{"id":382860,"date":"2025-08-29T22:03:12","date_gmt":"2025-08-29T22:03:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382860\/"},"modified":"2025-08-29T22:03:12","modified_gmt":"2025-08-29T22:03:12","slug":"kritik-zu-no-other-choice-blutiger-bewerbungsprozess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/382860\/","title":{"rendered":"Kritik zu No Other Choice: Blutiger Bewerbungsprozess"},"content":{"rendered":"<p class=\"bo-p\">Der US-amerikanische Autor Donald E. Westlake hat mehr als 100 Romane geschrieben, zahlreiche davon wurden auch verfilmt, etwa als \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/12359.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Point Blank<\/a>\u201c mit <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/426.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lee Marvin<\/a>, \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/11703.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Payback<\/a>\u201c mit <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/2098.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mel Gibson<\/a> oder \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/193283.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Parker<\/a>\u201c mit <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/28586.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jason Statham<\/a>. Aber mit am spannendsten ist die Adaptionsgeschichte seines 1997 ver\u00f6ffentlichten Horror-Thrillers \u201eThe Ax\u201c*, dessen mit der Redensart \u201eto ax somebody\u201c (= \u201ejemanden feuern\u201c) spielender Titel das zentrale Thema bereits auf den Punkt bringt: Nach 18 Monaten erfolgloser Jobsuche beschlie\u00dft ein gefeuerter Papierfabrik-Manager, seine sieben mindestens ebenb\u00fcrtig qualifizierten Mitbewerber f\u00fcr eine neue Stelle notfalls auch endg\u00fcltig aus dem Weg zu r\u00e4umen. <\/p>\n<p class=\"bo-p\">Statt in den USA wurde der Roman erstmals 2005 in Frankreich und Belgien f\u00fcrs Kino verfilmt: Der meist eher staatstragende Regisseur <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/4318.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Costa-Gavras<\/a> schuf mit \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/57679.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die Axt<\/a>\u201c ein Arthouse-Drama, in dem der Protagonist k\u00fchl-b\u00fcrokratisch seine Mitbewerber-Mordliste abarbeitet. Aber es ist doch immer wieder spannend, wie verschieden Adaptionen desselben Stoffes ausfallen k\u00f6nnen, gerade wenn 20 Jahre und 9.000 Kilometer Luftlinie zwischen ihnen liegen: Mit \u201e<b>No Other Choice<\/b>\u201c pr\u00e4sentiert \u201eOldboy\u201c-Mastermind <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/81272.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Park Chan-wook<\/a> jetzt seine aktualisierte Version der Vorlage \u2013 und das Ergebnis erinnert weniger an die erste Verfilmung als vielmehr an den gro\u00dfen Oscar-Triumphator von 2020, den hysterisch-\u00fcberh\u00f6hten, aber dabei dennoch skalpellscharf-sozialkritischen \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/255238.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Parasite<\/a>\u201c von Parks Landsmann <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/95119.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bong Joon Ho<\/a>.<\/p>\n<p>                                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"article-figure-img\" beim=\"\" ersten=\"\" versuch=\"\" einen=\"\" seiner=\"\" kontrahenten=\"\" mit=\"\" einem=\"\" besonders=\"\" schweren=\"\" blumentopf=\"\" zu=\"\" erschlagen=\"\" macht=\"\" man-soo=\"\" byung-hun=\"\" im=\"\" letzten=\"\" moment=\"\" noch=\"\" r=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/4bd7d067be098828d35e4d737862c7af.jpg\" width=\"640\" height=\"320\" alt=\"Beim ersten Versuch, einen seiner Kontrahenten mit einem besonders schweren Blumentopf zu erschlagen, macht Man-soo (Lee Byung-hun) im letzten Moment noch einen R\u00fcckzieher.\"\/><\/p>\n<p>                                    NEON<\/p>\n<p>                    Beim ersten Versuch, einen seiner Kontrahenten mit einem besonders schweren Blumentopf zu erschlagen, macht Man-soo (Lee Byung-hun) im letzten Moment noch einen R\u00fcckzieher.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Nat\u00fcrlich lebt Man-soo (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/79528.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lee Byung-hun<\/a>) f\u00fcr seine Frau Mi-ri (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/426892.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Son Ye-jin<\/a>), die zwei gemeinsamen Kinder und die zwei \u2013 der Einfachheit halber durchnummerierten \u2013 Golden Retriever. Aber er lebt auch f\u00fcr Papier. 