{"id":387332,"date":"2025-09-01T00:12:21","date_gmt":"2025-09-01T00:12:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/387332\/"},"modified":"2025-09-01T00:12:21","modified_gmt":"2025-09-01T00:12:21","slug":"was-passiert-im-amt-fuer-jugend-und-familie-gespraech-mit-silko-kamphausen-teil-2-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/387332\/","title":{"rendered":"Was passiert im Amt f\u00fcr Jugend und Familie? Gespr\u00e4ch mit Silko Kamphausen Teil 2 \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Wer in Leipzig Kinder hat, kommt um den Kontakt mit dem Amt f\u00fcr Jugend und Familie kaum herum. Ob es Kita-Pl\u00e4tze, Elterngeld oder Hilfe bei Problemlagen betrifft, sogar das BAf\u00f6G au\u00dferhalb des Hochschulbereichs, das Amt ist f\u00fcr vieles zust\u00e4ndig. Nicht erst mit der Zunahme von Kindern mit migrantischem Hintergrund sind die Aufgaben und die finanziellen Aufwendungen st\u00e4ndig angewachsen, in Zeiten klammer Kassen w\u00e4chst auch hier der Ruf nach Sparsamkeit.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/familie-und-kinder\/2025\/08\/kinder-und-jugendhilfe-gesprach-mit-silko-kamphausen-1-632546\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">In Teil 1<\/a> sprachen wir mit Amtsleiter Silko Kamphausen \u00fcber Kinder- und Jugendhilfe als Zukunftsthema und weitere Themen.<\/p>\n<p><b>Es wird schon lange davon geredet, in der Politik und den Medien, dass man die Leistungen b\u00fcndeln muss. Es gibt dann nicht mehr 10 Stellen, an denen ich je eine Einzelleistung beantragen muss, sondern ich kann zu einer Stelle gehen und dort \u00fcber alles sprechen, was an Problemen anliegt und bekomme Hilfe. Wie sieht das beim Amt f\u00fcr Jugend und Familie aus?<\/b><\/p>\n<p>Mit unserem Elternexpress, ein Angebot f\u00fcr Erstleistungen direkt nach der Geburt haben wir das als Stadt Leipzig in ersten Ans\u00e4tzen. Wir machen uns gerade stark, dass bestimmte Leistungen zun\u00e4chst wieder zum Bund zur\u00fcckgehen. Dazu geh\u00f6rt das BAf\u00f6G und das Elterngeld. Wir setzen uns daf\u00fcr ein, dass das Kindergeld automatisiert mit der Geburt ausgezahlt wird.<\/p>\n<p>Auch wenn es eine Leistung ist, die \u00fcber die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit erfolgt. Der erste Schritt ist es, alle Leistungen, die nicht auf die kommunale Ebene geh\u00f6ren, die m\u00fcssen wieder dorthin, wo sie tats\u00e4chlich verursacht werden. Das ist das eine. Dann haben wir Leistungen finanzieller Art, bei denen nicht ein Gespr\u00e4ch ausreichen wird, sondern eine Bedarfspr\u00fcfung erforderlich ist, beispielsweise Hilfen zur Erziehung.<\/p>\n<p>Das ist nichts, was jeder einfach so bewilligt bekommen kann, sondern wir m\u00fcssen pr\u00fcfen, ist die Hilfe in welchem Umfang tats\u00e4chlich geeignet, notwendig, bedarfsgerecht und welches Fachpersonal wird ben\u00f6tigt. Das wird auch in Zukunft so sein, dass das durch Menschen auf den Weg gebracht wird.<\/p>\n<p>Wichtiger ist eher, dass wir die Leistungen, die im Hintergrund laufen, digitalisieren. Da kann ich nur sagen, wir sind dabei zu pr\u00fcfen, inwieweit wir alle Rechnungen, beispielsweise 144.000 Rechnungen von Tr\u00e4gern und Erziehungsberechtigten, also alles, was mit unserem Amt in der Au\u00dfendarstellung auftritt, dass wir dies alles medienbruchfrei durch eine neue Software digitalisieren und Rechnungen fristgerecht zur Auszahlung bringen, damit die Zahlungsverfahren auch besser funktionieren.