{"id":389106,"date":"2025-09-01T19:01:18","date_gmt":"2025-09-01T19:01:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/389106\/"},"modified":"2025-09-01T19:01:18","modified_gmt":"2025-09-01T19:01:18","slug":"politiker-und-essen-von-kohls-saumagen-bis-scholz-fischbroetchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/389106\/","title":{"rendered":"Politiker und Essen: Von Kohls Saumagen bis Scholz\u2019 Fischbr\u00f6tchen"},"content":{"rendered":"<p>        M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier<br \/>\n      Wenn Politiker inszenieren: Von Papageien bis Currywurst<\/p>\n<p>            Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>            Kopiere den aktuellen Link<\/p>\n<p>          Zur Merkliste hinzuf\u00fcgen<\/p>\n<p>Politiker inszenieren sich gern mit Tieren und Essen: Ob Merkel von Graupapageien attackiert, Scholz Fischbr\u00f6tchen probiert oder Piechotta ein K\u00e4se-Selfie macht.<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Politiker lassen sich f\u00fcr gew\u00f6hnlich mit allem und jedem fotografieren: Eisb\u00e4ren, Telefonzellen, Roboter, Dackel, Gloria von Thurn und Taxis, egal. Hauptsache, Wirkung.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Tiere sind immer gut, haben leider den Nachteil, unberechenbar zu sein. So musste sich Angela Merkel am Ende ihrer Amtszeit von einem Rudel Graupapageien angreifen lassen, was zu unsch\u00f6nen Bildern vom schmerzverzerrten Gesicht der Kanzlerin gef\u00fchrt hatte. Ob Friedrich Merz dieses Foto gerahmt auf dem Schreibtisch stehen hat, ist nicht bekannt. Sicher aber ist: Die meisten Politiker machen ihre Fotos mit Tieren lieber dann, wenn sie bereits am Ende der Verwertungskette angekommen, sprich verarbeitet, sind.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">So hatte Olaf Scholz in einem Akt finaler Dem\u00fctigung den verst\u00f6rten Emanuele Macron dazu gen\u00f6tigt, am Hamburger Hafen in ein Fischbr\u00f6tchen zu bei\u00dfen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Ex-Kanzler Gerhard Schr\u00f6der solidarisierte sich mit der Currywurst, dem &#8222;Kraftriegel des Facharbeiters&#8220;, als diese vom Betriebskantinenspeiseplan gestrichen werden sollte.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>  Helmut Kohl und die Kraft der Butter<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Und Helmut Kohls Saumagen war mehr als nur eine regionale Delikatesse. Er galt als Ausdruck einer neuen deutschen Strickjackigkeit, vor der sich das weltkriegsgesch\u00fcttelte Europa nicht mehr zu f\u00fcrchten brauchte.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Von der l\u00fcckenlosen Dokumentation der Nahrungskette eines bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten mal ganz abgesehen. Wo die Sprachfertigkeit endet, da beginnt die Fotostrecke.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>    03. M\u00e4rz 2025,15:53<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/bernhard-vogel-2022.jpg\"   loading=\"lazy\" fetchpriority=\"auto\" alt=\"Bernhard Vogel l\u00e4chelt w\u00e4hrend eines Gespr\u00e4chs 2022 in seinem Wohnzimmer\" title=\"Bernhard Vogel l\u00e4chelt w\u00e4hrend eines Gespr\u00e4chs 2022 in seinem Wohnzimmer\"\/><\/p>\n<p>      <a class=\"teaser__link\" href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/bernhard-vogel--der-letzte-waechter-der-bonner-republik-35514250.html\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>            Nachruf auf Bernhard Vogel<\/p>\n<p>                    Als pl\u00f6tzlich Helmut Kohl am Telefon war und sagte: &#8222;Du musst es machen&#8220;<\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Klar, speziell Lebensmittel waren immer schon politisch. Sie sind Bodenst\u00e4ndigkeitszertifikat f\u00fcr eine Kaste, der nur noch selten Bodenhaftung unterstellt wird. Ja, sogar als Ausweis der Gesinnung muss die Mahlzeit herhalten. Du bist, was du isst. Oder zumindest das, womit du dich im Laden so fotografierst. Zuletzt zu beobachten, als sich die gr\u00fcne Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta l\u00e4chelnd mit einer Packung Milram K\u00e4se ablichtete und unter das Foto schrieb: &#8222;Auch wichtig: 2025 ist, wenn der Kampf gegen Hass auch mit K\u00e4se zu tun hat. #Milram&#8220;<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Es gibt dazu einen Hintergrund (der dieses Foto allerdings nicht weniger l\u00e4cherlich macht): Die Molkerei Milram hatte zuletzt neue, bunte Verpackungen ins K\u00e4seregal gestellt. So prangten Motive mit kunstvollen Abbildungen von Menschen diversester Art auf M\u00fcritzer, Sylter oder Burlander K\u00e4se. Was f\u00fcr die erwartbaren Reaktionen digitaler Schl\u00e4gertruppen von AfD, Identit\u00e4ren und \u00e4hnlichen Volksfronten sorgte. Ein Vorgang, so \u00fcberraschungsarm wie, nun ja, der Genuss von Scheibenk\u00e4se.