{"id":389078,"date":"2025-09-01T18:47:10","date_gmt":"2025-09-01T18:47:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/389078\/"},"modified":"2025-09-01T18:47:10","modified_gmt":"2025-09-01T18:47:10","slug":"merkels-wir-schaffen-das-zehn-jahre-spaeter-ist-deutschland-geschafft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/389078\/","title":{"rendered":"Merkels &#8222;Wir schaffen das&#8220;: Zehn Jahre sp\u00e4ter ist Deutschland geschafft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vor zehn Jahren sagte Kanzlerin Merkel den Satz, der ihr bis heute nachh\u00e4ngt: &#8222;Wir schaffen das&#8220;. Damals standen 800.000 Fl\u00fcchtlinge vor deutschen Grenzen. Auf die Willkommenskultur folgte die Ern\u00fcchterung. Und jetzt?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Frage ist so etwas wie die Frage aller Fragen geworden: Haben wir es geschafft? Haben wir rund eine Million Fl\u00fcchtlinge so aufgenommen, dass alle irgendwie zufrieden sind? D\u00fcrfte man nur mit Ja oder Nein antworten w\u00e4re die Antwort klar: Nein, haben wir nicht. Auch wenn Kanzlerin Angela Merkel das heute vor zehn Jahren so gesagt hatte, damals am 31. August 2015: &#8222;Wir schaffen das.&#8220; Aber Ja und Nein, das ist wie Schwarz und Wei\u00df &#8211; und so einfach ist das Leben nicht. Die Wahrheit hat viele Graut\u00f6ne.<\/p>\n<\/p>\n<p>Zufrieden sind sicher nicht alle &#8211; mittlerweile ist die AfD laut Umfragen die beliebteste Partei in Deutschland. Fl\u00fcchtlinge sind ihr Thema Nummer eins, wenn auch nicht das Einzige. Ihre Botschaft l\u00e4sst sich zusammenfassen mit: Alles Mist hier. CDU und CSU haben sich weitgehend vom Merkel-Kurs abgewandt, Abschottung ist die Devise. Selbst die Ampelkoalition f\u00fchrte schon Grenzkontrollen ein. Auch Asylbewerber werden nun an deutschen Grenzen abgewiesen. 2018 stritten sich Merkel und ihr Innenminister, CSU-Chef Horst Seehofer, noch dar\u00fcber, bis aufs Blut. Jetzt wird es gemacht. <\/p>\n<p>Bei &#8222;Wir schaffen das&#8220; geht es mittlerweile aber nicht mehr nur um die rund eine Millionen Syrer und Afghanen von 2015 und 2016. Zwischendurch gab es auch noch eine Corona-Pandemie zu bew\u00e4ltigen und dann kam mit dem Ukraine-Krieg gleich der n\u00e4chste Hammer. Unglaubliche Inflation und noch einmal rund eine Million Fl\u00fcchtlinge, diesmal aus dem von Russland angegriffenen Land. Deutschland liefert der Ukraine Waffen und Geld. Nebenbei explodierten die Mieten in den St\u00e4dten. Die Autoindustrie wackelt. Klimawandel, Energiewende. Bei &#8222;Wir schaffen das&#8220; geht es l\u00e4ngst um mehr als um Migration.<\/p>\n<p>Elton John sang mal triumphierend: &#8222;I&#8217;m still standing!&#8220;. Die Deutschen h\u00e4tten Grund, das auch zu tun. So gesehen haben sie Unglaubliches geschafft. Doch die Stimmung ist eine andere. Eher: Wir sind geschafft. Denn die Krisen sind ja nicht vorbei.<\/p>\n<p>Der Versuch, pragmatisch zu sein<\/p>\n<p>Als die Ukrainer kamen, versuchte Deutschland mal, pragmatisch zu sein. Da ja jeder sah, dass sie vor einem Krieg flohen, sollten sie nicht durchs Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (Bamf) geschleust werden. Das Bamf war 2015 nahezu kollabiert. Die Ukrainer, meist waren es Ukrainerinnen, sollten gleich Zugang zum Arbeitsmarkt und auch zum B\u00fcrgergeld bekommen. Hielten damals alle f\u00fcr eine gute Idee. Wird gerade wieder ge\u00e4ndert.