{"id":3877,"date":"2025-04-03T03:53:33","date_gmt":"2025-04-03T03:53:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/3877\/"},"modified":"2025-04-03T03:53:33","modified_gmt":"2025-04-03T03:53:33","slug":"statistik-zeigt-verzerrtes-bild-sind-auslaender-wirklich-krimineller-als-deutsche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/3877\/","title":{"rendered":"Statistik zeigt verzerrtes Bild: Sind Ausl\u00e4nder wirklich krimineller als Deutsche?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit Jahren sind Nichtdeutsche in der Kriminalstatistik \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Das hei\u00dft jedoch nicht, dass sie mehr Straftaten begehen als Deutsche. &#8222;Die Ergebnisse sind verzerrt&#8220;, sagt Kriminologin Susann Pr\u00e4tor und erkl\u00e4rt, woran das liegt.<\/strong><\/p>\n<p>Menschen aus dem Ausland sind in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) auch in diesem Jahr wieder \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Von insgesamt 2.184.834 Tatverd\u00e4chtigen waren im vergangenen Jahr etwa 58 Prozent deutsche Staatsangeh\u00f6rige. Rund 42 Prozent besa\u00dfen nicht die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit &#8211; dabei machen Nichtdeutsche gerade mal knapp 17 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung aus.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft jedoch nicht, dass Ausl\u00e4nder krimineller sind als Deutsche. &#8222;Die Ergebnisse sind verzerrt&#8220;, sagt Susann Pr\u00e4tor, Soziologin und Kriminologin an der Polizeiakademie Niedersachsen. Bereinige man die Daten um verf\u00e4lschende Einfl\u00fcsse, liege die Zahl der von Deutschen und Nichtdeutschen begangenen Straftaten gleichauf. &#8222;Daf\u00fcr lege ich meine Hand ins Feuer.&#8220; <\/p>\n<p>PKS zeigt nur Teil der Realit\u00e4t<\/p>\n<p>Die PKS erfasst ausschlie\u00dflich das sogenannte Hellfeld &#8211; also Straftaten, die polizeilich registriert wurden. &#8222;Dieses Bild ist unvollst\u00e4ndig&#8220;, sagt Pr\u00e4tor, &#8222;denn die Daten h\u00e4ngen stark von der Anzeigebereitschaft der Bev\u00f6lkerung ab, die je nach Delikt variiert&#8220;. Die Bev\u00f6lkerung zeige zudem Straftaten von Ausl\u00e4ndern ungef\u00e4hr doppelt so h\u00e4ufig an. Menschen, die als &#8222;fremd&#8220; wahrgenommen w\u00fcrden, gerieten statistisch \u00f6fter ins Visier &#8211; bei identischer Tatlage. Erfolge nach der Anzeige ein Freispruch vor Gericht, w\u00fcrde das in der PKS ebenfalls nicht vermerkt.<\/p>\n<p>Will man die Zahl deutscher und ausl\u00e4ndischer Tatverd\u00e4chtiger vergleichen, muss man au\u00dferdem die &#8222;ausl\u00e4nderrechtlichen Verst\u00f6\u00dfe&#8220; abziehen: also die Delikte, die nur Ausl\u00e4nder begehen k\u00f6nnen, wie etwa Verst\u00f6\u00dfe gegen das Asylrecht.<\/p>\n<p>&#8222;Hinzu kommt, dass es sich bei den Nichtdeutschen um eine heterogene Gruppe handelt&#8220;, sagt Pr\u00e4tor. Sie umfasse Touristinnen und Touristen, Menschen aus den USA ohne deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft ebenso wie aus Syrien oder auch Personen, die gezielt einreisten, um Straftaten zu begehen und das Land danach wieder verlie\u00dfen. &#8222;Das einzige verbindende Merkmal ist der fehlende deutsche Pass&#8220;, sagt Pr\u00e4tor. \u00dcberdies gebe es kaum \u00dcberschneidungen. <\/p>\n<p>Sozialstrukturelle Aspekte entscheidend<\/p>\n<p>Das sogenannte Dunkelfeld &#8211; also nicht polizeilich erfasste Straftaten &#8211; zeigt laut Pr\u00e4tor ein differenzierteres Bild. &#8222;Ber\u00fccksichtigt man sozialstrukturelle Faktoren&#8220;, sagt sie, &#8222;relativiert sich das Ergebnis der PKS&#8220;. Zu diesen Faktoren z\u00e4hlten Armut, geringere Bildung, Gewaltopfererfahrungen, Fluchttraumata oder der Wohnort. &#8222;Viele Nichtdeutsche leben in Ballungsr\u00e4umen mit erh\u00f6hter Kriminalit\u00e4tsbelastung.&#8220; Oft sei dort auch die Polizeipr\u00e4senz erh\u00f6ht und wo gezielt ermittelt werde, w\u00fcrden auch mehr Straftaten aufgedeckt. Hinzu komme, dass in der nichtdeutschen Bev\u00f6lkerungsgruppe \u00fcberdurchschnittlich viele junge M\u00e4nner lebten. M\u00e4nner im jungen Erwachsenenalter zeigten jedoch in allen Gesellschaften die h\u00f6chsten Kriminalit\u00e4tsraten.<\/p>\n<p> &#8222;Bereinigt man die Daten um all diese Aspekte, zeigt sich eindeutig: Es gibt keinen signifikanten Unterschied zwischen der Kriminalit\u00e4t von Deutschen und Nichtdeutschen.&#8220; Pr\u00e4tor empfiehlt stattdessen einen Blick auf die Gewaltdelikte Nichtdeutscher im Verh\u00e4ltnis zur Gesamtgruppe nichtdeutscher Menschen in Deutschland. Dort liege der Anteil sogar bei unter einem Prozent.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit Jahren sind Nichtdeutsche in der Kriminalstatistik \u00fcberrepr\u00e4sentiert. 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