{"id":382771,"date":"2025-08-29T21:14:15","date_gmt":"2025-08-29T21:14:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382771\/"},"modified":"2025-08-29T21:14:15","modified_gmt":"2025-08-29T21:14:15","slug":"der-handelsstreit-schadet-indien-und-den-usa-dw-29-08-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382771\/","title":{"rendered":"Der Handelsstreit schadet Indien und den USA \u2013 DW \u2013 29.08.2025"},"content":{"rendered":"<p>Als Narendra Modi im Juni 2023 zu einem Staatsbesuch in die USA reiste, schien noch alles in Ordnung. Der Prunk und Pomp, mit dem der indische Premierminister damals empfangen wurde, unterstrich das gro\u00dfe Interesse der USA an engen Beziehungen zwischen den beiden L\u00e4ndern.\u00a0&#8222;Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Indien zu denen geh\u00f6ren, die das 21. Jahrhundert pr\u00e4gen werden&#8220;, betonte der damalige US-Pr\u00e4sident <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/joe-biden\/t-61160174\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Joe Biden<\/a>.<\/p>\n<p>Bei seinem neuerlichen Besuch im Wei\u00dfen Haus Anfang des Jahres fiel Modis Empfang durch den neu ins Amt gew\u00e4hlten Donald Trump weniger opulent aus. Die Gespr\u00e4che jedoch waren herzlich und es wurde viel \u00fcber Gesch\u00e4ftsabschl\u00fcsse gesprochen.\u00a0Sechs Monate sp\u00e4ter hat sich das Bild komplett gewandelt. Seit dem 27. August werden auf die meisten Waren, die von Indien in die USA exportiert werden, Z\u00f6lle in H\u00f6he von 50 Prozent erhoben. Dieser Wert z\u00e4hlt zu den h\u00f6chsten der Welt.<\/p>\n<p>Die Spannungen eskalierten schnell, nachdem <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/donald-trump\/t-18901598\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Donald Trump<\/a> im April angek\u00fcndigt hatte, gegen zahlreiche Handelspartner <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/zollstreit\/t-73206904\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Z\u00f6lle<\/a> zu erheben. Die Handelsgespr\u00e4che mit Indien verliefen ergebnislos. Die Lage versch\u00e4rfte sich weiter, als Trump wegen der Ank\u00e4ufe von russischem \u00d6l durch Indien zus\u00e4tzliche Z\u00f6lle in H\u00f6he von 25 Prozent ank\u00fcndigte.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73778346\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73778346_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Donald Trump und Narendra Modi im Oval Office\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Bei Modis Besuch in Washington im Februar 2025 war noch keine Rede von Handelsz\u00f6llen auf indische WarenBild: Ron Sachs\/MPI\/Capital Pictures\/picture alliance<\/p>\n<p>Damit haben sich die Beziehungen zu <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/schwei\u00dft-trump-die-brics-enger-zusammen\/a-73780746\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">einem der wichtigsten strategischen Partner<\/a> der Vereinigten Staaten im indopazifischen Raum verschlechtert. Das beunruhigt jene in Washington, die diese Beziehungen als elementar f\u00fcr die Stabilit\u00e4t und Sicherheit in der Region betrachten. In Indien macht man sich hingegen gro\u00dfe Sorgen \u00fcber die Auswirkungen der Z\u00f6lle auf die rapide wachsende Wirtschaft des Landes.<\/p>\n<p>Wie konnte es soweit kommen?<\/p>\n<p>Rick Rossow leitet das Programm\u00a0India and Emerging Asia Economics am Center for Strategic and International Studies (CSIS), einer Denkfabrik in Washington DC. Trump liege richtig damit, den &#8222;Protektionismus&#8220; Indiens anzuprangern, sagt er gegen\u00fcber der DW. Die Sprache, die der US-Pr\u00e4sident verwende, sei jedoch schroff und die angewendeten Instrumente hart. Modi nehme dadurch politischen Schaden.