{"id":381359,"date":"2025-08-29T07:44:11","date_gmt":"2025-08-29T07:44:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/381359\/"},"modified":"2025-08-29T07:44:11","modified_gmt":"2025-08-29T07:44:11","slug":"noemi-iglesias-barrios-macht-algorithmen-der-liebe-sichtbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/381359\/","title":{"rendered":"Noemi Iglesias Barrios macht Algorithmen der Liebe sichtbar"},"content":{"rendered":"<p>Wie viele Rosen braucht es, um den Algorithmus der Liebe zu knacken? Die spanische K\u00fcnstlerin <strong>Noemi Iglesias Barrios<\/strong> hat es vor einigen Jahren getestet: Sie verabredete sich auf <strong>Tinder <\/strong>mit 40 verschiedenen Nutzern \u2013 40 Tage lang. Jedem einzelnen brachte sie eine Rose mit. Wie sie selbst betont: Die Begegnungen folgten dem Rhythmus eines Algorithmus, nicht den Launen des Herzens.<\/p>\n<p>Und dennoch: \u201eDu betreibst Forschung, bist im Prozess, bist aber auch selbst das Material. Es ist unm\u00f6glich, nichts zu f\u00fchlen. Das war manchmal schwierig und emotional\u201c, erkl\u00e4rt Iglesias Barrios der KURIER freizeit. Aus den gesammelten Erfahrungen entstand schlie\u00dflich das Werk Quarantine: Atemschutzmasken aus Porzellan, in deren Filter Rosen erbl\u00fchen.<\/p>\n<p><strong>Romantik<\/strong>, Liebe \u2013 und ihre gnadenlose Vermarktung \u2013 ziehen sich wie ein roter Faden durch ihre Arbeit. \u201eEs gibt einen ganzen Markt, der uns vorgibt, wie wir uns verhalten sollen, wenn wir verliebt sind \u2013 Restaurants, Kerzen, Blumen.\u201c<\/p>\n<p>Liebe geht bei Noemi Noemi Iglesias Barrios durch die Daten<\/p>\n<p>Sie versucht eigene Formen zu finden, um Zuneigung sichtbar zu machen. So auch in der Installation <strong>The Falling City<\/strong>, die ab 3. September beim<strong> Ars Electronica Festival<\/strong> in <strong>Linz <\/strong>gezeigt wird. Iglesias Barrios kartiert nicht Kriminalit\u00e4t, sondern Emotionen im \u00f6ffentlichen Raum. Eine Kamera erkennt K\u00fcsse, Umarmungen, H\u00e4ndchenhalten; sobald sie registriert werden, ver\u00e4ndert sich die Lichtintensit\u00e4t von tropfenartigen Gl\u00fchlampen \u2013 als w\u00fcrde die Stadt mitf\u00fchlen.<\/p>\n<p>Die Idee dazu kam ihr, als sie bei einer Technologiekonferenz Projekte sah, die mithilfe von Skeletterkennung vorhersagen, in welchen Stra\u00dfen Menschen stolpern oder in welchen Vierteln sich Gewalt h\u00e4uft. \u201eDa dachte ich: Wenn wir negatives Verhalten voraussagen k\u00f6nnen \u2013 warum nicht auch das positive? Wenn wir sehen k\u00f6nnen, ob jemand f\u00e4llt, warum nicht auch, ob er sich verliebt?\u201c<\/p>\n<p>Wie romantisch ist \u00d6sterreich?<\/p>\n<p>Sie hat es bereits in Athen und in Br\u00fcssel ausprobiert: \u201eIn Athen war das Zeigen von Emotionen in der \u00d6ffentlichkeit h\u00f6her.\u201c Offenbar stimmt das Klischee vom leidenschaftlicheren S\u00fcden. Wie es in Linz sein wird? \u201eDas kann man damit nicht vorhersagen.\u201c Aber: \u201eIch bin schon gespannt, ob Linz den griechischen Rekord bricht.\u201c<\/p>\n<p>Wahrsagerische F\u00e4higkeiten hat ein anderes Projekt, das ebenfalls in Linz zu erleben sein wird: Mit <strong>Dat\u2013Astral Chart<\/strong> bringt die K\u00fcnstlerin den Jahrmarkt ins Zeitalter der <strong>Algorithmen<\/strong>. Die sechseckige Maschine erinnert an die Wahrsageautomaten, die sie in den 1990er-Jahren in Spanien bestaunte: Hand auflegen, Zettel ziehen, Zukunft erfahren.<\/p>\n<p>In Linz simuliert der Apparat Fingerabdruck- und Smartphone-Scans, um den Besucherinnen und Besuchern eines von zw\u00f6lf \u201edigitalen Sternzeichen\u201c zuzuteilen. Es ist eine spielerische \u00dcbersetzung der Logik, mit der Algorithmen aus objektiven Daten Deutungen ableiten. Lichter, Sound und esoterische Gravuren kaschieren, dass es hier nicht um Magie geht, sondern um das Durchleuchten unserer digitalen Identit\u00e4t. \u201eWir schauen heute \u00f6fter auf unser Telefon als in die Sterne\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Daten sind f\u00fcr Iglesias Barrios nur ein Teil des Puzzles. Der andere besteht aus Symbolen, die \u00e4lter sind als jede Programmiersprache \u2013 vor allem Blumen.\u00a0<\/p>\n<p>Und immer diese Blumen<\/p>\n<p>Porzellanblumen tauchen immer wieder in ihrem Werk auf, allen voran die Rose. Wegen der Liebe, nat\u00fcrlich. Aber auch, um Br\u00fcche zu setzen: Chrysanthemen, in Spanien traditionell zu Beerdigungen. \u201eWenn man sich verliebt, gibt es Teile, die sterben.\u201c<\/p>\n<p>Gerne greift sie auch auf Nelken, Blumen der Revolution, zur\u00fcck: \u201eMan muss romantisch sein, um eine Revolution zu starten. Aber man muss auch revolution\u00e4r sein, um romantisch zu sein.\u201c<\/p>\n<p>                Ars Electronica Festival<\/p>\n<p>Das Ars Electronica Festival findet heuer vom 3. bis 7. September in Linz statt. Das diesj\u00e4hrige Motto lautet: \u201ePanic. Yes\/No\u201c. \u00dcber die ganze Stadt verteilt gibt es Ausstellungen, Performances und Konzerte. Die meisten davon in der Postcity beim Bahnhof.<\/p>\n<p>Zu den Highlights z\u00e4hlt die Er\u00f6ffnung am 3. September im Mariendom: Musikerinnen und Musiker des Bruckner Orchesters spielen Werke, inspiriert von Johann Strauss (Sohn), die von einer KI und jungen Komponistinnen und Komponisten neu erschaffen wurden. <a href=\"https:\/\/ars.electronica.art\/panic\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ars.electronica.art\/panic<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie viele Rosen braucht es, um den Algorithmus der Liebe zu knacken? 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