{"id":391535,"date":"2025-09-02T17:00:13","date_gmt":"2025-09-02T17:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/391535\/"},"modified":"2025-09-02T17:00:13","modified_gmt":"2025-09-02T17:00:13","slug":"moegliche-ns-raubkunst-erben-klagen-gegen-bayern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/391535\/","title":{"rendered":"M\u00f6gliche NS-Raubkunst: Erben klagen gegen Bayern"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Der Freistaat Bayern gibt mehrere Gem\u00e4lde, bei denen es sich um Nazi-Raubkunst handelt, an Erben zur\u00fcck. Bei einem wertvollen Werk aber gibt es Streit, der bald vor Gericht ausgetragen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Nach der Entscheidung \u00fcber eine R\u00fcckgabe von vier Werken aus NS-Raubkunst streiten die Erben j\u00fcdischer Kunsth\u00e4ndler weiter mit dem Freistaat Bayern um die R\u00fcckgabe eines weiteren Gem\u00e4ldes. Erben der ehemaligen M\u00fcnchner Kunsthandlung Br\u00fcder Lion w\u00fcrden in K\u00fcrze Klage beim Verwaltungsgericht (VG) M\u00fcnchen erheben, teilte ihr Anwalt Hannes Hartung von der Kanzlei Themis mit. Sie erheben Anspruch auf das Werk &#8222;Junges M\u00e4dchen mit Strohhut&#8220; des Malers Friedrich von Amerling.<\/p>\n<p>Die Bayerischen Staatsgem\u00e4ldesammlungen hatten zuvor mitgeteilt, dass der Freistaat vier andere Bilder an die rechtm\u00e4\u00dfigen Besitzer zur\u00fcckgeben werde. Die Lion-Erben w\u00fcrden demnach die Gem\u00e4lde &#8222;Lot und seine T\u00f6chter&#8220; sowie &#8222;Abraham bewirtet die drei Engel&#8220; von Franz Sigrist dem \u00c4lteren erhalten. Die Kunsthandlung musste 1936 unter den Nationalsozialisten zwangsweise schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Restitutionsentscheidungen beruhen auf der Forschung des Referats f\u00fcr Provenienzforschung an der neu gegr\u00fcndeten Staatlichen Museumsagentur Bayern. Sie hatte den Angaben zufolge ergeben, dass es sich bei den vier Bildern um NS-Raubkunst handelt.<\/p>\n<p>Schiedsgericht soll entscheiden<\/p>\n<p>F\u00fcr das Bild &#8222;Junges M\u00e4dchen mit Strohhut&#8220; soll laut den Staatsgem\u00e4ldesammlungen dagegen das neue bundesweit zust\u00e4ndige Schiedsgericht NS-Raubkunst angerufen werden und eine Entscheidung treffen. Das Werk wechselte nach Ansicht der Staatsgem\u00e4ldesammlungen n\u00e4mlich im Rahmen eines &#8222;Tauschgesch\u00e4fts&#8220; den Besitzer. Dabei habe die Kunsthandlung &#8222;frei auf dem Markt agieren&#8220; k\u00f6nnen. Sie erhielt demnach 1935 zwei Bilder anstelle einer Bezahlung f\u00fcr den Amerling.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lto.de\/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=810351&amp;md5=b2ace206c3a84b781ea91f2a49ca48a85ae86a81&amp;parameters%5B0%5D=eyJ3aWR0aCI6IjgwMG0iLCJoZWlnaHQiOiI2MDBtIiwiYm9keVRhZyI6Ijxib2R5&amp;parameters%5B1%5D=IHN0eWxlPVwibWFyZ2luOjA7IGJhY2tncm91bmQ6I2ZmZjtcIj4iLCJ3cmFwIjoi&amp;parameters%5B2%5D=PGEgaHJlZj1cImphdmFzY3JpcHQ6Y2xvc2UoKTtcIj4gfCA8XC9hPiJ9\" data-window-url=\"https:\/\/www.lto.de\/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=810351&amp;md5=b2ace206c3a84b781ea91f2a49ca48a85ae86a81&amp;parameters%5B0%5D=eyJ3aWR0aCI6IjgwMG0iLCJoZWlnaHQiOiI2MDBtIiwiYm9keVRhZyI6Ijxib2R5&amp;parameters%5B1%5D=IHN0eWxlPVwibWFyZ2luOjA7IGJhY2tncm91bmQ6I2ZmZjtcIj4iLCJ3cmFwIjoi&amp;parameters%5B2%5D=PGEgaHJlZj1cImphdmFzY3JpcHQ6Y2xvc2UoKTtcIj4gfCA8XC9hPiJ9\" data-window-target=\"thePicture\" data-window-features=\"width=300,height=377,status=0,menubar=0\" target=\"thePicture\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/csm_FRIEDRICH-VON-AMERLING_JUNGES-MAEDCHEN-MIT-STROHHUT_CC-BY-SA_BSTGS_9999_149b0c86d2.jpg\" width=\"300\" height=\"377\" title=\"Amerlings &quot;Junges M\u00e4dchen mit Strohhut&quot;\" alt=\"Bayerische Staatsgem\u00e4ldesammlung , CC BY-SA 4.0\" loading=\"lazy\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die Lion-Erben sehen das anders und fordern auch dieses Werk ein. Es sei &#8222;eindeutig Raubkunst&#8220;, hei\u00dft es in einer Mitteilung von Anwalt Hartung. F\u00fcr ein faires Tauschgesch\u00e4ft gebe es &#8222;keinen einzigen Beleg&#8220;. Der Umstand