{"id":394208,"date":"2025-09-03T17:46:11","date_gmt":"2025-09-03T17:46:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/394208\/"},"modified":"2025-09-03T17:46:11","modified_gmt":"2025-09-03T17:46:11","slug":"doku-ueber-nrw-thrashmetalband-kreator-veganer-die-innereien-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/394208\/","title":{"rendered":"Doku \u00fcber NRW-Thrashmetalband Kreator: Veganer, die Innereien essen"},"content":{"rendered":"<p class=\"Initial paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Es kursieren viele Klischees und Vorstellungsbilder \u00fcber Metal, manche davon sind begr\u00fcndet, manche unbegr\u00fcndet. In den letzten ein, zwei Jahrzehnten hat sich zum Beispiel die Wahrnehmung verbreitet, dass Metalfans und -K\u00fcnstler:Innen ein \u00fcberdurchschnittlich gutgewillter, vielleicht knurriger, aber doch herzens\u00adwarmer Menschenschlag sein sollen.<\/p>\n<p class=\"Initial paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Was wiederum im krassen Gegensatz zum martia\u00adlischen Gestus, den Inszenierungsstrategien und auch zu der noch in den 1980ern und 1990ern vorherrschenden Annahme steht, betont b\u00f6se Musik k\u00f6nnte weite Teile der Jugend zu Satanisten mutieren lassen. Ein weiteres Diktum: Die Metal-Szene wird von \u00fcberdurchschnittlich leidenschaftlichen Fans getragen, die f\u00fcr ihre Grille keine Kosten und M\u00fchen scheuen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Beides wird vom Dokumentarfilm \u201eKreator \u2013 Hate &amp; Hope\u201c aufs Allerdringlichste best\u00e4tigt. Seine Regisseurin Cordula \u00adKablitz-Post hat die Ruhrpott-Band und da in der Hauptsache den Kreator-S\u00e4nger und Gitarristen Mille Petrozza \u00fcber ein Jahr mit der Kamera begleitet.<\/p>\n<p>      Auffe Arbeit in die Zeche Carl<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">So sehen wir etwa einen Raum des Veranstaltungsorts der \u00ad\u201eZeche Carl\u201c in Essen, in dem Kreator seit Bandgr\u00fcndung im Jahr 1982, damals zun\u00e4chst noch unter dem Namen Tyrant, (und bis heute) proben. Der Zeitstrahl des Films zeigt zur\u00fcck in die Gr\u00fcndungszeit und verl\u00e4uft dann einmal quer durch die Bandgeschichte, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Metal-Festival-Elbriot\/!5435161\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">um die Musiker vor allem unterwegs auf Tournee<\/a> rund um die Welt zu begleiten. Es geht vom Wacken Open Air in Schleswig-Holstein \u00fcber Auftritte in Tokio, Osaka, Bangalore und Los Angeles und wieder zur\u00fcck zum \u201eKlash of the Ruhrpott\u201c-Mega\u00adkonzert nach Gelsenkirchen.<\/p>\n<p>Dokumentarfilm \u00fcber Kreator<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\"><strong>\u201eKreator \u2013 Hate &amp; Hope\u201c.<\/strong> Regie: Cordula Kablitz-Post. Deutschland 2025, 110 Min.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Ebendort haben im Sommer 2024 vier der gro\u00dfen hiesigen Thrash-Metal-Bands gespielt: Tankard, Destruction, Sodom und eben Kreator. Und letztere Formation ist dann auch die einzige der Genannten, die bis heute international pr\u00e4sent bleibt und entsprechend Menschen aus aller Welt anzieht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Der \u201eKlash of the Ruhrpott\u201c musste \u00fcbrigens wegen Unwetter abgebrochen werden, und das Leid in den Gesichtern der Fans, die f\u00fcr den Abend teilweise \u00fcber tausende Kilometer angereist waren, ist herzerweichend. Man sieht in \u201eHate &amp; Hope\u201c sehr sch\u00f6n, wie die Metal-Szene funktioniert. Weltweit gelten die gleichen Insignien und Codes, eine Community, vereint im streng strukturierten Krach.<\/p>\n<p>      Der Protagonist als guter Mensch<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Der Film ist aber nicht nur eine Hommage an eine besonders lustige und ber\u00fchrende Ecke der Popkultur, sondern auch ein Portr\u00e4t der Integrationsfigur, Kreator-S\u00e4nger und Songschreiber Mille Petrozza. Hier bewahrheitet sich dann die Vermutung, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Hardrocksaenger-Ozzy-Osbourne-ist-tot\/!6102516\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dass drastische K\u00fcnstler nicht zwangsl\u00e4ufig grenz\u00fcberschreitende oder anderweitig extreme oder unangenehme Menschen sein m\u00fcssen<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"10\">In den Songtexten ihrer Fr\u00fchphase und auch bis heute wurden