<\/p>\n<p>Die Verhandlungen sind nach Ansicht vieler Beobachter gescheitert, weil Indien unbedingt russisches \u00d6l kaufen wolle. Sushant Singh, Dozent an der Fakult\u00e4t f\u00fcr S\u00fcdasiatische Studien der US-Universit\u00e4t Yale, sieht den Handelsdisput noch in einem anderen Zusammenhang:\u00a0Singh verweist auf den\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/dossier-der-kaschmir-konflikt\/a-72508419\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Konflikt zwischen Indien und Pakistan<\/a> von Mai dieses Jahres und Trumps Rolle bei den Verhandlungen einer <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/trump-verk\u00fcndet-waffenruhe-im-kaschmir-konflikt\/a-72498997\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Waffenruhe<\/a>.<\/p>\n<p>&#8222;Trump behauptet, die Waffenruhe sei durch ihn und seine Beamten zustande gekommen. Modi ist jedoch der innenpolitische\u00a0Eindruck wichtig, er habe Pakistan geschlagen und Pakistan habe\u00a0auf Knien um eine Waffenruhe betteln m\u00fcssen&#8220;, sagte Singh der DW. &#8222;Deshalb kann Modi in diesem Punkt gegen\u00fcber Trump nicht nachgeben, weil seine innenpolitische Darstellung komplett zunichtegemacht w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen auf Indien<\/p>\n<p>Nun muss Indiens Wirtschaft mit Trumps Z\u00f6llen klarkommen. Die Vereinigten Staaten sind der gr\u00f6\u00dfte Handelspartner des Landes.\u00a02024 exportierte Indien Waren im Wert von rund 87 Milliarden US-Dollar (74,5\u00a0Milliarden Euro) in die USA. Diese Zahl d\u00fcrfte bis 2026 um \u00fcber 40 Prozent fallen, rechnete die Denkfabrik Global Trade Research Initiative aus. \u00dcbrig blieben demnach etwa 50 Milliarden US-Dollar oder 43 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Indien: Neue US-Z\u00f6lle bedrohen Textilwirtschaft<video id=\"video-73785456\" controls=\"\" playsinline=\"\" preload=\"none\" poster=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAAAEAAAABCAQAAAC1HAwCAAAAC0lEQVR42mNkYAAAAAYAAjCB0C8AAAAASUVORK5CYII=\" data-id=\"73785456\" data-posterurl=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73765825_605.webp\" data-duration=\"02:43\"><\/p>\n<p class=\"vjs-no-js\">To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that <a href=\"https:\/\/videojs.com\/html5-video-support\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">supports HTML5 video<\/a><\/p>\n<p><\/video><\/p>\n<p>Zu den wichtigsten <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/indien-exportbranchen-durch-us-z\u00f6lle-verunsichert\/a-73604300\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Exportg\u00fctern Indiens<\/a> z\u00e4hlen Textilien, Schmuck und Edelsteine. In einigen dieser Branchen k\u00f6nnte das Exportvolumen in den kommenden zw\u00f6lf Monaten massiv einbrechen, so Global Trade Research Initiativ in Neu-Delhi. Hunderttausende Arbeitspl\u00e4tze w\u00e4ren damit in Gefahr.<\/p>\n<p>Andererseits machten die von den Z\u00f6llen betroffenen Waren und Produkte mit 14 Prozent nur einen relativ kleinen Teil der indischen Wirtschaft aus, meint dagegen Rossow.\u00a0Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft sollten sich daher im Rahmen halten. Zudem habe <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/narendra-modi\/t-19009829\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Premierminister Modi<\/a> die Fertigungsindustrie und &#8222;Made in India&#8220;-Politik stark gef\u00f6rdert. &#8222;Der eingeschr\u00e4nkte Zugang zum gr\u00f6\u00dften Exportmarkt k\u00f6nnte diesen Teil der Wirtschaft zu einem kritischen Zeitpunkt d\u00e4mpfen&#8220;, meint Rossow.<\/p>\n<p>Was haben die USA zu verlieren?<\/p>\n<p>Der Wert der 2024 nach Indien exportierten US-Waren betrug 42 Milliarden US-Dollar (36 Milliarden Euro) und damit weniger als die H\u00e4lfte der indischen Exporte in die USA.\u00a0&#8222;Mit Blick auf die Bilanz liegen die Verluste haupts\u00e4chlich auf indischer Seite&#8220;, sagt Singh. &#8222;Die USA unter Trump gehen mit China, Indien und dem Indopazifik offensichtlich sehr unterschiedlich um. Indien hat keinen Handlungsspielraum.&#8220;<\/p>\n<p>Wirtschaftlich w\u00fcrde <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/indien\/t-17544089\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Indien<\/a> sicherlich mehr leiden, doch auch die USA h\u00e4tten einen Preis zu bezahlen, ist sich Rossow sicher. Insbesondere sei ein deutlicher R\u00fcckgang der Zahl indischer Studierender an US-amerikanischen Universit\u00e4ten zu erwarten.