{"id":383515,"date":"2025-08-30T04:09:13","date_gmt":"2025-08-30T04:09:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/383515\/"},"modified":"2025-08-30T04:09:13","modified_gmt":"2025-08-30T04:09:13","slug":"marktstart-fuer-alzheimer-mittel-lecanemab-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/383515\/","title":{"rendered":"Marktstart f\u00fcr Alzheimer-Mittel Lecanemab in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p class=\"fp-paragraph\"><strong>Berlin<\/strong> &#8211; Der zur Alzheimer-Therapie zugelassene Antik\u00f6rper Lecanemab kommt am 1. September in Deutschland offiziell auf den Markt. \u00d6sterreich und Deutschland seien die ersten EU-L\u00e4nder, in denen das unter dem Namen Leqembi vertriebene Mittel verf\u00fcgbar werde, teilten die beteiligten Pharmaunternehmen Biogen aus den USA und Eisai aus Japan mit. Die nach langem Z\u00f6gern zugelassene Therapie kann nur einem kleinen Teil der rund eine Million Menschen helfen, die allein in Deutschland von Alzheimer betroffen sind. Lecanemab wird als intraven\u00f6se Infusion alle zwei Wochen verabreicht.<\/p>\n<p>Zulassung mit Einschr\u00e4nkungen<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Im April hatte die EU-Kommission Lecanemab f\u00fcr die Behandlung von leichter kognitiver Beeintr\u00e4chtigung (Ged\u00e4chtnis- und Denkst\u00f6rungen) im fr\u00fchen Stadium der Alzheimer-Krankheit zugelassen. Als fr\u00fche Alzheimer-Phase sind Johannes Levin vom Deutschen Zentrum f\u00fcr Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zufolge die ersten drei Jahre zu werten. Das betreffe in Deutschland aktuell vermutlich etwa 250.000 Menschen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Es gibt allerdings noch eine weitere Einschr\u00e4nkung: Das Mittel sollen nur jene Alzheimer-Patienten bekommen, die lediglich eine oder keine Kopie von ApoE4 haben \u2013 einer Variante des Gens f\u00fcr das Protein Apolipoprotein E. Bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr bestimmte Nebenwirkungen \u2013 Schwellungen und Blutungen im Gehirn \u2013 geringer als bei Menschen mit zwei ApoE4-Kopien. Menschen mit nur einer oder keiner ApoE4-Kopie machen dem DZNE zufolge in Deutschland etwa 80 Prozent der Alzheimer-Patienten aus.\u00a0<\/p>\n<p>Hohe Kosten \u2013 Verhandlungen laufen<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Das Unternehmen Eisai beziffert den Herstellerpreis auf 310 Euro pro 2-Milliliter-Packung und 615 Euro pro 5-Milliliter-Packung. Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverb\u00e4nde (ABDA) liegt der Verkaufspreis f\u00fcr die kleine Packung zun\u00e4chst bei 403,27 Euro und bei 788,86 Euro f\u00fcr die gro\u00dfe Packung. F\u00fcr wie viele Infusionen die Mengen reichten, sei vom Gewicht des jeweiligen Patienten abh\u00e4ngig, sagte ein Eisai-Sprecher.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Der ABDA rechnet vor, dass f\u00fcr eine 70 Kilogramm schwere Person pro Infusion etwa 7 Milliliter Konzentrat \u2013 also eine gro\u00dfe und eine kleine Packung \u2013 ben\u00f6tigt w\u00fcrden. Dem Hersteller Eisai zufolge w\u00fcrde dies in Bezug auf den Herstellerpreis auf Medikamentenkosten von 24.050 Euro pro Jahr hinauslaufen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Dies deckt sich mit der Sch\u00e4tzung des Generalsekret\u00e4rs der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Neurologie, Peter Berlit, der auch etwa 24.000 Euro an Kosten f\u00fcr das Medikament pro Jahr pro Patient erwartet. Die Kosten f\u00fcr Tests, Durchf\u00fchrung der Therapie und \u00dcberwachung k\u00f6nnten sich auf etwa 10.000 Euro belaufen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Nach Angaben der Alzheimer Forschung Initiative werden die Kosten zun\u00e4chst von den Kassen \u00fcbernommen. Parallel dazu werde der Gemeinsame Bundesausschuss pr\u00fcfen, welchen Nutzen das Mittel im Vergleich zu bisherigen Therapien erbringe. Das Ergebnis dieser Pr\u00fcfung sei Grundlage f\u00fcr die Preisverhandlungen zwischen Herstellern und Krankenkassen.