{"id":385083,"date":"2025-08-30T21:17:19","date_gmt":"2025-08-30T21:17:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/385083\/"},"modified":"2025-08-30T21:17:19","modified_gmt":"2025-08-30T21:17:19","slug":"mut-fuer-eine-neue-art-des-hoerens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/385083\/","title":{"rendered":"Mut f\u00fcr eine neue Art des H\u00f6rens"},"content":{"rendered":"<p class=\"fp-paragraph\">\u201eDas Erste, was ich nach dem Einstellen geh\u00f6rt habe, war die Stimme meiner Frau\u201c, erinnert sich Gerrit-Jan Prenger gerne an das Einsetzen seines ersten Cochlea-Implantats (CI) 2019. Zuvor war der heute 76-J\u00e4hrige rund ein halbes Jahr lang taub gewesen &#8211; sein eigener Fehler, wie er inzwischen meint.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u00dcber rund zwei Jahrzehnte hatte der Au\u00dfendienstmitarbeiter seine H\u00f6rkraft auf dem rechten Ohr durch eine Erkrankung, den sogenannten Morbus Meni\u00e8re, schleichend verloren. Er zog es vor, sich an die wachsende Taubheit zu gew\u00f6hnen. Doch dann versagte pl\u00f6tzlich das andere Ohr. Das bedeutete Stille und Isolation. \u201eDa bekam ich eine Angst, die werden Sie nachts nicht mehr los\u201c, bekennt er freim\u00fctig.<\/p>\n<p>In sechs Monaten zwei Implantate<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Z\u00fcgig entschied er sich f\u00fcr die Innenohrprothesen. Nach sechs Monaten hatte er das Implantat im ersten Ohr, ein Jahr sp\u00e4ter im anderen. Eine gleichzeitige Versorgung ist nicht vorgesehen, erl\u00e4utert seine Chirurgin Claudia Rudack, auch wenn das Verfahren inzwischen nicht mehr selten ist. 100 bis 120 Implantate werden allein in M\u00fcnster Jahr f\u00fcr Jahr eingesetzt. \u201eDer Nutzerkreis wurde in den vergangenen 20 Jahren stark aufgeweitet\u201c, erl\u00e4utert Rudack.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Aber vor den Implantierten liegt ein langer Weg der Anpassung an die neue Art des H\u00f6rens, die derzeit auch f\u00fcr jedes Ohr getrennt stattfindet. Die Prozessoren, die wie etwas klobige H\u00f6rger\u00e4te hinter Prengers Ohren h\u00e4ngen, haben keine Verbindung. Daher kann er zum Beispiel auch nicht r\u00e4umlich h\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Rudack hat in Prengers H\u00f6rschnecke ein Band mit Elektroden eingef\u00e4delt, die das Ende seines H\u00f6rnervs reizen. Das Ger\u00e4t hinter seinem Ohr sammelt Ger\u00e4usche, bereitet sie elektronisch auf und leitet sie \u00fcber die Kontaktstelle an seinem Hinterkopf an die Elektroden in der H\u00f6rschnecke weiter. \u201eZiel der CI ist die Kommunikationsf\u00e4higkeit\u201c, betont Dr. Felix Heitk\u00f6tter, wissenschaftlicher Leiter Audiologie und Otoneurologie der Klinik. Er ist f\u00fcr die audiologische Erstanpassung der Implantate zust\u00e4ndig und selbst CI-Tr\u00e4ger.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"fp-lazyload lazyload\" height=\"768\" width=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/d48f5585-c7ae-454a-9e16-19139bb55c2d.jpg\"  data- alt=\"Ein feines Band mit Elektroden wird in der H\u00f6rschnecke platziert und schafft die Verbindung zum H\u00f6rnerv. Der Impulsgeber wird in eine Sch\u00e4delmulde unter die Haut verpflanzt.\"\/>Ein feines Band mit Elektroden wird in der H\u00f6rschnecke platziert und schafft die Verbindung zum H\u00f6rnerv. Der Impulsgeber wird in eine Sch\u00e4delmulde unter die Haut verpflanzt. Foto: Ulrike von Brevern<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Ist der Prozessor ausgeschaltet oder hat den Kontakt zum Implantat verloren, h\u00f6rt Prenger &#8211; anders als bei einem herk\u00f6mmlichen H\u00f6rger\u00e4t \u2013 \u00fcberhaupt nichts. Nach dem Anschalten musste das Gehirn erst lernen, die angebotenen Nervenimpulse sinnvoll zu nutzen und dann in Sprache umzusetzen. Das ist anspruchsvoll, darum schlie\u00dft sich nicht umsonst eine lange und intensive Reha-Phase an die OP an. \u201eAm Anfang haben wir lange immer wieder einzelne Silben und S\u00e4tze ge\u00fcbt\u201c, erinnert sich Prengers Ehefrau Gaby.