<\/p>\n<p>Das ist ein ambitioniertes Projekt, welches wir wahrscheinlich in zwei Jahren erfolgreich umgesetzt haben werden. Daneben laufen viele weitere Projekte, wie die digitale Ausstattung unserer Kitas oder die einmal eingegebenen Daten im KITA Portal f\u00fcr einen Kita-Platz f\u00fcr die Hort- oder Schulanmeldung gleich weiterzunutzen.<\/p>\n<p>Wir sind auch gerade dabei, zu pr\u00fcfen, inwieweit KI zum Einsatz kommen kann. Ein Beispiel: es gibt existenzsichernde Leistungen, wie den Unterhaltsvorschuss. Eine alleinerziehende Mutter m\u00f6chte diese beantragen, Ermessensspielraum besteht kaum, sondern Wertgrenzen und klare Verwaltungsabl\u00e4ufe. Hinzu kommen ganz klare, abpr\u00fcfbare Paragrafen.<\/p>\n<p>Warum kann sie das nicht digital beantragen und innerhalb kurzer Zeit einen Bescheid erhalten? Da muss sich doch niemand mehr hinsetzen und mit dem Taschenrechner diese zwei bis drei Wertgrenzen ermitteln.<\/p>\n<p><strong>Wollen Sie die KI etwa entscheiden lassen? Ich hoffe nicht.<\/strong><\/p>\n<p>Also, wir wollen KI nutzen, ohne dass sie unsere Fachlichkeit und Dienstleistung ersetzt, sondern wir bleiben in einem qualifizierten Teil, das ist die Beratung. Unser langfristiger Anspruch an Digitalisierung muss sein: Als B\u00fcrger \u00f6ffne ich eine Maske auf einer Internetseite, gebe meine Daten einmalig ein, am besten nur einmal f\u00fcr die gesamte Stadtverwaltung, und dann wird angezeigt, welche Leistungen kommen f\u00fcr mich infrage.<\/p>\n<p>Es gibt sehr viele Menschen in dieser Stadt, die diese Sozialleistungen gar nicht in Anspruch nehmen, weil sie keine Kenntnis davon haben, beispielsweise gilt dies f\u00fcr den Kindergeldzuschlag oder die Leistung \u201eBildung und Teilhabe\u201c. Oder weil sie sagen, der b\u00fcrokratische Aufwand sei so hoch, dass sie erst gar keinen Antrag stellen. Am Ende fehlt es jedoch den Kindern. Das kann nicht unser Anspruch sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-632572\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Gespraechspartner-Silko-Kamphausen-Foto-Philipp-Kirschner-.jpg\" alt=\"\" width=\"3911\" height=\"2607\"  \/>Gespr\u00e4chspartner Silko Kamphausen. Foto: Philipp Kirschner<\/p>\n<p><b>Die Schlie\u00dfung von Kinderg\u00e4rten, weil zu wenig Kinder da sind, ist in der letzten Zeit durch die Medien gegangen. Es gibt die Forderung von Parteien und Akteuren aus diesem Bereich, mit dem frei werdenden Personal den <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/engagement\/2025\/06\/der-betreuungs-schluessel-passt-nicht-ver-di-demo-fuer-das-kita-moratorium-video-627384\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Betreuungsschl\u00fcssel zu verbessern<\/a>. Wie sieht es da aus?<\/b><\/p>\n<p>Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Sie haben es eingangs geh\u00f6rt, der Elementarbereich der P\u00e4dagogik, also Kindergarten, Kinderkrippe, Tagespflege, das ist etwas, wovon ich \u00fcberzeugt bin, dass wenn wir da wirklich sinnvoll investieren, das wird pr\u00e4ventiv wirklich langfristig auf ganz vielen Ebenen gewinnen werden. Gleichzeitig wei\u00df ich, dass die Kita-Finanzierung ein Gemeinschaftswerk von Land und Kommune ist.