<\/p>\n<p>  Der Firma Milram d\u00fcrfte kein Schaden entstehen<\/p>\n<p>          Micky Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier<\/p>\n<p>Mein Name ist Micky Beisenherz. In Castrop-Rauxel bin ich Weltstar. Woanders muss ich alles selbst bezahlen. Ich bin ein multimedialer\u00a0(Ein-)gemischtwarenladen. Autor (Extra3, Dschungelcamp), Moderator (ZDF, NDR, ProSieben, ntv), Podcast-Host (&#8222;Apokalypse und Filterkaffee&#8220;), Gelegenheitskarikaturist. Es gibt Dinge, die mir auffallen. Mich teilweise sogar aufregen. Und da st\u00e4ndig die Impulskontrolle klemmt, m\u00fcssen sie wohl raus. Mein religi\u00f6ses Symbol ist das Fadenkreuz. Die Rasierklinge ist mein Dancefloor. Und soeben juckt es wieder in den F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Paula Piechotta scheint sich selbst als eine Marianne zu begreifen, die im Sinne des Gem\u00e4ldes &#8222;Die Freiheit f\u00fchrt das Volk&#8220; von Eug\u00e8ne Delacroix an der K\u00e4setheke die Demokratie gegen den rechtsextremen Neofeudalismus \u00e0 la Trump verteidigt. \u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">In gewisser Hinsicht ist sie somit die Antipodin von Theo M\u00fcller, der unl\u00e4ngst noch mit Alice Weidel auf dem Gel\u00e4nde seiner Molkerei den 85sten nachfeierte. Braun ist halt nicht nur die Schokomilch. Weil M\u00fcller eher die stille Verkommenheit pflegt, f\u00e4llt das Echo auf das plumpe Moralgepose von Piechotta deutlich st\u00e4rker aus. Die Frau ist immerhin gelernte Radiologin, kennt sich also mit Strahlkraft aus.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Der Firma Milram d\u00fcrfte \u00fcber willkommene Aufmerksamkeit hinaus kein Schaden entstehen. Ein Boykott wegen st\u00f6render Plastikverpackungsdiversit\u00e4t: unwahrscheinlich. Wer sich im Leben f\u00fcr Scheibenk\u00e4se entschieden hat, f\u00fcr den gibt es kein Zur\u00fcck mehr. Anders gesagt: Der K\u00e4se ist eigentlich Wurst.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Dass die Plastikverpackung des gefeierten Molkereiproduktes nicht so richtig \u00f6kologisch daherkommt und Milram auch sonst nicht durch allzu viel Tierwohlinteresse aufgefallen ist, passt zum Zeitgeist moderner politischer Kommunikation: Solange die Verpackung nur ausreichend kultig daher kommt, ist alles Widerspr\u00fcchliche darin v\u00f6llig gleich. Hauptsache, es knallt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Manchmal sogar buchst\u00e4blich. Nachdem die Trans-Influencerin Dylan Mulvaney 2023 Werbung f\u00fcr die Biermarke &#8222;Bud Light&#8220; gemacht hatte, reagierte der Trump-Fan und Musiker Kid Rock mit einem Video, in dem er fluchend auf ebendiese Bierdosen schoss. Immerhin nur auf Dosen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Die Unternehmen lachen sich regelm\u00e4\u00dfig tot: Wenn eine Sau durchs Dorf getrieben wird, will jeder Jockey sein. Zuletzt zu beobachten beim Jeanshersteller American Eagle, in deren Spot man bemerkte, die blonde und blau\u00e4ugige Schauspielerin Sydney Sweeney habe &#8222;great jeans&#8220; bzw. die phonetisch \u00e4hnlich klingenden &#8222;genes&#8220;. Was ein paar Tausend NetzaktivistInnen pflichtschuldig als Nazi-Propaganda enttarnten. Darauf hatte man nur gewartet. So focht man wieder einmal einen Kulturkampf aus, den es so nie gab. Social Media funktioniert in seiner reflexartigen Selbstgen\u00fcgsamkeit eben oft wie der Nacktmull. Dieser haarlose Nager, der sich von seinem eigenen Kot ern\u00e4hrt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Womit wir wieder bei Lebensmitteln w\u00e4ren. Helmut Kohl nutzte das Essen nicht nur identit\u00e4tspolitisch, sondern auch als Kraftquelle. So vertilgte er w\u00e4hrend EU-Ratssitzungen mal \u00fcber ein Dutzend der kleinen Buttert\u00e4felchen, die eigentlich zum Schmieren von Br\u00f6tchen auf dem Konferenztisch gedacht waren. Zur Beruhigung.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Und der Nemesis von Wurstfressfetischist Markus S\u00f6der, Robert Habeck ist etwas gelungen, was selbst der fr\u00e4nkischen Fleischbr\u00e4timperator nicht geschafft: Er ist mit seinem Abgang einfach stumpf mutiert \u2013 zur Leberwurst. Da kann man schon neidisch werden.\u00a0 Bei der n\u00e4chsten sich anbahnenden Eskalation hei\u00dft es besser: Mach\u2019s wie Kohl. Butter essen und abregen.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M. 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