{"id":382085,"date":"2025-08-29T14:59:13","date_gmt":"2025-08-29T14:59:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382085\/"},"modified":"2025-08-29T14:59:13","modified_gmt":"2025-08-29T14:59:13","slug":"erzbischof-koch-erinnert-sich-an-bewegenden-weltjugendtag-in-koeln-2005","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382085\/","title":{"rendered":"Erzbischof Koch erinnert sich an bewegenden Weltjugendtag in K\u00f6ln 2005"},"content":{"rendered":"<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Sie waren damals als Generalsekret\u00e4r f\u00fcr den Weltjugendtag verantwortlich. Welche Aufgaben hatten Sie da?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Dr. Heiner Koch (Erzbischof von Berlin, damals Generalsekret\u00e4r des Weltjugendtags 2005):\u00a0<\/strong>Zun\u00e4chst einmal ist in den drei Jahren vor dem Weltjugendtag viel vorzubereiten: von der Bewerbung, der Ansprache, \u00fcber den Papst, bis hin zum Tag selbst. Mit vielen Freiwilligen, die drei Jahre lang bangen, hoffen, Ideen sammeln oder das Weltjugendtagskreuz auf die Weltreise bringen. Die Herausforderung ist auch, die Tage selbst\u00a0mit h\u00f6chster Wachheit zu gestalten.<\/p>\n<p>Ich glaube, ich habe in diesen Tagen insgesamt f\u00fcnf Stunden geschlafen. Mit der Ungewissheit, nicht zu wissen, was nicht vorhersehbar war. Zu schauen, dass es inhaltlich gut geht, dass es mit dem Heiligen Vater gut geht. Auch danach gab es viel zu besprechen: Interviews, Rechnungen zahlen, das Ganze aufarbeiten und an den Nachfolger weitergeben. Es war ein herzzerrei\u00dfender, aber auch ein Herz mitnehmender Auftrag, den ich hatte.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Papst Benedikt XVI. war damals frisch im Amt. Erinnern Sie sich noch an die Begegnungen mit ihm? Wie haben Sie die erlebt?<\/p>\n<p><strong>Erzbischof Koch:\u00a0<\/strong>Zun\u00e4chst einmal hatten wir alles darauf vorbereitet, dass Papst Johannes Paul II. nach K\u00f6ln kommt. Er wurde zwar immer schw\u00e4cher und das Programm wurde immer wieder ver\u00e4ndert, aber dann starb er.\u00a0<\/p>\n<p>Wir waren froh, dass Papst Benedikt kam. Streng genommen h\u00e4tte der nachfolgende Papst n\u00e4mlich entscheiden k\u00f6nnen, dass er unter Umst\u00e4nden nicht nach K\u00f6ln kommt und es absagt. Wir haben ihn dann \u00f6fter interviewt und gefragt, wie er sich das vorstellt.\u00a0<\/p>\n<p>Denn es gab eine ganze Reihe von Punkten, bei denen die Verantwortlichen in Rom und wir in Deutschland mit Kardinal Meisner, Kardinal Lehmann, dem BDKJ und der katholischen Jugend unterschiedlicher Meinungen waren. Wir hatten unsere eigenen Vorstellungen.\u00a0<\/p>\n<p>Einer der H\u00f6hepunkte der Vorbereitung war, dass wir nach Rom geladen wurden. Kardinal Meisner und ich sind hingefahren und dann sa\u00dfen uns die ganzen r\u00f6mischen Verantwortlichen und der Heilige Vater gegen\u00fcber. Der sagte dann immer, dass wir vortragen sollen, warum wir das so machen wollen. Das habe ich dann gemacht und dann hat die Gegenseite, wenn ich so sagen darf, ihre Argumente vorgetragen.\u00a0<\/p>\n<p>        Papst Benedikt XVI. nach Aussage von Erzbischof Koch<\/p>\n<p>&#8222;Ach wissen Sie, vertrauen wir doch den K\u00f6lnern.&#8220;<\/p>\n<p>Der Heilige Vater Benedikt hat dann immer gesagt: &#8222;Ach wissen Sie, vertrauen wir doch den K\u00f6lnern.&#8220; Wir haben in allen Punkten Recht bekommen. Das fing bei der Wallfahrt an. Ob das im Boot ging, ob es auf dem Rhein m\u00f6glich ist, ob das mit den Begegnungen mit der Synagogengemeinde ging und dergleichen mehr. An allen Punkten hat er uns das Vertrauen ausgesprochen. Was ist das f\u00fcr eine Erfahrung von Kirche, die wir damals gemacht haben.\u00a0<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Welche Erinnerungen haben Sie sonst an den Weltjugendtag? Was hat Sie besonders beeindruckt?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Erzbischof Koch:\u00a0<\/strong>Es ist unendlich viel. Zun\u00e4chst einmal, dass es gelungen ist, so viele Jugendliche aus der ganzen Welt hierher zu bekommen\u00a0\u2013 auch aus L\u00e4ndern, wo gar keine Einreisem\u00f6glichkeit bestand. Dass es uns gelang, viele Jugendliche aus der ganzen Welt, die finanziell am Rande stehen, nach K\u00f6ln zu bekommen. Und es ist friedlich verlaufen.\u00a0<\/p>\n<p>Was mich sehr bewegt hat, ist, dass die Botschaft und die Art und Weise, diesen Weltjugendtag als Dreik\u00f6nigswallfahrt zu gestalten, gegl\u00fcckt sind. Und dass die Botschaft, die vermittelt wurde, auch f\u00fcr die Jugendlichen aktuell war. Das war f\u00fcr uns ganz wichtig.