{"id":384598,"date":"2025-08-30T15:11:12","date_gmt":"2025-08-30T15:11:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/384598\/"},"modified":"2025-08-30T15:11:12","modified_gmt":"2025-08-30T15:11:12","slug":"neubrandenburger-gastronom-erzaehlt-seine-lebensgeschichte-in-einem-buch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/384598\/","title":{"rendered":"Neubrandenburger Gastronom erz\u00e4hlt seine Lebensgeschichte in einem Buch"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Im Restaurant \u201eCiao Bella\u201c <a data-li-document-ref=\"3835811\" href=\"https:\/\/www.nordkurier.de\/regional\/neubrandenburg\/neuer-chef-im-marktplatz-center-neubrandenburg-3835811\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Erdgeschoss des Neubrandenburger Marktplatzcenters<\/a> ist auch am fr\u00fchen Nachmittag einiges los. Obwohl die Mittagszeit vorbei ist, kommen immer noch hungrige G\u00e4ste an die Tische, und auch drau\u00dfen k\u00f6nnen sich G\u00e4ste hinsetzen und Essen bestellen. Die Au\u00dfenterrasse mit Tischen und St\u00fchlen hat sich der neue Chef im Restaurant erst vor kurzem genehmigen lassen. F\u00fcr ihn war es ein weiter Weg, der ihn von einem Dorf in der T\u00fcrkei bis nach Neubrandenburg f\u00fchrte. Deshalb wollte er genau dar\u00fcber schreiben.<\/p>\n<p>Seine Geschichte beginnt in Anatolien<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Obwohl Mehmet Rasit Canbulat sein Buch \u201eVon Antalya nach Mecklenburg\u201c genannt hat, beginnt seine Geschichte eigentlich im tiefsten Osten Anatoliens. In einem kleinen Dorf namens Karabag wurde er 1981 geboren. Wer sein Buch liest, erf\u00e4hrt einiges \u00fcber die Traditionen seiner Heimat und \u00fcber den Konflikt zwischen der t\u00fcrkischen Regierung und der kurdischen PKK. Als er in die erste Klasse kam, starb seine Mutter. Mit Vater, Geschwistern und Stiefmutter zog er dann nach Istanbul.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die Lebensbedingungen f\u00fcr die Familie waren dem Buch zufolge nicht einfach, Mehmet Rasit Canbulat hat Maiskolben auf der Stra\u00dfe verkaufen m\u00fcssen, anstatt zur Schule zu gehen, so schreibt er. Irgendwann habe es ihn raus in die Urlaubsregionen der T\u00fcrkei gezogen, vor allem nach Antalya. Obwohl er keine Chance hatte, die Schule zu besuchen, weil er als \u00e4ltester Sohn mit f\u00fcr die Familie sorgte, suchte er sein Gl\u00fcck im Tourismus. Seine Kenntnisse in touristischen Berufen eignete er sich in der Praxis an. Auch Englisch habe er zwischendurch gelernt.<\/p>\n<p>Gastronom, Barkeeper und Animateur<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Dieser Teil seines Lebens ist von zahlreichen R\u00fcckschl\u00e4gen, aber auch Erfolgen gepr\u00e4gt. Mehmet Rasit Canbulat konnte offenbar seine Chefs oft davon \u00fcberzeugen, dass er etwas konnte, selbst dann, wenn er es nicht konnte. Dann beobachtete er schnell, wie es andere machten und orientierte sich daran. Im Gespr\u00e4ch mit dem Nordkurier gibt er zu, dass er manche schwierige Situationen noch nicht einmal beschrieben habe. Einmal habe er am Strand auf dem Sand \u00fcbernachten m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eIch wollte nicht so viel Dramatisches schreiben. Die Welt ist schon in einer schwierigen Lage und ich wollte, dass die Leute mit dem Buch abschalten k\u00f6nnen\u201c, so Mehmet Rasit Canbulat. Ein wenig dramatisch wird es im Buch dann aber doch, wenn er von seiner sehr kurzen Zeit als Barkeeper schreibt. Sehr kurz, weil er den Job wegen eines Missgeschicks nach nur einer Nacht verloren habe. Nach vielen Jobs als Gastronom habe er es schlie\u00dflich geschafft, an einem Urlaubsort im Winter und an einem anderen im Sommer als Animateur zu arbeiten. Diese T\u00e4tigkeit \u00fcbte er nun mit Leidenschaft aus.<\/p>\n<p>Die Liebe f\u00fchrte ihn nach Deutschland<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Nach vielen Jahren, in denen er sich durchk\u00e4mpfte, hatte er in dieser Phase seines Lebens endlich Stabilit\u00e4t. Bei einem Spaziergang traf er schlie\u00dflich seine sp\u00e4tere Ehefrau Heike. Er habe ihr geholfen, den Weg zu ihrem Hotel zu finden. Sie hielten Kontakt, waren eigentlich nur Freunde, doch irgendwann wurde mehr draus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/17de1fa9-b18d-4565-a71b-2e75818b6493.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"\u201eVon Antalya nach Mecklenburg\u201c von Mehmet Rasit Canbulat gibt es im Thalia im Marktplatzcenter in der N\u00e4he der Kassen f\u00fcr 14,90 Euro. Einen kleinen Hinweis f\u00fcr K\u00e4ufer, dass der Autor in der N\u00e4he arbeitet, gibt es gleich dazu.\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.nordkurier.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>\u201eVon Antalya nach Mecklenburg\u201c von Mehmet Rasit Canbulat gibt es im Thalia im Marktplatzcenter in der N\u00e4he der Kassen f\u00fcr 14,90 Euro. Einen kleinen Hinweis f\u00fcr K\u00e4ufer, dass der Autor in der N\u00e4he arbeitet, gibt es gleich dazu. (Foto: Sebastian Graulich)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Sie heirateten schlie\u00dflich, und so kam Mehmet Rasit Canbulat nach Deutschland. Zun\u00e4chst ging es erstmal nach Berlin. Er lernte flei\u00dfig Deutsch, um irgendwann arbeiten zu k\u00f6nnen. Dass es dabei auch manchmal zu Missverst\u00e4ndnis kommen konnte, wenn er glaubte, etwas richtig verstanden zu haben, wird im Buch auf sehr humorvolle Weise beschrieben.