{"id":393405,"date":"2025-09-03T10:38:14","date_gmt":"2025-09-03T10:38:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/393405\/"},"modified":"2025-09-03T10:38:14","modified_gmt":"2025-09-03T10:38:14","slug":"hat-leipzig-wirklich-ein-problem-mit-hungernden-kindern-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/393405\/","title":{"rendered":"Hat Leipzig wirklich ein Problem mit hungernden Kindern? \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Armut in Leipzig zeigt sich auch in Kindergarten und Schule. Nicht nur in Kleidung und Ausstattung der Kinder, sondern auch daran, ob sie Pausenbrot dabei haben, an der Essensverpflegung teilnehmen oder sogar Symptome von Unterern\u00e4hrung aufweisen. Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht. Aber die Linksfraktion wollte trotzdem wissen, welche Informationen der Stadt dazu vorliegen. Denn das Problem scheint ja zuzunehmen, vermutete die Fraktion. Die Frage ist nur: Wie erkennt man es?<\/p>\n<p>Dass der Stadt das Problem sehr wohl bekannt ist, best\u00e4tigte in der Ratsversammlung am 27. August auch Jugendb\u00fcrgermeisterin Vicki Felthaus. Nur hat die Stadt eben keine umfassende Datenlage dazu.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/8f00f284329d4db5ba549f184bbc8dae.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/familie-und-kinder\/2025\/09\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/familie-und-kinder\/2025\/09\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>\u201eDie Anzahl an Kindern und Jugendlichen, welche in der Stadt Leipzig von ern\u00e4hrungsbedingten Mangelerscheinungen oder Hunger betroffen sind, kann mangels einer validen Datengrundlage nicht konkret beziffert werden\u201c, teilt<a href=\"https:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2026138&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> das Sozialamt in seiner sehr ausf\u00fchrlichen Antwort auf die Linken-Anfrage<\/a> mit.<\/p>\n<p>Und auch, dass man seit zwei Jahren ebenso alarmiert ist wie Linke-Stadtrat Dr. Volker K\u00fclow, der am 27. August noch einmal nachfragte, weil er im Gespr\u00e4ch mit Kinderg\u00e4rtnerinnen wohl immer wieder auf das Problem hingewiesen wurde.<\/p>\n<p>\u201eDem Gesundheitsamt wurde erstmals im Sommer 2023 von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern aus Offenen Freizeittreffs (OFT) im Leipziger Osten, Gr\u00fcnau und Paunsdorf geh\u00e4ufte Fallschilderungen zugetragen, dass Kinder und Jugendliche nachmittags vermehrt hungrig in die OFTs k\u00e4men, weil sie tags\u00fcber noch nichts bzw. nichts \u2018Richtiges\u2018\u00a0gegessen h\u00e4tten (z. B. nur einen Schokoriegel bzw. eine trockene, d. h. ungekochte chinesische Nudelsuppe). F\u00e4lle von Kindeswohlgef\u00e4hrdung wurden in diesen Kontexten nicht kommuniziert\u201c, betont das Sozialamt.<\/p>\n<p>Es erl\u00e4utert dann aber: \u201eIm Rahmen der Anfrage wurden zudem sowohl freie Tr\u00e4ger als auch die 51 kommunalen Kindertageseinrichtungen zu ihren Erfahrungen im Umgang mit Mangelern\u00e4hrung befragt. Einige Einrichtungen und Tr\u00e4ger meldeten vereinzelt entsprechende Erfahrungswerte zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Insgesamt vier kommunale Kindertageseinrichtungen gaben an, dass in der Vergangenheit Auff\u00e4lligkeiten wahrgenommen wurden. Diese R\u00fcckmeldungen kamen aus den Stadtteilen Mitte (1), Nordost (1), S\u00fcdost (1) und West (1). Eine explizite Auff\u00e4lligkeit aus dem Leipziger Osten war hier nicht zu erkennen.