<\/p>\n<\/p>\n<p> Denn auch das ist ein AfD-Schlager: Die haben nie eingezahlt und kriegen gleich B\u00fcrgergeld. \u00dcberhaupt, die H\u00e4lfte der B\u00fcrgergeldempf\u00e4nger sind Ausl\u00e4nder. Ohne Ukrainer w\u00e4ren es nur ein Drittel. Ein paar Graut\u00f6ne dazu: Das B\u00fcrgergeld ist keine Versicherung, die nur Beitragszahler in Anspruch nehmen d\u00fcrfen. Es ist eine Sozialleistung, f\u00fcr die man berechtigt ist oder eben nicht.<\/p>\n<p>Viele Ukrainerinnen w\u00fcrden gern arbeiten, aber es gibt nicht genug Kinderbetreuung. Es dauert lange, bis Abschl\u00fcsse anerkannt werden. Aber: Das B\u00fcrgergeld ist ziemlich hoch. Es ist zwar ein Mythos, dass Empf\u00e4nger mehr bekommen, als jene, die arbeiten gehen. Aber wenn das B\u00fcrgergeld einmal flie\u00dft, ist es gar nicht so leicht da wieder herauszukommen. Jeder Schritt in die Richtung ist kompliziert, b\u00fcrokratisch und langwierig. Der Staat muss alles tun, um Missbrauch, insbesondere Schwarzarbeit nebenbei, zu unterbinden.<\/p>\n<p>Immer mehr arbeiten<\/p>\n<p>Noch mehr Graut\u00f6ne, vielleicht sogar ein bisschen Wei\u00df: Mittlerweile sind die meisten, die vor zehn Jahren zu uns kamen, in Arbeit. <a href=\"https:\/\/doku.iab.de\/kurzber\/2025\/kb2025-17.pdf\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_self\">64 Prozent sind es<\/a>, unter der einheimischen Bev\u00f6lkerung sind es auch nur 70. Die zahlen auch Steuern und Sozialbeitr\u00e4ge. Was das &#8222;Die liegen uns auf der Tasche&#8220;-Argument relativiert und die AfD verschweigt. Die Tendenz ist steigend. Das ist eine ziemlich gute Nachricht. Und auch eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Viele Syrer und Afghanen haben es geschafft und etwas geschaffen. Trotzdem gibt es auch jene, die nach Deutschland kamen und nicht einmal Arabisch lesen konnten. Bei denen fraglich ist, ob sie jemals eine Ausbildung machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/p>\n<p> Dann sind da die Gefahren. Die Terroranschl\u00e4ge vor und w\u00e4hrend des Bundestagswahlkampfes waren schrecklich. Solingen, Mannheim, Magdeburg, Aschaffenburg. Der T\u00e4ter von Solingen sollte eigentlich l\u00e4ngst abgeschoben worden sein. Der von Aschaffenburg war psychisch krank. Trotzdem, es gibt keine Rechtfertigung f\u00fcr solche Taten, kein &#8222;Aber&#8220;. Ist die Antwort, niemanden mehr reinzulassen? Was ist mit den Millionen, die sich nichts zu Schulden kommen lassen, die wirklich vor Krieg und Unterdr\u00fcckung flohen? Richtig ist auch: Islamistischen Terror gab es auch schon vor 2015. <\/p>\n<p>H\u00f6rt man Alice Weidel zu, ist Deutschland ein Schlachtfeld. An jeder Ecke lauern die Messerstecher, weil die Syrer und Afghanen angeblich so b\u00f6se sind. Fakt ist: Insgesamt sinkt die Kriminalit\u00e4t. Richtig ist aber auch: Ausl\u00e4nder sind laut Statistik h\u00e4ufiger tatverd\u00e4chtig als Einheimische &#8211; insbesondere bei Messerangriffen. Das ist mit sozialen Faktoren erkl\u00e4rbar: Junge M\u00e4nner neigen eher zu Kriminalit\u00e4t, in St\u00e4dten ist die Kriminalit\u00e4t h\u00f6her und wer Gewalt erfahren hat, wendet sie auch eher an. Das ist auch bei Deutschen so. Und viele der Gefl\u00fcchteten waren eben junge M\u00e4nner und haben Gewalt erfahren.