{"id":392079,"date":"2025-09-02T22:10:26","date_gmt":"2025-09-02T22:10:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/392079\/"},"modified":"2025-09-02T22:10:26","modified_gmt":"2025-09-02T22:10:26","slug":"wir-beobachten-ein-sterben-des-musikfachhandels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/392079\/","title":{"rendered":"Wir beobachten ein Sterben des Musikfachhandels"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/musikladen-100.webp\" alt=\"Ein \u00e4lterer Mann zeigt einer Frau eine Geige\" title=\"Ein \u00e4lterer Mann zeigt einer Frau eine Geige | picture alliance \/ Shotshop | Monkey Business 2\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>\n            Stand: 02.09.2025 16:23 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">In Hannover schlie\u00dft mit dem ppc Music eines der bekanntesten Musikfachgesch\u00e4fte. Kein Einzelfall, sagt Birgit B\u00f6cher vom Verband Deutscher Musikfachgesch\u00e4fte im Interview mit NDR Kultur.<\/p>\n<p class=\"\">\nSeit \u00fcber 40 Jahren suchen, testen und kaufen Musikerinnen und Musiker ihre Gitarren, Schlagzeuge oder Klaviere bei ppc Musik in Hannover. Mit 3.800 Quadratmetern verteilt auf zwei Etagen ist es das gr\u00f6\u00dfte Musikgesch\u00e4ft in der Region. Doch das Familienunternehmen schlie\u00dft Ende des Jahres. &#8222;Wir beobachten seit einem Jahr ein regelrechtes Sterben des station\u00e4ren Musikfachhandels&#8220;, sagt Birgit B\u00f6cher vom Verband Deutscher Musikfachgesch\u00e4fte.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Frau B\u00f6cher, ist das Sterben der Musikgesch\u00e4fte die sp\u00e4te Digitalisierung des Handels, die in anderen Bereichen schon stattgefunden hat?<\/strong><\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/boecher-104.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/boecher-104.webp\" alt=\"Birgit B\u00f6cher\" title=\"Birgit B\u00f6cher, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Verbands Deutscher Musikfachgesch\u00e4fte. | DMV-Verband Deutscher Musikverlage\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Birgit B\u00f6cher, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Verbands Deutscher Musikfachgesch\u00e4fte.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Birgit B\u00f6cher: <\/strong>Nicht unbedingt. Diese Krise betrifft nicht nur den Musikfachhandel, sondern den station\u00e4ren Fachhandel generell. Die Innenst\u00e4dte verwaisen immer mehr, immer mehr Ketten machen sich breit. Aber der klassische Facheinzelhandel ist grunds\u00e4tzlich in einer schwierigen Lage. Was den Musikfachhandel betrifft, liegt es nicht nur am digitalen und am Onlinehandel. Das sind mehrere Faktoren, die jetzt alle zusammentreffen, was es sehr schwierig macht.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Musikl\u00e4den waren immer auch Treffpunkte f\u00fcr Hobbymusiker, Kinder haben hier ihr erstes Instrument bekommen. Wenn nun der Onlinehandel die erste Geige spielt, welche Ladenkonzepte funktionieren dann noch?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>B\u00f6cher:<\/strong> Zum Gl\u00fcck gibt es tats\u00e4chlich immer noch gut funktionierende Musikfachgesch\u00e4fte und das h\u00e4ngt auch von mehreren Faktoren ab. Es hat sich gezeigt, dass es sehr wirksam ist, wenn sich das Gesch\u00e4ft zum Beispiel auf eine bestimmte Instrumentengattung spezialisiert, eine gute Anbindung an die Musikschule hat, sehr pr\u00e4sent vor Ort ist, auch in den Kitas und in den Schulen. Wenn das alles stimmt, dann ist ein Musikfachgesch\u00e4ft immer noch ein Kulturort, wo man nicht nur hingeht, um etwas zu besorgen, sondern es ist ein Treffpunkt.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Ausprobieren, sich beraten lassen &#8211; gerade das macht ja den Charme des station\u00e4ren Musikhandels aus. Oder?