{"id":383555,"date":"2025-08-30T04:31:11","date_gmt":"2025-08-30T04:31:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/383555\/"},"modified":"2025-08-30T04:31:11","modified_gmt":"2025-08-30T04:31:11","slug":"anwohner-wehren-sich-alte-villa-in-stuttgart-soll-einer-wohnmaschine-weichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/383555\/","title":{"rendered":"Anwohner wehren sich: Alte Villa in Stuttgart soll einer \u201eWohnmaschine\u201c weichen"},"content":{"rendered":"<p>Die Lage ist unbezahlbar. Direkt am <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Kurpark\" title=\"Kurpark\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kurpark<\/a> Bad <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart-Bad_Cannstatt\" title=\"Cannstatt\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cannstatt<\/a> gelegen steht die rosafarbene Villa, die bis etwa 2020 einer alten Dame geh\u00f6rte, im Garten davor befanden sich ein Teich sowie ein beeindruckender Baumbestand. \u201eMan hat hier immer die Fr\u00f6sche quaken h\u00f6ren\u201c, erinnert sich Ulrike Pechtel, die direkt gegen\u00fcber wohnt. Ein Idyll.<\/p>\n<p>Und doch ist die Lage schlecht. Inzwischen ist die alte Dame gestorben, die B\u00e4ume sind gefallen, der Teich geleert und die Hoffnungen der Anwohner auf ein positives Ende sind mehr als getr\u00fcbt. Denn die Villa an der Wildbader Stra\u00dfe 14 (Ecke Kreuznacher Stra\u00dfe) ging an eine Erbengemeinschaft, die sich wiederum zum Verkauf der Immobilie entschloss. Das Haus wurde an die Pflugfelder Unternehmensgruppe verkauft. <\/p>\n<p>Nach dem <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Abriss\" title=\"Abriss\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abriss<\/a> soll eine Anlage mit 27 Wohneinheiten entstehen <\/p>\n<p>Die will die Villa sowie ein Nebengeb\u00e4ude, die beide inzwischen seit Jahren leer stehen, abrei\u00dfen und eine Wohnanlage mit drei Mehrfamilienh\u00e4usern mit insgesamt 27 Wohneinheiten auf das Grundst\u00fcck bauen. Eine \u201eWohnmaschine\u201c nennen Ulrike Pechtel, Verena W\u00f6rner, die ebenfalls im Quartier wohnt, und Peter Mielert, der sich in Bad Cannstatt seit Jahrzehnten gegen Leerstand und f\u00fcr den Erhalt alter Wohnsubstanz einsetzt, das geplante Geb\u00e4ude auch gerne. <\/p>\n<p>Der Begriff \u201eWohnmaschine\u201c ist nat\u00fcrlich vor allem der Gr\u00f6\u00dfe der geplanten Anlage geschuldet, f\u00fcr die zudem noch eine Tiefgarage geplant ist. \u201eDie Spundw\u00e4nde f\u00fcr die Tiefgarage sollen f\u00fcnf Meter tief in den Neckarkies eingetrieben werden. Das ist ein lockerer Untergrund hier, aber man k\u00f6nnte dabei auch auf Felsen sto\u00dfen\u201c, sagt Verena W\u00f6rner. \u201eMan wei\u00df um das Risiko, denn bei uns Nachbarn sollen w\u00e4hrend dieser Zeit Ersch\u00fctterungssensoren angebracht werden\u201c, f\u00fcgt sie an. Pechtel gibt zudem zu bedenken, dass man sich in einem Mineralwassergebiet befinde. Auf die Garage soll nach Informationen der drei Nachbarn ein Meter Erde aufgesch\u00fcttet werden.