{"id":382635,"date":"2025-08-29T19:53:11","date_gmt":"2025-08-29T19:53:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382635\/"},"modified":"2025-08-29T19:53:11","modified_gmt":"2025-08-29T19:53:11","slug":"hoehere-niveaus-als-im-jahr-2010-die-staatsschuldenkrise-kehrt-nach-europa-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382635\/","title":{"rendered":"H\u00f6here Niveaus als im Jahr 2010: Die Staatsschuldenkrise kehrt nach Europa zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>15 Jahre nach Ausbruch der Euroschuldenkrise sind die Schuldenberge noch h\u00f6her gestiegen als damals &#8211; vor allem in Frankreich. Wie ernst die Lage schon wieder ist, zeigt die Tatsache, dass \u00d6konomen anfangen, m\u00f6gliche Rettungsszenarien durchzuspielen.<\/p>\n<p>Die Euroschuldenkrise klingt mittlerweile wie ein Ereignis aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten: Im Jahr 2010 realisierte der Kapitalmarkt, dass L\u00e4nder wie Griechenland, Spanien und Italien in naher Zukunft nicht mehr in der Lage sein w\u00fcrden, ihre Staatsschulden zu bedienen. Am Markt f\u00fcr Staatsanleihen begann ein Ausverkauf, der die Renditen dieser Papiere massiv steigen lie\u00df. So hoch, das Griechenland sich nicht mehr neu verschulden konnte. Daraufhin griff die Krise auch auf die Aktienm\u00e4rkte \u00fcber, allen voran auf Bank- und Versicherungstitel. Als klar wurde, dass das Land nur durch eine gemeinsame Anstrengung der gesamten Eurozone zu retten war, brach dann auch noch der Kurs des Euro ein. Europa stand am Abgrund \u2013 bis schlie\u00dflich die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) zu Hilfe eilte.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Danach kehrte Ruhe ein, auch weil die EZB die Zinsen auf Null senkte. Doch w\u00e4hrend Griechenland, unter dem Druck der sogenannten Troika aus Europ\u00e4ischer Kommission, Europ\u00e4ischer Zentralbank (EZB) und internationalem W\u00e4hrungsfonds (IWF), <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/hoeheres-wachstum-als-deutschland-was-wir-vom-einstigen-pleitestaat-griechenland-lernen-koennen_3c4ada3e-4151-4065-856e-1f51372cc13a.html\" rel=\"follow noopener\" target=\"_self\">tats\u00e4chlich begann, an seinem Schuldenproblem zu arbeiten<\/a>, stiegen die Staatsausgaben in anderen L\u00e4ndern der Eurozone \u2013 entgegen der Warnungen vieler \u00d6konomen \u2013 schon bald wieder stark an.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Frankreich schert sich nicht um Br\u00fcssel<\/p>\n<p>Was passiert, wenn man seine Staatsverschuldung \u00fcber Jahre einfach laufen l\u00e4sst, <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/boerse\/schulden-showdown-in-frankreich-am-8-september-koennte-die-naechste-eurokrise-losbrechen_18cdb681-8ecf-48d3-af19-f7bee66ab924.html\" rel=\"follow noopener\" target=\"_self\">ist derzeit in Frankreich zu besichtigen<\/a>: Dort rangiert das Haushaltsdefizit seit 2020 regelm\u00e4\u00dfig weit \u00fcber dem Maastricht-Kriterium von drei Prozent. <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/eu-kommission-startet-defizitverfahren-gegen-schuldensuender_id_260064077.html\" rel=\"follow noopener\" target=\"_self\">Dass die EU-Kommission 2024 ein Defizitverfahren einleitete<\/a>, k\u00fcmmerte die Franzosen wenig: Im Jahr 2025 wird das Haushaltsloch noch immer 5,4 Prozent des BIP ausmachen. Das Problem dabei: Mittlerweile sind die Zinsen deutlich gestiegen. Mit jeder neuen Staatsanleihe, die der franz\u00f6sische Staat ausgeben muss, um neue Schulden aufzunehmen oder alte umzuschichten, steigt die Zinsbelastung. Hinzu kommt, dass der Kapitalmarkt mittlerweile h\u00f6here Risikoaufschl\u00e4ge f\u00fcr franz\u00f6sische Staatstitel verlangt. Sie liegen \u00fcber denen von Spanien und nur noch knapp unter italienischen Staatsanleihen.