<\/p>\n<p>Besondere Erinnerungen sind erstens die Fahrt mit dem Heiligen Vater auf dem Rhein. Zigtausende bis Hunderttausende standen im Wasser, als wir da entlangfuhren. Was mich bewegt hat, war der Besuch der Synagoge. Es war das erste Mal, dass ein Papst n\u00f6rdlich der Alpen eine Synagoge besuchte. Was war das f\u00fcr eine Vorbereitung und f\u00fcr eine Spannung zwischen diesen Glaubensgemeinschaften, die doch so eng verbunden sind? Bis heute h\u00e4lt die Freundschaft zu ihnen an.\u00a0<\/p>\n<p>        Erzbischof Koch<\/p>\n<p>&#8222;Die Stimmung in K\u00f6ln, die Begeisterung, die Gastfreundschaft: Darauf haben wir gebaut und das hat sich voll erf\u00fcllt.&#8220;<\/p>\n<p>Was mich auch sehr bewegt hat, war die liturgische Nacht vom Samstag auf den Sonntag, wo das Weltjugendtagskreuz hineinkam. J\u00fcdische Musik, christliche Musik, K\u00fcnstler, die da mit 800.000 Jugendlichen eine Nacht der Betrachtung gestaltet haben.\u00a0<\/p>\n<p>Zu wissen, dass das alles insgesamt\u00a0\u2013 den Schlussgottesdienst und diese Nacht\u00a0\u2013 250 Millionen Menschen auf der ganzen Welt im Fernsehen live sahen, das hat mich wirklich begeistert. Die Stimmung in K\u00f6ln, die Begeisterung, die Gastfreundschaft: Darauf haben wir gebaut und das hat sich voll erf\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Ganz selten sieht man noch den Pilger-Rucksack. Wissen Sie noch, was da alles drin war?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Erzbischof Koch:\u00a0<\/strong>Ja, das N\u00f6tigste war drin: Getr\u00e4nkeflaschen, Stadtf\u00fchrer, Texte, Programme, einiges zum Knabbern und andere Naturalien. Aber das wurde stark geteilt und Neues kam hinzu. Noch heute begegne ich diesem Rucksack und bin wirklich von Herzen froh.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Was ist denn jetzt 20 Jahre sp\u00e4ter vom Weltjugendtag geblieben?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Erzbischof\u00a0Koch:\u00a0<\/strong>Erstens ist die Erinnerung bei denen, die teilgenommen haben, ganz lebendig, insbesondere bei den vielen Jugendlichen. Wir haben hier drei Jahre lang mit Jugendlichen aus der ganzen Welt diese Tage vorbereitet. Zweitens ist es die innere Botschaft, die geblieben ist.\u00a0<\/p>\n<p>        Erzbischof Koch<\/p>\n<p>&#8222;Die Spannungen sind viel gr\u00f6\u00dfer\u00a0\u2013 innerkirchlich wie au\u00dferkirchlich.&#8220;<\/p>\n<p>Ich habe in meinem Wappen und meinem Bischofsstab die Dreik\u00f6nigsgeschichte, die Anbetung, dargestellt. Das habe ich \u00fcbernommen. Drittens die Tatsache, dass wir eine missionarische Kirche sind und dass wir heute in einer ganz anderen Zeit leben. Die Spannungen sind viel gr\u00f6\u00dfer\u00a0\u2013 innerkirchlich wie au\u00dferkirchlich.\u00a0<\/p>\n<p>Wir stehen vor neuen Herausforderungen. Aber die Drei K\u00f6nige haben damals vieles geschafft und wir schaffen das auch. Das ber\u00fchmte Zitat ist sicherlich auch f\u00fcr uns pr\u00e4gend gewesen. In einer schwierigen Situation hat mir dieser Weltjugendtag oftmals sehr viel Kraft gegeben.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Heute Abend steht die gro\u00dfe Festmesse an. Wie haben Sie sich denn darauf vorbereitet? Wor\u00fcber werden Sie sprechen?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Erzbischof\u00a0Koch:\u00a0<\/strong>Ich werde heute \u00fcber die Hoffnung sprechen, denn das ist sicherlich eine Situation, die sich ver\u00e4ndert hat. Es war damals so ein St\u00fcck weit eine Hoffnungswallfahrt und wir erlebten die Zion-Wallfahrt, die Weltfahrt der V\u00f6lker, live mit.\u00a0<\/p>\n<p>Aber es ist so viel in der Gesellschaft passiert: Kriege in der Ukraine und Israel, in der Kirche, die Spannungen, die Frage des Missbrauchs, die Frage der Auseinandersetzungen des synodalen Wegs, das pers\u00f6nliche Leid. So viel ist geschehen.\u00a0<\/p>\n<p>Ich will mit den Menschen nochmal auf die Drei K\u00f6nige schauen und sagen: Das waren Hoffnungsgestalten f\u00fcr uns heute. Das h\u00e4ngt nicht davon ab, dass Millionen da sind, sondern das h\u00e4ngt von den Herzen der Einzelnen ab, und es h\u00e4ngt vom Gott ab. Und der ist auf jeden Fall da.<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Annika Weiler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"DOMRADIO.DE:\u00a0Sie waren damals als Generalsekret\u00e4r f\u00fcr den Weltjugendtag verantwortlich. 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