\u00a0<\/p>\n<p>Ein\u00a0weiterer wirtschaftlicher Faktor, der bedacht werden sollte, sind laut Gary Hufbauer, Experte f\u00fcr internationalen Handel am Peterson Institute for International Economics, fr\u00fchere Pl\u00e4ne der USA, einen Teil der Produktion von China nach Indien zu verlagern. Dies sei\u00a0nun in Gefahr.\u00a0&#8222;Eine Zeitlang sah es so aus, als entwickle sich Indien zu einer Alternative f\u00fcr die Fertigung vieler Dinge, die in China produziert werden&#8220;, erkl\u00e4rt er der DW. &#8222;Doch das erscheint jetzt unwahrscheinlich.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73658625\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73658625_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Narendra Modi h\u00e4lt eine Rede\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Der Handelsdisput bringt Modi innenpolitisch in Bedr\u00e4ngnis.Bild: Imtiyaz Khan\/Anadolu Agency\/IMAGO<\/p>\n<p>Singh hebt au\u00dferdem hervor, dass sich f\u00fchrende indisch-amerikanische Unternehmer im Tech-Bereich nicht gegen Trump positioniert h\u00e4tten. Und dies, obwohl verschiedene indische Staatsangeh\u00f6rige im Zuge der\u00a0versch\u00e4rften Einwanderungspolitik unter Trump die USA verlassen mussten. &#8222;Keiner von ihnen wird sich gegen Trump stellen, weil auch sie Angst haben.&#8220;<\/p>\n<p><a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/indiens-viereckbeziehungen-mit-russland-china-und-usa\/a-73709491\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das geopolitische Risiko<\/a> sei f\u00fcr Trump jedoch gr\u00f6\u00dfer als das wirtschaftliche, r\u00e4umt Singh ein. &#8222;Es k\u00f6nnte zu einer Situation kommen, in der sich China zu einer gro\u00dfen asiatischen Macht entwickelt und Indien zu einer etwas untergeordneten Rolle bereit ist. Geopolitisch k\u00f6nnten sie sich abstimmen &#8211; zum Nachteil der USA.&#8220;<\/p>\n<p>Gibt es noch Chancen f\u00fcr eine Einigung?<\/p>\n<p>Weniger Spannungen w\u00e4ren im Interesse beider Seiten, sagt Rossow. &#8222;Indien steht kurz davor, die drittgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt zu werden&#8220;, betont er. &#8222;Angesichts unserer geteilten Sorge bez\u00fcglich des milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Aufstiegs Chinas\u00a0ist eine starke Partnerschaft f\u00fcr die regionale Sicherheit und das gemeinsame Wachstum von entscheidender Bedeutung.&#8220;<\/p>\n<p>Neu-Delhi sei verzweifelt bem\u00fcht, ein Handelsabkommen mit den\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/vereinigte-staaten-von-amerika-usa\/t-17286012\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a>\u00a0abzuschlie\u00dfen, ist Sushant Singh \u00fcberzeugt.\u00a0&#8222;Sie wollen ein Abkommen&#8220;, sagt er. &#8222;Sie wollen Trump einen Erfolg bescheren. Es k\u00f6nnte jederzeit passieren, jede Woche, jeden Monat. Mit der Trump-Regierung ist alles m\u00f6glich.&#8220;\u00a0F\u00fcr Modi sei diese Auseinandersetzung innenpolitisch zudem sehr gef\u00e4hrlich, meint Singh. Ein Grund mehr f\u00fcr ihn, an den Verhandlungstisch zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Narendra Modi im Juni 2023 zu einem Staatsbesuch in die USA reiste, schien noch alles in Ordnung.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":382772,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,13,14,15,12,4017,4018,4016,64,4019,4020],"class_list":{"0":"post-382771","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-united-states","15":"tag-united-states-of-america","16":"tag-us","17":"tag-usa","18":"tag-vereinigte-staaten","19":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115114126122025457","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/382771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=382771"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/382771\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/382772"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=382771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=382771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=382771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}