{"id":38160,"date":"2025-04-17T03:35:09","date_gmt":"2025-04-17T03:35:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/38160\/"},"modified":"2025-04-17T03:35:09","modified_gmt":"2025-04-17T03:35:09","slug":"gablinger-beamte-sollen-auch-in-benachbarter-jva-gepruegelt-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/38160\/","title":{"rendered":"Gablinger Beamte sollen auch in benachbarter JVA gepr\u00fcgelt haben"},"content":{"rendered":"<p>Julian und Milan sind H\u00e4ftlinge der JVA Neuburg-Herrenw\u00f6rth, ein Gef\u00e4ngnis f\u00fcr den Jugendstrafvollzug. Sie sagen, dass sie in Neuburg gut behandelt werden: &#8222;Die Beamten sind nett, schauen auf jeden Einzelnen.&#8220; Umso ersch\u00fctterter sind die beiden von dem, was aus ihrer Sicht am 23.10.2024 passiert ist. <\/p>\n<p>An dem Tag findet in der JVA Neuburg-Herrenw\u00f6rth eine Drogenrazzia statt. Mit dabei: Mitglieder der sogenannten Sicherungsgruppe (SIG) der JVA Gablingen, also speziell ausgebildete Beamte f\u00fcr konflikthafte Situationen. Bis hierhin ein normales Prozedere, zumal die JVA Neuburg-Herrenw\u00f6rth keine eigene SIG und auch keinen eigenen Rauschgift-Sp\u00fcrhund hat.<\/p>\n<p>Gablinger Beamte r\u00fccken f\u00fcr Drogenrazzia an<\/p>\n<p>Was dann genau passiert, ist nicht bewiesen. Fest aber steht: Nach der Razzia wendet sich der Leiter der JVA Neuburg-Herrenw\u00f6rth ans Bayerische Justizministerium. Der Verdacht: Vier seiner H\u00e4ftlinge wurden wom\u00f6glich durch die Gablinger SIG-Einheit verletzt &#8211; also durch die Beamten, <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/jva-gablingen-missstaende-anti-folter-kommission-bestaetigt,UbwfLkW\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gegen die bereits wegen mutma\u00dflicher \u00dcbergriffe in Gablingen ermittelt wird<\/a>. Das Ministerium informiert dar\u00fcber auch die Augsburger Staatsanwaltschaft und sp\u00e4ter den Justizausschuss. <\/p>\n<p>Zwei der Verletzten sind nach ihren eigenen Aussagen Milan und Julian. Milan berichtet, dass er sich am Morgen der Razzia mit rund 20 weiteren Gefangenen in der Turnhalle aufreihen muss. Hinter ihm habe der Sp\u00fcrhund M\u00e4nnchen gemacht. Sofort h\u00e4tten zwei SIG-Beamte ihm die Arme nach hinten verdreht und ihn in einen Nebenraum gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Schwere Vorw\u00fcrfe gegen zwei Beamte<\/p>\n<p>Dort muss er sich entkleiden, erz\u00e4hlt Milan. &#8222;In dem Moment, als ich mein T-Shirt weggelegt hatte, ist einer der beiden Beamten mir an die Kehle gegangen, ich bin dadurch circa eineinhalb Meter nach hinten geflogen.&#8220; Die Gablinger Beamten h\u00e4tten ihn am Boden fixiert, einer ihm die Luft abgedr\u00fcckt und gefragt: &#8222;Wo ist Dein Stoff, wo ist Dein Stoff?&#8220;<\/p>\n<p>Milan verneint, Drogen zu besitzen. &#8222;Dann hat mir ein SIG-Beamter zweimal mit den Sicherheitshandschuhen in die linke Gesichtsh\u00e4lfte geschlagen.&#8220; Einer der beiden Beamten habe gerufen: &#8222;Du Bastard, ich hau&#8216; Dir die Z\u00e4hne raus, wo ist Dein Stoff?\u201c Milan beteuert erneut, keine Drogen zu besitzen.<\/p>\n<p>H\u00e4ftling klagt \u00fcber Wunde und Kopfschmerzen<\/p>\n<p>Nach dem Vorfall muss Milan zur Drogenkontrolle. Der Urintest sei negativ ausgefallen, sagt Milan. In der Krankenstation der JVA sei eine Wunde \u00fcber dem linken Auge dokumentiert worden. &#8222;Ich hatte zwei bis drei Tage lang Kopfschmerzen.&#8220; <\/p>\n<p>Milans Zellengenosse Julian berichtet von noch heftigeren \u00dcbergriffen. &#8222;Was hat die Durchsuchung denn gebracht? Die haben eh nichts gefunden\u201c, sagt Julian, als er von der Turnhalle zur\u00fcck in der Zelle ist. Kurz darauf sei &#8222;ein gro\u00dfer Beamter der SIG&#8220; hereingest\u00fcrmt. <\/p>\n<p>Der Beamte habe ihn zun\u00e4chst auf einen Stuhl und dann mit seinem Knie in seine Rippen gedr\u00fcckt. &#8222;Was haben wir nicht gefunden? Wo ist der Stoff?&#8220;, habe der Beamte gesagt. Julian spannt seine Muskeln an. &#8222;Aus Schutz&#8220;, wie er sagt. Der Beamte habe erwidert: &#8222;Du spannst ja an?!