{"id":388364,"date":"2025-09-01T12:28:11","date_gmt":"2025-09-01T12:28:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/388364\/"},"modified":"2025-09-01T12:28:11","modified_gmt":"2025-09-01T12:28:11","slug":"kirchengemeinde-stuttgart-neckar-organistin-wartet-nach-drohender-abschiebung-auf-ein-es-tut-mir-leid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/388364\/","title":{"rendered":"Kirchengemeinde Stuttgart-Neckar: Organistin wartet nach drohender Abschiebung auf ein \u201eEs tut mir leid\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Fall der Kirchenmusikerin Mizuki Ikeya fand im Herbst letzten Jahres \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> hinaus Aufmerksamkeit. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.unerbittliche-stuttgarter-auslaenderbehoerde-stadt-droht-kirchenmusikerin-mit-abschiebung.1718bf69-108a-4e03-8129-02546eef9c9a.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Der Japanerin drohte nach neun Jahren in Deutschland die Abschiebung<\/a> \u2013 unter anderem ausgel\u00f6st durch die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/K%C3%BCndigung\" title=\"K\u00fcndigung\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">K\u00fcndigung<\/a> ihrer Stelle als Organistin in der Kirchengemeinde Stuttgart-Neckar. Anderthalb Jahre danach stellt sich Mizuki Ikeya die Frage: W\u00e4ren ihr all die Sorgen, die Verunsicherung und die Existenzangst erspart geblieben, h\u00e4tte ihre Arbeitgeberin, die Kirchengemeinde, sich kundig gemacht und der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stadt-nimmt-stellung-zur-abschiebedrohung-doch-noch-hoffnung-fuer-kirchenmusikerin.90e7efae-01a1-4a45-b8bd-68e48719f1f4.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Kirchenmusikerin<\/a> nicht vorschnell gek\u00fcndigt? Wolfgang Armbruster, ehemaliger Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Sigmaringen und bundesweit anerkannter Ausl\u00e4nder- und Aufenthaltsrechtsexperte sagt: \u201eMan h\u00e4tte jemanden zurate ziehen m\u00fcssen, um nachzufragen, ob man die Musikerin weiterbesch\u00e4ftigen darf\u201c. Die Antwort w\u00e4re klar gewesen: Ja. <\/p>\n<p>Umstrittene Fiktionsbescheinigung  <\/p>\n<p>Eine Bekannte Ikeyas tat schlie\u00dflich, was deren Arbeitgeber nicht getan hat. Sie bekam im Februar 2024 von der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.einser-abitur-student-abschiebung-irak-auslaenderbehoerde-stuttgart.06d14714-f794-4910-b8cd-c34999ae533b.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">zust\u00e4ndigen Sachbearbeiterin<\/a> bei der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde Stuttgart auf telefonische Nachfrage m\u00fcndlich mitgeteilt, die junge Japanerin d\u00fcrfe mit ihrer damals g\u00fcltigen \u2013 immer wieder verl\u00e4ngerten \u2013 Fiktionsbescheinigung weiter arbeiten. Dass dort noch immer steht, dass die Bescheinigung auf Basis des Studiums erteilt sei, ist im Aufenthaltsgesetz bis zu dem Zeitpunkt, zu dem die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde endg\u00fcltig entschieden hat, Usus in der Praxis, best\u00e4tigt Wolfgang Armbruster. Ein Wissen, \u00fcber das offenbar nicht alle verf\u00fcgen. <\/p>\n<p>Denn die Begr\u00fcndung f\u00fcr die abrupte Trennung von Mizuki Ikeya nach f\u00fcnf Jahren Zusammenarbeit lautete damals: die Fiktionsbescheinigung, also die Aufenthaltserlaubnis auf Basis ihres Studiums der Kirchenmusik, sei nicht mehr g\u00fcltig, da Mizuki Ikeya keine Studentin mehr sei. Einen Abschluss hatte sie jedoch nicht machen k\u00f6nnen, weil das Abschlusskonzert wegen der Corona-Beschr\u00e4nkungen ausgefallen war und sie dann selbst erkrankte. Sie