<\/p>\n<p>Fakt ist, dass wir in den vergangenen Jahren, als wir die Handlungsspielr\u00e4ume aber noch hatten, auf kommunaler Ebene deutlich mehr finanziert haben als das Land. Das beginnt bei dem Unwort \u201eDynamisierung\u201c, also steigende Ausgaben. Steigende Ausgaben haben die Kommunen fast ausschlie\u00dflich alleine getragen, das Land hat sich entzogen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, der kommunale Anteil steigt und steigt. Gleichzeitig bleiben die Elternbeitr\u00e4ge im Vergleich zu anderen St\u00e4dten stabil, beziehungsweise niedrig, was sehr sch\u00f6n ist f\u00fcr die Eltern. Das bedeutet aber, das haushalterische Defizit nimmt zu.<\/p>\n<p>Weniger Kinder bedeuten ebenfalls mehr Raum f\u00fcr Qualit\u00e4t und Inklusion. Die Stadt k\u00f6nnte die frei werdenden Kapazit\u00e4ten nutzen, um Kitas zu inklusiven Bildungszentren weiterzuentwickeln. Kinder mit und ohne Behinderung, aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Kontexten, k\u00f6nnten nun gemeinsam in kleineren Gruppen lernen.<\/p>\n<p>Multiprofessionelle Teams \u2013 bestehend aus Erzieherinnen, Heilp\u00e4dagoginnen, Sprachf\u00f6rderkr\u00e4ften und Sozialarbeiterinnen \u2013 begleiten unsere Kinder individuell. Kitas k\u00f6nnten zu offenen Orten im Quartier werden: Sie bieten Elternberatung, Familienbildung und Begegnungsr\u00e4ume \u2013 insbesondere f\u00fcr Familien mit besonderen Unterst\u00fctzungsbedarfen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig k\u00f6nnte der R\u00fcckgang der Kinderzahlen das p\u00e4dagogische Personal entlasten. Mehr Zeit f\u00fcr Beobachtung, Dokumentation und intensive Elternarbeit w\u00fcrde zur gelebten Praxis. Leipzig k\u00f6nnte sich weiter als Modellregion f\u00fcr inklusive Fr\u00fchp\u00e4dagogik positionieren. In enger Zusammenarbeit mit Hochschulen und Fachschulen k\u00f6nnen jetzt neue Konzepte, Fortbildungen und Forschungsprojekte entstehen.<\/p>\n<p>Die Stadt sollte zum Lernlabor f\u00fcr eine inklusive Gesellschaft von morgen werden. Die fr\u00fchkindliche Bildung w\u00fcrde endlich in der \u00f6ffentlichen Diskussion zunehmend an Bedeutung gewinnen. Von der Stadt Leipzig wird gefordert, die Investitionen in diesem Bereich auszuweiten, um insbesondere die Startchancengerechtigkeit der Kinder zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p><b>Das klingt gut, ist das auch durchf\u00fchrbar?<\/b><\/p>\n<p>Jetzt aber das gro\u00dfe Aber: Wir setzen uns auf Landesebene mit Nachdruck daf\u00fcr ein, diese Entwicklung aktiv zu gestalten. Denn nur wenn die Landesregierung seiner Verantwortung nach dem S\u00e4chsKitaG endlich auch gerecht wird \u2013 insbesondere bei der Finanzierung und strukturellen Unterst\u00fctzung \u2013 k\u00f6nnen wir diese Vorhaben auch tats\u00e4chlich umsetzen. Davon sind wir aber weit entfernt.<\/p>\n<p>Wir machen das ja nicht, weil wir Menschen \u00e4rgern wollen, sondern es geht am Ende darum, Gestaltungsf\u00e4higkeit f\u00fcr unsere Kommune im gesamten Haushalt zu haben. Egal was wir tun, sie wird kleiner werden.<\/p>\n<p>Wir verlassen uns immer mehr auf den Sozialstaat, beziehungsweise das, was davon noch \u00fcbrig ist. Wenn wir ganz ehrlich sind, werden wir das gar nicht mehr alleine l\u00f6sen k\u00f6nnen, sondern wir brauchen andere Konzepte wie b\u00fcrgerschaftliches Engagement und so weiter.