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>B\u00f6cher:<\/strong> Genau. Was viele vergessen: den After-Sales-Service. Nat\u00fcrlich kann ich ein Instrument online bestellen, aber der Musikfachhandel richtet eine Gitarre richtig ein: auf die Person, die sie spielen soll. Wenn ich sie online bestelle, muss ich das selber machen. Wenn ich keine Ahnung habe, wei\u00df ich \u00fcberhaupt nicht, was ich da einstellen muss. Und im schlimmsten Fall verdirbt es mir die Lust am Spiel. Oder wenn irgendwas nicht passt, wenn die Saite rei\u00dft, gehe ich dahin und lasse sie mir auswechseln. Online ist das nicht so einfach.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Umgekehrt kann man sich online zehn Gitarren bestellen, zwei Wochen lang testen und neun wieder kostenlos zur\u00fcckschicken. Da kann ein station\u00e4rer Handel nicht mithalten, oder?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>B\u00f6cher:<\/strong> Das ist richtig. Das ist unser Fernabsatzgesetz, was den Onlinehandel in diesem Fall bevorzugt, zumal sich der Konsument an dieses Verfahren gew\u00f6hnt hat. Man ist ja heute richtig erstaunt, wenn man in ein station\u00e4res Gesch\u00e4ft geht und etwas gern zur\u00fcckgeben m\u00f6chte, man aber nur einen Gutschein daf\u00fcr bekommt, weil der station\u00e4re Fachhandel nicht verpflichtet ist, eine Ware ohne Grund zur\u00fcckzunehmen und das Geld zur\u00fcckzugeben &#8211; was man vom Fernabsatz gewohnt ist.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Ein weiteres Problem ist, dass es kaum Nachfolger gibt. Offiziell gibt es noch den Beruf des Musikfachh\u00e4ndlers, aber nur eine Berufsschule im bayerischen Mittenwald. Da kommen wohl nicht mehr viel Azubis hin, oder?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>B\u00f6cher:<\/strong> Ja, das ist aber relativ \u00fcblich bei Ausbildungsberufen, die keine hohen Auszubildungszahlen haben. Dann gibt es gerne mal eine zentrale Berufsfachschule, die das macht. In diesem Fall ist es so, dass eine Berufsschule nicht unbedingt zwingend ist f\u00fcr einen Azubi. Das h\u00e4ngt vom Bundesland ab. Aber die Nachfolgeregelung ist ein ganz gro\u00dfes Problem, weil viele der Inhabenden in den n\u00e4chsten Jahren das Rentenalter erreichen, aber eigentlich nicht in Rente gehen k\u00f6nnen, weil sie keinen Nachfolgenden f\u00fcr ihr Gesch\u00e4ft finden. Das ist ein gro\u00dfes Problem, weil das alles Selbstst\u00e4ndige sind und das Gesch\u00e4ft ihre Altersvorsorge ist.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/cello-101.webp\" alt=\"Ein Musiker spielt auf einem Cello\" title=\"Ein Musiker spielt auf einem Cello | picture alliance \/ dpa\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Fl\u00f6ten, Saxofone, Gitarren: Musikl\u00e4den waren Treffpunkte f\u00fcr Hobbymusiker, Kinder bekamen hier ihr erstes Instrument.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Wie passt das alles zusammen mit dem hohen Interesse am Musizieren? Trotz des Aussterbens von Musikgesch\u00e4ften verzeichnet die Branche jedes Jahr ein Umsatzwachstum. Letztes Jahr waren es hierzulande 1,8 Milliarden Euro. Dieses Wachstum muss man aber offenbar genau einordnen, oder?