<\/p>\n<p>Herausforderung f\u00fcr die Kliniken<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Bevor eine Therapie beginnen kann, muss bei Patienten Alzheimer erst durch Biomarker-Tests nachgewiesen werden, gefolgt von einem genetischen Test auf ApoE4. Auch die Kosten f\u00fcr den Gentest seien eine Kassenleistung, da es sich dabei um eine f\u00fcr die Behandlung verpflichtende Untersuchung handele, so die Alzheimer Forschung Initiative.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Frank Jessen, Direktor der Klinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik K\u00f6ln und Demenzforscher, sieht die Krankenhausambulanzen \u201egrunds\u00e4tzlich gut aufgestellt, um kommende Woche mit der Therapie mit Leqembi zu beginnen\u201c. Konkret sei dies jedoch auch abh\u00e4ngig von den Kapazit\u00e4ten der einzelnen Zentren \u2013 etwa im Blick auf Personal, MRT- und Infusionspl\u00e4tze.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Nach dpa-Informationen k\u00f6nnte sich der Start in einigen Kliniken jedoch auch wegen der hohen f\u00fcr die Kliniken anfallenden Kosten verz\u00f6gern, die diese schultern m\u00fcssen, weil die Preisverhandlungen noch laufen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Jessen erkl\u00e4rt, dass die Kosten f\u00fcr die Behandlung von Kassenpatienten im Regelfall zun\u00e4chst \u00fcber Ambulanzpauschalen abgerechnet werden, die verhandelt werden m\u00fcssen. \u201eDa m\u00fcssen die Krankenh\u00e4user jetzt intern eine Regelung finden.\u201c<\/p>\n<p>Keine Heilung in Sicht<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Bisherige Alzheimer-Therapien behandeln nur Symptome der Krankheit, nicht urs\u00e4chliche Prozesse im Gehirn. Das ist bei Lecanemab anders: Der Antik\u00f6rper richtet sich gegen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und soll dadurch den Verlauf der Krankheit um einige Monate verlangsamen. Um Heilung oder Verbesserung geht es allerdings auch bei diesem Wirkstoff nicht, ein solches Mittel ist weiterhin nicht in Sicht.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Aufgrund der Nebenwirkungen wie Schwellungen und Mikroblutungen im Gehirn war Lecanemab bei einer ersten Pr\u00fcfung der EU-Arzneimittelbeh\u00f6rde EMA noch abgelehnt worden. Bei einer erneuten Pr\u00fcfung kamen die Beh\u00f6rden jedoch zu dem Schluss, dass f\u00fcr die erw\u00e4hnte Untergruppe der Alzheimer-Patienten der Nutzen die Risiken \u00fcbersteige.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Um sicherzustellen, dass nur jene Patienten an das Mittel kommen, die auch einen Nutzen davon haben, wird es ein EU-weites Register aller Patienten geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin &#8211; Der zur Alzheimer-Therapie zugelassene Antik\u00f6rper Lecanemab kommt am 1. September in Deutschland offiziell auf den Markt.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":383516,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[331,3924,332,3922,1049,3364,29,30,141,13,288,14,3923,15,3921,12,193],"class_list":{"0":"post-383515","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-deutschland","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-aktuelle-news-aus-deutschland","12":"tag-alzheimer","13":"tag-de","14":"tag-deutschland","15":"tag-germany","16":"tag-gesundheit","17":"tag-headlines","18":"tag-krankheit","19":"tag-nachrichten","20":"tag-nachrichten-aus-deutschland","21":"tag-news","22":"tag-news-aus-deutschland","23":"tag-schlagzeilen","24":"tag-wissenschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115115757705841439","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/383515","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=383515"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/383515\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/383516"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=383515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=383515"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=383515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}