{"id":388405,"date":"2025-09-01T12:50:11","date_gmt":"2025-09-01T12:50:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/388405\/"},"modified":"2025-09-01T12:50:11","modified_gmt":"2025-09-01T12:50:11","slug":"ein-drittel-der-menschen-meidet-informationen-zur-eigenen-gesundheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/388405\/","title":{"rendered":"Ein Drittel der Menschen meidet Informationen zur eigenen Gesundheit"},"content":{"rendered":"<p>&#13;<br \/>\n            Berlin. Rund ein Drittel der Menschen m\u00f6chte nichts \u00fcber m\u00f6gliche schwere Erkrankungen wissen \u2013 selbst wenn sie potenziell betroffen sind. Das haben Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Bildungsforschung in Berlin in einer <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/abm\/article\/59\/1\/kaaf058\/8229759\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">weltweiten Studie<\/a> ermittelt.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr haben sie Daten aus 92 Studien mit insgesamt 564.497 Teilnehmenden aus 25 L\u00e4ndern inklusive Deutschland analysiert. Sie wollten wissen, wie weit verbreitet die Vermeidung medizinischer Informationen ist und welche Gr\u00fcnde Menschen daf\u00fcr haben.<\/p>\n<p>\u201eEine M\u00f6glichkeit ist, dass Menschen sich ganz bewusst zu gewolltem Nichtwissen entscheiden. Das ist ein Ph\u00e4nomen, das wir bereits aus anderen Lebenskontexten kennen und das ganz vielf\u00e4ltige Gr\u00fcnde haben kann\u201c, sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Realit\u00e4t am Max-Planck-Institut f\u00fcr Bildungsforschung in Berlin und einer der Mitautoren der Studie.<\/p>\n<p>          Arztbesuche werden hinausgez\u00f6gert<\/p>\n<p>Die analysierten Studien umfassen unter anderem Alzheimer, Huntington, HIV \/ Aids, Krebs und Diabetes. Als Informationsvermeidung definierten die Autoren \u201ejede Form von Verhalten, die darauf abzielt, die Beschaffung verf\u00fcgbarer, aber potenziell unerw\u00fcnschter Informationen zu verhindern oder zu verz\u00f6gern\u201c.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt beispielsweise, Arztbesuche hinauszuz\u00f6gern oder gar nicht erst wahrzunehmen, medizinische Tests nicht durchzuf\u00fchren oder die Ergebnisse nicht zur Kenntnis zu nehmen, Aufkl\u00e4rungsmaterialien zu ignorieren.<\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen, die Augen insbesondere vor schweren Krankheiten zu verschlie\u00dfen, ist demnach keineswegs ungew\u00f6hnlich: Fast ein Drittel der Studienteilnehmenden meidet medizinische Informationen oder wird sie wahrscheinlich meiden. Am h\u00f6chsten war die Quote bei den beiden unheilbaren neurodegenerativen Krankheiten. Bei Alzheimer lag sie bei 41 Prozent, bei Huntington bei 40 Prozent.<\/p>\n<p>Bei schweren, aber behandelbaren Krankheiten wie einer HIV-Infektion oder Krebs sank sie auf 32 respektive 29 Prozent. Mit 24 Prozent am geringsten ausgepr\u00e4gt, aber immer noch bedenklich hoch, war das Vermeidungsverhalten bei Diabetes, der zwar chronisch, aber gut behandelbar ist.<\/p>\n<p>          Darum blenden Menschen Informationen aus<\/p>\n<p>Besonders aufschlussreich sei die Analyse der Gr\u00fcnde, hei\u00dft es in der Mitteilung zur Studie. Die Forschenden haben insgesamt 16 wichtige Faktoren ermittelt, die ein Vermeidungsverhalten beg\u00fcnstigen \u2013 weder Geschlecht noch ethnische Zugeh\u00f6rigkeit fielen darunter. Die st\u00e4rksten Pr\u00e4diktoren waren vielmehr:<\/p>\n<ul class=\"disc-list\">\n<li>kognitive \u00dcberforderung, weil beispielsweise eine Krebserkrankung komplex und aufreibend sein kann,<\/li>\n<li>ein gering ausgepr\u00e4gtes Gef\u00fchl der Selbstwirksamkeit, also der Eindruck, die Gesundheit nicht selbst in die Hand nehmen zu k\u00f6nnen,<\/li>\n<li>die Furcht vor Stigmatisierung etwa durch einen positiven HIV-Test,<\/li>\n<li>und schlie\u00dflich mangelndes Vertrauen in das medizinische System und damit eine geringere Hoffnung, gut behandelt zu werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Ergebnisse zeigten, dass die Vermeidung medizinischer Informationen keineswegs ein ungew\u00f6hnliches menschliches Verhalten und auch nicht zwingend irrational ist. Die Forschung zeigt vielmehr den starken Einfluss des gesellschaftlichen und strukturellen Umfelds auf.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein R\u00fcckgang des Vertrauens mit einem Anstieg der Informationsvermeidung einhergeht\u201c, sagt Erstautor der Studie Konstantin Offer, Doktorand am Forschungsbereich Adaptive Rationalit\u00e4t des Instituts. (kaha)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#13; Berlin. 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