sei den Staatsgem\u00e4ldesammlungen seit Langem bekannt, dennoch habe das bayerische Kunstministerium F\u00e4lle wie diesen &#8222;mit voller Absicht vertuscht&#8220;. Mit ihrer Klage wollen die Erben neben Akteneinsicht erreichen, dass der Freistaat feststellt, dass es das genannte Tauschgesch\u00e4ft nicht gegeben habe, woraus sich dann wiederum ein Anspruch auf Herausgabe des Gem\u00e4ldes begr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Zudem seien die Erben irritiert, dass der Freistaat die Restitution der anderen Werke nicht ihnen direkt, sondern zun\u00e4chst der \u00d6ffentlichkeit bekannt gegeben hatte, sagte Hartung. Eine Sprecherin des Kunstministeriums widersprach dieser Darstellung.<\/p>\n<p>Ein weiteres Werk, das im Zuge der Restitution zur\u00fcckgegeben wird, ist das Bild &#8222;Hl. Anna Selbdritt&#8220; von einem Sch\u00fcler von Lucas Cranach dem \u00c4lteren. Es geht an die Nachfahren des verfolgten j\u00fcdischen Direktors der Commerz- und Disconto-Bank Hannover, Ernst Magnus. Er hatte es verkauft, um die Flucht seiner Familie zu finanzieren.<\/p>\n<p>Auch &#8222;Am Wirtshaustisch&#8220; von Ernst Karl Georg Zimmermann wurde als Raubkunst identifiziert. Wer die rechtm\u00e4\u00dfigen Erben sind, ist nach Angaben der Staatsgem\u00e4ldesammlungen aber noch nicht ganz klar.<\/p>\n<p>Staatsgem\u00e4ldesammlungen wollen mehr Transparenz schaffen<\/p>\n<p>Die Staatsgem\u00e4ldesammlungen sehen in diesen f\u00fcnf F\u00e4llen einen &#8222;Ausdruck von mehr Transparenz und Tempo bei Provenienzforschung und Restitution&#8220;.<\/p>\n<p>Bayern stand wegen seiner R\u00fcckgabepolitik schon lange in der Kritik. Im Februar dieses Jahres waren dann Missst\u00e4nde in den Staatsgem\u00e4ldesammlungen durch Presseberichte bekannt geworden. Dabei ging es zun\u00e4chst vor allem um den Umgang der Sammlung mit m\u00f6glicher NS-Raubkunst, also Werken, die j\u00fcdischen Eigent\u00fcmern im Nationalsozialismus weggenommen oder unter Zwang abgepresst wurden.<\/p>\n<p>Die Pr\u00fcfung solcher Verdachtsf\u00e4lle wurde als intransparent und schleppend kritisiert, sogar von Vertuschung war die Rede. Anfang April musste der langj\u00e4hrige Generaldirektor Bernhard Maaz gehen, sein Nachfolger ist seitdem der Jurist Anton Biebl.<\/p>\n<p>Scharfe Kritik an bayerischer Restitutionspolitik<\/p>\n<p>Das Ziel sei nun, Vertrauen zur\u00fcckzugewinnen und transparent zu arbeiten, vor allem bei der Debatte um die R\u00fcckgabe von NS-Raubkunst. Nach Angaben von Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) haben die Staatsgem\u00e4ldesammlungen seit Februar mehr als 200 Werke in die Datenbank Lost Art eingestellt. Fr\u00fchere Eigent\u00fcmer und deren Erben k\u00f6nnen hier nach geraubten Kunstobjekten suchen, damit sie diese zur\u00fcckfordern k\u00f6nnen. Die Sammlung war daf\u00fcr kritisiert worden, viel zu wenige ihrer Werke mit Raubkunst-Verdacht eingestellt zu haben.<\/p>\n<p>&#8222;Mit der R\u00fcckgabe dieser vier Werke k\u00f6nnen wir das grausame Unrecht an den Eigent\u00fcmern nicht heilen. Aber wir k\u00f6nnen damit den Versuch der Wiedergutmachung in Richtung der Opfer unternehmen und ein Zeichen setzen: Wir arbeiten intensiv an der Aufarbeitung des NS-Unrechts \u2013 seit diesem Fr\u00fchjahr mit mehr Tempo, mehr Transparenz und mehr Ergebnissen&#8220;, sagte Blume.<\/p>\n<p>&#8222;Die R\u00fcckgabe der vier Gem\u00e4lde ist f\u00fcr uns ein weiterer wichtiger Schritt, die Aufarbeitung unserer Sammlungsgeschichte fortzusetzen&#8220;, betonte Biebl. &#8222;Wir nehmen die Verantwortung f\u00fcr eine gr\u00fcndliche Provenienzforschung sehr ernst.&#8220;<\/p>\n<p>dpa\/tap\/LTO-Redaktion<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tStreit um m\u00f6gliche NS-Raubkunst:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t02.09.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/58055 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t02.09.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Freistaat Bayern gibt mehrere Gem\u00e4lde, bei denen es sich um Nazi-Raubkunst handelt, an Erben zur\u00fcck. 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