{"id":384769,"date":"2025-08-30T17:25:15","date_gmt":"2025-08-30T17:25:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/384769\/"},"modified":"2025-08-30T17:25:15","modified_gmt":"2025-08-30T17:25:15","slug":"grosser-protestmarsch-gegen-waffenlieferungen-an-israel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/384769\/","title":{"rendered":"gro\u00dfer Protestmarsch gegen Waffenlieferungen an Israel"},"content":{"rendered":"<p>Solidarische Gr\u00fc\u00dfe und den Dank vieler seiner Kolleg:innen \u00fcberbrachte der DHL-Logistikarbeiter und ver.di-Vertrauensmann Christopher in <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/DNsoZqg5F_l\/?hl=de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">seiner Rede<\/a> am Samstag auf der Startkundgebung des \u201eMarch to Airport Leipzig\u201c den rund 1000 Demonstrant:innen. Seine Arbeit, auf die er stolz sei, weil sie \u201eder Verbindung der Welt\u201c diene, solle nicht missbraucht werden, um Kriege in anderen L\u00e4ndern zu befeuern. Beim Entladen der Containerflugzeuge seien auch ihm pers\u00f6nlich schonmal Pakete von Rheinmetall in die H\u00e4nde gefallen. Da sei ihm \u201eganz anders\u201c geworden. \u201eSowas will man eigentlich nicht bef\u00f6rdern.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Der Protest des breiten B\u00fcndnisses pal\u00e4stinasolidarischer und linker Organisationen, habe aber bereits seine Wirkung in der Belegschaft des Flughafens entfaltet. Das Thema sei nun pr\u00e4sent, werde breiter diskutiert und es w\u00fcrde auch an eine l\u00e4ngere Tradition k\u00e4mpferischer Gewerkschafter:innen ankn\u00fcpfen, die bereits vor Jahren Flugbl\u00e4tter gegen Waffenlieferungen unter den Kolleg:innen verteilt h\u00e4tten. Christopher wies am Ende seiner Rede darauf hin, dass in anderen L\u00e4ndern, zum Beispiel in Griechenland oder in Italien, Hafenarbeiter:innen Waffenlieferungen an Israel mittels Streiks und Blockaden verweigern w\u00fcrden. Daran solle man sich auch am Flughafen Leipzig\/Halle ein Beispiel nehmen:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen uns nicht darauf verlassen, dass DHL zu der Einsicht gelangt, [dass diese Lieferungen verwerflich sind], denn f\u00fcr die ist das ein Riesengesch\u00e4ft. Wir m\u00fcssen auf unsere eigene Kraft vertrauen. [\u2026] Arbeiter schie\u00dfen nicht auf Arbeiter! Kein Transport f\u00fcr V\u00f6lkermord!\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Auch die Leipziger pal\u00e4stinasolidarische AG der Linkspartei, MERA25 und Handala Leipzig hielten Redebeitr\u00e4ge.<\/p>\n<p><strong>Ein langer Marsch zum Flughafen<\/strong><\/p>\n<p>Um 13 Uhr brach die Demonstration vom Leipziger Hauptbahnhof auf, um den rund 14 km langen Marsch zum Flughafen Halle\/Leipzig anzutreten. Die Demonstration konnte fast ungest\u00f6rt die ausgedehnte Route bew\u00e4ltigen. Nur einige Antideutsche und Rassist:innen versuchten zum Teil\u00a0 in die friedliche Demonstration zu intervenieren. Kaum verwunderlich in einer Stadt wie Leipzig, die auch nach 22 Monaten V\u00f6lkermord in Gaza noch teilweise von israelsolidarischen Positionen in der sogenannten \u201elinken Szene\u201c gepr\u00e4gt ist.\u00a0<\/p>\n<p>Gegen 19:30 Uhr erreichte die Demonstration das Gel\u00e4nde des Camps. Dort gab es noch politische Vortr\u00e4ge von Shir Hever (J\u00fcdische Stimme) und der Gruppe Arbeiter:innenmacht. Etwa 100 Menschen \u00fcbernachteten in selbst mitgebrachten Zelten. Am n\u00e4chsten Morgen kl\u00e4rte die Gruppe \u201cShut Elbit Down\u201d \u00fcber ihre Aktionen gegen den gr\u00f6\u00dften privaten israelischen Waffenhersteller Elbit auf. Die Teilnehmenden erfuhren, dass ohne Elbit der V\u00f6lkermord in Gaza nicht m\u00f6glich w\u00e4re. Gleichzeitig werbe das Waffenunternehmen international damit, dass ihre Kriegstechnologie in Gaza t\u00e4glich am lebenden Objekt getestet werde. Unter anderem produziert die israelische Firma in Ulm. Die Stadt ist das europ\u00e4ische IT-Zentrum f\u00fcr diesen Waffenproduzenten, aber gleichzeitig ein wichtiger Ort f\u00fcr die NATO-Kriegsplanung im Allgemeinen.