{"id":382380,"date":"2025-08-29T17:35:11","date_gmt":"2025-08-29T17:35:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382380\/"},"modified":"2025-08-29T17:35:11","modified_gmt":"2025-08-29T17:35:11","slug":"elterngefuehle-im-realitaetscheck-stuttgarter-mutter-ich-bin-keine-cool-mum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382380\/","title":{"rendered":"Elterngef\u00fchle im Realit\u00e4tscheck: Stuttgarter Mutter: \u201eIch bin keine cool Mum\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Als ich das erste Mal mit meinem Baby in der Stuttgarter Innenstadt unterwegs war, w\u00fcnschte ich mir eine Glaskugel um uns herum. Das Eichh\u00f6rnchen Sandy aus der Zeichentrickserie Spongebob hat so etwas: einen mit Luft gef\u00fcllten Raumfahrtanzug plus Helm, damit das Eichh\u00f6rnchen unter Wasser \u00fcberlebt. Ich hatte das Bed\u00fcrfnis, meinen Sohn \u2013 damals etwa einen Monat alt \u2013 vor jedem Handyklingeln, vor jeder Baustelle, eigentlich vor allem abzuschirmen.<\/p>\n<p>Vor der Impfung liefen mir die Tr\u00e4nen runter <\/p>\n<p>Entsetzt \u00fcber mich selbst war ich auch, als mein Baby seine ersten Impfungen erhielt. Schon Tage vorher war ich nerv\u00f6s. Vor der Praxis der Kinder\u00e4rztin musste ich dann zehn Minuten drau\u00dfen stehen bleiben und Atem\u00fcbungen machen, weil mir Tr\u00e4nen runterliefen. Das Wissen, dass mein Baby mir blind vertraut, und nun gleich drei Mal ohne Vorwarnung in seine winzigen Oberschenkel gepiekst wird, brachte mich zur kompletten Verzweiflung.<\/p>\n<p>Bis heute, inzwischen ist mein Sohn sechs Monate alt, bin ich oft nicht entspannt: Eine Freundin etwa findet seine B\u00e4ckchen niedlich. Bei jedem Treffen kneift sie ihn dort hinein; nicht einmal, sondern mehrfach. Ich habe den Eindruck, dass das unangenehm f\u00fcr ihn ist, aber er sich nicht recht wehren kann. Vor jedem Treffen mit der Freundin bin ich angespannt \u2013 zugleich traue ich mich nicht, etwas zu sagen, weil ich ja unbedingt wie eine total entspannte, lockere <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Mutter\" title=\"Mutter\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mutter<\/a> wirken will.<\/p>\n<p>Die Liebe bringt irrsinnige Verlust\u00e4ngste mit sich <\/p>\n<p>Ich muss mir aber eingestehen: Ich bin nicht ansatzweise so cool, wie ich es mir vor der Geburt ausgemalt hatte. Nachts taste ich nach ihm, um zu sehen, ob er noch da ist. Ich singe auf der Stra\u00dfe Kinderlieder, um ihn zu tr\u00f6sten (und ich singe wirklich furchtbar). Und es bricht mir fast das Herz, wenn wir unterwegs sind, er schl\u00e4ft \u2013 und er dann durch ein lautes Ger\u00e4usch zusammenzuckt und erschrocken seine Augen aufrei\u00dft. In der Bahn stehe ich manchmal auf und fl\u00fcchte mit ihm, wenn jemand keine Kopfh\u00f6rer am Smartphone verwendet.<\/p>\n<p>Mir war vor der Geburt nicht klar, wie heftig man einen Menschen lieben kann. Und was diese Liebe mit sich bringt. Klar, sie ist wundersch\u00f6n und erm\u00f6glicht es mir, auch anstrengende Tage besser auszuhalten. Zugleich bewirkt diese Liebe irrsinnige Verlust\u00e4ngste, Sorgen wegen Allt\u00e4glichkeiten und ein komplett neues Ausma\u00df an Besch\u00fctzerinneninstinkt.<\/p>\n<p>Was die Hormone mit diesen Reaktionen zu tun haben <\/p>\n<p>Fr\u00fcher hat meine Mutter zu mir und meinen drei Geschwistern gesagt, dass sie im Zweifel zur M\u00f6rderin w\u00fcrde, wenn uns jemand etwas ant\u00e4te. Ich fand diese Aussage immer total \u00fcberzogen. Heute verstehe ich, was sie meint. Forscherinnen haben nachgewiesen, dass sich durch Hormone das weibliche Gehirn w\u00e4hrend der Schwangerschaft ver\u00e4ndert \u2013 und bis zu zwei Jahre nach der Geburt auch ver\u00e4ndert bleibt. Das sogenannte Salienz-Netzwerk erkennt auff\u00e4llige Reize, achtet auf alles, was gef\u00e4hrlich sein k\u00f6nnte \u2013 und veranlasst passende Reaktionen.<\/p>\n<p>So gesehen ergibt es Sinn, dass ich meinen Sohn vor allen lauten Ger\u00e4uschen und unangenehmen Ber\u00fchrungen sch\u00fctzen will \u2013 und dann teilweise auf eine Weise reagiere, die \u00fcbertrieben wirken kann. Doch wenn ich mich das n\u00e4chste Mal geniere, weil ich mal wieder eine uncoole Mutter bin, sage ich mir und den Personen um mich herum einfach: Mein Salienz-Netzwerk springt gerade an. Und wie cool klingt das denn?<\/p>\n<p> Die Autorin <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Julia Bosch<\/strong><br \/>(33) ist Redakteurin unserer Zeitung und wurde Anfang 2025 Mutter. W\u00e4hrend ihrer Elternzeit wird sie in mehreren Artikeln erz\u00e4hlen, wie ihre Vorstellungen \u00fcbers Muttersein mit der Realit\u00e4t zusammenprallen. Sie lebt mit Freund und Sohn in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.elternzeit-im-realitaetscheck-stuttgarter-mutter-ueber-alltag-mit-baby-manchmal-ist-es-einsam.14a5445f-b252-4709-87e4-0f6bd2e22a68.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Ihren Text \u00fcber Einsamkeit in der Elternzeit gibt es hier.<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als ich das erste Mal mit meinem Baby in der Stuttgarter Innenstadt unterwegs war, w\u00fcnschte ich mir eine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":382381,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[103316,1634,3364,29,12565,4480,16991,30,103315,981,1441],"class_list":{"0":"post-382380","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-angs","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-familienalltag","13":"tag-familienleben","14":"tag-gefuehle","15":"tag-germany","16":"tag-helikopterelt","17":"tag-mutter","18":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115113264986409707","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/382380","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=382380"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/382380\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/382381"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=382380"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=382380"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=382380"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}