{"id":385331,"date":"2025-08-31T00:11:11","date_gmt":"2025-08-31T00:11:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/385331\/"},"modified":"2025-08-31T00:11:11","modified_gmt":"2025-08-31T00:11:11","slug":"shootingstar-nelio-biedermann-ein-wirklich-grosser-schriftsteller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/385331\/","title":{"rendered":"Shootingstar Nelio Biedermann: \u00abEin wirklich grosser Schriftsteller\u00bb?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Der zweite Roman des Z\u00fcrcher Studenten Nelio Biedermann wurde schon vor Erscheinen in \u00fcber zwanzig Sprachen verkauft. Ist die Saga einer ungarischen Adelsfamilie den Rummel wert?<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"\u00abWas ihn aus unbestimmten Gr\u00fcnden melancholisch stimmte\u00bb: Nelio Biedermann am Z\u00fcrichsee.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5464\" height=\"3643\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/c75f2802-3e69-4e1c-8701-807c43888cf5.jpg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    \u00abWas ihn aus unbestimmten Gr\u00fcnden melancholisch stimmte\u00bb: Nelio Biedermann am Z\u00fcrichsee. <\/p>\n<p>Ruben Hollinger<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3lkn00f0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Rote Rosen soll es f\u00fcr ihn regnen. So hat es der Rowohlt-Verlag geplant, der seit Monaten f\u00fcr den zweiten Roman des 22-j\u00e4hrigen Z\u00fcrcher Germanistikstudenten Nelio Biedermann wirbt: Preise und schwindelerregende Verkaufszahlen verspricht man sich. Schon vor Erscheinen seien die Rechte in \u00fcber zwanzig Sprachen verkauft worden, meldet man mit stolzgeschwellter Brust. Und Daniel Kehlmann, dessen Bestseller ebenfalls bei Rowohlt erscheinen, l\u00e4sst man schon im Voraus jubilieren: \u00abEin wirklich grosser Schriftsteller betritt die B\u00fchne, im Vollbesitz seiner F\u00e4higkeiten.\u00bb<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.\n      <\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3lkn3bo0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Nun ist \u00abL\u00e1z\u00e1r\u00bb da. Und alle namhaften Medien berichten Gewehr bei Fuss. Der Roman erz\u00e4hlt den langen Fall der titelgebenden ungarischen Adelsfamilie in den Wirren des 20.\u00a0Jahrhunderts. Eine Geschichte, die der seiner eigenen Familie nicht un\u00e4hnlich sei, l\u00e4sst der Autor ausrichten, um die verkaufsf\u00f6rdernde Kraft der Autofiktion wissend. Seine Familie stamme aus dem ungarischen Adel, und seine Grosseltern seien in den 1950er Jahren in die Schweiz gefl\u00fcchtet, eine Begebenheit, mit der Biedermann auch seinen Roman beschliesst.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3lkn3br0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Nach der Lekt\u00fcre von \u00abL\u00e1z\u00e1r\u00bb muss man zweierlei festhalten: Der Mann kann schreiben, Stilistik und Vokabular sind bemerkenswert. Aber er vergeudet sein Talent. An ein Buch, das sich des mehrheitlich dunklen 20.\u00a0Jahrhunderts als Poster bedient, um darauf einen Kitsch-Porno zu schreiben.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3lkn3bt0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Man kann sich fragen, was schlimmer ist: das 20.\u00a0Jahrhundert als blosse Schauerkulisse zu nehmen, um die eigenen Figuren auf diesem Vulkan ihre T\u00e4nze ins Verderben auff\u00fchren zu lassen? Sie werden angesichts der famili\u00e4ren Abgr\u00fcnde, der b\u00f6sen Nazis und vergewaltigenden Kommunisten wahnsinnig, depressiv, alkoholkrank, liebestoll \u2013 und was der Versehrtheiten mehr sind.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3lkn3bv0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Oder sind es die unertr\u00e4glichen Sexszenen, von denen das Buch schier birst? Es ist, als d\u00e4chten die Mitglieder der Familie L\u00e1z\u00e1r immer nur an das Eine. Nat\u00fcrlich wird der Hauslehrer ebenfalls zum Zielobjekt: \u00abAuch Ilona konnte sich ihm nicht entziehen. Ein einziger Blick auf ihn hatte gereicht, um ihre Knochen vibrieren zu lassen.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3lkn3c10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Und wenn Nelio Biedermann die ausserehelichen Eskapaden des Barons S\u00e1ndor beschreibt, dessen Ehefrau M\u00e1ria am Tod ihres Seitensprungs leidet (und sich sp\u00e4ter das Leben nehmen wird), diesem Verh\u00e4ltnis, aus dem Lajos stammt, der vermeintliche gemeinsame Sohn des hochwohlgeborenen Ehepaars, dann klingt das so: \u00abDenn M\u00e1rias K\u00f6rper war zu einem Symbol, zur Tempelruine einer l\u00e4ngst erloschenen Religion geworden, w\u00e4hrend Frau Vir\u00e1gs K\u00f6rper St\u00e4tte eines bl\u00fchenden Glaubens war, dem S\u00e1ndor regelm\u00e4ssig huldigte, indem er in ihren feuchten Schoss stiess, mit seiner Zunge den Schmutz von ihren Fusssohlen leckte, seine Nase in ihre Achselh\u00f6hlen grub und ihren Hintern auf seinem Gesicht platzierte.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j3lkn3c30\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Mag sein, dass es Leser gibt, die sich an so etwas delektieren, gute Literatur ist es nicht. Man hat den Eindruck, der Autor habe zu viele klischierte Bilder im Kopf und zu wenig echtes Leben. Aber wenn Biedermann seine vorhandenen F\u00e4higkeiten \u2013 das sieht Kehlmann durchaus richtig \u2013 in weniger Gespreiztes investiert, wird ihm ein gutes Buch gelingen. Es darf dann bloss nicht solche S\u00e4tze enthalten: \u00ab\u00dcber der Stadt graste schon den ganzen Tag eine Herde weisser Sch\u00e4fchenwolken, was ihn aus unbestimmten Gr\u00fcnden melancholisch stimmte.\u00bb<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1j3lkn3c40\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Nelio Biedermann: L\u00e1z\u00e1r. Rowohlt Berlin 2025. 336 Seiten.<\/p>\n<p data-team-nzzas-footnote=\"\" id=\"id-doc-1j3lkpe200\" data=\"[object Object]\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"nzzas-footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent nzzas-footnote nzzinteraction\">\n  Ein Artikel aus der \u00ab\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der zweite Roman des Z\u00fcrcher Studenten Nelio Biedermann wurde schon vor Erscheinen in \u00fcber zwanzig Sprachen verkauft. Ist&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":385332,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-385331","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115120484488250350","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/385331","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=385331"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/385331\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/385332"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=385331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=385331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=385331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}