{"id":393451,"date":"2025-09-03T11:04:15","date_gmt":"2025-09-03T11:04:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/393451\/"},"modified":"2025-09-03T11:04:15","modified_gmt":"2025-09-03T11:04:15","slug":"kreator-in-hate-hope-zum-filmstart-und-autobiografie-von-mille-petrozza-heavy-metal-hat-mein-leben-gerettet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/393451\/","title":{"rendered":"Kreator in \u201eHate &#038; Hope\u201c zum Filmstart und Autobiografie von Mille Petrozza: \u201eHeavy Metal hat mein Leben gerettet\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wer ist die gr\u00f6\u00dfte deutsche Band der Welt? Rammstein? Kraftwerk? Millionen Asiaten, Amerikaner und Australier w\u00fcrden f\u00fcr Kreator stimmen. Zum 40. schenken sich die legend\u00e4ren Ruhrmetaller einen Film und eine Autobiografie, in der ihr S\u00e4nger erkl\u00e4rt, was Metal wirklich ist.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Als er mit seiner alten Band wieder in Wacken auf der B\u00fchne steht, freut Mille sich \u00fcber die jungen Menschen vor und unter ihm im Matsch. Miland \u201eMille\u201c Petrozza fragt, wie viele von ihnen vor 1989 auf die Welt kamen. Sehr viele. Mille strahlt und schreit: \u201eWir wurden ganz bestimmt vorher geboren, vor 1989!\u201c Aus dem Jahr stammt einer ihrer Klassiker, \u201eExtreme Aggressions\u201c, den er mit Kreator dann auch in den schwarzen Himmel \u00fcber Wacken donnert.<\/p>\n<p>Ein Sensorium f\u00fcr Zeitenwenden hatten Mille und <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article161609739\/Gods-of-Violence-Kreator-und-die-Moral-im-Heavy-Metal.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article161609739\/Gods-of-Violence-Kreator-und-die-Moral-im-Heavy-Metal.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kreator<\/a> immer schon. Wie Seismografen f\u00fcr die Ausbr\u00fcche eines launischen Weltgeists klangen ihre Alben.   Im Fr\u00fchherbst 2001, als in New York die T\u00fcrme angegriffen wurden, erschien \u201eViolent Revolution\u201c, als 2009 die Immobilienblasen platzten und die Banken kollabierten \u201eHordes of Chaos\u201c und 2012, als sich der Populismus in Europa aus den Schmuddelecken wagte, \u201ePhantom Antichrist\u201c. Zuletzt ver\u00f6ffentlichten sie zum Drall der Welt nach rechts \u201eHate \u00fcber alles\u201c.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man sagen, Metal, von Black \u00fcber Death und Thrash bis Heavy, sei in allen Krisen, Kriegen, Katastrophen von Natur aus nah am Nerv der Zeit mit seinen im Gesch\u00fctzdonner von Trommeln, B\u00e4ssen und Gitarren dargebotenen Untergangsszenarien. Das mag schon sein. Kreator aber w\u00e4re nie eine der gr\u00f6\u00dften deutschen Bands der Welt, der Ruhrmetall-Exportschlager schlechthin, w\u00e4ren sie nur wie alle anderen. Extrem und aggressiv. <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9XX0yEzFcrs\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9XX0yEzFcrs&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">\u201eKreator \u2013 Hate &amp; Hope\u201c<\/a>, ein warmherziges Filmportr\u00e4t von Cordula Kablitz-Post, ber\u00fchmt f\u00fcr ihre Dokumentationen heimischen Kunstschaffens, von Schlingensief bis Scooter, erkl\u00e4rt eindringlicher, was es mit den Veteranen aus dem alten deutschen Westen auf sich hat.<\/p>\n<p>Mit einer Einordnung durch internationale Zeugen f\u00e4ngt es an. Chuck Billy, S\u00e4nger der Band Testament aus Kalifornien, sagt, Kreator seien bereits vor den sogenannten Big Four dagewesen, vor Metallica und Slayer, Megadeth und Anthrax. F\u00fcr Anthrax beschreibt ihr Gitarrist Scott Ian den Thrash Metal von Kreator: \u201eEs ist nicht immer der gleiche L\u00e4rm. Ihr L\u00e4rm ist sehr verschieden!\u201c So reisen sie als Legenden um die Erde. Man sieht sie in Tokio alles M\u00f6gliche signieren und verweinte Fans umarmen. Im indischen Bangalore werden sie beim Metal-Open-Air begr\u00fc\u00dft wie G\u00f6tter.