war ohne ihr Zutun exmatrikuliert worden, wie sie immer wieder erkl\u00e4rte. <\/p>\n<p>War der ganze \u00c4rger unn\u00f6tig? <\/p>\n<p>Inzwischen best\u00e4tigt das Regierungspr\u00e4sidium Stuttgart auf Anfrage, dass es der Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis f\u00fcr die lungenkranke Japanerin aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden zugestimmt habe. Das muss nun \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.einser-abiturient-hofft-auf-visum-zwei-brueder-einer-wird-deutscher-der-andere-abgeschoben.ffe2c2f8-e302-4c8d-b417-a2357a81c701.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde Stuttgart<\/a> noch umgesetzt werden. Die Frage Mizuki Ikeyas ist also durchaus berechtigt: War aller \u00c4rger unn\u00f6tig? <\/p>\n<p>Im August 2025 sitzt die zierliche Japanerin auf den steinernen Stufen der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Kirche\" title=\"Kirche\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kirche<\/a> St. Ottilia. Wohlgemerkt: vor der Kirche und nicht an der Orgel dort. In den Gottesdiensten darf sie seit ihrer fristlosen K\u00fcndigung im M\u00e4rz 2024 nicht mehr spielen. Das tut sie in anderen Kirchengemeinden in Stuttgart unentgeltlich auf Anfrage. Und manchmal gibt sie auch ein Konzert. Als sie neulich spielte, sa\u00dfen sogar drei ihrer behandelnden \u00c4rzte im Publikum.<\/p>\n<p>Auf Lob folgte die K\u00fcndigung <\/p>\n<p>Die 35-j\u00e4hrige Japanerin hat eine anstrengende Zeit hinter sich. Ihre Lunge arbeitet nicht wie bei anderen Menschen \u2013 eine Sp\u00e4tfolge davon, dass sie als Fr\u00fchchen zur Welt kam. Sie ist auf zus\u00e4tzlichen Sauerstoff angewiesen. Einen Abschiebeflug h\u00e4tte sie nicht \u00fcberlebt. Es gab Phasen in den vergangenen Monaten, da ging es der Kirchenmusikerin so schlecht, dass sie innerlich mit ihrem Leben schon abgeschlossen hatte, erz\u00e4hlt sie. Immer wieder war sie im Krankenhaus. Aber immer wieder hat sie sich wieder berappelt. Wie schon in der Vergangenheit, als sie sich auf eigene Verantwortung selbst entlassen hatte, um gegen \u00e4rztlichen Rat p\u00fcnktlich am Sonntagmorgen in St. Ottilia die Orgel im Gottesdienst zu spielen. All das galt im M\u00e4rz vergangenen Jahres jedoch nichts mehr.<\/p>\n<p>Der Ton des K\u00fcndigungsschreibens war \u00fcberraschend barsch gegen\u00fcber einer jungen Frau, die damals noch Mitglied des Kirchengemeinderats war und lange Jugendgottesdienste organisiert hatte, also aktiver Teil der Kirchengemeinde war. Ohne einen Zwischenton des Bedauerns stand dort: \u201eUns ist zur Kenntnis gekommen, dass sie nicht mehr als Studentin an der Hochschule f\u00fcr Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart eingeschrieben sind. &#8230; Sie d\u00fcrfen aus diesem Grund nicht mehr f\u00fcr uns t\u00e4tig sein.\u201c Der unausgesprochene, aber massive Vorwurf: Die junge Frau habe diese Tatsache bewusst verschwiegen. Fristlos, das bedeutete auch, dass die Musikerin von einen Tag auf den anderen kein Geld mehr bekam. <\/p>\n<p>Im Zwischenzeugnis ein halbes Jahr zuvor hatte der unterzeichnende Pfarrer noch geschrieben, Ikeyas Gottesdienstgestaltung sei lebendige Glaubensverk\u00fcndung. Von der au\u00dferordentlichen Dankbarkeit \u201ef\u00fcr ihr musikalisches Engagement, ihre Begeisterung und Freude und Liebensw\u00fcrdigkeit\u201c war ebenfalls die Rede. Diese Verbundenheit schien vergessen. Die Musikerin wurde mit der Aufforderung, den Kirchenschl\u00fcssel sofort zur\u00fcckzugeben, f\u00f6rmlich abgewickelt. Es gab keinen irgendwie gestalteten Abschied von der Gemeinde. <\/p>\n<p>F\u00fcr Mizuki Ikeya ist damals eine Welt zusammengebrochen. Die Kirche war f\u00fcr die gl\u00e4ubige Katholikin in ihrem Gastland Deutschland immer eine Instanz gewesen, in die sie Vertrauen hatte. Auch in deren Vertreter. Und nun sah sie sich dem massiven Vorwurf ausgesetzt, vors\u00e4tzlich ihre Exmatrikulation verschwiegen zu haben. \u201eZum ersten Mal habe ich mit meinem Glauben gehadert\u201c, sagt sie. Mit dem Wissen des ihr geschehenen Unrechts sagt sie: \u201eIch warte nur auf ein Wort, \u00f6ffentlich vor der Gemeinde ge\u00e4u\u00dfert.