von Kreator immer wieder Sodom und Gomorrha beschworen. In einem der ewigen Klassiker, \u201eFlag of Hate\u201c, immer noch gerne live gespielt, keift Mille Petrozza alles, was Ohren hat, in Grund und Boden: \u201eI\u2019ll eat your intestines \u2013 no matter if you pray or please \/ I\u2019ll bring you down to your knees \/ Tonight you\u2019re gonna meet your fate \/ You\u2019ll try to run but it\u2019s too late\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"11\">Im Kontrast dazu sieht man vor der Kamera einen in sich ruhenden, sich ohne Weiteres vegan ern\u00e4hrenden Menschen. Zur Gewaltlyrik kam sehr bald in der Bandgeschichte dann auch ein f\u00fcr die deutsche Metal\u00adszene ungewohnt unmissverst\u00e4ndlicher antifaschistischer Einschlag hinzu. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Tocotronic-spielten-in-Berlin\/!5883441\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">In einer Szene tr\u00e4gt Mille ein Band-T-Shirt von Tocotronic (\u201eJugend ohne Gott gegen Faschismus\u201c),<\/a> und es geht einem ein weiteres Mal das Herz auf.<\/p>\n<p>      Buddhistisch gelassen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"13\">Die Diskrepanz zwischen so etwas wie \u201eMy greed for blood is growing more and more \/ My aggressions became too extreme to be kept under control\u201c und dem nahbaren Auftreten und Erscheinen der Sympathen in \u201eHate &amp; Hopes\u201c jedenfalls ist immer wieder sehr bezaubernd, und man ist am Ende des Films geneigt, wieder an l\u00e4ngst ad acta gelegte Ideen von Katharsis zu glauben: Was man auf der B\u00fchne und im Studio, also in der Kunst, symbolisch ausagiert, muss im Leben dann keine Rolle mehr spielen, als Impuls oder Fantasie. Und die vier von Kreator wirken wie ein einziger Ausbund buddhistischer Gelassenheit.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"14\">Die Musik tut ihr \u00dcbriges: Der hyperaggressive Hochgeschwindkeitsmetal mit Punkeinschlag, den die Band bis heute, nach ein paar Suchbewegungen in den neunziger und nuller Jahren wieder spielt, ballert ungemein und formt walzenartige Musik. Und dieser Sound ist inzwischen \u2013 auch das deutet der Film an \u2013, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Musikfestival-in-Duisburg\/!6039486\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zum kanonischen Kulturgut der Ruhrregion nach Schlie\u00dfung der Bergwerke geworden<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"15\">Kreator ist einer der wenigen deutschen international pr\u00e4senten popkulturellen Exportschlager. Was auch deswegen sch\u00f6n ist, weil die Musik von Kreator nicht t\u00fcmelt, sondern im Rahmen einer schon in den achtziger Jahren \u00fcber Mailorder und Brieffreundschaften international vernetzten Szene entstanden ist.<\/p>\n<p>      L\u00e4rm, immer anders<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"17\">\u201eHate &amp; Hope\u201c hat als Dokfilm keine These und liefert auch keine Metaerz\u00e4hlung, die er der Band \u00fcberst\u00fclpt. Dabei werden Menschen einfach mit der Kamera beobachtet, wie sie mit ihren H\u00e4nden Kunstvolles erschaffen, n\u00e4mlich mitrei\u00dfenden Krach (\u201eEs ist nicht einfach immer nur derselbe L\u00e4rm. Es ist immer anderer L\u00e4rm\u201c, bekundet der Kollege Scott Ian von der US-Band Anthrax im Interview anerkennend), und \u00fcber die Arbeit, ihre Kunst sprechen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"18\">Eine Erz\u00e4hlung \u00fcber Pop in der Klassengesellschaft gelingt Regisseurin Cordula Kablitz-Post implizit dann aber doch. F\u00fcr Menschen, die als S\u00f6hne von Gastarbeitern in einer sich im steten \u00f6konomischen Sinkflug befindenden Region aufgewachsen sind, ist eigentlich weltweiter Erfolg nicht vorgesehen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-23\" pos=\"19\">Das ist eine weitere Ebene, auf der \u201eHate &amp; Hope\u201c ganz ausgezeichnet funktioniert: Mit den denkbar schlimmsten Texten und der f\u00fcr Genre-unge\u00fcbte Ohren f\u00fcrchterlichsten Musik aus einer sogenannten abgeh\u00e4ngten Region ausbrechen und mit der Sache nicht wenig Geld verdienen, die man liebt und die man unheimlich gut kann. Die beste Rache von Kreator ist ihr gutes Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es kursieren viele Klischees und Vorstellungsbilder \u00fcber Metal, manche davon sind begr\u00fcndet, manche unbegr\u00fcndet. 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