\u00a0<\/p>\n<p>Um 11 Uhr versammelte man sich erneut f\u00fcr die Demonstration zum DHL Air Hub am Flughafen. Dort wurden Solidarit\u00e4tsgr\u00fc\u00dfe von den Hafenarbeiter:innen in Genua, Marseille und von Mo aus dem Hamburger Hafen abgespielt. Mehrere Gruppen hielten Reden und es wurden Flugbl\u00e4tter an die vorbeilaufenden oder -fahrenden Arbeiter:innen verteilt. Viele von ihnen waren interessiert und nahmen sich die Informationen zum Lesen mit. Die Demonstration richtete sich gezielt an die Arbeiter:innen. Nicht um sie anzuklagen, sondern weil sie als Arbeiter:innen die Macht haben, Waffenlieferungen zu stoppen. Die Politik, egal welcher Partei, hat gezeigt, dass sie ihr Verh\u00e4ltnis zur Staatsr\u00e4son und den imperialistischen Interessen Deutschlands nicht aufs Spiel setzen wollen und die Kapitalist:innen profitieren sogar noch von V\u00f6lkermord, Krieg und Aufr\u00fcstung und sind deshalb nicht an einer L\u00f6sung interessiert. Auch darauf machte die Demonstration nachdr\u00fccklich aufmerksam.<\/p>\n<p><strong>Wieso gerade der Flughafen Leipzig?<\/strong><\/p>\n<p>Neben Frankfurt ist Leipzig der wichtigste Frachtflughafen in Deutschland, was ihn auch zu einem der wichtigsten in Europa macht. Ein Gerichtsprozess in Dresden gegen den AfD-Politiker Maximilian Krah, der wegen Spionage f\u00fcr den chinesischen Staat angeklagt wurde, brachte k\u00fcrzlich Gewissheit, wo es vorher nur Vermutungen gab. Die Bundesanwaltschaft best\u00e4tigte, dass der Flughafen Leipzig\/Halle ein <a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2025\/08\/20\/waffenlieferung-vom-leipziger-flughafen-nach-israel-aufgedeckt-bei-spionageprozess-in-dresden\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201ewichtiges Drehkreuz zur Verbringung von Milit\u00e4rg\u00fctern in die ganze Welt\u201c<\/a> sei. \u201cNeben der Bundeswehr nutzen ihn auch deutsche R\u00fcstungsfirmen und NATO-Streitkr\u00e4fte. Insbesondere nutzt die Luftwaffe der USA den Flughafen auf dem Weg nach Ramstein.\u201c<\/p>\n<p><strong>Betriebsrat \u201ebeh\u00e4lt die Situation im Blick\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Flugbl\u00e4tter hat die Gruppe Handala Leipzig auch in Vorbereitung auf den Protestmarsch bei Schichtwechsel an die Flughafenarbeiter.innen verteilt. Viele Gewerkschaftsmitglieder begr\u00fc\u00dften die Initiative, w\u00e4hrend die b\u00fcrokratische Gewerkschaftsf\u00fchrung und der Betriebsrat sehr alarmiert reagierten. Nach einer Flyeraktion Anfang August schickte der Betriebsrat eine <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/stories\/highlights\/18047556980279847\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rundmail<\/a> in der es hie\u00df:\u00a0<\/p>\n<p>\u201eHallo zusammen, seit gestern Abend werden am Bahnhof und auch vor dem Betriebsgel\u00e4nde Flyer verteilt. Auch an den St\u00e4nden zur Urabstimmung wurden gezielt Kolleg:innen angesprochen. Soweit ich geh\u00f6rt habe, gab es auch hitzige bis aggressive Diskussionen, welche sich gegen uns als Besch\u00e4ftigte richten. Hintergrund ist die Bewerbung einer propal\u00e4stinensischen Demonstration am 23. August. Auf den verteilten Flyern wird au\u00dferdem zur Urabstimmung und den Betriebsrat Bezug genommen. Weder ver.di noch der Betriebsrat stehen in Zusammenhang mit dieser Aktion. Bitte seid vorsichtig und lasst euch nicht zu Gespr\u00e4chen oder Aussagen hinrei\u00dfen. Solltet ihr euch bel\u00e4stigt f\u00fchlen, informiert bitte Security. Wir haben bereits ver.di informiert und die Situation im Blick.\u201c<\/p>\n<p>Dass sich die Protestaktionen \u201egegen uns als Besch\u00e4ftigte\u201c richten sollen, kann nach der Lekt\u00fcre des Flyermaterials nicht aufrechterhalten werden. Sie werden f\u00fcr ihre Arbeit nicht moralisch verurteilt, sie werden stattdessen als diejenigen angesprochen, die in der Lage sind, die Waffenlieferungen mittels Streiks zu verhindern. Ausdr\u00fccklich mit ihnen \u2013 und nicht gegen sie \u2013 m\u00f6chte die Leipziger Pal\u00e4stinabewegung gegen den Genozid in Gaza k\u00e4mpfen. Man nimmt sich daf\u00fcr ein Beispiel an der <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/belgische-gewerkschaften-weigern-sich-waffen-nach-israel-zu-transportieren\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Belgischen Gewerkschaften<\/a> ACV Puls, BTB, BBTK und ACV-Transcom, die bereits im Winter 2023 ihre Mitglieder dazu aufriefen, Waffenlieferungen an Israel nicht zu bef\u00f6rdern.