\u201c Was geschehen ist, empfindet sie als Rufsch\u00e4digung. Sie warte nur auf ein schlichtes aber deutliches \u201eEs tut mir leid.\u201c Ausgesprochen vom Pfarrer ihrer Gemeinde, der sie gek\u00fcndigt hat. <\/p>\n<p>Der erkl\u00e4rt auf Anfrage: \u201eWir hatten als Arbeitgeber gar keine andere M\u00f6glichkeit. Wir d\u00fcrfen niemanden besch\u00e4ftigen, der keine Arbeitserlaubnis nachweisen kann.\u201c <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.us-grosseltern-droht-abschiebung-behoerde-ihr-bleiben-waere-stoerung-der-oeffentlichen-sicherheit.f2495037-94ab-4ffc-8b0b-3eb326afb80b.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Nat\u00fcrlich w\u00fcnsche sich die Gemeinde und w\u00fcnsche auch er sich, dass Mizuki Ikeya ohne Sorge in Deutschland leben und arbeiten kann.<\/a> Er habe in den letzten Monaten keinen Kontakt zu ihr gehabt. <\/p>\n<p> Gemeinde ersch\u00fcttert <\/p>\n<p>Brigitte Jeglitzka, langj\u00e4hrige Kirchengemeinder\u00e4tin und Mizuki Ikeyas \u201edeutsche Mama\u201c, ist bis heute \u201eentt\u00e4uscht und sehr traurig\u201c \u00fcber die Ereignisse. \u201eUnd nicht nur ich\u201c. Das Geschehen ersch\u00fctterte noch immer die Gemeinde. Denn eins gab das andere f\u00fcr Mizuki Ikeya. Ohne Arbeit keinen Aufenthaltstitel, so die Konsequenzen. Die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde Stuttgart drohte nach der K\u00fcndigung mit der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Abschiebung\" title=\"Abschiebung\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Abschiebung<\/a> nach <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Japan\" title=\"Japan\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Japan<\/a>. Begr\u00fcndung der Stadt: Die junge Frau habe keine Festanstellung. Dass sie f\u00fcr ihren Lebensunterhalt durch Online-Nachhilfe und Musik- und Klavierunterricht zum Teil in Japan als Freiberuflerin aufkommen konnte, wollte das Amt nicht gelten lassen \u2013 entgegen der Rechtsauslegung von Ausl\u00e4nderrechtsexperten. Die Unterlagen dar\u00fcber hatte Ikeya zu diesem Zeitpunkt schon mehrmals postalisch an die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde geschickt \u2013 ohne Einfluss auf die Haltung der Beh\u00f6rde. <\/p>\n<p> Kirche: K\u00fcndigung war rechtens <\/p>\n<p>Ikeya k\u00e4mpfte gleich an mehreren Fronten. Von einer Bewerbung auf eine vakante 50-Prozent-Stelle als Kirchenmusikerin riet man ihr bei der Kirchenverwaltung ab. Mit Verweis auf ihr vermeintliches Arbeitsverbot. Auf die Nachfrage aus dem Freundeskreis Mizuki Ikeyas bei Stadtdekan Christian Hermes blieb die Personalstelle bei ihrer Rechtsauffassung. Danach habe wegen fehlender staatlicher Arbeitserlaubnis ein gesetzliches Besch\u00e4ftigungsverbot bestanden. Auf Anfrage dieser Zeitung gibt die Personalstelle mit Verweis auf datenrechtliche Vorgaben bei Personalsachen keine Auskunft zur Grundlage der damaligen K\u00fcndigung. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Fall der Kirchenmusikerin Mizuki Ikeya fand im Herbst letzten Jahres \u00fcber Stuttgart hinaus Aufmerksamkeit. 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