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Das \u00dcben wirkt. Gerrit-Jan Prenger hat eine H\u00f6rf\u00e4higkeit von rund 75 Prozent erreicht, sch\u00e4tzt Rudack. Auch andere Faktoren haben Einfluss auf den Therapieerfolg, wei\u00df sie, etwa, dass Prenger bereits wenige Monate nach dem Ertauben operiert wurde. Die H\u00f6rrinde im Gehirn suche sich andere Aufgaben, wenn sie nichts mehr zu tun habe, erl\u00e4utert Rudack. Doch wie gro\u00df ist der Rahmen, in dem die Verst\u00e4ndnisf\u00e4higkeit zu reaktivieren ist? Auch Alter oder soziale Einbindung haben wohl Auswirkungen, doch Erkenntnisse, die an dieser Stelle eine zuverl\u00e4ssige Prognose erm\u00f6glichen, fehlen, bedauert sie.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"fp-lazyload lazyload\" height=\"768\" width=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/904485aa-74fe-4cec-b38d-9ef16cc4ffb0.jpg\"  data- alt=\"Der Audiologe Dr. Felix Heitk\u00f6tter erarbeitet mit den Patienten die erste Einstellung des Implantats. Er ist selbst Tr\u00e4ger eines Cochlea-Implantats.\"\/>Der Audiologe Dr. Felix Heitk\u00f6tter erarbeitet mit den Patienten die erste Einstellung des Implantats. Er ist selbst Tr\u00e4ger eines Cochlea-Implantats. Foto: privat<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Eine intensivere Forschung, die solche Fragen kl\u00e4ren k\u00f6nnte, ist nicht einfach. Ein vor drei Jahren initiiertes nationales CI-Register soll dabei helfen. Professorin Rudack fehlt etwa der Kontakt zum weiteren Therapieverlauf ihrer Patienten, da Reha- und Nachsorge in ganz anderen Kliniken stattfinden. \u201eBei 95 Prozent der behandelten Erwachsenen funktionieren die CI gut\u201c, wei\u00df sie. Dennoch ist sie \u00fcberzeugt, dass es weitere Stellschrauben gibt, um den Betroffenen das Leben mit CI zu erleichtern. Individualisierung der Versorgung lautet ihr Credo.<\/p>\n<p>Neue Studie soll Mensch und Implantat n\u00e4herbringen<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Gerade setzt sie eine eigene Studie auf, um der Frage nachzugehen, ob Mensch und Implantat besser zueinander finden, wenn der Sprachprozessor bereits acht Tage nach der Operation und damit fr\u00fcher als derzeit \u00fcblich aktiviert wird. Ein weiterer Ansatzpunkt ist der Kontakt von Elektroden und H\u00f6rnerv. Ist es m\u00f6glich, die Elektroden noch zielgenauer \u00fcber den individuellen Erregungspunkten zu platzieren?<\/p>\n<p>Selbsthilfe<\/p>\n<p> Foto: <\/p>\n<p class=\"fp-infobox__text\">Gerit-Jan Prenger hat die Selbsthilfegruppe \u201eGrafschafter Cochlea Implantierten Gruppe Nordhorn\u201c gegr\u00fcndet, in der sich nach seinen Angaben inzwischen rund 35 Mitglieder austauschen. Sie wolle keine Werbung f\u00fcr CI machen, aber Mut f\u00fcr die neue Art des H\u00f6rens, erl\u00e4utert Prenger. Auch das Problem \u00fcberzogener Erwartungen und der Umgang damit werden angesprochen. Kontakt: <a href=\"https:\/\/www.wn.de\/muenster\/forschen-und-heilen\/mailto:gcig-nordhorn@t-online.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gcig-nordhorn@t-online.de<\/a>, <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.gcig-nordhorn.de\/\" rel=\"nofollow noopener\">www.gcig-nordhorn.de<\/a><\/p>\n<p class=\"fp-infobox__dots\">&#8230;<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u201eWir m\u00fcssen grunds\u00e4tzlich zu einer feineren Abstimmung zwischen Implantat und Mensch kommen\u201c, formuliert Rudack das Ziel. Auch k\u00fcnstliche Intelligenz (KI) biete eine Chance: \u201eSmarte Systeme k\u00f6nnen lernen, was individuell als St\u00f6rger\u00e4usch empfunden wird, und damit das herausfiltern, was wir eigentlich h\u00f6ren wollen\u201c, erwartet die Wissenschaftlerin von der technischen Seite.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eDas Erste, was ich nach dem Einstellen geh\u00f6rt habe, war die Stimme meiner Frau\u201c, erinnert sich Gerrit-Jan Prenger&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":385084,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1843],"tags":[3364,29,30,8970,1209],"class_list":{"0":"post-385083","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenster","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-muenster","12":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115119800305061906","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/385083","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=385083"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/385083\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/385084"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=385083"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=385083"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=385083"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}