{"id":382508,"date":"2025-08-29T18:41:30","date_gmt":"2025-08-29T18:41:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382508\/"},"modified":"2025-08-29T18:41:30","modified_gmt":"2025-08-29T18:41:30","slug":"wirkstoff-aus-rotem-fingerhut-hilft-bei-herzschwaeche-wirtschaft-wissenschaft-2025-aktuelles-hannover-de-presse-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382508\/","title":{"rendered":"Wirkstoff aus rotem Fingerhut hilft bei Herzschw\u00e4che | Wirtschaft &#038; Wissenschaft 2025 | Aktuelles | Hannover.de | Presse &#038; Medien"},"content":{"rendered":"<p class=\"emark\">Seit mehr als 200 Jahren wird Digitalis aus den Bl\u00e4ttern des roten Fingerhuts zur Behandlung der Herzschw\u00e4che eingesetzt. Zu dieser Wirkstoffgruppe der Herzglykoside z\u00e4hlt auch das Medikament Digitoxin. Auch wenn es Hinweise f\u00fcr den Nutzen von Digitalis bei Herzschw\u00e4che gab, ist es erst jetzt wissenschaftlich einwandfrei erwiesen, dass Digitoxin einen deutlich positiven Effekt bei einer Herzschw\u00e4che aufgrund einer verminderten Pumpfunktion und einer unzureichenden Entleerung der linken Herzkammer hat \u2013 in der Fachsprache HFrEF (Heart Failure with Reduced Ejection Fraction) genannt. Zehn Jahre lang haben Forschende um Prof. Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik f\u00fcr Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), und Oberarzt Prof. Dr. Udo Bavendiek in einer klinischen Studie mit mehr als 1200 Teilnehmenden den Wirkstoff gr\u00fcndlich auf seine Sicherheit und Wirksamkeit hin untersucht.\u00a0<\/p>\n<p>DIGIT-HF-Studie<\/p>\n<p class=\"emark\">Nun ist die von ihnen koordinierte, gro\u00dfangelegte DIGIT-HF-Studie, an der \u00fcber 50 Zentren in Deutschland, \u00d6sterreich und Serbien beteiligt waren, abgeschlossen und liefert ein eindeutiges Ergebnis: Eine Zusatztherapie mit Digitoxin verringert bei\u00a0Patienten mit fortgeschrittener HFrEF die Sterblichkeit und die Anzahl der Krankenhausaufenthalte wegen Herzinsuffizienz. Die Ergebnisse sind im \u201eNew England Journal of Medicine\u201c ver\u00f6ffentlicht worden, einer der weltweit f\u00fchrenden medizinischen Fachzeitschriften. Zeitgleich wurden sie Ende August 2025 auf dem Kongress der Europ\u00e4ischen Gesellschaft f\u00fcr Kardiologie in Madrid in der sogenannten Hot Line-Session vorgestellt, wo neue klinische Studien pr\u00e4sentiert werden, die bedeutende Ver\u00e4nderungen f\u00fcr die Behandlungsergebnisse von Patienten versprechen.\u00a0<\/p>\n<p>Bisher kein Wirknachweis nach wissenschaftlichen Standards<\/p>\n<p class=\"emark\">Unser Herz ist ein Hochleistungsmotor. Etwa 70-mal schl\u00e4gt es pro Minute und pumpt in dieser Zeit rund f\u00fcnf Liter Blut durch unsere Gef\u00e4\u00dfe. Dabei versorgt es den K\u00f6rper mit lebenswichtigem Sauerstoff und mit N\u00e4hrstoffen. Ist diese Pumpleistung dauerhaft vermindert, spricht die Medizin von chronischer Herzschw\u00e4che oder Herzinsuffizienz. In Deutschland sind etwa vier Millionen Menschen betroffen. Atemnot, geringe Belastbarkeit, Wassereinlagerungen bis hin zur Unbeweglichkeit und schwere Rhythmusst\u00f6rungen sind die Folge. Die Erkrankung ist eine der h\u00e4ufigsten Ursachen daf\u00fcr, dass Menschen ins Krankenhaus eingewiesen werden m\u00fcssen oder sogar an den Folgen sterben. Noch bis etwa 2020 standen Digitalis-Pr\u00e4parate auf der Produktionsliste gro\u00dfer Pharmakonzerne. Aktuell wird Digitoxin nur noch als Nachahmerpr\u00e4parat, als sogenanntes Generikum, produziert. \u201eEs ist aber in Deutschland weiterhin das am h\u00e4ufigsten verwendete Digitalispr\u00e4parat \u2013 bisher allerdings ohne einen wissenschaftlich erwiesenen Wirknachweis\u201c, stellt Professor Bavendiek fest.<\/p>\n<p>Einsatz auch bei gest\u00f6rter Nierenfunktion<\/p>\n<p class=\"emark\">Der ist nun erbracht. \u201eIn der DIGIT-HF-Studie haben wir Patientinnen und Patienten untersucht, bei denen die \u00fcblichen Therapien ausgereizt sind\u201c, sagt Professor Bauersachs. \u201eDass wir bei diesen sehr gut vorbehandelten Studienteilnehmenden mit der Digitoxin-Zusatzbehandlung eine so deutliche Verbesserung erzielen konnten, hat uns selbst \u00fcberrascht.\u201c Zu den \u00fcblichen Medikamenten bei Herzinsuffizienz geh\u00f6ren etwa Beta-Blocker und Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems, die \u00fcberschie\u00dfend aktivierte Hormonkaskaden hemmen und so das Herz entlasten, sowie entw\u00e4ssernde Mittel (Diuretika). Gegen akute Rhythmusst\u00f6rungen helfen zudem Defibrillatoren, die als Implantat in den K\u00f6rper der Patienten eingesetzt werden. Seit 2021 werden in Deutschland auch sogenannte SGLT-2-Hemmer eingesetzt, die urspr\u00fcnglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen wurden, aber auch bei allen Formen der Herzinsuffizienz positive Effekte entfalten. Dank der DIGIT-HF-Studie k\u00f6nnte Digitoxin nun eine weitere feste S\u00e4ule bei der Behandlung von Menschen mit HFrEF-Diagnose werden.