{"id":381952,"date":"2025-08-29T13:46:12","date_gmt":"2025-08-29T13:46:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/381952\/"},"modified":"2025-08-29T13:46:12","modified_gmt":"2025-08-29T13:46:12","slug":"queerfeindlichkeit-neue-allianzen-im-kampf-gegen-queerfeindliche-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/381952\/","title":{"rendered":"Queerfeindlichkeit \u2013 Neue Allianzen im Kampf gegen queerfeindliche Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img310636\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/310636.jpeg\" alt=\"Das Tuntenhaus wurde auch durch ein breites Solidarit\u00e4tsnetzwerk gerettet. Nun soll es eine neue, gr\u00f6\u00dfere Allianz geben.\"\/><\/p>\n<p>Das Tuntenhaus wurde auch durch ein breites Solidarit\u00e4tsnetzwerk gerettet. Nun soll es eine neue, gr\u00f6\u00dfere Allianz geben.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Bernd von Jutrczenka<\/p>\n<p>\u00dcber mehrere Stunden lang wurde die queere Bar \u00bbTipsy Bear\u00ab Ende Juni angegriffen \u2013 und das bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten. Sieben bis acht Personen hatten zun\u00e4chst Regenbogenflaggen abgerissen und seien mehrere Male wiedergekommen. Einer sei vor der T\u00fcr mit einem Baseballschl\u00e4ger auf Betreiber und G\u00e4ste zugerannt, die sich daraufhin in der Bar einschlossen, erkl\u00e4rte der Inhaber. Keine 24 Stunden sp\u00e4ter wurde der Betreiber des Schwulen-Cafes \u00bbRomeo und Romeo\u00ab vor seinem Gesch\u00e4ft bedroht und mit einer Bierflasche angegriffen. Er musste mit Platzwunde ins Krankenhaus.<\/p>\n<p>Im Vorjahr hatte die Opferberatungsstelle Maneo mit 738 F\u00e4llen einen damals neuen <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193179.studie-zu-queerem-leben-in-berlin-berlin-regenbogenfahne-reicht-nicht.html?sstr=maneo\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">H\u00f6chststand queerfeindlicher Vorf\u00e4lle in Berlin<\/a> registriert \u2013 K\u00f6rperverletzungen, Beleidigungen, Angriffe auf Gedenkorte. Zahlen f\u00fcr 2025 gibt es noch nicht. Zur Veranschaulichung der steigenden Zahlen aber seien hier die 45 Ermittlungsverfahren erw\u00e4hnt, die allein im Umfeld des queeren Cafes \u00bbDas Hoven\u00ab in den vergangenen 18 Monaten bereits eingeleitet wurden.<\/p>\n<p>Fest steht, queerfeindliche Gewalt \u2013 das wird neben Beratungsf\u00e4llen auch aus polizeilichen Erfassungen der vergangenen Jahre deutlich \u2013 stellt ein wachsendes Problem dar. Bundesweit, aber auch in der LGBTQ-Hauptstadt Berlin und im traditionell queeren Ortsteil Prenzlauer Berg. Zur Selbsthilfe haben sich daher nun mehrere Veranstaltungsorte, Kollektive und Einzelpersonen dort zur \u00bbQueer Neighborhood Association\u00ab (Queere Nachbarschaftsvereinigung) zusammengeschlossen. \u00bbDiese Vorf\u00e4lle sind keine Einzelf\u00e4lle. Sie sind Teil einer zunehmenden Welle von Queer-Hass, angeheizt durch die extreme Rechte, Faschismus und die Kommerzialisierung unseres Lebens\u00ab, hei\u00dft es in der zur Gr\u00fcndung verschickten Pressemitteilung.<\/p>\n<p>Zur Allianz geh\u00f6ren neben gro\u00dfen und etablierten H\u00e4usern wie der Volksb\u00fchne und dem Ballhaus Ost auch Szenegr\u00f6\u00dfen und sichere R\u00fcckzugs- und Wohnorte wie das Tuntenhaus, das Wagenkollektiv Marzipan, das Hausprojekt Brunnenstra\u00dfe 6\/7 sowie die betroffene Bar \u00bbTipsy Bear\u00ab. Das Ziel: Zun\u00e4chst \u00bbgemeinsam eine \u00f6ffentliche Aktion in der Nachbarschaft planen\u00ab. Dies soll jedoch nur der Auftakt sein f\u00fcr \u00bbein dauerhaftes Netzwerk der queeren Community, beginnend in Prenzlauer Berg-Pankow, aber mit der Vision, es auf die ganze Stadt auszuweiten\u00ab.<\/p>\n<p>Den Auftakt dazu soll an diesem Sonntag ein Aktionstag bilden, mit einer Demonstration ab Volksb\u00fchne, mit Musik, Performances und Afterparty im \u00bbTipsy Bear\u00ab. \u00bbWir rufen zu queerer Sichtbarkeit auf den Stra\u00dfen von Prenzlauer Berg auf, um die queere Szene, k\u00fcnstlerische Institutionen und Verb\u00fcndete aus der Nachbarschaft miteinander zu vereinen\u00ab, so die Queer Neighborhood Association. Diese nachbarschaftliche Selbsthilfe ist dabei nicht nur eine direkte Antwort auf die \u00dcbergriffe in den vergangenen Monaten. Es gehe auch um den \u00bbR\u00fcckgang administrativer Unterst\u00fctzung\u00ab, um Verdr\u00e4ngung und den Verlust sicherer Kultur- und Wohnorte. \u00bbSelbstorganisierte R\u00e4ume wie Liebig 34 und Mollies wurden bereits ger\u00e4umt, w\u00e4hrend das Tuntenhaus und der queere Wagenplatz Marzipan st\u00e4ndig von Gentrifizierung und der extremen Rechten bedroht sind.\u00ab Denn hinter der zunehmenden Gewalt stehen letztlich ein immer st\u00e4rker zunehmender Rechtsdrift in der Politik, eine restriktive Administration, polizeiliche Repressionen gegen linke Projekte, Budget-K\u00fcrzungen f\u00fcr Kulturprojekte und ein gesamtgesellschaftlich sich aufheizendes rechtes Klima, das den Hass gegen marginalisierte Gruppen bef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Dass in Zeiten dieses autorit\u00e4ren Drifts nachbarschaftliche Selbsthilfe und solidarische Selbstorganisation f\u00fcr queeres Leben essenziell ist, zeigt gerade auch das Beispiel des Association-Mitglieds Tuntenhaus: Nach Monaten der Ungewissheit konnte es erst 2024 durch ein breites Solidarit\u00e4tsb\u00fcndnis und durch Druck von der Stra\u00dfe auf die urspr\u00fcnglichen potenziellen K\u00e4ufer und auf den Bezirk Pankow gerettet werden. Der Bezirk \u00fcbte schlie\u00dflich <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1182220.queeres-wohnprojekt-tuntenhaus-gerettet-bezirk-uebt-vorkaufsrecht-aus.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sein Vorkaufsrecht aus<\/a>. Die K\u00e4ufer h\u00e4tten sich durch eine sogenannte Anwendungsvereinbarung verpflichten m\u00fcssen, auf eine Luxussanierung zu verzichten, hatten es aber nicht getan. So konnte erreicht werden, dass das Hausprojekt unter einem gemeinwohlorientierten Eigent\u00fcmer fortbesteht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Tuntenhaus wurde auch durch ein breites Solidarit\u00e4tsnetzwerk gerettet. Nun soll es eine neue, gr\u00f6\u00dfere Allianz geben. 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