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Meistgelesene Artikel der Woche<\/p>\n<p>Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Die Zinsen wachsen schneller als die Wirtschaftsleistung und mit ihnen die Schuldenquote. Die ist seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 von 98,1 auf mehr als 114 Prozent gestiegen. Und sie wird sich, nach Prognosen der Commerzbank, in den n\u00e4chsten zehn Jahren der Verschuldung Italiens ann\u00e4hern, die dann, im Jahr 2035, bereits bei 150 Prozent des BIP stehen wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" data-hk=\"00a10450a1908004010\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/2aa21fe4-74b8-4483-bd90-221b5e5cf6c4.6a9156d1-3c88-4016-9c52-625dac18a4e0.jpg\"  alt=\"Euroschulden 2025-2035\" width=\"789\" height=\"395\"\/> \u00dcberall in Europa werden in den kommenden Jahren die Staatsschulden steigen &#8211; am st\u00e4rksten in Frankreich.  Commerzbank Research <\/p>\n<p>Deutschland steht zwar besser da, verst\u00f6\u00dft aber bald auch gegen die Maastricht-Kriterien: Nach Lockerung der Schuldenbremse und inklusive der beschlossenen Sondert\u00f6pfe f\u00fcr Bundeswehr und Infrastruktur wird auch unsere Schuldenlast nach Einsch\u00e4tzung der Commerzbank bis 2035 von gut 60 auf dann etwa 90 Prozent des BIP steigen \u2013 und sich damit ebenfalls weit von dem Maastricht-Kriterium entfernen, das 60 Prozent als Zielgr\u00f6\u00dfe vorgibt, um den Euro stabil zu halten.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Das neue Instrumentarium der EZB<\/p>\n<p>Der Euro? Der d\u00fcrfte ebenfalls unter Druck geraten, denn um der hohen Schuldenberge \u00fcberhaupt noch Herr werden zu k\u00f6nnen, braucht es einen, der eingreift: die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB). Nach dem Ausbruch der Eurokrise 2010 hatte es fast zwei Jahre gedauert, bevor der damalige EZB-Chef Mario Draghi seine \u201eWhatever it takes\u201c-Ank\u00fcndigung machte. Diesmal werde die EZB schneller eingreifen, glaubt der Chefvolkswirt der Commerzbank, J\u00f6rg Kr\u00e4mer. \u00a0Die EZB habe damals erfahren, \u201ewie schmerzhaft und vor allem gef\u00e4hrlich eine Staatsschuldenkrise ist. Die W\u00e4hrungsunion war phasenweise in ihrer Existenz bedroht. Die EZB w\u00fcrde bei einer sich abzeichnenden Krise nicht noch einmal lange auf das Eingreifen der eigentlich verantwortlichen Staats- und Regierungschefs warten, sondern rasch selbst handeln\u201c, schrieb Kr\u00e4mer diese Woche in einem Kommentar f\u00fcr die \u201eB\u00f6rsenzeitung\u201c.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Zudem verf\u00fcge die EZB im Jahr 2025 \u00fcber eine ganze Palette an Instrumenten, die es damals noch nicht gab: 2012, als die EZB im Rahmen des OMT-Programms erstmals auf breiter Front Staatsanleihen kaufte, um die Renditen zu dr\u00fccken, sei es noch notwendig gewesen, \u201edass ein in Not geratenes Land vorher einen Hilfsantrag beim ESM-Rettungsfonds der Finanzminister stellt und gewisse Reformauflagen erf\u00fcllt\u201c, so Kr\u00e4mer. Seit dem im Jahr 2022 beschlossenen TPI-Programm darf die EZB dagegen \u201efaktisch in eigenem Ermessen Anleihen eines in Not geratenen Mitgliedslandes kaufen, ohne dass das Land Reformauflagen zu erf\u00fcllen hat und die anderen Mitgliedsl\u00e4nder zustimmen m\u00fcssen\u201c. Es reiche am Ende aus, dass die EZB die Renditeaufschl\u00e4ge eines Landes mit Blick auf Fundamentaldaten als zu hoch betrachte. Verfechter einer stabilen W\u00e4hrung werden es nur ungern h\u00f6ren, aber: \u201eStaatsanleihenk\u00e4ufe sind schon lange kein Tabu mehr\u201c, schreibt Kr\u00e4mer.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Ein Eingreifen der EZB birgt heftige Nebenwirkungen<\/p>\n<p>Aufgrund dieser Instrumente \u201ed\u00fcrfte es der EZB gelingen, bei einem sich anbahnenden K\u00e4uferstreik am Rentenmarkt eine Staatsschuldenkrise recht schnell einzud\u00e4mmen\u201c, glaubt Kr\u00e4mer deshalb. Aber sollte das angesichts der sich zuspitzenden Lage in Frankreich tats\u00e4chlich notwendig werden, h\u00e4tte ein Eingreifen der EZB massive Nebenwirkungen:<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<ol>\n<li>Die EZB kann auf Dauer wohl kaum gleichzeitig f\u00fcr stabile Preise und f\u00fcr eine reibungslose Finanzierung zu hoher Staatsschulden sorgen. Damit entst\u00fcnde ein Zielkonflikt, denn die Anleihek\u00e4ufe erh\u00f6hen nicht einfach nur die Guthaben der Banken bei der EZB, sondern irgendwann auch die Geldmenge in der Hand der B\u00fcrger und Unternehmen. Dann droht Inflation.