<\/p>\n<p class=\"emark\">Bisherige klinische Studien wurden nahezu ausschlie\u00dflich mit dem ebenfalls zu den Herzglykosiden geh\u00f6renden Wirkstoff Digoxin durchgef\u00fchrt. Der Einsatz von Digoxin ist aber bei einer gest\u00f6rten Nierenfunktion \u2013 dies ist bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz h\u00e4ufig der Fall \u2013 nur begrenzt m\u00f6glich, da es nahezu ausschlie\u00dflich \u00fcber die Niere ausgeschieden wird. \u201eBei Digitoxin liegt der Fall jedoch anders\u201c, erkl\u00e4rt Professor Bavendiek. Denn Digitoxin wird bei einer gest\u00f6rten Nierenfunktion entsprechend vermehrt \u00fcber Leber und Darm ausgeschieden. Das bereits zugelassene Medikament ist somit auch f\u00fcr vorbelastete Patienten mit Nierenschw\u00e4che gut einsetzbar.\u00a0<\/p>\n<p>Sicher und kosteng\u00fcnstig<\/p>\n<p class=\"emark\">Zudem konnten die Ergebnisse der DIGIT-HF-Studie die Bef\u00fcrchtung entkr\u00e4ften, Digitoxin sei f\u00fcr bestimmte Patientengruppen mit Herzschw\u00e4che gef\u00e4hrlich und k\u00f6nne zum Tod f\u00fchren. \u201eRichtig dosiert ist Digitoxin eine sichere Therapie bei Herzinsuffizienz und eignet sich auch zur Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern, wenn Beta-Blocker allein nicht ausreichen\u201c, betont Professor Bavendiek. Ein weiterer Vorteil des Medikaments klingt banal, ist aber angesichts steigender Kosten im Gesundheitssystem durchaus interessant: Digitoxin ist ein Centartikel und drastisch g\u00fcnstiger als andere Medikamente gegen Herzinsuffizienz. Basierend auf den bisherigen Studiendaten haben die Herzspezialisten bereits Empfehlungen f\u00fcr eine einfache und sichere Dosierung erarbeitet. W\u00e4hrend fr\u00fcher oft 0,1 Milligramm Digitoxin verordnet wurden, liegen die aktuellen Empfehlungen bei 0,07 Milligramm pro Tag oder sogar noch weniger. Die DIGIT-HF-Studie konnte zeigen, dass bei dieser Dosierung ohne Sicherheitsprobleme Sterblichkeit und Krankenhausaufnahmen wegen Herzinsuffizienz vermindert wurden.<\/p>\n<p>\u00dcber DIGIT-HF<\/p>\n<p class=\"emark\">Die DIGIT-HF-Studie ist eine multizentrische und internationale klinische Studie unter der Leitung der Klinik f\u00fcr Kardiologie und Angiologie der MHH mit Beteiligung des Instituts f\u00fcr Biometrie, des Instituts f\u00fcr Klinische Pharmakologie sowie des Zentrums f\u00fcr Klinische Studien (ZKS) und in Kooperation mit Kliniken aus Deutschland, \u00d6sterreich und Serbien. Sie startete 2015 und wurde finanziell unterst\u00fctzt vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF, heute: Bundesministerium f\u00fcr Forschung, Technologie und Raumfahrt, BMFTR), der Braukmann-Wittenberg-Herz-Stiftung und der Deutschen Herzstiftung mit insgesamt rund sieben Millionen Euro.<\/p>\n<p>Videos        <\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" class=\"fullwidth\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/MHH-Stele.jpg\" alt=\"Eine S\u00e4ule mit den Buchstaben &quot;MHH&quot;, im Hintergrund Geb\u00e4ude.\" data-copyright-text=\"\u00a9 Karin Kaiser\/MHH\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                            \u00a9                                 Karin Kaiser\/MHH<\/p>\n<p>                                    Medizinische \u00adHochschule \u00adauf wissen.hannover.de<\/p>\n<p>\n                                                                Videos der Medizinische \u00adHochschule \u00adHannover auf der Mediathek der Initiative Wissenschaft Hannover.<\/p>\n<p>                                    <a href=\"https:\/\/wissen.hannover.de\/Einrichtungen\/Medizinische-%C2%ADHochschule-%C2%ADHannover\" class=\"content__read-more\" aria-label=\"Medizinische \u00adHochschule \u00adauf wissen.hannover.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                        lesen<br \/>\n                    <\/a><\/p>\n<p class=\"PITextbaustein\">(Ver\u00f6ffentlicht am 29. August\u00a02025)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit mehr als 200 Jahren wird Digitalis aus den Bl\u00e4ttern des roten Fingerhuts zur Behandlung der Herzschw\u00e4che eingesetzt.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":59130,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1836],"tags":[3364,29,30,46,1411],"class_list":{"0":"post-382508","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hannover","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-hannover","12":"tag-niedersachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115113524150931693","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/382508","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=382508"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/382508\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/59130"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=382508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=382508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=382508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}