadt brodelt es \u2013 besonders rund um die Uhu-Bar. W\u00e4hrend die einen in ihr ein Symbol f\u00fcr ein neues, buntes Leonhardsviertel sehen, klagen Anwohner oder Gastro-Nachbarn \u00fcber L\u00e4rm und n\u00e4chtliche Exzesse. Die Stadt k\u00fcndigt regelm\u00e4\u00dfige Kontrollen an \u2013 und hat bisher nichts unternommen, um den neuen Bebauungsplan im Viertel umzusetzen. <\/p>\n<p>Das Leonhardsviertel hat Stadtgeschichte geschrieben mit all seinen Br\u00fcchen, Schattenseiten und Neuanf\u00e4ngen. Ob es gelingt, aus dem einst ins Abseits geratene Quartier ein lebendiges, vielf\u00e4ltiges Viertel zu formen, wird sich in den kommenden Jahren herausstellen. <\/p>\n<p>Diskutieren Sie mit unter<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Album.Stuttgart?locale=de_DE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> www.facebook.com\/Album.Stuttgart<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Einst Heimat von Mostwirtschaften und des \u201eKrempelesmarkts\u201c, dann Symbol der Halbwelt: Das Leonhardsviertel hat Stadtgeschichte geschrieben \u2013 und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":379549,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[4657,1634,3364,29,30,17078,40176,1441,8078,8077],"class_list":{"0":"post-381328","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-stadtreporter","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-leonhardsviertel","14":"tag-rotlichtviertel","15":"tag-stuttgart","16":"tag-stuttgart-frueher","17":"tag-stuttgart-album"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115110846520529264","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/381328","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=381328"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/381328\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/379549"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=381328"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=381328"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=381328"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}