{"id":396091,"date":"2025-09-04T11:36:11","date_gmt":"2025-09-04T11:36:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/396091\/"},"modified":"2025-09-04T11:36:11","modified_gmt":"2025-09-04T11:36:11","slug":"berlin-tag-macht-wenn-bullshit-baerbel-den-kanzler-disst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/396091\/","title":{"rendered":"Berlin Tag &#038; Macht: Wenn &#8222;Bullshit&#8220;-B\u00e4rbel den Kanzler disst"},"content":{"rendered":"<p><strong>Und t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Merzeltier: Man kann \u00fcber D\u00f6nerfotos, Robbenbabys, die Kl\u00f6ckner von Notre Dame, gefeuerte Volljuristinnen, Putin-Propaganda, Alice Weidel, Fu\u00dfball und Stefan Raab schreiben. Aber wenn B\u00fcrgergeld auf Bullshit triff, geht es am Ende doch immer wieder nur um den Kanzler.<\/strong><\/p>\n<p>Woche f\u00fcr Woche verbarrikadiere ich mich mit meinem zu Recht unterbezahlten 70-k\u00f6pfigen politischen Observierungsteam in einem RTL-Konferenzraum und berate \u00fcber das Thema f\u00fcr die neue Episode #BerlinTagUndMacht. Zumindest, wenn wir einen Raum finden, in dem nicht gerade hektisch diskutiert wird, was man denn jetzt eigentlich mit Stefan Raab anfangen soll. Dort gehen wir der Frage &#8222;Was ist in den vergangenen sieben Tagen im Regierungsviertel passiert?&#8220; minuti\u00f6ser nach als die Vorst\u00e4nde der Porsche AG der Frage: &#8222;DAX &#8211; Was kommt eigentlich danach?&#8220;<\/p>\n<p>Und dennoch: Jede Woche landen wir fr\u00fcher oder sp\u00e4ter erneut bei einer Person: Friedrich Merz. Jetzt k\u00f6nnte man sagen: Das ist nicht unbedingt so verwunderlich wie zum Beispiel die Transferpolitik von Borussia Dortmund. Immerhin ist Merz Kanzler. Auch wenn sich inzwischen 78 Prozent aller B\u00fcrgerinnen (M\u00e4nner sind mitgemeint) unzufrieden mit seiner Arbeit zeigen. Das jedenfalls protokolliert der aktuelle &#8222;Deutschlandtrend&#8220;. Nur noch 22 Prozent Zustimmung. <\/p>\n<\/p>\n<p>Da h\u00e4tte sogar Olaf Scholz mehr. Selbst wenn er gerade dabei erwischt worden w\u00e4re, wie er &#8222;Besser Cum-Ex als Ex on the Beach&#8220; an das Eingangsportal der Berliner RTL-Residenz schmiert. Mit Blut. Von zuvor von ihm live auf Instagram eigenh\u00e4ndig erw\u00fcrgten Robbenbabys. Zu Merz&#8216; Erbauung: <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Linke-ziehen-erstmals-an-Gruenen-vorbei-AfD-weiter-vorne-article26003325.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">Im neuen RTL\/ntv-Trendbarometer<\/a> kommt der Kanzler nicht gut, aber deutlich besser weg.<\/p>\n<p>Die Kl\u00f6ckner von Notre Dame<\/p>\n<p>Somit gibt es ausreichend wissenschaftlich fundiert diagnostizierte Gr\u00fcnde, warum es immer der bodenst\u00e4ndige Selfmade-Million\u00e4r aus dem sauerl\u00e4ndischen Mittelstand ist, der in dieser renommiertesten Analysekolumne des Landes auftaucht. Dennoch m\u00f6chte ich vermeiden, dass zuk\u00fcnftige Generationen bei der universit\u00e4ren Revision meines Werkes versehentlich davon ausgehen, ich w\u00e4re die Biografin von Friedrich Merz. Was also tun, um von Merz loszukommen?<\/p>\n<p>Randnotizen wie &#8222;Gr\u00fcne fallen in der W\u00e4hlergunst auf Platz f\u00fcnf zur\u00fcck&#8220; oder reichweitenvernichtenden Rohrkrepierern wie &#8222;S\u00f6der isst wieder totgegrillte Teilkadaver&#8220; sind keine Alternative. Die Gr\u00fcnen regieren nicht mehr und von S\u00f6der gibt es inzwischen mehr Fotos mit D\u00f6nern als FDP-W\u00e4hler. Was bleibt also, um diese Kolumne kurz und merzlos zu gestalten? <\/p>\n<p>Eine Variante w\u00e4re, sich eine Rampe f\u00fcr unterdurchschnittliche Wortwitze zu bauen. Per desastr\u00f6sem Boomer-Gag k\u00f6nnten neue Hauptdarsteller aus dem Regierungsviertel ins Revisionsschaufenster gestellt werden. Die Kl\u00f6ckner von Notre Dame etwa. Feinliterarischer Sprachwitz, so anmutend wie ein Saunaabend mit Donald Trump.