<\/p>\n<p>Die Kita-Finanzierung ist unser gr\u00f6\u00dftes Budget, mit 370 Millionen, das darf man nicht vergessen, davon 240 Millionen aus Leipzig. Wir m\u00fcssen auch schauen, wie es uns gelingen kann, aus der haushalterischen Verantwortung heraus, Einsparungen vorzunehmen ohne, dass es dem Kind weggenommen wird.<\/p>\n<p>Und da rede ich \u00fcber Overhead-Strukturen, \u00fcber Tr\u00e4gerstrukturen, Tr\u00e4gerverb\u00e4nde und so weiter. Nat\u00fcrlich war die Entt\u00e4uschung bei den Tr\u00e4gern sehr gro\u00df, als der Oberb\u00fcrgermeister die Vertr\u00e4ge gek\u00fcndigt hat. Das war bis zu dem Zeitpunkt nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Trotzdem glaube ich, dass wir das verloren gegangene Vertrauen wiedererlangen k\u00f6nnen, weil ohne die Tr\u00e4ger und die Tageseltern h\u00e4tten wir den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung in Leipzig seit 2013 niemals erreicht. Den haben wir erst mal 2023 erreicht.<\/p>\n<p>Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir Ende des Jahres tats\u00e4chlich einen guten Kompromiss mit den freien Tr\u00e4gern verhandelt haben, damit wir im n\u00e4chsten Jahr eine g\u00fcltige Kita-Finanzierung f\u00fcr die Stadt Leipzig haben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-632574\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/In-den-neuen-Raeumen-des-Amtes-fuer-Jugend-und-Familie-Foto-Thomas-Koehler.jpg\" alt=\"\" width=\"4000\" height=\"2667\"  \/>In den neuen R\u00e4umen des Amtes f\u00fcr Jugend und Familie. Foto: Thomas K\u00f6hler<\/p>\n<p><b>Ein pr\u00e4gnantes Beispiel war ja die <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/familie-und-kinder\/2025\/06\/was-los-kita-paul-kustner-strasse-lindenau-nachgefragt-626696\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Kita Paul-K\u00fcstner-Stra\u00dfe<\/a>. In der einen Woche bekommt ein Tr\u00e4ger den Zuschlag, diese zu betreiben und in der n\u00e4chsten Woche werden die Rahmenvereinbarungen gek\u00fcndigt. Wie soll der Tr\u00e4ger da planen?<\/b><\/p>\n<p>Das ist, glaube ich, unabh\u00e4ngig von einzelnen Einrichtungen einfach schwer, f\u00fcr den B\u00fcrger\/ die B\u00fcrgerin nachzuvollziehen. Ich formuliere es jetzt so, das ist Rationalit\u00e4t von Politik, es geht immer um Mehrheiten statt Wahrheiten. Das Geld steht schlicht nicht im Haushalt zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Wenn wir ehrlich sind, machen wir das ja nicht aus einem Selbstzweck heraus, sondern am Ende h\u00e4ngen da 28.000 Kinder an der Vereinbarung und deren Eltern. Und dann \u00f6ffnen jene die Zeitung und da steht, die \u201e<a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/07\/stadt-leipzig-kundigt-die-vereinbarungen-mit-den-freien-tragern-von-kitas-was-passiert-628424\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Verwaltungsspitze hat die Kita-Finanzierung gek\u00fcndigt<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das eigentlich? Habe ich dann keinen Kita-Platz mehr? Muss ich mir jetzt eine private Betreuung suchen? Was hat das mit mir als Elternteil eigentlich zu tun? Nat\u00fcrlich entsteht da Panik, aber ich kann Ihnen versichern, auch im n\u00e4chsten Jahr wird die Kita-Finanzierung der Stadt Leipzig gesichert sein und ich setze auf die Innovationsf\u00e4higkeit aller Verhandlungspartner und auf die Kompromissbereitschaft der Verwaltung und Tr\u00e4ger, dass wir bis zum Ende des Jahres daher eine L\u00f6sung finden.