{"id":393968,"date":"2025-09-03T15:39:10","date_gmt":"2025-09-03T15:39:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/393968\/"},"modified":"2025-09-03T15:39:10","modified_gmt":"2025-09-03T15:39:10","slug":"muss-der-iwf-eingreifen-frankreichs-verschuldung-ist-ausser-kontrolle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/393968\/","title":{"rendered":"Muss der IWF eingreifen?: Frankreichs Verschuldung ist au\u00dfer Kontrolle"},"content":{"rendered":"<p>                    Muss der IWF eingreifen?<br \/>\n                Frankreichs Verschuldung ist au\u00dfer Kontrolle<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t              \tVon Max Borowski<br \/>\n\t\t\t\t              03.09.2025, 17:14 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p><strong>Frankreich ist Europameister im Schuldenmachen. Die Schuldenquote d\u00fcrfte auch die kommenden Jahre weiter steigen. Die Regierung beschw\u00f6rt deshalb eine Gefahr f\u00fcr Frankreichs Souver\u00e4nit\u00e4t und droht, \u00fcber ihre Sparpl\u00e4ne zu st\u00fcrzen. Wie gef\u00e4hrlich ist die Lage?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist der Finanzminister selbst, der die d\u00fcstere Warnung ausspricht: Wenn Frankreich jetzt nicht rigoros umsteuere und seine Finanzen in Ordnung bringe, drohe die zweitgr\u00f6\u00dfte Wirtschaft in eine Schuldenkrise zu st\u00fcrzen, in der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) eingreifen m\u00fcsse. Der rettet Staaten bekanntlich, wenn Investoren komplett das Vertrauen verloren haben, und sich die Regierung nicht mehr ausreichend Geld am Kapitalmarkt besorgen kann. Um dieses Szenario zu vermeiden, so Finanzminister \u00c9ric Lombard, m\u00fcsse das von ihm und Premierminister Fran\u00e7ois Bayrou vorgelegte drastische Sparprogramm unbedingt umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Kommenden Montag stellt sich Bayrou, der mit seiner Minderheitsregierung in der Nationalversammlung nicht \u00fcber eine eigene Mehrheit verf\u00fcgt, einer Vertrauensabstimmung. Sein Sturz ist wahrscheinlich. S\u00e4mtliche Oppositionsparteien haben angek\u00fcndigt, gegen den Regierungschef und seine Sparpl\u00e4ne zu stimmen.<\/p>\n<p> Sch\u00fcrt der Finanzminister lediglich \u00c4ngste, um die Abwahl der Regierung zu verhindern, oder ist Frankreich wirklich auf dem Weg in eine dramatische Schuldenkrise? <\/p>\n<p><b>Wie hoch ist Frankreich verschuldet?<\/b><\/p>\n<p>Frankreichs Schulden d\u00fcrften in diesem Jahr auf ein Niveau von 116 Prozent der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt\/BIP) erreichen. In der EU haben nur Italien und Griechenland noch h\u00f6here Schuldenberge. Allerdings sind diese ehemaligen Finanzsorgenkinder Europas dabei, ihre Verschuldungsquoten abzubauen oder haben sie zumindest stabilisiert. In Frankreich dagegen ist kein Ende des Schuldenanstiegs abzusehen. Der IWF prognostiziert einen Anstieg der Schuldenquote auf 128 Prozent im Jahr 2030.<\/p>\n<p><b>Wieso steigen Frankreichs Schulden so stark? <\/b><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Frankreich beim Schuldenstand &#8211; noch &#8211; nicht ganz vorn liegt in Europa, ist es Spitzenreiter beim Schuldenmachen. In diesem Jahr wird der Staatshaushalt, wieder einmal, ein Defizit von bis zu 5,8 Prozent des BIP aufweisen. Das entspricht einem Fehlbetrag von rund 180 Milliarden Euro und ist das h\u00f6chste Haushaltsdefizit in der EU. Selbst die drastischen und umstrittenen Sparpl\u00e4ne der Regierung Bayrou sehen auch im kommenden Jahr noch ein Defizit von 4,6 Prozent vor und erst f\u00fcr das Jahr 2029 wieder einen Haushalt, der das EU-Ziel von h\u00f6chsten 3 Prozent Neuverschuldung einh\u00e4lt. Beobachter und Analysten rechnen damit, dass das Defizit auch in den kommenden Jahren weiter \u00fcber f\u00fcnf Prozent liegen wird. <\/p>\n<\/p>\n<p><b>Wie gef\u00e4hrlich ist das?