<\/p>\n<p> Damit ist das Problem aber nicht aus der Welt. Zu viele junge M\u00e4nner auf einmal, wom\u00f6glich noch in einer Sammelunterkunft ist ein Rezept f\u00fcr Probleme. Ein Mittel dagegen: Familiennachzug, dezentrale Unterbringung. Was aber beides ziemlich unpopul\u00e4r geworden ist. N\u00e4chstes Mittel: Bem\u00fchungen der Integration, ausbilden, fortbilden. Und wenn das nicht klappt?<\/p>\n<p>Immer noch wenige Abschiebungen <\/p>\n<p>Eine R\u00fcckkehr in die Heimat, sei es durch Abschiebung oder sonstige Anreize muss zum Gesamtpaket geh\u00f6ren. Das hat Deutschland bisher nicht geschafft. Mal gehen die deutschen Beh\u00f6rden so umst\u00e4ndlich vor, dass irgendwelche Fristen ablaufen und einfach gar nichts passiert. Mal stellen sich die Herkunftsl\u00e4nder quer. Mal ist es irgendetwas anderes. Deutschland hat so gesehen ein Interesse daran, dass Syrien wieder so stabil wird, dass eine R\u00fcckkehr weder im Foltergef\u00e4ngnis noch im Kugelhagel endet. Das ist aber auch nicht einfach. Immerhin: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Abschiebungen um 20 Prozent auf gut 20.000. Zweimal wurden Straft\u00e4ter per Flugzeug nach Afghanistan zur\u00fcckgeschickt. <\/p>\n<p> Angela Merkel verteidigt ihre Entscheidung von damals, die Grenzen nicht zu schlie\u00dfen, bis heute. Sie sagte aber auch immer, so eine Situation sollte sich nicht wiederholen. Mit dem EU-T\u00fcrkei-Abkommen schaffte sie es, die Zuzugszahlen herunterzubringen. Derzeit tun Deutschland und die EU viel, um sich m\u00f6glichst unattraktiv zu machen und abzuschotten. Tunesien und Libyen werden bezahlt, um Migranten aufzuhalten. Wie sie das machen, da wird nicht gro\u00df nachgefragt. Laut Menschenrechtlern werden sie teils in der W\u00fcste ausgesetzt. Das neue Gemeinsame Asylsystem (GEAS) erm\u00f6glicht ab dem kommenden Jahr Asylverfahren an den EU-Au\u00dfengrenzen. Die Zahl der Asylantr\u00e4ge sinkt seit dem vergangenen Jahr. Der Migrationsdruck insgesamt wird aber voraussichtlich nicht nachlassen.<\/p>\n<p>In einem langen Interview mit der <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Wir-schaffen-das-Ex-Kanzlerin-Angela-Merkel-steht-zu-ihrer-beruehmten-Aussage-von-2015-article25985417.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_self\">&#8222;Augsburger Allgemeinen&#8220; sagte Merkel diese Woche<\/a>: &#8222;Ich will auch nicht, dass wir wieder eine Situation haben wie 2015. Aber wenn solche Situationen kommen, m\u00fcssen wir uns hinterher auch fragen: Waren alle unsere Reden \u00fcber Werte, Menschenw\u00fcrde und so weiter sch\u00f6ne Sonntagsreden? Oder haben wir dann auch versucht, ein bisschen danach zu handeln? Das hat mich umgetrieben.&#8220;<\/p>\n<p>Deutschland hat einiges geschafft, indem es Menschlichkeit gezeigt hat. Unglaubliches geschafft. Und viele Fl\u00fcchtlinge von damals schaffen l\u00e4ngst mit. War es das wert? Die Frage wird weiter hei\u00df diskutiert werden. Zu Ende ist der Weg jedenfalls nicht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor zehn Jahren sagte Kanzlerin Merkel den Satz, der ihr bis heute nachh\u00e4ngt: &#8222;Wir schaffen das&#8220;. 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