&#8220;<\/li>\n<li>Indem sie eingreift und die Staatsfinanzierung quasi garantiert, animiert die EZB die Finanzminister dazu, noch mehr Schulden aufzunehmen. Diese entziehen aber letztlich dem privaten Sektor Ressourcen und schw\u00e4chen das Wachstumspotential der betreffenden Volkswirtschaft.<\/li>\n<li>Sollte sich das Instrument der Staatsanleihenk\u00e4ufe abnutzen, weil der Markt ohnehin damit rechnet, droht eine Interventionsspirale. Die Finanzminister der Eurozone k\u00f6nnten \u201eim Extrem Ma\u00dfnahmen ergreifen, um k\u00fcnstlich Nachfrage nach ihren Anleihen zu schaffen\u201c, warnt Kr\u00e4mer. So k\u00f6nnten sie etwa Versicherungen oder Banken dazu zwingen, mehr Staatsanleihen zu halten, \u00e4hnlich wie es schon Berater von Donald Trump f\u00fcr die USA vorgeschlagen haben. Kr\u00e4mer h\u00e4lt sogar extreme Ma\u00dfnahmen f\u00fcr m\u00f6glich, die derzeit kein Politiker fordert: \u201eNicht undenkbar w\u00e4re auch das Verbot, Kapital ins Ausland zu transferieren oder Gold zu halten\u201c, schreibt Kr\u00e4mer. \u201eDiese Formen der finanziellen Repression gab es in vielen westlichen L\u00e4ndern in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, um die damals hohen Staatsschulden leichter tragen zu k\u00f6nnen.\u201c Letztlich sei all das immer zu Lasten der privaten Anleger gegangen.<\/li>\n<li>L\u00e4sst sich die EZB dauerhaft in die Staatsfinanzierung einspannen, gef\u00e4hrdet das wom\u00f6glich den politischen Zusammenhalt in der W\u00e4hrungsunion. Wenn n\u00e4mlich die Notenbank in gro\u00dfem Stil Staatsanleihen kauft, verteilt sie die Risiken innerhalb der Eurozone von hoch verschuldeten zu niedrig verschuldeten Staaten um. \u201eK\u00e4me es dann noch zu einer Inflation, k\u00f6nnte die Bev\u00f6lkerung eines ehemaligen Hartw\u00e4hrungslandes irgendwann das zweifelslos hohe Risiko eines Austritts aus der W\u00e4hrungsunion in Kauf nehmen.\u201c Ein Szenario, das Parteien wie die AfD regelm\u00e4\u00dfig aufs Tapet bringen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>\u201eDeformation der W\u00e4hrungsunion\u201c droht\u00a0<\/p>\n<p>Anders als von 2010 bis 2012 besitzt die EZB das Instrumentarium, um trotz massiv steigender Staatsschulden das Risiko einer neuen Schuldenkrise einzud\u00e4mmen. \u201eAber das ginge mit einer Deformation der W\u00e4hrungsunion einher, die in letzter Konsequenz das politische Fundament des Euroraums gef\u00e4hrdet\u201c, warnt Kr\u00e4mer.\u00a0<\/p>\n<p>Vor allem deshalb sei es so wichtig, dass Frankreich seiner Schulden Herr wird. Doch Premier Fran\u00e7ois Bayrou findet f\u00fcr seinen Sparkurs keine Mehrheit. Deshalb hat er f\u00fcr den 8. September eine Vertrauensabstimmung anberaumt. Verliert er sie, k\u00f6nnte die EZB schneller zu Hilfe gerufen werden, als ihr lieb ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"15 Jahre nach Ausbruch der Euroschuldenkrise sind die Schuldenberge noch h\u00f6her gestiegen als damals &#8211; vor allem in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":382636,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-382635","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115113807390013331","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/382635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=382635"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/382635\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/382636"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=382635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=382635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=382635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}