<\/p>\n<p>Bei betroffenen Kindern wurden unter anderem Symptome wie M\u00fcdigkeit, Antriebslosigkeit, ein allgemein geschw\u00e4chter k\u00f6rperlicher Zustand sowie deutlich ge\u00e4u\u00dfertes Hungergef\u00fchl beobachtet.\u201c<\/p>\n<p>Ein Problem unter viele anderen<\/p>\n<p>Das klingt so, als sei es doch eher ein kleineres Problem unter viel gr\u00f6\u00dferen. Aber Meldungen \u00fcber die verschiedensten Arten von Kindeswohlgef\u00e4hrdung \u2013 zu denen nicht nur Mangelern\u00e4hrung geh\u00f6rt \u2013 erreichen die Stadt \u00fcber die verschiedensten Instanzen. Und da ergibt sich dann schon ein anderes Bild.<\/p>\n<p>Das sind zwar alle m\u00f6glichen F\u00e4lle von Kindeswohlgef\u00e4hrdung, die der Stadt gemeldet wurden. Aber auch hinter anderen Posten \u2013 wie dem Posten \u201eAnzeichen von Vernachl\u00e4ssigung\u201c \u2013 kann sich eine Mangelern\u00e4hrung der Kinder verbergen. Und die Antwort des Sozialamtes verzeichnet f\u00fcr das Jahr 2024 immerhin 266 F\u00e4lle von Vernachl\u00e4ssigung, welche die Stadt registrierte. Freilich auch 99 F\u00e4lle von k\u00f6rperlicher Misshandlung und 89 F\u00e4lle von psychischer Misshandlung, bei 19 gab es sogar Anzeichen f\u00fcr sexuelle Gewalt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/meldungen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-632774 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/meldungen.jpg\" alt=\"Meldungen von Kindeswohlgef\u00e4hrdung an die Stadt 2024. Grafik: Stadt Leipzig\" width=\"2250\" height=\"1256\"  \/><\/a>Meldungen von Kindeswohlgef\u00e4hrdung an die Stadt 2024. Grafik: Stadt Leipzig<\/p>\n<p>Beim Allgemeinen Sozialdienst (ASD) der Stadt braucht man ein starkes Nervenkost\u00fcm, um mit all diesen F\u00e4llen von Kindesgef\u00e4hrdung umgehen zu k\u00f6nnen. Dass die Kinder dann oft auch noch hungern und mangelern\u00e4hrt sind, hat meistens mehrere Ursachen, erkl\u00e4rt das Sozialamt: \u201eDie Ursachen f\u00fcr Mangelerscheinungen sind h\u00e4ufig vielschichtig und k\u00f6nnen in unterschiedlichen Problemlagen begr\u00fcndet sein.<\/p>\n<p>An dieser Stelle k\u00f6nnen m\u00f6gliche Ursachen lediglich exemplarisch aufgef\u00fchrt werden; eine allgemeing\u00fcltige Aussage l\u00e4sst sich nicht treffen. Es ist jedoch festzuhalten, dass h\u00e4ufig ein Zusammenspiel verschiedener Problemlagen vorliegt.\u201c<\/p>\n<p>Die meist handfesten Probleme der Eltern<\/p>\n<p>Und dann z\u00e4hlt das Sozialamt die wichtigsten auf: psychische \u00dcberlastung oder psychische Erkrankungen der Eltern, die zu Vernachl\u00e4ssigung f\u00fchren k\u00f6nnen, Suchtverhalten der Eltern, das ebenfalls mit Vernachl\u00e4ssigung einhergehen kann, finanzielle Schwierigkeiten bzw. hohe Verschuldung und fehlende oder nicht rechtzeitig gestellte Antr\u00e4ge bzw. Folgeantr\u00e4ge beim Jobcenter zur Sicherung des Lebensunterhalts.<\/p>\n<p>Was letztlich ein anderes Thema best\u00e4tigt, das die Linksfraktion immer wieder im Stadtrat zur Sprache bringt: die Armut in einem gar nicht so kleinen Teil der Stadtgesellschaft. W\u00e4hrend viele Familien, die knapp bei Kasse oder in B\u00fcrgergeldbezug sind, es trotzdem schaffen, die Kinder ordentlich zu ern\u00e4hren, auch wenn dabei lieber die Eltern verzichten, ist eine prek\u00e4re finanzielle Lage f\u00fcr manche Eltern eine \u00dcberforderung, die sie nicht gemeistert bekommen. Erst recht, wenn sich gleich mehrere Problemlagen ballen.