{"id":384413,"date":"2025-08-30T12:41:12","date_gmt":"2025-08-30T12:41:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/384413\/"},"modified":"2025-08-30T12:41:12","modified_gmt":"2025-08-30T12:41:12","slug":"kinder-und-jugendhilfe-in-leipzig-was-passiert-im-amt-fuer-jugend-und-familie-gespraech-mit-silko-kamphausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/384413\/","title":{"rendered":"Kinder- und Jugendhilfe in Leipzig: Was passiert im Amt f\u00fcr Jugend und Familie? Gespr\u00e4ch mit Silko Kamphausen"},"content":{"rendered":"<p>Wer in Leipzig Kinder hat, kommt um den Kontakt mit dem Amt f\u00fcr Jugend und Familie kaum herum. Ob es Kita-Pl\u00e4tze, Elterngeld oder Hilfe bei Problemlagen betrifft, sogar das BAf\u00f6G au\u00dferhalb des Hochschulbereichs, das Amt ist f\u00fcr vieles zust\u00e4ndig. Nicht erst mit der Zunahme von Kindern mit migrantischem Hintergrund sind die Aufgaben und die finanziellen Aufwendungen st\u00e4ndig angewachsen, in Zeiten klammer Kassen w\u00e4chst auch hier der Ruf nach Sparsamkeit.<\/p>\n<p>2021 wurde das <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/melder\/wortmelder\/2020\/12\/Aus-eins-wird-zwei-Ab-2021-gibt-es-ein-Amt-fuer-Schule-und-ein-Amt-fuer-Jugend-und-Familie-364743\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Amt f\u00fcr Jugend, Familie und Bildung geteilt<\/a> in Amt f\u00fcr Jugend und Familie und Amt f\u00fcr Schule, 2022 trennte sich die Stadt Leipzig von Amtsleiter Dr. Nicolas Tsapos und setzte Silko Kamphausen als kommissarischen Amtsleiter ein.<\/p>\n<p>Dieser \u00fcbergab die Stelle im September 2023 an Felix Sauerbrey, der das Amt, ebenfalls kommissarisch, bis zur \u00dcbernahme durch die neue Amtsleiterin Manuela Kastrup im Februar 2024, f\u00fchrte. Nach drei Monaten schied Frau Kastrup wieder aus und Silko Kamphausen f\u00fchrt seitdem, im Tandem mit Felix Sauerbrey, das Amt erneut kommissarisch. Wir trafen ihn zum Gespr\u00e4ch in den neuen Amtsr\u00e4umen auf der Alten Messe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-632551\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Organigramm-AJF-mit-Abteilungsleitung-September-2024-Screenshot-LZ.png\" alt=\"\" width=\"1221\" height=\"818\"  \/>Organigramm AJF September 2024, Screenshot LZ<\/p>\n<p><b>Herr Kamphausen, Sie sind kommissarischer Leiter des Amtes f\u00fcr Jugend und Familie und gleichzeitig noch Betriebsleiter KEE, also des <a href=\"https:\/\/kee-leipzig.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">kommunalen Eigenbetriebs Engelsdorf<\/a>. Zuerst die Frage, wie geht es Ihnen damit, diese zwei Jobs zu haben? Wie lebt man damit? Wie schafft man das alles?<\/b><\/p>\n<p>Mir geht\u2019s tats\u00e4chlich nach einem Jahr gut, wenngleich wenig Schlaf und noch vollerer Tage, gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Situation, meinen Alltag pr\u00e4gen, meinen Alltag pr\u00e4gen. Jedoch: das sucht man sich ja freiwillig aus, mich hat niemand zu dieser Aufgabe gezwungen. Insofern glaube ich, dass ich auch von den langj\u00e4hrigen Erfahrungen aus dem Wirtschaftsdezernat und dem kommunalen Umfeld, insbesondere jetzt auch im Jugend- und Schuldezernat sehr gut profitieren kann. Es lohnt jeden Tag f\u00fcr die Kinder unserer Stadt.<\/p>\n<p><b>Sie sind ja schon zum zweiten Mal kommissarischer Leiter des Amtes f\u00fcr Jugend und Familie. Gibt es denn eine Perspektive, dass sich das mal \u00e4ndert?