{"id":38145,"date":"2025-04-17T03:27:12","date_gmt":"2025-04-17T03:27:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/38145\/"},"modified":"2025-04-17T03:27:12","modified_gmt":"2025-04-17T03:27:12","slug":"halle-sandra-hueller-fuehrt-am-neuen-theater-erstmals-regie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/38145\/","title":{"rendered":"Halle: Sandra H\u00fcller f\u00fchrt am Neuen Theater erstmals Regie"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\n&#8222;Halle hat mich gefragt, ob ich hier arbeiten m\u00f6chte&#8220;, antwortet Sandra H\u00fcller auf die Frage, warum <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen-anhalt\/halle\/halle\/theater-oper-spielzeit-drama-eltern-kultur-news-100.html\" title=\"Neue Theater-Spielzeit in Halle: Sandra H\u00fcller gibt Regie-Deb\u00fct\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ihr Regiedeb\u00fct<\/a> ausgerechnet am Neuen Theater stattfindet. Ihre Arbeit passt aber auch gut an das Schauspiel in Halle. H\u00fcller, die f\u00fcr ihr Deb\u00fct das Performance Kollektiv &#8222;Farn&#8220; mitbringt, in dem sie neben Co-Regisseur Tom Schneider und Musiker Moritz Bossmann selbst Mitglied ist, sch\u00e4tzt eine offene Arbeitsweise, die es erm\u00f6glicht, Dinge auf der B\u00fchne konkret auszuprobieren.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nUnd die beiden Intendantinnen des Neuen Theaters, Mille Maria Dalsgaard und Mareike Mikat, kennen und finden so etwas auch gut. Das harmonisiert also. Bei der Matinee, vier Tage vor der Premiere, res\u00fcmiert H\u00fcller schon: &#8222;Es war begl\u00fcckend, wie alles andere auch.&#8220;\n<\/p>\n<p><a name=\"Sandra\">Sandra<\/a> H\u00fcller kennt sich mit Penthesilea-Stoff aus<\/p>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr ihr Deb\u00fct hat sich Sandra H\u00fcller das St\u00fcck &#8222;Penthesile:a:s&#8220; der franz\u00f6soschen Autorin MarDi (Marie Dilasser) ausgesucht. Es wurde 2021 beim Theaterfestival in Avignon uraufgef\u00fchrt. Dorothea Arnold, eine Freundin von H\u00fcller, und Fanny Bouquet, hatten es ins Deutsche \u00fcbersetzt. So sei sie darauf aufmerksam geworden, erkl\u00e4rt H\u00fcller bei der Matinee.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Und ich dachte, f\u00fcr das allererste Mal, das wir hier in Halle in dieser Konstellation zusammenarbeiten, w\u00e4re es vielleicht gut, wir w\u00e4hlen einen Stoff aus, mit dem ich mich auskenne.&#8220; H\u00fcller kennt den Penthesilea-Stoff durch das St\u00fcck von Heinrich von Kleist. Mit Jens Harzer hatte sie eine Zwei-Personen-Fassung des Klassikers zu den Salzburger Festspielen 2018 aufgef\u00fchrt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDoch der Kleisttext ist auch schon eine \u00dcberschreibung. Der Stoff basiert auf einem griechischen Mythos vom Kampf zweier Superhelden. Achilles ist der gr\u00f6\u00dfte K\u00e4mpfer der Griechen; Penthesilea die gr\u00f6\u00dfte K\u00f6nigin der Amazonen, eines Volkes, das sich entschlossen hat, nur noch aus K\u00e4mpferinnen zu bestehen \u2013 und M\u00e4nner nur sehr kurz zu dulden, um weiblichen Nachwuchs zu zeugen. Achilles t\u00f6tet Penthesilea. Das ist hier die mythische Vorgeschichte. Bei Kleist ist es \u00fcbrigens umgekehrt: Penthesilea t\u00f6tet Achill.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Halle hat mich gefragt, ob ich hier arbeiten m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Sandra H\u00fcller, Schauspielerin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><a name=\"Feministischer\">Feministischer<\/a> Blick auf antiken Stoff in Halle<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Penthesile:a:s&#8220; von MarDi will diesen Stoff aus heutiger Sicht \u00fcberschreiben; will einer patriarchalen Sicht auf den Stoff nicht nur eine feministische entgegensetzen, sondern auch eine Utopie ins Spiel bringen. In einem kurzen Prolog wird in diesem neuen Text beschrieben, wie die beiden K\u00e4mpfenden im Trojanischen Krieg aufeinandertreffen und sich Penthesilea in den Speer des Achilles st\u00fcrzt, der laut Textbuch wie der &#8222;Schwanz gehoben&#8220; sei.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn diesem Todes- und\/oder Vereinigungsmoment steht pl\u00f6tzlich die Zeit still und es kommt zu einem langen Dialog: Warum k\u00e4mpfen wir miteinander? Wer bist du? Wer bin ich? Wie k\u00f6nnte eine bessere Welt aussehen, in der patriarchale Strukturen keine Rolle mehr spielen; in der Penthesilea auch als Mensch ohne Geschlechtszuweisung existieren k\u00f6nnte? \u2013 Weswegen im St\u00fccktitel auch die beiden Doppelpunkte auftauchen. Dieser Dialog ist der Kern des St\u00fcckes.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/kino-und-film\/sandra-hueller-filme-empfehlung-104.html\" title=\"Sandra H\u00fcller: 6 herausragende Filme der Schauspielerin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sandra H\u00fcller<\/a> ist der St\u00fccktext von MarDi ein &#8222;Gedicht&#8220;, eine &#8222;sehr spezielle Form&#8220;. Sie betont: &#8222;Die beiden lassen sich ausreden.