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>B\u00f6cher:<\/strong> Es gibt zwei, drei ganz gro\u00dfe Player in Deutschland, die im station\u00e4ren Handel und im Onlinefachhandel ganz gro\u00df sind und einen Gro\u00dfteil dieses Umsatzes generieren. \u00dcber die H\u00e4lfte der Gesch\u00e4fte im station\u00e4ren Musikfachhandel hat einen Jahresumsatz, von dem man eigentlich nicht leben kann. Das sind in der Regel relativ kleine Gesch\u00e4fte, die das mehr oder weniger im &#8222;Nebenerwerb&#8220; machen. In der Regel ist es so, dass ein Musikfachgesch\u00e4ft von einer inhabenden Person gef\u00fchrt wird, und im besten Fall arbeitet die Familie mit und die Immobilie geh\u00f6rt ihr &#8211; dann kann sie auskommen. Aber sobald zum Beispiel eine Miete gezahlt werden muss, sobald man sich selber ein Gehalt zahlen w\u00fcrde, was man einem Angestellten zahlt, sieht es dann schon schwierig aus mit den Margen, die im Moment in dem Musikfachhandel zu erwirtschaften sind. Plus die steigenden Kosten f\u00fcr Energie, f\u00fcr Miete, f\u00fcr Personal, Inflation kommt dazu &#8211; das sind die ganzen Faktoren, die zusammenkommen. Und es gibt mittlerweile auch andere Wege, um an Instrumente zu kommen: Der Online-Handel, aber auch immer mehr Musikschulen \u00fcbernehmen die Erstversorgung mit Instrumenten.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Was kann man dagegen tun? Au\u00dfer station\u00e4r einzukaufen eigentlich nichts, oder? Muss man einfach zugeben, dass diese Zeit einfach vorbei ist?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>B\u00f6cher:<\/strong> Wenn ich das unterst\u00fctzen w\u00fcrde, dann w\u00e4re ich, glaube ich, falsch in meinem Job. Ich habe schon noch gro\u00dfe Hoffnung und sehe auch die positiven Beispiele. Ich gucke da immer ein bisschen auf den Schallplattenhandel: Beim klassischen Plattenladen habe ich auch vor 20 Jahren den Niedergang miterleben m\u00fcssen, wie ein Gesch\u00e4ft nach dem anderen zu machte. Und auf einmal boomt Vinyl, und auf einmal \u00f6ffnen Gesch\u00e4fte. Der Marktanteil w\u00e4chst, auch wenn er im Vergleich zu fr\u00fcher klein ist, aber es ist immer noch die Nachfrage da. Genauso sehe ich es auch im Musikfachhandel. Auch wenn Sie sich die Entwicklung in der Fotografie anschauen, den Wechsel von der analogen zur digitalen Fotografie: Fr\u00fcher gab es \u00fcberall ein Fotofachgesch\u00e4ft. Auch das ist weniger geworden, aber es gibt sie immer noch. Die Nachfrage an Musik steigt, Musizieren ist &#8211; auch wenn leider nicht in dem Ma\u00dfe, wie wir es uns w\u00fcnschen &#8211; immer noch aktuell. Ich stelle zumindest einen Trend fest, dass man immer mehr lieber in ein Gesch\u00e4ft gehen will, wo ich Sachen anfassen kann, wo ich die Gitarre in die Hand nehmen kann, wo ich mich ans Klavier setzen und gucken kann, ob es passt. Das kann nur der station\u00e4re Musikfachhandel.<\/p>\n<p class=\"\">Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/philipp-cavert,cavert104.html\" title=\"Philipp Cavert\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Philipp Cavert<\/a>.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/musikgeschaeftesh100.webp\" alt=\"Mehrere Gitarren h\u00e4ngen an der Wand eines schleswig-holsteinischen Musikgesch\u00e4ftes.\" title=\"Mehrere Gitarren h\u00e4ngen an der Wand eines schleswig-holsteinischen Musikgesch\u00e4ftes. | NDR, Hauke B\u00fclow\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Viele Fachgesch\u00e4fte haben in den vergangenen Jahren zugemacht. Die verbliebenen L\u00e4den wollen verst\u00e4rkt mit Service und Beratung punkten.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/synthesizer-analog-100.webp\" alt=\"Eine Frau bedient einen analogen Synthesizer\" title=\"Eine Frau bedient einen analogen Synthesizer | ARD-aktuell\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Modulare Synthesizer wurden einst durch Bands wie Pink Floyd gro\u00df. Nun erobern neue K\u00fcnstler mit der alten Technik die Clubs der Welt. F\u00fcr die Szene zentral ist ein Musikladen in Berlin. Von Larissa Kahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 02.09.2025 16:23 Uhr In Hannover schlie\u00dft mit dem ppc Music eines der bekanntesten Musikfachgesch\u00e4fte. 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