<\/b><\/p>\n<p>Auch eine Nichtentscheidung ist f\u00fcr mich eine Entscheidung, manchmal eine bewusste. Und sagen wir mal so, ich glaube, wenn ich sp\u00fcren w\u00fcrde, dass der Ver\u00e4nderungsdruck und -wille tats\u00e4chlich nicht nachhaltig w\u00e4re, sowohl in der Politik, in der Gesellschaft, als auch in der Verwaltung selbst, dann w\u00fcrde ich mich entscheiden, es nicht weiterzumachen und auf bessere Gelegenheiten warten. Ich bin nicht angetreten, um den Status Quo oder einen Mangel zu verwalten. Ich brauche ein Umfeld, in welchem die Ergebnisse und auch ich wachsen k\u00f6nnen und keines, was mich klein h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Wir haben andernorts so viele offene Positionen bzw. Amtierungen innerhalb der Stadtverwaltung, wir m\u00fcssen im Jugenddezernat nicht immer die ersten sein. M\u00f6glicherweise gibt es ja auch andere Stellen, die vorrangig zu besetzen sind. Wir warten die Entwicklungen zun\u00e4chst ab. Wir werden sehen. Kein Druck.<\/p>\n<p><b>Im Moment bestimmt der Doppelhaushalt alle Diskussionen. Das Amt Jugend und Familie, ist ein sehr gro\u00dfer Haushaltsposten, besonders im Bereich Kinder- und Jugendhilfe, sowohl finanziell als auch personeller. Gibt es da Ambitionen, dort etwas zu beschneiden?<\/b><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich muss man sagen, die Sozialausgaben in der Stadt Leipzig steigen f\u00fcr alle Bereiche und skalpieren durch die fehlende Kostenbeteiligung des Bundes und des Landes unsere kommunale Selbstverwaltung. Ich wei\u00df, dass wir seit 2023 im Jugendamt zumindest auf einem sehr guten Weg sind. Machen wir das an zwei Zahlen fest.<\/p>\n<p>Die Sozialausgaben steigen linear um 9- 10 % pro Jahr in Leipzig, im Jugendamt nur noch um 5 % und konsolidiert sich durch aktive Steuerung und Strategien. Die station\u00e4ren F\u00e4lle, bei denen die Kinder dauerhaft au\u00dferhalb der Familie untergebracht sind, sanken im gleichen Zeitraum um 10 % und der ambulante Bereich, also der familienerhaltende und zugleich kosteng\u00fcnstigere Bereich stieg um 19 %. In zwei Jahren und durch Konzepte.<\/p>\n<p>Es ist so, dass bei den Leistungen die im SGB VIII stehen, das <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/lexika\/politiklexikon\/296410\/konnexitaetsprinzip\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Konnexit\u00e4tsprinzip<\/a> nicht funktioniert. Das sind Bundesleistungen, die wir hier auf kommunaler Ebene f\u00fcr unsere Familien erbringen. Wir bekommen jedoch keine Refinanzierung, keine Kostenerstattung. Jedes Umsetzungsgesetz wird im Gegenteil noch vergoldet.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt nat\u00fcrlich dazu, wenn wir \u00fcber Einsparungen dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung reden, wir sprechen ja nicht nur \u00fcber 5 oder 10 Millionen, dass nat\u00fcrlich der Sozialbereich immer wieder erneut in den Fokus ger\u00e4t. Dazu geh\u00f6rt auch die Kinder- und Jugendhilfe. Kommunalpolitik m\u00fcsste ggf. irgendwann ohne Gegensteuerung durch uns alle zwischen Kultur, Jugendhilfe oder Wirtschaftsf\u00f6rderung entscheiden oder wir bleiben nun aktiv.<\/p>\n<p>Kinder und Jugendliche unterliegen immer, trotz der notwendigen Investition in die Zukunft, bedauerlicherweise der haushalterischen Gegenwartsdebatte. Haushalte sind ja immer f\u00fcr die Gegenwart gemacht und Kinder und Jugendliche haben keine klassische Lobby.<\/p>\n<p>Das sind keine W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler und es geht im politischen Betrieb um Mehrheiten, nicht zwangsl\u00e4ufig um Wahrheiten. Das hei\u00dft, die Wahrscheinlichkeit, dass man in einen Bereich eingreifen k\u00f6nnte, wo relativ wenig Widerstand zu erwarten ist, ist recht hoch. Wenngleich ich sagen muss, dass ich \u00fcber alle Bereiche hinweg, auch au\u00dferhalb des Sozialbereichs, die zwingende Notwendigkeit sehe, zumindest zu pr\u00fcfen, wie man mit dem gleichen Geld mehr Leistung erbringen kann, also Pr\u00fcfung der Aufgaben und des Vollzugs.