{"id":396054,"date":"2025-09-04T11:16:13","date_gmt":"2025-09-04T11:16:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/396054\/"},"modified":"2025-09-04T11:16:13","modified_gmt":"2025-09-04T11:16:13","slug":"wir-essen-zu-viel-tierisches-easac-report-zum-thema-fleischalternativen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/396054\/","title":{"rendered":"Wir essen zu viel Tierisches: EASAC-Report zum Thema Fleischalternativen"},"content":{"rendered":"<p>Vegetarier:innen und Veganer:innen hatten es lange schwer, in Gasth\u00e4user zu gehen: Sie wurden mit Beilagen abgespeist, von denen sie nicht sicher sein konnten, in welchem Fett sie geschwommen sind. In Sachen Alternativen zu fleischlicher Ern\u00e4hrung hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Das Angebot ist auch in den Superm\u00e4rkten deutlich gewachsen, neue Kochb\u00fccher zeigen den enormen Variantenreichtum von pflanzlichen Produkten. Vor allem eine j\u00fcngere Generation ist sich bewusst, dass Fleischkonsum nicht nur Tierleid bedeutet, sondern auch f\u00fcr den Planeten problematisch ist: Die Umstellung auf eine pflanzliche Ern\u00e4hrung k\u00f6nnte zwischen 20 und 47 Prozent der ern\u00e4hrungsbedingten Treibhausgasemissionen einsparen.\u00a0<\/p>\n<p>Das best\u00e4tigt auch der neue Report des European Science Advisory Council (EASAC), dessen Gesch\u00e4ftsstelle an der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften (\u00d6AW) angesiedelt ist. Darin befassen sich Europas Wissenschaftsakademien mit dem Thema Fleischersatz.\u00a0 Hanna L. Tuomisto ist eine der Autor:innen des Reports und Professorin f\u00fcr nachhaltige Ern\u00e4hrungssysteme an der Universit\u00e4t Helsinki. Im Gespr\u00e4ch erkl\u00e4rt sie, welche Vorteile Fleischersatz hat, aber auch welche H\u00fcrden es noch zu bew\u00e4ltigen gibt. \u201eGrunds\u00e4tzlich beobachten wir, dass trotz dieser pflanzlichen Alternativen der Fleischkonsum nicht sinkt, sondern konstant hoch bleibt\u201c, so Tuomisto.<\/p>\n<p>Interesse an pflanzlichen Alternativen gestiegen<\/p>\n<p><strong>Hat sich das Kosum:innenverhalten in Sachen Fleischalternativen in den letzten Jahren ver\u00e4ndert? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Hanna L. Tuomisto:<\/strong> Definitiv hat das Interesse der Verbraucher:innen an pflanzlichen Lebensmitteln und Fleischalternativen zugenommen. Es wurde viel in den Medien berichtet, das Bewusstsein f\u00fcr Umweltfragen ist gewachsen. Der Klimawandel wird auch im t\u00e4glichen Leben der Menschen immer sichtbarer. Wir erleben mehr D\u00fcrren und \u00dcberschwemmungen und mehr hei\u00dfe Tage, besonders junge Menschen machen sich mehr Sorgen \u00fcber die Zukunft, um Umwelt und Tierrechte. Auch gesundheitliche Gr\u00fcnde spielen zunehmend eine Rolle daf\u00fcr, dass auf Fleisch verzichtet wird.<\/p>\n<p><strong>Hat die Qualit\u00e4t der Fleischersatz-Produkte zugenommen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tuomisto:<\/strong> Auf jeden Fall. Die Verf\u00fcgbarkeit verschiedener Arten von Fleischalternativen und die Qualit\u00e4t sind in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen. Es gibt immer wieder Trends, die unser Essverhalten beeinflussen, so wurde rotes Fleisch als weniger gesund angesehen. Deshalb ist der Verbrauch an H\u00fchnerfleisch gewachsen. Eine Zeit lang waren an Kohlenhydraten-arme Di\u00e4ten sehr in, seitdem ist der Proteinkonsum am Steigen, was wahrscheinlich auch mit der Fitness-Kultur und dem Muskelaufbau zu tun hat. Es gibt in Finnland sogar ein Protein-Brot und andere Produkte, die damit werben, dass sie proteinreich sind.<\/p>\n<blockquote class=\"big-quote\">\n<p>Die Fleischlobby wehrt sich gegen h\u00f6here Preise.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Was bedeutet das f\u00fcr den Fleischkonsum?