<\/p>\n<p>Mille, ein gedrungener \u00e4lterer Herr, der auf die 60 zugeht, mit gef\u00e4rbtem Haar, sieht sich inzwischen mehreren Generationen gegen\u00fcber, die in ihm einen Messias sehen. Das hat weniger mit der Musik allein zu tun, der bachschen, uhrwerkhaften Pr\u00e4zision und der Kraft der zwei Basstrommeln, die alle Welt von deutscher Wertarbeit erwartet. Es ist ihre Haltung, und es sind die Lieder, die Mille seit 40 Jahren schreibt. Oder wie J\u00fcrgen \u201eVentor\u201c Reil, sein alter Freund und Schlagzeuger, es immer noch bewundernd ausdr\u00fcckt: \u201eWat der sich so aus\u2019n Fingern saugt!\u201c<\/p>\n<p>Bereits \u201eThrash Altenessen\u201c, Thomas Schadts Dokumentarfilm, zeigte 1989, wie Kreator zu Kreator wurden. Junge, langhaarige Bandgr\u00fcnder in Leopardenstrumpfhosen beherzigten die Ratschl\u00e4ge der V\u00e4ter, sich vom sterbenden Bergbau fernzuhalten, von der Arbeit unter Tage \u00fcberhaupt, und kauften sich vom Tagelohn im Pflegedienst oder Getr\u00e4nkemarkt elektrische Gitarren. \u201eHate &amp; Hope\u201c zeigt wieder Ausschnitte. Wie einer sagt, dass Aggressionen ihn nur auch auf dem Arbeitsamt heimsuchten. Andererseits sei das Musikmachen nichts anderes, als in der Zeche zu malochen. Auch nach 40 Jahren probt die Band noch in der stillgelegten Zeche Carl. Mille und Ventor als V\u00e4ter der Band und ihre ultravirtuosen Nachz\u00fcgler Sami Yli-Sirni\u00f6, ihr Gitarrist aus Finnland seit 2001, und der Bassist Fr\u00e9d\u00e9ric Leclercq aus Frankreich seit 2019, der sich im Film von Ventor pers\u00f6nlich sein Kreator-Tattoo stechen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Passend zu \u201eHate &amp; Hope\u201c ver\u00f6ffentlicht Mille Petrozza seine Memoiren. \u201eYour Heaven, My Hell\u201c erz\u00e4hlt seine Geschichte als Sohn eines Gastarbeiters aus Kalabrien und einer republikfl\u00fcchtigen S\u00e4chsin aus der DDR. Zum einen r\u00e4umt der S\u00e4nger, Gitarrist und Dichter mit der Ruhrpott-Klischees auf: \u201eWenn ich die Augen schlie\u00dfe und an fr\u00fcher denke, sehe ich Farben, viel Natur, B\u00e4ume. Grau war nur der Winter.\u201c<\/p>\n<p>Er schreibt aber auch: \u201eDie Subkulturen der Siebziger- und Achtzigerjahre trafen in meiner Jugend auf Zechensterben, Gewalt, Alkoholismus sowie Perspektivlosigkeit auf der einen und wirtschaftlichen Aufschwung auf der anderen Seite. Heavy Metal krachte da f\u00fcr mich irgendwann einfach so rein und hat mich vermutlich vor einigem bewahrt.\u201c Sie wollten einfach anders sein als alle anderen, Mille, Ventor und ihre Kumpel, die kamen und gingen und Kreator durch die Zeiten trugen.<\/p>\n<p>Der Film zeigt sie als heimatverbundene, bodenst\u00e4ndige Weltb\u00fcrger in den veganen Restaurants zwischen Berlin und Hollywood, wenn sie in Asien ihre D\u00e4monen f\u00fcr die B\u00fchne ausblasen und ihre \u201eFlag of Hate\u201c hissen und beim \u201eKlash of the Ruhrpott\u201c mit Destruction, Sodom und Tankard in Gelsenkirchen als Teutonic Big Four auftreten. Auch dahin kommen alle, ihre Anh\u00e4nger aus Asien, Australien und Lateinamerika. Die st\u00e4rksten Szenen h\u00e4lt die Kamera in Th\u00fcringen fest, bei Weimar. Mille und Maik Weichert von Heaven Shall Burn aus Saalfeld steigen auf den Ettersberg und irren durch den Nebel der KZ-Gedenkst\u00e4tte Buchenwald. \u201eArbeit macht frei?\u201c Mille ist fassungslos. \u201eJedem das Seine?\u201c Metal als Musik entstehe aus der Wut heraus, \u00fcber das Unmenschliche, Zynische. In einer Krypta voller Sch\u00e4del und Gebeine sagt der S\u00e4nger: \u201eSatan ist real.\u201c Er sagt, ihn nerve die Stimmung im Land, menschenverachtende Parteien und ihre W\u00e4hler.<\/p>\n<p>Nicht alle, die Metal im Gro\u00dfen und Ganzen und Kreator im Speziellen m\u00f6gen, sind f\u00fcr Politik zu haben. Mille h\u00e4lt ihnen entgegen: Es gehe einfach um Humanismus. In Hymnen wie \u201eDying Planet\u201c, \u201eCrush the Tyrants\u201c und \u201eKiller of Jesus\u201c dreht sich eine Dialektik um sich selbst, um Aggression und Hass, die anspruchsvoller ist als alles, was man unter engagierter Kunst versteht. Im Metal haust das B\u00f6se. \u201eInsofern liegt eine sch\u00f6ne Ironie in der Tatsache, dass Heavy Metal f\u00fcr mich das exakte Gegenteil war\u201c, schreibt Mille in \u201eYour Heaven, My Hell\u201c: \u201eHeavy Metal hat mein Leben gerettet.\u201c Und wer wei\u00df, wie viele noch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer ist die gr\u00f6\u00dfte deutsche Band der Welt? Rammstein? Kraftwerk? 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