<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr seine Einsch\u00e4tzung, dass Frankreich m\u00f6glicherweise vom IWF gerettet werden m\u00fcsse, erntete Finanzminister Lombard Widerspruch, unter anderem von der Chefin der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) und ehemaligen franz\u00f6sischen Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Die Bedingungen f\u00fcr ein Eingreifen des IWF seien in Frankreich nicht gegeben. Dennoch m\u00fcsse das Land seine &#8222;\u00f6ffentlichen Finanzen in Ordnung bringen&#8220;. Diese Einsch\u00e4tzung teilen offenkundig auch die Akteure am Finanzmarkt. <\/p>\n<p>Der Spread, der Risikoaufschlag, den Investoren f\u00fcr franz\u00f6sische Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen verlangen, stieg deutlich an, als Bayrou bekannt gab sich der riskanten Vertrauensabstimmung stellen zu wollen. Die Renditen langlaufender franz\u00f6sischer Anleihen n\u00e4herten sich zuletzt denen italienischer Staatsschulden an. Das bedeutet f\u00fcr die franz\u00f6sische Regierung, dass sie deutlich h\u00f6here Zinsen zahlen muss. Sie ist allerdings weit davon entfernt, sich gar kein Geld mehr am Finanzmarkt besorgen zu k\u00f6nnen &#8211; es wird allerdings teurer, und das engt die finanziellen Spielr\u00e4ume der Regierung weiter ein.<\/p>\n<p>Die unmittelbare Gefahr liegt darin, dass die Belastung durch den Schuldendienst doppelt zunehmen d\u00fcrfte: Durch den immer weiter steigenden Schuldenstand und h\u00f6here Zinsen. Schon im kommenden Jahr d\u00fcrfte der Schuldendienst zum gr\u00f6\u00dften Ausgabenposten der franz\u00f6sischen Regierung werden. Laut Premierminister Bayrou seht die Handlungsf\u00e4higkeit und damit nicht weniger als die Souver\u00e4nit\u00e4t des Staates auf dem Spiel. <\/p>\n<p><b>Was plant die Regierung? <\/b><\/p>\n<p>Bayrou hat einen Haushalt f\u00fcr das kommende Jahr vorgelegt, der Einsparungen von 44 Milliarden Euro vorsieht. Dazu will er unter anderem Stellen im \u00d6ffentlichen Dienst abbauen, Sozialausgaben senken, Geh\u00e4lter von Staatsbediensteten und Pensionen f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre auf dem aktuellen Niveau einfrieren. Zudem sollen eine &#8222;Solidarit\u00e4tsabgabe&#8220; f\u00fcr Gutverdiener eingef\u00fchrt und zwei Feiertage abgeschafft werden. All dies w\u00fcrde allerdings keineswegs reichen, damit die Schuldenlast sinkt, sie w\u00fcrde lediglich weniger steil ansteigen in den kommenden Jahren. <\/p>\n<p><b>Was sagt die Opposition?<\/b><\/p>\n<p>Seit der Wahl im vergangenen Jahr haben linke und rechte Parteien gemeinsam eine Mehrheit in der Nationalversammlung. Da sie sich meistens nicht einig sind, kann der von Pr\u00e4sident Emmanuel Macron berufene zentristische Ministerpr\u00e4sident Bayrou gest\u00fctzt auf eine Minderheit im Parlament regieren. In ihrer Ablehnung einer einschneidenden Sparpolitik sind sich Rechte und Linke aber einig, weswegen schon Bayrous Vorg\u00e4nger Michelle Barnier keinen Haushalt verabschieden konnte und Ende vergangenen Jahres bei einem Misstrauensvotum st\u00fcrzte. Besteht Bayrou auf seinem Sparkurs, droht ihm das gleiche Schicksal. Linke Parteien und Gewerkschaften mobilisieren auch auf den Stra\u00dfen landesweit f\u00fcr Proteste gegen den Sparkurs. <\/p>\n<p><b>Wie geht es weiter?<\/b><\/p>\n<p>Die Sozialisten in der Nationalversammlung haben einen Gegenentwurf zu Bayrous Haushalt vorgelegt, der eine Reduzierung des Defizits um rund 22 Milliarden Euro vorsieht und dabei st\u00e4rker als Bayrou auf h\u00f6here Steuern und weniger auf Einsparungen setzt. Ein Kompromiss in letzter Minute ist nicht ausgeschlossen. Daf\u00fcr m\u00fcsste Bayrou wohl eine deutlich h\u00f6here Verschuldung akzeptieren, als er bisher f\u00fcr vertretbar h\u00e4lt. St\u00fcrzt Bayrou, muss Pr\u00e4sident Macron einen neuen Regierungschef ernennen oder Neuwahlen ausrufen. Gelingt es der Nationalversammlung bis Ende des Jahres nicht, ein Budget f\u00fcr 2026 zu verabschieden, d\u00fcrfte der Haushalt dieses Jahres zun\u00e4chst verl\u00e4ngert werden. Das h\u00e4tte eine ungebremste Fortsetzung der Neuverschuldung zur Folge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Muss der IWF eingreifen? 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