{"id":387218,"date":"2025-08-31T23:09:11","date_gmt":"2025-08-31T23:09:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/387218\/"},"modified":"2025-08-31T23:09:11","modified_gmt":"2025-08-31T23:09:11","slug":"berlin-johannisthal-treptow-koepenick-der-kampf-gegen-die-naechste-einkaufswueste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/387218\/","title":{"rendered":"Berlin-Johannisthal \u2013 Treptow-K\u00f6penick: Der Kampf gegen die n\u00e4chste Einkaufsw\u00fcste"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img310508\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/310508.jpeg\" alt=\"Bis Mitte Juni war hier noch ein Rewe-Supermarkt: Mitglieder der B\u00fcrgerinitiative Johannisthal S\u00fcd vor dem Sterndamm 140\"\/><\/p>\n<p>Bis Mitte Juni war hier noch ein Rewe-Supermarkt: Mitglieder der B\u00fcrgerinitiative Johannisthal S\u00fcd vor dem Sterndamm 140<\/p>\n<p>Foto: nd\/David Rojas Kienzle<\/p>\n<p>\u00bbEs geht um die Versorgung, und die ist eine Katastrophe.\u00ab Sonja Kemnitz steht vor einem leeren Supermarkt in Johannisthal S\u00fcd, am Sterndamm. Gut ein Dutzend Mitglieder der B\u00fcrgerinitiative (BI) Johannisthal S\u00fcd ist mit dabei. Kemnitz ist Sprecherin der BI. Sie und ihre Mitstreiter*innen bewegt, dass es im Kiez Johannisthal S\u00fcd aktuell keine Einkaufsm\u00f6glichkeit mehr gibt.<\/p>\n<p>Der Bau sieht aus, als w\u00fcrde er schon Jahre leer stehen, dabei ist Rewe, der letzte Supermarktbetreiber, erst im Juni ausgezogen. Vor der Wende sei der Kiez von einer Handelsorganisation mit Lebensmitteln versorgt worden, berichtet J\u00fcrgen Grimm im Gespr\u00e4ch mit \u00bbnd\u00ab. Grimm wohnt schon seit 1976 hier. Seitdem habe es wechselnde Betreiber gegeben. Immer jedoch konnte man um die Ecke Lebensmittel kaufen.<\/p>\n<p>Was auf den ersten Blick wie ein einfach zu l\u00f6sendes Problem scheint, stellt f\u00fcr viele der gut 5000 Kiezbewohner*innen eine gro\u00dfe H\u00fcrde dar. Knapp 15 Minuten zu Fu\u00df entfernt in der Winckelmannstra\u00dfe gibt es den n\u00e4chsten Supermarkt, einen Aldi. \u00bbWir schaffen das noch, aber \u00e4ltere Leute k\u00f6nnen das nicht\u00ab, sagt Gerdis Hexamer, ebenfalls von der BI. Kemnitz pflichtet ihr bei: \u00bbTreptow-K\u00f6penick hat ja sowieso einen hohen Altersdurchschnitt und wir sind fast der \u00e4lteste Kiez.\u00ab Wer kein Auto habe oder nicht Fahrrad fahren k\u00f6nne, sei aufgeschmissen.<\/p>\n<p>Die Schlie\u00dfung des Supermarktes ist dabei nur ein Teil einer sich versch\u00e4rfenden Versorgungskrise im Kiez. Auch das \u00c4rztehaus neben dem Supermarkt stehe halb leer, sagt die BI-Sprecherin. Und auch viele fr\u00fchere Kleinversorger, eine B\u00e4ckerei oder eine Schuhmacherei etwa, seien alle weg. \u00bbAu\u00dfer den Discountern gibt es keine Einkaufsm\u00f6glichkeiten. Die Leute haben das Gef\u00fchl, hier wird alles abger\u00e4umt.\u00ab<\/p>\n<p>Um \u00e4lteren und mobil eingeschr\u00e4nkten Personen unter die Arme zu greifen, hat Die Linke Treptow-K\u00f6penick <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190996.niklas-schenker-linke-berlin-mit-sozialberatung-und-fonds-gegen-politikverdrossenheit.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unterst\u00fctzung beim Einkauf organisiert<\/a>. Man habe die Nachbar*innen begleitet, mit dem Auto abgeholt oder den Einkauf auch mal ganz \u00fcbernommen, berichtet Linke-Mitglied Leonie Blaschke. Rund zehn Anwohner*innen seien auf das Angebot eingegangen. \u00bbDas Problem ist, dass sich Bed\u00fcrftige nicht eingestehen wollen, dass sie Hilfe brauchen k\u00f6nnten\u00ab, sagt Blaschke. In der B\u00fcrgerinitiative freut man sich \u00fcber das Angebot, aber denkt auch, dass es nicht die L\u00f6sung sein kann.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u00bbTreptow-K\u00f6penick hat ja sowieso einen hohen Altersdurchschnitt, und wir sind fast der \u00e4lteste Kiez.\u00ab<\/p>\n<p>Sonja Kemnitz<br \/>B\u00fcrgerinitiative Johannisthal S\u00fcd<\/p><\/blockquote>\n<p>Nicht nur \u00e4ltere Anwohner*innen st\u00f6ren sich an der Situation. Das zeigt sich noch, w\u00e4hrend die Initiative vor dem geschlossenen Supermarkt steht. Eine junge Familie, die zuf\u00e4llig vorbeil\u00e4uft, wird von der B\u00fcrgerinitiative angesprochen. Sofort hei\u00dft es, die Situation sei \u00bbeine Katastrophe\u00ab. Die B\u00fcrgerinitiative hat auch Unterschriften gesammelt. Drei Eins\u00e4tze ergaben mehr als 500 Unterschriften. Der Frust sitzt tief: \u00bbViele Leute haben uns gesagt: Das n\u00fctzt ja eh nichts\u00ab, berichtet Kemnitz.<\/p>\n<p>Die Initiative unternimmt viel, damit die Versorgungssituation besser wird. Sie geht zu B\u00fcrgersprechstunden, schreibt Abgeordnete an, fragt verschiedene Betreiber von Lebensmittell\u00e4den, ob sie den Laden am Sterndamm nicht betreiben wollen. \u00bbWir haben auch <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1186068.haeftlinge-in-der-ddr-aldi-uebernimmt-keine-verantwortung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aldi zu einem Gespr\u00e4ch<\/a> eingeladen\u00ab, berichtet Sonja Kemnitz. Die Antwort habe nur aus Textbausteinen bestanden.