<\/p>\n<p>Das trifft auch f\u00fcr das Jugendamt zu, so fair muss man sein und vertrete ich. Wenn wir uns anschauen, wo wir eigentlich in Leipzig im Vergleich zu anderen s\u00e4chsischen Kommunen oder auch bundesweit die Fallzahlen und Kosten betreffend stehen, dann l\u00e4sst sich festhalten, dass wir Spielraum haben und dass die Einsparpotenziale momentan durchaus realistisch erscheinen, wenn sie auch sehr, sehr ambitioniert und risikobehaftet sind.<\/p>\n<p>Es geht nicht nur um Streichung, sondern einen bewusst angestrebten Angebotsumbau mit klaren Zielen und Leitplanken im Sinne der Kinder und Jugendliche. Bestenfalls zahlt es p\u00e4dagogisch und fiskalisch ein. Als Jugendamtsleiter sind sie derzeit bestenfalls Fachpolitiker, Verwaltungsmensch und K\u00e4mmerer in einem. Ein sehr gro\u00dfes Spannungsfeld, was es t\u00e4glich auszuhalten gilt.<\/p>\n<p><b>Sie sprachen es jetzt schon beil\u00e4ufig an. Kinder- und Jugendhilfe ist ein Zukunftsthema. Bedeutet das, dass was wir dort verpassen, die finanziellen Mittel die wir dort nicht einsetzen, brauchen wir dann in Zukunft ein mehrfaches Volumen, um diese Sachen zu korrigieren?<\/b><\/p>\n<p>Kinder- und Jugendhilfe ist ein sehr breites Feld. Ich m\u00f6chte es an einem Beispiel deutlich machen. Wenn wir \u00fcber die fr\u00fchkindliche P\u00e4dagogik sprechen, bin ich ganz bei Ihnen. Da sehen wir, dass die Verhaltensauff\u00e4lligkeiten, die Sprachentwicklungsst\u00f6rungen in der Stadt Leipzig \u00fcberproportional zunehmen.<\/p>\n<p>24 % aller Kinder im KITA Bereich hatten 2023 Sprachentwicklungsverz\u00f6gerungen, 40\u00a0% waren es sogar in Gr\u00fcnau. Dasselbe haben wir auch noch in anderen Bereichen. Das k\u00f6nnen Sie <a href=\"https:\/\/geoportal.leipzig.de\/arcgis\/apps\/experiencebuilder\/experience\/?id=963aeec2d1fc486bada7bd9b05d81bac&amp;page=page_12\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">auf unserer Plattform nachlesen<\/a>. Das zeigt also erschreckend, dass wir da einen Nachholbedarf haben. Wenn wir dann parallel aber nicht beim Betreuungsschl\u00fcssel und \u00e4hnlichem mehr ansetzen, dann kann man tats\u00e4chlich sagen, dass die Belastungen in anderen Sozialleistungssystemen k\u00fcnftig dadurch gr\u00f6\u00dfer werden.<\/p>\n<p>Ob es das Gesundheitssystem ist, welches auch am Limit ist, wenn es um den Bereich der erzieherischen Hilfe im Jugendamt geht, berufliche und schulische \u00dcbergangssysteme und so weiter. Also da w\u00fcrde es sich lohnen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-632549 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Stadt-Leipzig-Schulanfaengerinnen-und-Schulanfaenger-mit-Sprachauffaelligkeiten-oder-stoerungen-der-.png\" alt=\"\" width=\"992\" height=\"353\"  \/>Stadt Leipzig \u2013 Kindergesundheit in der Stadt Leipzig, Screenshot LZ<\/p>\n<p>Wenn wir ehrlich sind, das meine ich mit dieser Gegenwartsdebatte, gibt es seit 30 bis 40 Jahren Studien, die uns Handlungsbedarfe als auch L\u00f6sungen attestieren. Wenn wir nicht im Gie\u00dfkannenprinzip \u00fcberall die gleichen Leistungen dar\u00fcber geben, vielmehr ungleiches ungleich behandeln, dann habe ich einen sehr hohen Erfolg. So k\u00f6nnte ich daraus auch wirtschaftlich und volkswirtschaftlich einen Mehrwert generieren.<\/p>\n<p>Dass sich Investitionen in fr\u00fchkindliche Bildung lohnen, belegen zahlreiche Studien. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft K\u00f6ln liegt die volkswirtschaftliche Rendite hochwertiger fr\u00fchkindlicher Bildung bei rund 11\u202f%, die staatliche Rendite bei 3\u202f% \u2013 vorausgesetzt, es werden auch qualit\u00e4tssteigernde Strukturver\u00e4nderungen vorgenommen.