25 Jahre lang hat er die Produktionsabl\u00e4ufe f\u00fcr sein Unternehmen immer weiter verfeinert und sicherer gemacht, bis er von den neuen amerikanischen Chefs mit einer Aal-Lieferung buchst\u00e4blich abgespeist wird. Eineinhalb Jahre sp\u00e4ter hat Man-soo immer noch nichts Neues gefunden, die Abfindung ist so gut wie aufgebraucht, die Hypothek f\u00fcr das Familienheim kaum noch zu bezahlen. <\/p>\n<p class=\"bo-p\">Alle Luxushobbys werden gestoppt, Mi-ri kehrt in ihren alten Job als Zahnarzthelferin zur\u00fcck und sogar die Hunde werden weggegeben. Trotzdem reicht es hinten und vorne nicht \u2013 und so beschlie\u00dft Man-soo nach einem weiteren missratenen Vorstellungsgespr\u00e4ch, beim n\u00e4chsten Mal auf Nummer sicher zu gehen: Mit der Ausschreibung eines Fake-Jobs verschafft er sich die Bewerbungen aller Papier-Manager aus seiner Umgebung, um all jenen im Voraus den Garaus zu machen, die ihm bei der n\u00e4chsten freien Stelle tats\u00e4chlich ernsthafte Konkurrenz machen k\u00f6nnten\u2026<\/p>\n<p>Schwarzhumoriger Slapstick<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Nach seinem meisterhaften \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/287116.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die Frau im Nebel<\/a>\u201c \u00e4ndert Park Chan-Wook in \u201eNo Other Choice\u201c \u2013 wie schon so oft in seiner Karriere \u2013 komplett die Tonlage: Statt eines k\u00fchl-pr\u00e4zisen Krimi-Noirs gibt es diesmal eine schwarzhumorige Groteske, bei der Man-soo nach und nach immer gewaltigere Blumenk\u00fcbel hochhebt, um sie seinem Kontrahenten auf den Kopf plumpsen zu lassen, bevor eine alte Frau sich erkundigt, ob er gerade f\u00fcrs Gewichtheben trainiert.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Waren die Morde bei Costa-Gavras noch b\u00fcndig und bodenst\u00e4ndig inszeniert, w\u00e4lzt sich Man-soo mit seinem ersten Opfer und dessen Frau gef\u00fchlt minutenlang auf dem Boden herum, um als erster an die unter das Sofa gerutschte Pistole zu gelangen. Keine k\u00fchle B\u00fcrokratie, sondern eine hysterische Slapsticknummer, die durchaus an die finalen, zunehmend k\u00f6rperlichen Eskalationsstufen aus \u201eParasite\u201c erinnert.<\/p>\n<p>                                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"article-figure-img\" man-soo=\"\" nutzt=\"\" eine=\"\" alte=\"\" pistole=\"\" die=\"\" sein=\"\" vater=\"\" im=\"\" vietnamkrieg=\"\" einem=\"\" toten=\"\" feindlichen=\"\" soldaten=\"\" abgenommen=\"\" hat=\"\" um=\"\" blutige=\"\" umwege=\"\" doch=\"\" noch=\"\" an=\"\" seine=\"\" erhoffte=\"\" stellung=\"\" zu=\"\" kommen.=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/64daf1584ec1f04e083080b041724cd0.jpg\" width=\"640\" height=\"320\" alt=\"Man-soo nutzt eine alte Pistole, die sein Vater im Vietnamkrieg einem toten feindlichen Soldaten abgenommen hat, um \u00fcber blutige Umwege doch noch an seine erhoffte Stellung zu kommen.\"\/><\/p>\n<p>                                    NEON<\/p>\n<p>                    Man-soo nutzt eine alte Pistole, die sein Vater im Vietnamkrieg einem toten feindlichen Soldaten abgenommen hat, um \u00fcber blutige Umwege doch noch an seine erhoffte Stellung zu kommen.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Trotz der eher pers\u00f6nlichen Geschichte liefert Park Chan-wook einmal mehr epische Einstellungen, die es selbst mit seinen visuell herausstechenden Werken wie \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/231299.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die Taschendiebin<\/a>\u201c aufnehmen k\u00f6nnen. Aber nicht nur die Bilder strahlen eine gewisse Gewaltigkeit aus, auch die eigentlich so konzentrierte Geschichte wird ein gutes St\u00fcck weit aufgeblasen \u2013 und das, obwohl die Zahl der zu ermordenden Mitbewerber im selben Moment stark reduziert wurde. Vor allem die Dynamiken zwischen Man-soo und den verschiedenen Mitgliedern seiner Familie bekommen so deutlich mehr Gewicht. <\/p>\n<p class=\"bo-p\">Immer wieder schnappt Man-soo bei seinen Mord(versuch)en auf, wie es in anderen Familien in \u00e4hnlichen Situationen gerade l\u00e4uft, was sich dann auch direkt in seinem Umgang mit seiner Frau und seinen Kindern niederschl\u00e4gt. Eine an sich tolle Idee, die oft auch f\u00fcr besonders lustige oder emotionale Szenen sorgt. Aber auf die Dauer ist das schlicht und einfach zu viel \u2013 da franst \u201eNo Other Choice\u201c immer wieder (unn\u00f6tig) aus, weshalb sich trotz des ausgefallenen Szenarios in den ausufernden zwei Stunden und 19 Minuten doch immer wieder kleinere L\u00e4ngen einschleichen.<\/p>\n<p class=\"bo-p\"><b>Fazit: Der Tonfall von \u201eNo Other Choice\u201c erinnert am ehesten an \u201eParasite\u201c \u2013 dieselbe schwarzhumorig-hysterische \u00dcberdrehtheit, derselbe \u00e4tzend-sozialkritische Biss. Aber im Gegensatz zu Bong Joon Ho, der seine Familiengroteske mit absoluter Pr\u00e4zision immer weiter eskalieren l\u00e4sst, entgleitet Park Chan-wook seine ausfransende Erz\u00e4hlung immer mal wieder, bis er sie schlie\u00dflich mit einer aktualisierten Schlusspointe zu einem wunderbar pessimistischen Happy End (!?) f\u00fchrt.<\/b><\/p>\n<p class=\"bo-p\">Wir haben \u201eNo Other Choice\u201c beim Venedig Filmfestival 2025 gesehen, wo er als Teil des offiziellen Wettbewerbs seine Weltpremiere gefeiert hat.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">*Bei diesem Link handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf \u00fcber diesen Link oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der US-amerikanische Autor Donald E. 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