\u00a0<\/p>\n<p>Wogegen sich die Aktionen in Wahrheit aber richten, ist die fortw\u00e4hrend zionistische und staatstragende Position der Gewerkschaftsf\u00fchrung und des Betriebsrates am Leipziger Flughafen. Dieser versucht wiederum \u201eseine Arbeiter:innen\u201c davon zu \u00fcberzeugen, dass sein eigener Standortchauvinismus die Position der Mehrheit der Arbeiter:innen im Betrieb repr\u00e4sentiere. Dem ist zum Gl\u00fcck nicht so. Tats\u00e4chlich tut sich innerhalb der Gewerkschaften, wie im Rest der Gesellschaft ein immer wachsender Spalt auf, zwischen denjenigen, die an der Unterst\u00fctzung des Israelischen Vertreibungsprojektes direkt oder indirekt festhalten wollen, etwa durch die offensiv zur Schau gestellte \u201eFreundschaft\u201c der DGB-F\u00fchrung mit der zionistischen Histadrut, und einer stets wachsenden Basis an Gewerkschafter:innen, die diese Politik anlehnen und sich einen Stopp aller Waffenlieferungen an Israel w\u00fcnschen. Das Problem ist bislang, dass diese Basis noch nicht vernetzt und daher noch nicht handlungsf\u00e4hig ist.<\/p>\n<p><strong>Eine antimilitaristische Str\u00f6mung organisieren\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Es kommt nun in Leipzig darauf an, kritische Kolleg:innen am Flughafen zu vernetzen und diese Vernetzung von au\u00dfen solidarisch zu begleiten und voranzutreiben. Eine k\u00e4mpferische, streikfreudige und konsequent antimilitaristische Arbeiter:innenbewegung f\u00e4llt nicht vom Himmel, sie muss in der direkten Konfrontation mit den verkn\u00f6cherten b\u00fcrokratischen F\u00fchrungen in der ver.di und im Betriebsrat aufgebaut werden. Es ist notwendig, der institutionalisierten B\u00fcrokratie eine antib\u00fcrokratische, antimilitaristische Str\u00f6mung gegen\u00fcberzustellen, die die kollektive Kraft der Arbeiter:innen und ihre F\u00e4higkeit zur unabh\u00e4ngigen Organisierung und Kooperation mittels der Einberufung basisdemokratischer Betriebsversammlungen freisetzen kann. Auf solchen Versammlungen, die einen ganz anderen Charakter haben sollten, als die regelm\u00e4\u00dfigen Routineversammlungen der Betriebsr\u00e4te, w\u00e4re auch die Stimme des Betriebsrats oder des Gewerkschaftssekret\u00e4rs nur eine Stimme unter hunderten. Dort kann die bisher in Sprachlosigkeit gehaltene Gewerkschaftsbasis ihre Sprache zur\u00fcckerlangen, ihre eigene Kraft und das Potenzial, was in ihnen schlummert, deutlicher denn je selbst erfahren und die ersten Schritte in Richtung antimilitaristischer Streiks gehen. Nur auf diesem Weg k\u00f6nnen DHL und die Betreiber des Flughafens Leizpig\/Halle letztlich dazu gezwungen werden, keine Waffenlieferungen mehr f\u00fcr den Genozid und f\u00fcr Kriege in aller Welt mehr zu verschicken.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Ein gro\u00dfer Fortschritt<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis, was die Aktion \u201eMarch to Airport Leipzig\u201c organisiert, z\u00e4hlt gerade zu den fortschrittlichsten Initiativen innerhalb der deutschen Pal\u00e4stinabewegung. Sie haben erkannt, dass es am Ende die Arbeiter:innen sind, die allein das Subjekt des Friedens sein k\u00f6nnen. Statt die Arbeiter:innen moralisch als Mitt\u00e4ter:innen zu verurteilen und sich von ihnen zu isolieren, braucht es solidarische Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Waffenlieferungen und \u00fcber das Ausma\u00df des Genozids in Gaza und einen Aufruf zur engen Zusammenarbeit im Kampf gegen den deutschen Staat, seine von den Gewerkschaftsf\u00fchrungen immer noch geteilite Staatsr\u00e4son und gegen den Genozid am pal\u00e4stinensischen Volk.<\/p>\n<p><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Solidarische Gr\u00fc\u00dfe und den Dank vieler seiner Kolleg:innen \u00fcberbrachte der DHL-Logistikarbeiter und ver.di-Vertrauensmann Christopher in seiner Rede am&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":384770,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1860],"tags":[3364,29,548,663,3934,30,4062,17332,13,14,15,17331,860,12],"class_list":{"0":"post-384769","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-halle-saale","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-germany","14":"tag-halle","15":"tag-halle-saale","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-saale","20":"tag-sachsen-anhalt","21":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115118887887232409","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/384769","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=384769"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/384769\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/384770"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=384769"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=384769"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=384769"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}