<\/p>\n<p><b>Es gibt auch Bedenken, dass wir in 5 oder 10 Jahren vor demselben Problem stehen, wie wir vor 10 Jahren standen. Es gibt vielleicht wieder mehr Kinder, aber zu wenige Einrichtungen.<\/b><\/p>\n<p>Das ist tats\u00e4chlich ein gro\u00dfes Problem: Wie entwickeln sich die Geburten tats\u00e4chlich? Man kann festhalten, dass es ein bundesweites Ph\u00e4nomen, nicht nur ein Leipziger Ph\u00e4nomen, ist. Und Fakt ist, seit 2017 fiel die Geburtenzahl von fast 7.000 auf jetzt weit unter 5.000. Wir gehen jetzt auf die 4.500 Geburten zu.<\/p>\n<p>Ja, die Bev\u00f6lkerungsprognosen, nach denen wir die Infrastruktur Kita ausgebaut haben, waren nicht immer treffsicher, um das mal vorsichtig zu formulieren. Die f\u00fchrten nat\u00fcrlich dazu, dass \u00dcberangebote entstanden. Deshalb ist eigentlich die entscheidende Frage, wie gelingt es uns, als Stadtgesellschaft die vorhandene bauliche Infrastruktur so zu erhalten, dass langfristig eine Nachnutzung bzw. erneute Inbetriebnahme mit wenig Aufwand in 10 bis 15 Jahren erfolgen k\u00f6nnte, wenn erforderlich.<\/p>\n<p>Aber wenn zwei Drittel unsaniert oder teilsaniert sind, dann brauche ich Ihnen nicht erz\u00e4hlen, dass es wahrscheinlich nichts wird.<\/p>\n<p><strong>Es gibt ja das Sonderverm\u00f6gen f\u00fcr Infrastruktur, von dem ein Teil in die L\u00e4nder geht. Gibt es Hoffnung, dass davon etwas bei den Kitas ankommt?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist nach wie vor ungewiss, wie viel der 500 Mio. Euro in Sachsen aus dem 100 Mrd. Programm des Bundes f\u00fcr Infrastruktur wirklich in den Kommunen ankommt. Die Kommunen verausgaben 65 Prozent, aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese Mittel auch weitergereicht werden ist unwahrscheinlich, wenn man einzelne Verlautbarungen auf Landesebene verfolgt.<\/p>\n<p>Der s\u00e4chsische Finanzausgleich muss neu geordnet werden. Kindertagesst\u00e4tten sind eine gemeinsame Aufgabe von Land und Kommunen. Wir werden hier bei den Aufwendungen genauso h\u00e4ngen gelassen wie beim Betreuungsschl\u00fcssel und den Kita-Kosten je Platz.<\/p>\n<p>Mit dem Haushaltssicherungskonzept wurden die Ans\u00e4tze f\u00fcr Investitionen nochmals auf den vorrangigen Mittelabfluss und die Umsetzung angepasst.<\/p>\n<p>Die damalige Anmeldung f\u00fcr Kita-Investitionen betrug 36,4 Mio. \u20ac in 2025 und 50 Mio. \u20ac f\u00fcr 2026 (zum Vergleich 2016: weniger als eine Million). Wenn Sie sich unsere Schul- und Kita-Baustrategie angucken und wissen, dass wir dieses Jahr nur noch 10 Millionen nach Haushaltskonsolidierung investieren. Das hei\u00dft, wir reden \u00fcber fast 70 Millionen Euro an Einsparungen.<\/p>\n<p>Die Zielsetzung besteht darin, mit den wenigen verf\u00fcgbaren Mitteln eine tragf\u00e4hige und bedarfsgerechte Infrastruktur zu sichern. Angesichts sinkender Geburtenzahlen in vielen Stadtbezirken und damit einhergehender \u00dcberkapazit\u00e4ten ist es notwendig, Investitionen gezielt zu steuern und Priorit\u00e4ten auf die bauliche Sicherung tats\u00e4chlich ben\u00f6tigter Pl\u00e4tze zu legen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass sich die Finanzierungslage auch deshalb angespannt darstellt, weil F\u00f6rderprogramme von Bund und Land stark eingeschr\u00e4nkt wurden oder g\u00e4nzlich entfallen sind. Umso wichtiger ist eine vorausschauende, bedarfsgerechte Steuerung der Investitionen im Sinne eines langfristig stabilen Angebots.