<\/p>\n<p>Wenn der ASD aktiv wird<\/p>\n<p>Wo der ASD oder andere Sozialdienste davon erfahren, m\u00fcssen sie handeln. Wie, das erl\u00e4utert das Sozialamt so: \u201eDie blo\u00dfe Feststellung einer Mangelerscheinung f\u00fchrt nicht automatisch zur Einsch\u00e4tzung einer Kindeswohlgef\u00e4hrdung. Zun\u00e4chst wird gepr\u00fcft, ob gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr eine Gef\u00e4hrdung vorliegen. Solche Anhaltspunkte bestehen, wenn eine konkrete Gefahr f\u00fcr Leib und Leben des Kindes erkennbar ist und die Personensorgeberechtigten m\u00f6glicherweise nicht in der Lage sind, diesen Schaden selbstst\u00e4ndig vom Kind abzuwenden.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Pr\u00fcfverfahrens legt der ASD Wert darauf, die Ressourcen der Familie und des sozialen Umfeldes zu aktivieren, um beispielsweise eine Mangelern\u00e4hrung abzuwenden oder zu beheben. Oberstes Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche im Haushalt verbleiben k\u00f6nnen. In diesem Zusammenhang kann mit Schutzpl\u00e4nen gearbeitet werden.<\/p>\n<p>Im Schutzplan werden alle relevanten Beteiligten benannt, die im Alltag in Kontakt mit dem Kind stehen. Gemeinsam mit den Personensorgeberechtigten, den Netzwerkpartner\/-innen sowie den Sozialarbeiter\/-innen des ASD wird ein Schutzplan erstellt. Dieser hat einen klar definierten, zeitlich befristeten Rahmen und wird in regelm\u00e4\u00dfigen, kurzen Abst\u00e4nden mit allen Beteiligten \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p>Sollte durch diese Ma\u00dfnahmen keine Verbesserung erzielt werden k\u00f6nnen, werden weitere Hilfen im Rahmen der Hilfen zur Erziehung gepr\u00fcft. Diese reichen von ambulanten \u00fcber teilstation\u00e4re bis hin zu station\u00e4ren Ma\u00dfnahmen.\u201c<\/p>\n<p>Die finanziellen N\u00f6te ganz unten<\/p>\n<p>Aber im Detail wird eben auch deutlich, dass einige der Ph\u00e4nomene, die Volker K\u00fclow besch\u00e4ftigen, weniger mit einer Vernachl\u00e4ssigung durch die Eltern zu tun haben, sondern schlicht mit ihrer finanziellen Lage. Etwa bei der Essensbereitstellung in der Kita: \u201eVon 51 Meldungen zu einer Kindeswohlgef\u00e4hrdung aus 2024 an den ASD wurden insgesamt zwei Meldungen mit Verdacht auf Vernachl\u00e4ssigung get\u00e4tigt. Nach Pr\u00fcfung hingen diese Meldungen jedoch nicht mit einer Mangelern\u00e4hrung zusammen.<\/p>\n<p>Ein besonderes Merkmal in diesen F\u00e4llen waren Essenssperren, die durch Cateringunternehmen aufgrund offener Rechnungen der Eltern verh\u00e4ngt wurden. Die Einrichtungen stellen jedoch sicher, dass betroffene Kinder dennoch etwas zu essen erhalten. So wird am Tag der Essenssperre entweder weiterhin ein warmes Mittagessen angeboten oder auf Kaltverpflegung ausgewichen. Parallel dazu erfolgt eine R\u00fccksprache mit den Eltern mit dem Ziel, die Sperre schnellstm\u00f6glich aufzuheben.\u201c<\/p>\n<p>Man ahnt zumindest, in welcher Klemme die Eltern da stecken m\u00fcssen. Und wie dann auf einmal auch die Kinder betroffen sind, wenn das knappe Haushaltsgeld nicht hinten und nicht vorne reicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Armut in Leipzig zeigt sich auch in Kindergarten und Schule. 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