<\/p>\n<p>Das Deutsche Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung zeigt zudem, dass Kinder aus benachteiligten Familien besonders stark profitieren und ein zus\u00e4tzliches Jahr fr\u00fchkindlicher Betreuung die Entwicklung nicht-kognitiver F\u00e4higkeiten bis ins Jugendalter positiv beeinflusst. Also ich spare durch Investitionen, auch in Leipzig.<\/p>\n<p><b>Also, wenn ich im Kindergarten ansetze, habe ich am Ende nach 10 oder 12 Jahren weniger Jugendliche ohne Schulabschluss?<\/b><\/p>\n<p>Ich habe statistisch weniger Sozialleistung w\u00e4hrend der Lebensdauer und schon w\u00e4hrend der Schulzeit eine h\u00f6here Aussicht auf Bildungserfolg. Dennoch sind wir immer noch ein familienerg\u00e4nzendes und nicht familienersetzendes System: Die Elternverantwortung muss bleiben.<\/p>\n<p>Die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr hoch, dass der junge Mensch dann kein Schulabbrecher oder Schulverweigerer wird. Wir reden immer dar\u00fcber, dass wir ein Ausgabe- und erstmals in Leipzig auch Einnahmeproblem haben. Das bedeutet aber, ich brauche junge Fachkr\u00e4fte, innovatives Unternehmertum usw.<\/p>\n<p>Und auch wenn Schule nat\u00fcrlich nicht nur den Auftrag hat Fachkr\u00e4fte zu generieren, ist das aber neben der Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und Wachsens ein wesentlicher realpolitischer Punkt. Wenn ich Fachkr\u00e4fte haben will, dann muss ich nat\u00fcrlich auch ein gutes Schulsystem, ein gutes Bildungs- und Regelsystem haben, sonst baue ich ganz viele Hilfen um ein dysfunktionales Problem herum.<\/p>\n<p>Damit habe ich dann auch einkommensst\u00e4rkere Steuerzahler, bessere Renten und so weiter und so fort. Also aus langer Sicht zahlt es definitiv in die Gesellschaft: F\u00fcr den jungen Menschen selbst, f\u00fcr unsere Gemeinschaft und am Ende auch f\u00fcr die Volkswirtschaft. Jugendhilfe kann also auch ein guter Standortfaktor f\u00fcr Leipzig sein. Vielleicht setzt sich die Perspektive durch.<\/p>\n<p><b>Bestimmte Kreise werden sagen: Sprachentwicklungsst\u00f6rungen, das ist ja klar, schlie\u00dflich haben wir viele Ausl\u00e4nderkinder in Kita und Schule. Liegt es wirklich daran?<\/b><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich, wenn Kinder bilingual aufwachsen, dann ist Sprache immer auch ein Thema in englischsprachigen genauso wie in arabischen Familien. Vorlesen und wenig digitale Medien sind die beste Pr\u00e4vention. Deshalb bin ich grunds\u00e4tzlich f\u00fcr eine sehr fr\u00fche Versorgung in Regelstrukturen wie Kita. Da m\u00fcssen wir eher ran, damit wir die Selbstbetreuungsquote in bestimmten sozialen Milieus senken.<\/p>\n<p>Ausreichend Kapazit\u00e4t haben wir nun. Das gilt aber nicht nur f\u00fcr Migrantinnen und Migranten. Migration ist tats\u00e4chlich gar nicht so sehr das Thema, sondern wir haben nicht nur Sprachentwicklungsst\u00f6rungen. Kinder k\u00f6nnen kaum noch einen Purzelbaum. Das betrifft alle Schichten. Es gibt ebenso eine Wohlstandsverwahrlosung im weitesten Sinne, materieller \u00dcberfluss und seelische und emotionale Vernachl\u00e4ssigung in Elternh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Die Inanspruchnahme von bestimmten Leistungen ist auch in Leipzig sehr unterschiedlich. Das sehen wir beispielsweise ganz besonders f\u00fcr das Thema Schulbegleitung. Da haben wir wirklich eine fast Verdreifachung der Zahlen seit 2019. Schulbegleitungen m\u00fcssen 1 zu 1 betreuen in der Schule.<\/p>\n<p>Das sind in der Regel Familien, die nicht aus einkommensarmen Milieus kommen, sondern das sind Kinder, die aus teilweise sehr privilegierten Verh\u00e4ltnissen stammen, die nehmen eher diese Leistungsformen in Anspruch. Ich will sagen: Jugendhilfe durchzieht tats\u00e4chlich alle sozialen Schichten und ist weniger eine Frage der Nationalit\u00e4t, mehr der Ungleichverteilung von Einkommen und damit Zug\u00e4nge in das System.