&#8220; In der heutigen Zeit sei das etwas besonderes und sie verweist auf die Politik: &#8222;Es gibt wenig Momente, wo ein Gedanke zu Ende gef\u00fchrt werden kann.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAm Ende des St\u00fcckes fordert Achill:e:s: &#8222;Nimm Platz in mir \/ Nimm meinen Platz ein.&#8220; Und Penthesile:a:s tut es: &#8222;Ich sickere ein durch den Stoff deiner Haut.&#8220; Penthesile:a:s und Achill:e:s verschmelzen zu einem utopischen &#8222;Wir&#8220;. Dieses &#8222;Wir&#8220; ist &#8222;weder Mann \/ weder Frau \/ weder Volk&#8220;. Am Ende steht &#8222;Eine Transformation \/ Eine Notwendige \/ Eine Lebenswichtige \/ Es Wird.&#8220;\n<\/p>\n<p><a name=\"Text\">Text <\/a>und Handlung bei Inszenierung getrennt<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Matinee findet im Neuen Theater im original aufgebauten B\u00fchnenbild statt. Vorne, vor der ersten Zuschauerreihe, stehen zw\u00f6lf St\u00fchle mit Notenpulten und Mikrofonen. Als Chor nach antikem Vorbild werden dort die zw\u00f6lf Schauspielerinnen und Schauspieler sitzen und den Text rezitieren. Je nach Szene treten sie dann ab, um in einer K\u00fcche zu agieren, die hinten auf der B\u00fchne steht.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Wir haben Text und Handlung getrennt&#8220;, erkl\u00e4rt H\u00fcller. Die Zuschauer und der Chor betrachten das Spiel in der K\u00fcche durch ein gro\u00dfes Fenster. Wobei es eher eine Wohnk\u00fcche ist: vorn am Fenster ist die Sp\u00fcle, links steht ein Buffett, darauf ein Radio, hinten ein betagtes E-Piano neben dem Herd, rechts ein K\u00fchlschrank mit Urlaubsfotos, schr\u00e4g dar\u00fcber ein Bild mit zwei tanzenden M\u00e4nnern, auch in einer K\u00fcche \u2013 ein Filmplakat: &#8222;Happy together&#8220; von Wong Kar-Wai.\n<\/p>\n<p>K\u00fcche als B\u00fchne im Neuen Theater<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas Regieteam w\u00e4hlt bewu\u00dft eine K\u00fcche als Kontrapunkt f\u00fcr den Text. &#8222;Wir wollten einen Ort w\u00e4hlen, der f\u00fcr alle lesbar und nicht mythisch oder mystisch ist, sondern ganz konkret ist \u2013 einen Ort, an dem man konkrete Handlungen vollziehen kann&#8220;, erkl\u00e4rt <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/thueringen\/west-thueringen\/gotha\/sandrea-hueller-oscar-jugend-friedrichroda-100.html\" title=\"Nach Oscar-Nominierung: Auf Spuren von Sandra H\u00fcller in Th\u00fcringen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sandra H\u00fcller<\/a>, und erg\u00e4nzt: &#8222;Diese Jahrtausende alte Geschichte von Penthesilea ist ja irgendwo in den K\u00f6rpern verankert. Wir haben aber unsere K\u00f6rper heute. Und wir gehen mit unseren K\u00f6rpern heute um. Und daraus ist dieser K\u00fcchenraum entstanden.&#8220;\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Wir wollten einen Ort w\u00e4hlen, der f\u00fcr alle lesbar und nicht mythisch oder mystisch ist.<\/p>\n<p>Sandra H\u00fcller<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr Co-Regisseur Schneider entsteht &#8222;zwischen Chor und K\u00fcche ein Resonanzraum.&#8220; Den es wirklich gibt. Zwischen Chor und K\u00fcche existiert ein leerer Raum, ein vielleicht sechs Meter tiefes Niemandsland \u2013 Was wird dort passieren? Wer wird dort agieren? F\u00fcr Schneider &#8222;oszilliert der Text zwischen Profanem und Sakralem.&#8220; Bei der K\u00fccheninsel, die in der K\u00fcchenmitte steht &#8222;sp\u00fcrt man noch den Opferstein.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Premiere am Neuen Theater Halle mit den zw\u00f6lf Choristen wird \u00fcbrigens am Gr\u00fcndonnerstag sein, dem Abend also, an dem Gottes Sohn mit seinen zw\u00f6lf J\u00fcngern das letzte Mal zusammen isst \u2013 es sind genau genommen also 13 Personen. Ein patriarchaler M\u00e4nnerclub ist es auch. In &#8222;Pentesile:a:s&#8220; sind es nicht zw\u00f6lf Christen, sondern Choristen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Halle hat mich gefragt, ob ich hier arbeiten m\u00f6chte&#8220;, antwortet Sandra H\u00fcller auf die Frage, warum ihr Regiedeb\u00fct&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":38146,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1860],"tags":[3364,29,548,663,3934,19881,30,4062,17332,13,66,19883,81,14,19880,15,19882,6211,17331,860,19879,12,94],"class_list":{"0":"post-38145","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-halle-saale","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-farn","14":"tag-germany","15":"tag-halle","16":"tag-halle-saale","17":"tag-headlines","18":"tag-kulturnachrichten","19":"tag-mardi","20":"tag-mdr","21":"tag-nachrichten","22":"tag-neues-theater-halle","23":"tag-news","24":"tag-penthesileas","25":"tag-regionalportal","26":"tag-saale","27":"tag-sachsen-anhalt","28":"tag-sandra-hueller","29":"tag-schlagzeilen","30":"tag-theater"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114351180588224231","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38145","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38145"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38145\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/38146"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}