{"id":39474,"date":"2025-04-17T15:53:09","date_gmt":"2025-04-17T15:53:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/39474\/"},"modified":"2025-04-17T15:53:09","modified_gmt":"2025-04-17T15:53:09","slug":"chemnitz-stueck-blickt-auf-holocaust-vertreibung-und-eine-schmerzhafte-familiengeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/39474\/","title":{"rendered":"Chemnitz: St\u00fcck blickt auf Holocaust, Vertreibung und eine schmerzhafte Familiengeschichte"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nGundula Hoffmann spricht von einer Reise in die eigene Vergangenheit ihrer Familie, auf die sich da begeben hat. Auf dieser Reise begleiten sie ihre beiden Mitspieler Arne von Dorsten und Jakob Ferdinand Lenk sowie die Autorin und Regisseurin Karen Breece. Die in Deutschland lebende Amerikanerin ist auf diese Art dokumentarisch-politisches Theater spezialisiert, das auf intensiven Recherchen und Gespr\u00e4chen basiert.\n<\/p>\n<p><a name=\"Risikoreiche\">Risikoreiche<\/a> Reise in die Familien-Biografie<\/p>\n<p class=\"text\">\nBislang hat Breece das an gro\u00dfen B\u00fchnen wie dem <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/gittersee-premiere-charlotte-gneuss-kultur-news-100.html\" title=\"&quot;Gittersee&quot;: Premiere am Berliner Ensemble erinnert an Stasi und Republikflucht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berliner Ensemble<\/a>, der Schaub\u00fchne am Lehniner Platz, am Volkstheater in Wien oder den M\u00fcnchner Kammerspielen getan. Nun ist sie das erste mal in Chemnitz mit Menschen und Puppen unterwegs auf dieser Reise. Das europ\u00e4ische <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausflug-tipps\/chemnitz-kulturhauptstadt-highlights-kunst-musik-literatur-104.html\" title=\"Kulturhauptstadt Chemnitz: 22 Highlights im Programm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kulturhauptstadtjahr<\/a> macht es m\u00f6glich.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nKonkret geht es um das Leben des Gro\u00dfvaters von Gundula Hoffmann in den 1940er-Jahren. Der aus dem <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/zweiter-weltkrieg\/1945\/odsun-goerlitz-sudetendeutsche-vertreibung-flucht-sudetenland-100.html\" title=\"1945: Warum G\u00f6rlitz Fl\u00fcchtlinge aus dem Sudetenland zur\u00fcckwies\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sudetenland<\/a> stammende Mann war in Reichenberg, dem heutigen Liberec, ein sehr beliebter Arzt. 1942 wurde er als sogenannter &#8222;Seuchenarzt&#8220; ins galizische Lemberg versetzt \u2013 ein Zentrum j\u00fcdischen Lebens, dass die Nazis zu einem <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/religion\/emanuel-ringelblum-archiv-warschauer-ghetto-100.html\" title=\"Der j\u00fcdische Blick: Zeugnisse \u00fcber das Leben im Warschauer Ghetto\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ghetto<\/a> umfunktionierten.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWas auch immer der Gro\u00dfvater dort getan hat \u2013 nach dem Krieg wurde er verhaftet, es gab offenbar einen Gerichtsprozess \u2013 war sp\u00e4ter kein Thema in der Familie. Dar\u00fcber sprach man nicht. Und das hatte offensichtlich seine Wirkung. Eine, die bis in die Enkelgeneration nachhalt. Hier setzt die Inszenierung an, in der Fragen gestellt werden, die bislang unbeantwortet blieben und auch nicht schlussendlich gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen.\n<\/p>\n<p><a name=\"Der\">Der<\/a> lange Schatten des <strong>Nationalsozialismus <\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nVor allem Gundula Hoffmann ist wichtig, dass es dabei niemals darum ging, hier nachtr\u00e4glich jemanden zu verurteilen, sondern herauszubekommen, was das damalige Tun in dunkler Zeit mit dem eigenen Sein im hier und heute zu tun haben k\u00f6nnte: &#8222;Es ist keine Nabelschau in eigener Sache. Uns geht es um das Exemplarische, das f\u00fcr eine ganze Generation steht&#8220;, erkl\u00e4rt die Puppenspielerin.\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Es ist keine Nabelschau in eigener Sache. Uns geht es um das Exemplarische, das f\u00fcr eine ganze Generation steht.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nEs werden Fragen gestellt, die der Enkelgeneration vielleicht nicht leichter in den Sinn kommen, aber lockerer \u00fcber die Lippen gehen, als es der vom Krieg unmittelbar traumatisierten Elterngeneration m\u00f6glich war. F\u00fcr diese Kriegsgeneration steht im St\u00fcck speziell der Onkel von Gundula Hoffman.\n<\/p>\n<p>Der Clou: <a name=\"Eine\">Eine <\/a>Puppe, drei Puppenspieler<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie vierte lebensechte, stumme, aber im Zusammenspiel des kleinen Chemnitzer Teams umso beredtere Puppe, wird meist von zwei, mitunter auch von allen drei Puppenspielern gespielt.\u00a0&#8222;Ich vergleiche das immer mit dem Tanz, dass jeder voneinander wissen muss, welche Bewegung er ausf\u00fchrt, dass wirklich eine Figur daraus entsteht, ohne, dass man sich immer absprechen muss&#8220;, erkl\u00e4rt Hoffmann.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas komplexe Zusammenspiel ist f\u00fcr sie und ihre beiden Kollegen im Endeffekt technisch kein Problem und ein echter Hingucker der Inszenierung. Mit dem St\u00fcck hatte aber speziell Gundula Hoffmann dann aber doch so ihre Probleme: Denn so viel pers\u00f6nliche N\u00e4he hat sie in noch keiner ihrer bisherigen Arbeiten versp\u00fcrt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nKein Wunder also, dass sie wegen dieses zus\u00e4tzlichen Lampenfieber-Faktors ihre Eltern gebeten hat, nicht zur Premiere zu kommen. Danach aber, das hat sie ihrer gesamten Familie geschrieben, k\u00f6nnen alle kommen, wenn auch sie sich mit dieser Geschichte auseinandersetzen wollen \u2013 einer Geschichte, die der Puppenspielerin vielleicht ja so etwas wie die Rolle ihres Lebens beschert hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gundula Hoffmann spricht von einer Reise in die eigene Vergangenheit ihrer Familie, auf die sich da begeben hat.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":39475,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1851],"tags":[2770,3364,29,548,663,3934,553,20411,30,20409,13,9681,20410,66,81,14,20408,15,859,12,20412],"class_list":{"0":"post-39474","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-chemnitz","8":"tag-chemnitz","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-familie","15":"tag-figurentheater-chemnitz","16":"tag-germany","17":"tag-gundula-hoffmann","18":"tag-headlines","19":"tag-holocaust","20":"tag-karen-breece","21":"tag-kulturnachrichten","22":"tag-mdr","23":"tag-nachrichten","24":"tag-nationalzsozialismus","25":"tag-news","26":"tag-sachsen","27":"tag-schlagzeilen","28":"tag-schoah"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114354114000234395","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39474","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=39474"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39474\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/39475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=39474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=39474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=39474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}