<\/p>\n<p>Da ist halt kaum noch Luft zum Atmen, um das aufrechtzuerhalten oder Nachnutzungen zu finanzieren. Die Prognosen gehen davon aus, dass, wenn \u00fcberhaupt, Anfang 2030 tats\u00e4chlich wieder ein leichter Anstieg an Geburten zu verzeichnen ist. Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir in unserer Langfristprognose, die gibt es bis 2035, aller Voraussicht nach so viel Puffer einbauen werden, dass wir locker einen geburtenstarken Jahrgang oder Jahrg\u00e4nge ohne weiteres integrieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><b>Letzte Frage schon. Was w\u00fcnschen Sie sich, was w\u00fcrden Sie gerne tun in Ihrem Bereich und wo klemmt es?<\/b><\/p>\n<p>Wir sind ein Teil der Verwaltung und damit auch die Werkbank der Demokratie. Gerade deswegen sind wir auch oftmals der emotionale Puffer f\u00fcr Politik, Verwaltung, B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Ich w\u00fcrde mir manchmal ein bisschen mehr R\u00fccksicht, R\u00fcckhalt und Respekt f\u00fcr die Arbeit und Wertsch\u00e4tzung der besch\u00e4ftigten w\u00fcnschen, weil jene tats\u00e4chlich mit sehr viel Herzblut jeden Tag ans Werk gehen.<\/p>\n<p>Und ich glaube, dass es uns als Gesellschaft nicht weiterbringt, nur aus dem Bauch heraus Dinge anzunehmen und zu entscheiden. Wenn wir uns ein bisschen mehr auf Wissenschaft und Evidenz konzentrieren w\u00fcrden, insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendhilfepolitik, glaube ich, dann kriegen wir auch schneller einen breiteren gesellschaftlichen Konsens in dieser Stadt hin.<\/p>\n<p>Auch wenn das soziale System derzeit ordentlich wackelt, w\u00fcrde sich unser Jugendamt, das wichtigste Amt der Stadt Leipzig, \u00fcber jedwede Unterst\u00fctzung von entscheidungsstarken Vision\u00e4ren freuen im Sinne unserer Kinder.<\/p>\n<p><strong>Herr Kamphausen, ich bedanke mich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer in Leipzig Kinder hat, kommt um den Kontakt mit dem Amt f\u00fcr Jugend und Familie kaum herum.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":387333,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,29,53698,103759,30,103760,2134,28432,45067,6822,71,859],"class_list":{"0":"post-387332","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-fruehkindliche-bildung","11":"tag-fruehkindliche-entwicklung","12":"tag-germany","13":"tag-integrierte-jugendhilfeplanung","14":"tag-interview","15":"tag-jugendamt","16":"tag-kinder-und-jugendhilfe","17":"tag-kitas","18":"tag-leipzig","19":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115126150581502607","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387332","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=387332"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387332\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/387333"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=387332"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=387332"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=387332"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}