<\/p>\n<p>Missverst\u00e4ndnisse und Konflikte<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Eine Nachbarin sei von Kindern als Frau Meckertante bezeichnet worden. Er glaubte, dass das tats\u00e4chlich ihr Nachname gewesen sei. Eines Tages wollte er ihr eine selbstgemachte Speise vorbeibringen. Vorher h\u00f6rte er bei einer anderen Nachbarin das Wort \u201efressen\u201c, von dem er gedacht habe, es sei das normale Wort f\u00fcr \u201eessen\u201c. Er \u00fcbergab der Nachbarin, die er mit Frau Meckertante ansprach, das Essen mit der Bemerkung, das k\u00f6nne sie \u201efressen\u201c. Es brauchte viel Unterst\u00fctzung durch seine Frau Heike, damit sich die Wogen einigerma\u00dfen gl\u00e4tten konnten.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Anekdoten wie diese gibt es noch einige in dem Buch. Sie sind aber nicht nur humorvoll, sie zeigen auch, wie schwer die Integration manchmal sein kann. Integration bedeutet f\u00fcr Mehmet Rasit Canbulat nach eigenen Worten, die Sprache zu lernen und die Gesetze und die Kultur des Gastlandes zu achten. Beide Seiten m\u00fcssten aufeinander zugehen. Er habe in einer Arbeitsstelle erlebt, wie eher gegen ihn gearbeitet worden sei. So w\u00fcrde Integration schwerfallen. Das sei aber nicht nur in Deutschland so, gibt er zu. Gerade in d\u00f6rflichen Gebieten in Ostanatolien sei es nicht anders. Wenn man sich besser kennenlernt, k\u00f6nnte man das \u00e4ndern, meint er.<\/p>\n<p>Ein Dorf in Mecklenburg<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Zwischendurch lebte er mit seiner Familie nochmal in der T\u00fcrkei. Dann kam Corona, die Familie zog in Deutschland dorthin, wo viel Platz zum Leben war, n\u00e4mlich in ein kleines Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Dort Anschluss zu finden, sei nicht einfach gewesen. Es brauchte Zeit, gibt er zu. Ein Nachbar habe seiner Frau mal gesagt, er und sein Sohn m\u00fcssten den M\u00fcll richtig trennen. Er w\u00fcrde das beim B\u00fcrgermeister melden. Aber trotz dieses Vorfalls h\u00e4tten sie kein schlechtes Verh\u00e4ltnis zu diesem Nachbarn gehabt.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Mehmet Rasit Canbulat versucht immer, jedem Menschen mit einem L\u00e4cheln zu begegnen. Jetzt als Restaurantchef zahle sich das aus. \u201eIch habe Menschen erlebt, die jeden Tag hier vorbeigingen und dann doch mal ins Restaurant kamen\u201c, erz\u00e4hlt er. Sein L\u00e4cheln h\u00e4tte sie dazu gebracht, es mal zu versuchen. Dass seine Art gut ankommt, zeigen auch Bewertungen im Internet. So schreibt eine Frau: \u201eDer Wirt hat uns mit einer Herzlichkeit empfangen, die man nur noch selten erlebt.\u201c Im Leben sei vieles wie ein Boomerang, Negatives komme irgendwann zur\u00fcck, genauso wie Positives. \u201eIch glaube, wenn die Menschen keine Angst h\u00e4tten, k\u00f6nnten sie besser miteinander umgehen\u201c, so sein Fazit.<\/p>\n<p>Er bleibt im Land zum Leben<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Seine Frau Heike sitzt im Restaurant an einem Tisch und notiert etwas auf einem Zettel. Sie macht die Buchhaltung f\u00fcr das Restaurant. Sie meint, jedes Land in der Welt sei nur bedingt aufnahmebereit f\u00fcr Migranten. Au\u00dferdem h\u00e4tten viele Menschen auch erstmal Angst vor Ausl\u00e4ndern, wegen der vielen Berichte im Fernsehen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Ihr Ehemann Mehmet wei\u00df das und bleibt unerm\u00fcdlich dabei, jedem Menschen mit einem L\u00e4cheln zu begegnen. Die Natur und die Ruhe hier gefallen ihm &#8211; und die kurzen Wege zu \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden. Das kenne er auch aus seinem Heimatdorf. Am Ende seines Buches steht dann auch die Erkenntnis, dass er am richtigen Ort gelandet sei. Er will in Mecklenburg-Vorpommern bleiben, dem Land zum Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Restaurant \u201eCiao Bella\u201c im Erdgeschoss des Neubrandenburger Marktplatzcenters ist auch am fr\u00fchen Nachmittag einiges los. Obwohl die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":384599,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[103795,1784,1785,29,214,30,103793,103794,103796,143,215],"class_list":{"0":"post-384598","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-von-antalya-nach-mecklenburg","9":"tag-books","10":"tag-buecher","11":"tag-deutschland","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-mehmet-rasit-canbulat","15":"tag-restaurant-ciao-bella","16":"tag-spica-verlag","17":"tag-tuerkei","18":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115118360926119752","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/384598","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=384598"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/384598\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/384599"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=384598"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=384598"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=384598"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}