<\/p>\n<p>Die geringe Resonanz auf ihre Fragen st\u00f6\u00dft den Aktiven sauer auf. \u00bbWir werden immer wieder abgewimmelt und einfach nicht ernst genommen\u00ab, sagt Gerdis Hexamer. Die Anwohner*innen w\u00fcrden nicht informiert, so BI-Sprecherin Kemnitz. \u00bbEs kann doch nicht sein, dass man einen Bundestagsabgeordneten bem\u00fchen muss, um Informationen aus den Unternehmen zu bekommen.\u00ab Auf Bitten der Initiative hat der Linke-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis, Gregor Gysi, den Discounter Aldi angeschrieben. So wurde etwas klarer, was am Sterndamm passieren soll: Aldi wird in die R\u00e4ume einziehen und etwas fr\u00fcher, schon ab Oktober, mit dem Verkauf starten. Auf nd-Anfrage teilt das Unternehmen mit, es sehe \u00bbdergestalt gut aus\u00ab, dass man im vierten Quartal starten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Der Einzug erfolgt aber erst mal nur befristet als \u00dcbergangsl\u00f6sung. Ab 2026 will der Discounter seinen anderen Standort in der Winckelmannstra\u00dfe modernisieren. \u00bbDaf\u00fcr soll das Bestandsgeb\u00e4ude abgerissen werden und an gleicher Stelle ein neuer Markt entstehen\u00ab, so die Pressestelle des Unternehmens. Ob Aldi das Geb\u00e4ude auch danach weiter nutzen will, konnte das Unternehmen noch nicht sagen. \u00bbWas dann danach kommen soll, ist v\u00f6llig unklar. Wird der Laden am Sterndamm geschlossen? Dann stehen wir wieder vor der gleichen Situation\u00ab, bef\u00fcrchtet Sonja Kemnitz. Die Initiative sieht auch die Politik in der Pflicht.<\/p>\n<p>Das Bezirksamt Treptow-K\u00f6penick teilt auf Anfrage mit, dass eine Sicherung des Nahversorgungsangebotes am Sterndamm 140 auch aus Sicht des Bezirks wichtig sei. Das Problem ist bekannt: Durch die Schlie\u00dfung entsteht eine fu\u00dfl\u00e4ufige Versorgungsl\u00fccke. Der Bezirk will den Standort erhalten und unterst\u00fctzt die Schaffung von Nahversorgungsfl\u00e4chen bei Neubauprojekten am Eisenhutweg <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1184309.stadtentwicklung-flugplatz-johannisthal-dem-bauloewen-zum-frass.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">und am Segelfliegerdamm<\/a>. \u00bbDiese k\u00f6nnen mittelfristig zur Versorgung in den Bereichen und der Umgebung beitragen.\u00ab Zeitnahe und langfristige M\u00f6glichkeiten f\u00fcr das unmittelbar betroffene Quartier seien jedoch derzeit leider nicht erkennbar.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten der Einflussnahme durch den Bezirk seien leider begrenzt, teilt die Pressestelle weiter mit. \u00bbDas Bezirksamt kann in Bezug auf Einzelhandel keine aktive Ansiedlungspolitik betreiben.\u00ab Am Ende entscheiden Akteure aus der Privatwirtschaft, wo Superm\u00e4rkte stehen. Wesentlicher Aspekt, so das Bezirksamt, sei dabei die Wirtschaftlichkeit aber auch die Verf\u00fcgbarkeit von geeigneten Grundst\u00fccksfl\u00e4chen. \u00bbVor diesem Hintergrund nutzt der Bezirk die vorhandenen Optionen innerhalb des gegebenen Handlungsspielraumes und setzt sich daher weiterhin ausdr\u00fccklich f\u00fcr den Erhalt und die St\u00e4rkung wohnortnaher Versorgungsangebote in Johannisthal-S\u00fcd ein.\u00ab<\/p>\n<p>Absichtsbekundungen reichen den Aktivist*innen der B\u00fcrgerinitiative aber nicht. \u00bbEs ist doch nicht unsere Aufgabe, hier Alternativen zu suchen\u00ab, sagt Sonja Kemnitz. Dass sich an der Situation nichts \u00e4ndere und die Politik nicht handlungsf\u00e4hig sei, sei \u00bbWasser auf die blauen M\u00fchlen\u00ab. Auch um dem etwas entgegenzusetzen, organisiert die BI weiter \u00f6ffentlichen Druck im Kiez.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bis Mitte Juni war hier noch ein Rewe-Supermarkt: Mitglieder der B\u00fcrgerinitiative Johannisthal S\u00fcd vor dem Sterndamm 140 Foto:&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":387219,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,1072,30,5917],"class_list":{"0":"post-387218","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-einzelhandel","11":"tag-germany","12":"tag-treptow-koepenick"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115125902686477522","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387218","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=387218"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387218\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/387219"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=387218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=387218"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=387218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}