<\/p>\n<p>Doch auch an der Oberfl\u00e4che soll die bebaute Fl\u00e4che des Grundst\u00fccks deutlich vergr\u00f6\u00dfert werden. Erlaubt sind 35 Prozent, laut Baugesuch will Pflugfelder aber 54 Prozent des Grundst\u00fccks \u00fcberbauen. Die drei Nachbarn bezeichnen das als \u201etotale Versiegelung\u201c. <\/p>\n<p>Seit dem Jahr 2022 erm\u00f6glicht allerdings die Verordnung nach \u00a7201 a BauGB (Bestimmungen von Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt), Befreiungen davon zu erteilen. Speziell f\u00fcr den Wohnungsbau k\u00f6nnen Gemeinden in Gebieten mit Wohnungsnot unter bestimmten Bedingungen vom Bebauungsplan abweichen, wenn dies mit den \u00f6ffentlichen Belangen vereinbar ist und die Interessen der Nachbarn ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/media.media.03c27f83-b63d-4edd-8b7f-ab6e1ae4a689.original1024.media.jpeg\"\/>     Die Villa (links) sowie das Nebengeb\u00e4ude sollen abgerissen werden.    Foto: Lichtgut\/Julian Rettig    <\/p>\n<p>Doch ist auch geregelt, wie gro\u00df die Wohnungsnot in solch einem Gebiet sein muss, damit diese Regelung greift? Von der Stadt kommt dazu folgende Antwort: \u201eDie Stadt Stuttgart wurde durch die Landesregierung in der Verordnung der Landesregierung zur Bestimmung der Gebiete mit einem angespannten Wohnungsmarkt nach \u00a7 201a des Baugesetzbuchs vom 19. Juli 2022 als Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt eingeordnet. Es handelt sich hierbei nicht um eine durch die Stadt selbst getroffene Festlegung und sie bezieht sich zudem nicht auf einzelne Stadtbezirke.\u201c <\/p>\n<p>Zudem seien laut der Pressestelle der Stadt die erforderlichen Befreiungen von den Bestimmungen der geltenden Baustaffel 5 nach Stuttgarter Ortsbausatzung auch erteilt worden, da die gesetzlichen Befreiungsvoraussetzungen gegeben waren. \u201eEs handelt sich bei dem Baugrundst\u00fcck um ein Eckgrundst\u00fcck. Bei solchen wird regelm\u00e4\u00dfig die zul\u00e4ssige Fl\u00e4chenausnutzung \u00fcberschritten, wenn innerhalb der zul\u00e4ssigen Geb\u00e4udetiefe die festgesetzte erforderliche geschlossene Bauweise (Grenzbau zum Nachbarn) eingehalten werden soll\u201c, hei\u00dft es von Seiten der Stadt. <\/p>\n<p> Abriss und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Neubau\" title=\"Neubau\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neubau<\/a>: Gesetz trifft auf Gesetz <\/p>\n<p>Eine Nachverdichtung zugunsten der F\u00f6rderung des Wohnungsbaus ist also politisch gew\u00fcnscht und gefordert. So genehmigte die Stadt den Bauantrag von Pflugfelder. Das Bauvorhaben wurde vor der Entscheidung durch das Baurechtsamt im Ausschuss f\u00fcr Stadtentwicklung und Technik des Gemeinderates vorgestellt. <\/p>\n<p>Doch an dieser Stelle wird es interessant. Denn hier trifft Gesetz auf Gesetz. F\u00fcr das Kurssaalquartier gilt bereits seit Jahrzehnten die st\u00e4dtebauliche Erhaltungssatzung. Diese besagt, dass der Neubau, der R\u00fcckbau, die \u00c4nderung oder die Nutzungs\u00e4nderung baulicher Anlagen nur mit einer Genehmigung m\u00f6glich sind. Ziel ist deshalb die Erhaltung der st\u00e4dtebaulichen Eigenart eines Gebiets aufgrund seiner st\u00e4dtebaulichen Gestalt. Davon betroffen sind alle baulichen Ma\u00dfnahmen, welche das Geb\u00e4ude in seinem Erscheinungsbild ver\u00e4ndern \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob die baulichen Ma\u00dfnahmen der Genehmigungspflicht nach der Landesbauordnung unterliegen. Der Genehmigung bed\u00fcrfen sogar das Ver\u00e4ndern von T\u00fcr- und Fensterunterteilungen, Gesimsen und sonstigem Zierrat.<\/p>\n<p> Was sticht hier was?  <\/p>\n<p>Was ist also wichtiger: Quartiersschutz oder Wohnraumschaffung? Was sticht hier was? Von der Pressestelle der Stadt kommt dazu folgende Antwort: \u201eDie Geltung einer Erhaltungssatzung bedeutet nicht, dass jedes Geb\u00e4ude zwingend erhalten werden muss; die Bewertung ist im jeweiligen Einzelfall auf Grundlage der konkreten Erhaltungssatzung nach Ma\u00dfgabe von \u00a7 172 Abs. 3 BauGB zu treffen.\u201c <\/p>\n<p>Mielert findet das eine sehr schwammige Vorgehensweise: \u201eEs ist kritisch zu beurteilen, dass die Stadt solch eine Beurteilung hat, aber trotzdem solch eine Genehmigung erteilt.\u201c Er und seine zwei Mitstreiterinnen bem\u00e4ngeln zudem, dass bei dem Neubau \u00fcberhaupt nicht auf die st\u00e4dtebauliche Gestalt des Kursaalquartiers eingegangen werde. Nicht einmal die abgeschr\u00e4gten Ecken, die hier fast alle H\u00e4user an Stra\u00dfenkreuzungen auszeichnen, w\u00fcrden aufgegriffen werden. <\/p>\n<p> \u201eDer Neubau ist nicht vertretbar, weder optisch noch \u00f6kologisch\u201c <\/p>\n<p>Verena W\u00f6rner findet, dass Pflugfelder \u201edie Rechtslage bis zum Anschlag ausgereizt hat\u201c. Ihrer Meinung nach ist \u201eder Neubau nicht vertretbar, weder optisch noch \u00f6kologisch \u2013 schon gar nicht bei den hei\u00dfen Sommern\u201c. Zumal sie sich fragt, was f\u00fcr Wohnungen dort entstehen: Eigentums- oder Mietwohnungen? Und in welchem Preissegment liegen diese? \u201eAn hochpreisigen Wohnungen herrscht in Stuttgart sicher kein Bedarf.\u201c Pflugfelder reagiert auch auf mehrfache R\u00fcckfrage auf diese Anfrage nicht.<\/p>\n<p>Die drei Cannstatter gehen nicht davon aus, dass das Bauvorhaben noch zu verhindern ist \u2013 auch wenn sie es sich durchaus w\u00fcnschen. Sie m\u00f6chten aber die Planung des Neubaus optimiert wissen: Der Bau soll \u00f6kologischer geplant werden, die Tiefgarage gar nicht erst gebaut werden und die Anlage soll freundlich sein und sich ins Quartier einf\u00fcgen, gew\u00fcnscht sind zudem Gr\u00fcnfl\u00e4chen auf dem Gel\u00e4nde. \u201eWir wollen einen Kompromiss zwischen Kommerz und historisch Gewachsenem\u201c, sagt W\u00f6rner, die sich um das Quartier sorgt, in dem generell viel Leerstand herrsche.<\/p>\n<p> Drei B\u00e4ume wurden gef\u00e4llt, der Abriss selbst hat noch nicht begonnen <\/p>\n<p>Es gab auch schon eine Unterschriftensammlung gegen das geplante Projekt: Petra Wilhelm hat \u00fcber 1000 Unterschriften gesammelt. Diese wurden im Rathaus an Oberb\u00fcrgermeister Frank Nopper und Baub\u00fcrgermeister Peter P\u00e4tzold \u00fcbergeben. Auch W\u00f6rner, Mielert und Pechtel stehen im st\u00e4ndigen Austausch mit der Stadt.<\/p>\n<p>Eine Baugenehmigung gilt f\u00fcr drei Jahre, knapp zwei Jahre sind f\u00fcr das Projekt an der Wildbader Stra\u00dfe 14 seitdem bereits verstrichen. Bisher wurden nur drei gro\u00dfe naturgesch\u00fctzte B\u00e4ume gef\u00e4llt. \u201eDa sind gro\u00dfe Summen als Ausgleichsma\u00dfnahme geflossen\u201c, sagt Peter Mielert. Die drei Cannstatter fragen sich, warum sonst noch nichts passiert ist? Auch darauf gibt es von Pflugfelder keine Antwort. W\u00f6rner, Pechtel und Mielert hoffen, dass das ein gutes Zeichen ist. Doch die Lage ist unklar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Lage ist unbezahlbar. 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