<\/p>\n<p><b>Sie sagten gerade, Kinder die aus relativ gut situierten Familien kommen nehmen eher diese Leistungen in Anspruch. Hier kommen wir zum n\u00e4chsten Thema. Wie gut k\u00f6nnen denn Menschen die ihnen zustehenden Leistungen in Anspruch nehmen? Ich vermute, aufgrund Ihrer Aussage, dass eher die Schichten, die in der Lage sind diese auch zu beantragen und durchzusetzen, das schaffen.<\/b><\/p>\n<p>Wir sind ein unfassbar b\u00fcrokratisches Land. Also das sehen wir nicht nur an den Personalaufw\u00fcchsen innerhalb der Verwaltung, die wir deshalb haben, weil immer wieder neue, hochkomplexe Gesetze vom Bund verabschiedet wurden und wir nicht in der Lage waren, das tats\u00e4chlich medienbruchfrei digital und b\u00fcrgerfreundlich zu bearbeiten, oder die H\u00fcrden daf\u00fcr sehr gro\u00df waren, weil die Ausf\u00fchrungsebene im Gesetzgebungsverfahren nicht geh\u00f6rt wurde.<\/p>\n<p>In Leipzig gilt das analog. Wir haben sehr viele Leistungen bei sehr vielen unterschiedlichen Institutionen und Eltern ist es sehr wohl erschwert, bestimmte Leistungen in Anspruch zu nehmen. Dennoch m\u00f6chte ich, das ist meine Vision, dass wir eine inklusive, polyzentrische Stadt, auch im Bereich der Jugendhilfe, mit starken lokalen Nachbarschaften und f\u00fcr einen verbesserten sozialen Kitt vor Ort werden.<\/p>\n<p>Also, dass ich alles innerhalb von 15 Minuten erreiche, das w\u00e4re der Wahnsinn. Wir reden ja immer von \u00c4rzten und von Superm\u00e4rkten, eigentlich gilt das auch f\u00fcr die Kinder- und Jugendhilfe als Teil einer modernen Stadtentwicklung. Es w\u00e4re total sch\u00f6n, da haben wir mit den Planungsr\u00e4umen begonnen, dass wir innerhalb von 15 Minuten beim Allgemeinen Sozialen Dienst sind oder dass wir innerhalb von 15 Minuten bei einer Familien- und Erziehungsberatungsstelle, in Angeboten der Kinder- und Jugendf\u00f6rderung w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re doch w\u00fcnschenswert, dass Menschen innerhalb dieser Zeit zum Beispiel bei einem sozialr\u00e4umlichen Angebot der Jobcenter Zugang f\u00e4nden. Oder ein fu\u00dfl\u00e4ufiger Ort, wo alle Leistungen f\u00fcr Familien aus einer Hand abgerufen werden k\u00f6nnten. Aber das ist tats\u00e4chlich eine Utopie.<\/p>\n<p>In Teil 2 sprechen wir \u00fcber Ma\u00dfnahmen zur Digitalisierung, Kindergartenschlie\u00dfungen und Zukunftsaussichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer in Leipzig Kinder hat, kommt um den Kontakt mit dem Amt f\u00fcr Jugend und Familie kaum herum.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":384414,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,29,53698,103759,30,103760,2134,28432,45067,6822,71,859],"class_list":{"0":"post-384413","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-fruehkindliche-bildung","11":"tag-fruehkindliche-entwicklung","12":"tag-germany","13":"tag-integrierte-jugendhilfeplanung","14":"tag-interview","15":"tag-jugendamt","16":"tag-kinder-und-jugendhilfe","17":"tag-kitas","18":"tag-leipzig","19":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115117771098132208","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/384413","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=384413"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/384413\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/384414"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=384413"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=384413"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=384413"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}