&#8220;, ihn am Genick gepackt und vor die Zelle gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe keine Luft mehr bekommen und gezappelt&#8220;<\/p>\n<p>Dort habe ihn ein anderer SIG-Beamter am Kehlkopf gepackt und hochgehoben. &#8222;Ich habe keine Luft mehr bekommen und gezappelt. Das ist ja auch normal, dass man sich da wehrt. Dann habe ich gleich einen Schlag gegen die Schl\u00e4fe bekommen.&#8220; <\/p>\n<p>Julian wird nach eigener Aussage auf den Boden bugsiert. Die SIG-Beamten dr\u00fccken die H\u00e4nde \u00fcber seinem Kopf auf den Boden, berichtet Julian. Trotzdem h\u00e4tten sie von ihm verlangt, die H\u00e4nde auf den R\u00fccken zu nehmen. &#8222;Ich habe es versucht, aber es ging nat\u00fcrlich nicht. Das habe ich auch zweimal gesagt.&#8220; Daraufhin h\u00e4tte ein SIG-Beamter erwidert: &#8222;Er widersetzt sich&#8220;, und Julian mit der Faust in die Rippen geschlagen. <\/p>\n<p>H\u00e4ftlinge: &#8222;Juristin&#8220; hat den Einsatz begleitet<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend sei er <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/jva-gablingen-haeftlinge-sassen-24-tage-in-umstrittenen-zellen,UXNtSdk\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in den bgH-Raum gesperrt worden<\/a>. Eine Spezialzelle, teils ohne jegliche Einrichtung, die nur als Ultima Ratio vorgesehen ist, wenn H\u00e4ftlinge sich selbst oder andere gef\u00e4hrden. &#8222;Mir wurden die Anziehsachen mit einer Schere vom K\u00f6rper geschnitten. Der Beamte hat gesagt: &#8218;Sag uns jetzt, wo der Stoff ist!&#8216; Ich habe geantwortet, dass ich von nichts wei\u00df. Darauf sagte der SIG-Beamte: &#8218;Du bleibst mindestens sechs Tage im bgH, dann schauen wir mal, ob Du es Dir anders \u00fcberlegst.'&#8220;<\/p>\n<p>Julian sagt, dass &#8222;eine Juristin&#8220; seine bgH-Haft angeordnet habe. Die Frau sei auch &#8222;zwei bis drei Meter daneben gestanden&#8220;, als er vor seiner Zelle von SIG-M\u00e4nnern geschlagen worden sei. Auch Milan berichtet von einer Juristin, die bei der Durchsuchung in der Turnhalle dabei gewesen sei. Die Frau habe &#8222;kurz durch ein Fenster geschaut&#8220;, als er sich nach dem mutma\u00dflichen Angriff auf ihn wieder angezogen habe.<\/p>\n<p>Welche Rolle spielte die Gablinger Vize-Chefin?<\/p>\n<p>So wie die beiden niederbayerischen H\u00e4ftlinge die Frau beschreiben, handelt es sich offenbar um die damalige stellvertretende Leiter der JVA Gablingen. Laut dem bayerischen Justizministerium war sie beim Einsatz in Neuburg dabei: &#8222;Ihre Rolle bei dem Vorfall ist Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen.&#8220; <\/p>\n<p>Schl\u00e4ge gegen den Kopf oder W\u00fcrgegriffe am Hals, wie von den H\u00e4ftlingen beklagt, seien &#8222;grunds\u00e4tzlich bei keinen Einsatz- oder Zugriffstechniken vorgesehen&#8220;, schreibt das Ministerium auf BR-Nachfrage. Nur in Einzelf\u00e4llen sei ein solches Verhalten gerechtfertigt. Als Beispiel nennt das Ministerium Notwehr.<\/p>\n<p>&#8222;Stets im Rahmen geltenden Rechts bewegt&#8220;<\/p>\n<p>Der BR hat die JVA Gablingen und die Augsburger Staatsanwaltschaft zu den Vorw\u00fcrfen der H\u00e4ftlinge befragt. Wegen laufender Ermittlungen gaben die Beh\u00f6rden jedoch keine weiteren Ausk\u00fcnfte.<\/p>\n<p>Der Anwalt der fr\u00fcheren Gablinger Vize-Chefin erkl\u00e4rt, sich zu &#8222;Aussagen m\u00f6glicher Zeugen&#8220; erst zu \u00e4u\u00dfern, &#8222;wenn uns die Aussagen als Bestandteil einer Akte offiziell zur Verf\u00fcgung gestellt wurden&#8220;. Zu betonen sei: &#8222;Unsere Mandantin hat sich selbstverst\u00e4ndlich stets im Rahmen ihrer Zust\u00e4ndigkeit bewegt und dann auch im Rahmen geltenden Rechts.&#8220;<\/p>\n<p>In der Causa Gablingen ermittelt die Staatsanwaltschaft Augsburg gegen mindestens 17 Bedienstete der JVA Gablingen. Es gilt die Unschuldsvermutung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Julian und Milan sind H\u00e4ftlinge der JVA Neuburg-Herrenw\u00f6rth, ein Gef\u00e4ngnis f\u00fcr den Jugendstrafvollzug. 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