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tuomisto:<\/strong> Grunds\u00e4tzlich beobachten wir, dass trotz dieser pflanzlichen Alternativen der Fleischkonsum nicht sinkt, sondern konstant hoch bleibt. Es mag am Wohlstand liegen, dass mehr Fleisch konsumiert wird. Aber auch daran, dass Fleisch noch immer sehr g\u00fcnstig ist. Die Fleischlobby wehrt sich gegen h\u00f6here Preise. Viele Menschen sind sich der negativen Auswirkungen des Fleischkonsums auf die Umwelt nach wie vor nicht bewusst. Aber auch die Verf\u00fcgbarkeit ist ein Thema, grunds\u00e4tzlich haben Superm\u00e4rkte in Gro\u00dfst\u00e4dten ein besseres Angebot an\u00a0 Fleischalternativen.<\/p>\n<p>Insekten als Futtermittel<\/p>\n<p><strong>Im EASAC-Report ist auch die Rede von Insekten als Nahrungsquelle.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tuomisto: I<\/strong>n Finnland haben sogar einige Viehz\u00fcchter auf Insekten umgestellt, die vorher Gefl\u00fcgel- oder Schweinefarmen waren. Die Menschen waren neugierig darauf, diese Produkte zu probieren. Deshalb stieg die Nachfrage nach Insekten. Aber das Interesse hielt nicht lange an, die Menschen haben Insekten nicht regelm\u00e4\u00dfig konsumiert. Deshalb werden Insekten in Europa inzwischen eher als Futtermittel eingesetzt.\u00a0<\/p>\n<blockquote class=\"big-quote\">\n<p>Grunds\u00e4tzlich w\u00e4re es wichtig, auch in Schulkantinen und in Betrieben pflanzenbasierte Alternativen anzubieten, die gut schmecken und vielf\u00e4ltig sind.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Was m\u00fcsste sich \u00e4ndern, damit der Fleischkonsum sinkt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tuomisto:<\/strong> Neue Proteinquellen k\u00f6nnten dazu beitragen, die Qualit\u00e4t von Fleischalternativen zu verbessern. Dazu geh\u00f6ren nicht nur Mikroben, die darauf programmiert sind, Milch- oder Eiwei\u00dfproteine zu synthetisieren, sondern auch die Kultivierung tierischer Zellen zur Herstellung von kultiviertem Fleisch und Fisch, aber auch zellkultivierte Pilze, Algen und Pflanzenzellen. Technologien zur Zellkultivierung nutzen die F\u00e4higkeiten von Zellen, sich zu vermehren, so kann man Fleischgewebe au\u00dferhalb des Tierk\u00f6rpers herstellen. Allerdings sind viele dieser Produkte in Europa noch nicht zugelassen. Die Verfahren dauern in der EU sehr lange. Grunds\u00e4tzlich w\u00e4re es wichtig, auch in Schulkantinen und in Betrieben pflanzenbasierte Alternativen anzubieten, die gut schmecken und vielf\u00e4ltig sind. Aufkl\u00e4rungs- und Informationskampagnen f\u00fcr Verbraucher:innen \u00fcber die gesundheitlichen Vorteile pflanzlicher Ern\u00e4hrung w\u00fcrden auch helfen.<\/p>\n<p><strong>Welche Vorteile sind das?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tuomisto:\u00a0<\/strong>Um nur einige Beispiele zu nennen: Sie f\u00f6rdern die Herzgesundheit, man hat ein geringeres Risiko f\u00fcr Typ-2-Diabetes. Nahrungsfasern, auch Ballaststoffe genannt, sind wichtig f\u00fcr die Verdauung und k\u00f6nnen sich positiv auf den Stoffwechsel auswirken. Unges\u00e4ttigte Fetts\u00e4uren k\u00f6nnen helfen, den Cholesterinspiegel zu senken.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vegetarier:innen und Veganer:innen hatten es lange schwer, in Gasth\u00e4user zu gehen: Sie wurden mit Beilagen abgespeist, von denen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":396055,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1834],"tags":[3364,29,3688,597,30,1209],"class_list":{"0":"post-396054","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-essen","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-essen","11":"tag-forschung","12":"tag-germany","13":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115145748378985380","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/396054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=396054"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/396054\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/396055"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=396054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=396054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=396054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}