{"id":381801,"date":"2025-08-29T12:27:13","date_gmt":"2025-08-29T12:27:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/381801\/"},"modified":"2025-08-29T12:27:13","modified_gmt":"2025-08-29T12:27:13","slug":"warum-spielen-die-franzosen-kaum-franzoesisches","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/381801\/","title":{"rendered":"Warum spielen die Franzosen kaum Franz\u00f6sisches?"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspAOg2\">Der Schlamassel begann schon vor 175 Jahren. Aus Wut \u00fcber die Programmpolitik der Pariser Konzertveranstalter gr\u00fcndete Camille Saint-Sa\u00ebns mit ein paar Kollegen 1871 die \u201eSoci\u00e9t\u00e9 nationale de musique\u201c. Ihr einziges Ziel: Die Werke einheimischer Komponisten sollten in den S\u00e4len der franz\u00f6sischen Hauptstadt erklingen und nicht immer nur Beethoven, Mozart, Mendelssohn und Schumann!<\/p>\n<p class=\"tspAOg2\">Der Zeitpunkt war g\u00fcnstig gew\u00e4hlt, nach dem verlorenen Krieg gegen die Deutschen fand die \u201eArs Gallica\u201c-Bewegung auch beim Publikum Unterst\u00fctzung. Wirklich nachhaltig aber war der Aufstand der protestierenden Tonsetzer nicht. Wenn jetzt beim \u201eMusikfest Berlin 2025\u201c vier Orchester sowie ein Profichor aus Paris gastieren, werden 15 verschiedene Werke gespielt \u2013 aber nur drei davon sind \u201emade in France\u201c.<\/p>\n<p> Das Festival <\/p>\n<p class=\"tspAOg2\">Das \u201eMusikfest Berlin\u201c findet vom <strong>30. August <\/strong>bis zum <strong>23. September<\/strong> statt. Orchester aus <strong>Frankreich<\/strong>, Italien, den <strong>Niederlanden<\/strong>, Schweden und <strong>S\u00fcdkorea <\/strong>gastieren in der Philharmonie.<\/p>\n<p class=\"tspAOg2\">Mit dabei sind auch die <strong>Berliner Philharmoniker<\/strong>, die Staatskapelle Berlin, das DSO, das RSB, der Rias Kammerchor, das <strong>Konzerthausorchester <\/strong>sowie das Orchester und die <strong>Big Band <\/strong>der Deutschen Oper.   <\/p>\n<p class=\"tspAOg2\">Dabei hat die franz\u00f6sische Musikgeschichte so viel mehr zu bieten als immer nur Maurice Ravels \u201eBolero\u201c und<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/schottische-gaste-bei-young-euro-classic-nur-nicht-mit-applaus-geizen-14144051.html?icid=in-text-link_14219360\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Hector Berlioz\u2018 \u201eSymphonie fantastique\u201c.<\/a> Selbst auf dem Feld der Sinfonik, die bei unseren Nachbarn stets im Schatten der Opernproduktionen stand. Es ist ein Teufelskreis: Je seltener bestimmte Partituren erklingen, desto mehr geraten sie in Vergessenheit. Das f\u00fchrt wiederum dazu, dass die Veranstalter glauben, das Publikum lasse sich mit diesen unbekannten St\u00fccken nicht anlocken.<\/p>\n<p> Altbekannte Meisterwerke <\/p>\n<p class=\"tspAOg2\">Winrich Hopp, der k\u00fcnstlerische Leiter des \u201eMusikfest Berlin\u201c, mag sich dar\u00fcber nicht aufregen. Schlie\u00dflich sei es doch auch interessant, altbekannte Werke von ausw\u00e4rtigen Orchestern zu h\u00f6ren. Denn jedes Ensemble hat seine eigene Klangkultur. <\/p>\n<p class=\"tspAOg2\">Hopp kennt aber auch nur zu gut die Zw\u00e4nge, unter denen Orchester stehen, wenn sie im Ausland auf Tournee gehen. Weil die Reisen immer mehr kosten \u2013 und gleichzeitig genauer auf den \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck geachtet wird \u2013 m\u00f6chten sich die Musikerinnen und Musiker mit dem Besten pr\u00e4sentieren, das sie zu bieten haben. Und das sind eben fast immer dieselben Meisterwerke des internationalen Kernrepertoires.<\/p>\n<p> Von Beethoven bis Bolero <\/p>\n<p class=\"tspAOg2\">Das <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/shootingstar-klaus-makela-beim-musikfest-berlin-entenlaut-und-gansehaut-12297992.html?icid=in-text-link_14219360\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Amsterdamer Concertgebouworkest<\/a> pr\u00e4sentiert zum \u201eMusikfest\u201c-Auftakt am 30. August Bela Bartok, das Orchestre de Paris hat Jean Sibelius im Gep\u00e4ck, das Orchestre des Champs-Elys\u00e9es interpretiert Beethoven. Und die <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/daniil-trifonov-in-der-philharmonie-schmelztiegel-der-nationen-11665487.html?icid=in-text-link_14219360\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Accademia di Santa Cecilia<\/a> aus Rom hat sich ironischerweise f\u00fcr Claude Debussys \u201eLa mer\u201c entschieden, neben dem \u201eBolero\u201c und der \u201eFantastique\u201c das dritte franz\u00f6sische Werk im ewigen Sinfonik-Kanon. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/winrich-hopp.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14213246\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBWlw\"\/> Winrich Hopp ist seit 19 Jahren k\u00fcnstlerischer Leiter des \u201eMusikfest Berlin\u201c. <\/p>\n<p class=\"tspACfq\"> \u00a9 Reto Klar Funke\/Fotoservices\/Berliner Festspiele\u00a0 <\/p>\n<p class=\"tspAOg2\">\u00c4hnliche R\u00fccksichten wie die Gastorchester haben auch die Berliner Akteure zu nehmen, die beim \u201eMusikfest\u201c dabei sind, erkl\u00e4rt Winrich Hopp. Denn ihr Auftritt ist zumeist zugleich ihr erstes Abo-Programm \u2013 und die St\u00fcckauswahl wird darum mit Blick auf das Stammpublikum getroffen. <\/p>\n<p> Global vernetzter Klassikmarkt <\/p>\n<p class=\"tspAOg2\">F\u00fcr einen Festivalmacher sind die Spielr\u00e4ume also denkbar eng im global vernetzten Klassikmarkt der Spitzenklasse. Was allerdings Winrich Hopp umso mehr dazu anstachelt, die Orchester zu mutigen Entscheidungen zu bewegen. \u00dcber Jahrzehnte hat der 1961 geborene, promovierte Musikwissenschaftler seine Netzwerke aufgebaut. In den 19 Jahren, die er jetzt schon das hauptst\u00e4dtische \u201eMusikfest\u201c leitet, konnte er immer wieder <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/vom-triebleben-der-tone-5793490.html?icid=in-text-link_14219360\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">spektakul\u00e4re Projekte<\/a> pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p> Mehr zum Thema lesen Sie hier <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/sommerliche-opernfestivals-kalte-fusse-kriegen-in-bayreuth-14201339.html?icid=topic-list_14219360___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCMoe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sommerliche Opernfestivals Kalte F\u00fc\u00dfe kriegen in Bayreuth <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/reise\/ein-dorf-wie-ein-konzertsaal-in-den-schweizer-alpen-trifft-bach-auf-bergkase-14134442.html?icid=topic-list_14219360___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCMoe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ein Dorf wie ein Konzertsaal In den Schweizer Alpen trifft Bach auf Bergk\u00e4se <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/vorfreude-auf-die-neue-berliner-opernsaison-was-man-in-der-kommenden-spielzeit-nicht-verpassen-sollte-14186798.html?icid=topic-list_14219360___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCMoe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vorfreude auf die neue Berliner Opernsaison Was man in der kommenden Spielzeit nicht verpassen sollte <\/a><\/p>\n<p class=\"tspAOg2\">In diesem September stehen nun zwei hundertste Geburtstage im Fokus \u2013 von Luciano Berio und Pierre Boulez \u2013 sowie zwei neunzigste und ein achtzigster \u2013 von <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/wozu-heute-noch-komponieren-herr-lachenmann-gute-frage-14214290.html?icid=in-text-link_14219360\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Helmut Lachenmann<\/a> und Arvo P\u00e4rt sowie der Koreanerin Younghi Pagh-Paan, die seit 1994 als erste Frau \u00fcberhaupt in Deutschland eine Professur f\u00fcr Komposition innehat, an der Bremer Musikhochschule. <\/p>\n<p class=\"tspAOg2\">Was sich zun\u00e4chst ziemlich konventionell anh\u00f6rt, relativiert sich, wenn man wei\u00df, dass Hopps gr\u00f6\u00dfte Herzensangelegenheit stets die Pflege der Klassiker der Moderne war. Denn nur wenn die Orchester die bedeutendsten zeitgen\u00f6ssischen Partituren regelm\u00e4\u00dfig spielen, so sein Argument, kann sich jene Vertrautheit mit dem Notentext einstellen, die f\u00fcr eine tiefgehende Interpretation n\u00f6tig ist. Zumindest in diesem Punkt ist er gedanklich gar nicht so weit von Camille Saint-Sa\u00ebns und der \u201eSoci\u00e9t\u00e9 nationale de musique\u201c entfernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Schlamassel begann schon vor 175 Jahren. 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