<\/p>\n<p>Stichwort Julia Kl\u00f6ckner. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte die Bundestagsvizepr\u00e4sidentin zuletzt allen Mitgliedern des Bundestags untersagt, in ihren Abgeordnetenb\u00fcros Fotos von ihr und J\u00f6rg Pilawa aus dem Fenster zu h\u00e4ngen. Nun war Julia Kl\u00f6ckner mal Weink\u00f6nigin, trotzdem hat sie noch nie jemand heulen sehen. Man kann es also drehen und wenden, wie man m\u00f6chte: Am Ende ist man doch wieder bei Merz.<\/p>\n<p>Fritze Klein, ging allein, in die Weidel Welt hinein<\/p>\n<p>Der hat diese Woche wieder f\u00fcr ordentlich Stammtisch-Herzrasen gesorgt. Am h\u00f6chsten schlugen die Wellen der Kommentarspalten-Emp\u00f6rungsflut hierzu: &#8222;Putin ist ein Kriegsverbrecher.&#8220; Da war Schnappatmungs-Kirmes in den Berliner Au\u00dfenb\u00fcros des Kreml-Propaganda-Ministeriums. Allen voran die Jeanne d&#8217;Arc des Rechtspopulismus, Alice Weidel. Kaum von ihrem Ausflug ins lupenreine Verschw\u00f6rungstheorie-Milieu zur\u00fcck (&#8222;die Anzahl der toten AfD-Politiker in NRW ist statistisch fast unm\u00f6glich&#8220;), verlas sie umgehend das neueste Merz-Memo ihrer Moskauer PR-Agentur: &#8222;Dieser Kanzler ist ein Sicherheitsrisiko!&#8220; Orientiert man sich ausschlie\u00dflich an Putins Demokratieverst\u00e4ndnis, ist es vermutlich normal, anzunehmen, Politiker mit kontr\u00e4rer Meinung w\u00fcrden per Liquidierung aus dem Konkurrenzverkehr gezogen.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man einwenden, das weitaus gr\u00f6\u00dfere Sicherheitsrisiko f\u00fcr unser Land sei eine gesichert rechtsextremistische Partei. Aber das mache ich nicht. Sonst erhalte ich wieder 1500 hochkar\u00e4tig formulierte Mails von flei\u00dfigen AfD-Ultras mit zu viel intellektueller Tagesfreizeit, die mir versichern, ich k\u00f6nne Weidel nicht das Wasser reichen. Das ist derartige Zeitverschwendung, da widme ich mich lieber den letzten 3000 Instagram-Schnappsch\u00fcssen, auf denen Markus S\u00f6der den Facettenreichtum bayrischer Schweinswurstdelikatessen zelebriert.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend wenig Emp\u00f6rungslyrik zur Kriegsverbrecher-Beichte des Kanzlers h\u00f6rt man derweil von den Hufeisenschwesterparteien der AfD, den Linken und dem BSW. Vermutlich werden dort gerade aus den Barrikaden, auf die der politische Sozialismusadel sonst stets zuverl\u00e4ssig steigt, sobald irgendwo Kritik an Russland ge\u00fcbt wird, weitere Holzboote f\u00fcr die Gaza-Flotilla gezimmert.<\/p>\n<p>Bas soll das?<\/p>\n<p>Hochmotiviert bis in die f\u00fcr 12.000 Euro gestylten Haarspitzen gelangen Merz im Verlauf der Woche m\u00fchelos weitere diskussionskatalysatorisch brisante Einlassungen. Zu ausufernden Kosten beim B\u00fcrgergeld etwa: &#8222;Wir leben seit Jahren \u00fcber unsere Verh\u00e4ltnisse. So kann es nicht bleiben&#8220;. Einen ersten Vorsto\u00df, wie Ver\u00e4nderungen aussehen k\u00f6nnten, hatte er ebenfalls im Sozialgep\u00e4ck: Zuk\u00fcnftig m\u00fcssten 10 Prozent eingespart werden. Die sozialdemokratische Alliterationsikone B\u00e4rbel Bas (immerhin Bundesarbeitsministerin) h\u00e4lt derartige Sozialsystem-Panik \u00fcbrigens f\u00fcr &#8222;Bullshit&#8220;. Willkommen in der stabilsten Regierungskoalition seit der Lindner-D-Day-Ampel.<\/p>\n<p>Derartig in Fahrt spendierte Merz der staunenden Nation direkt weitere Theorien, warum der Sozialstaat in seiner aktuellen Version nicht mehr finanzierbar ist: &#8222;Wir arbeiten 200 Stunden weniger als die Schweizer&#8220;. Da geht nat\u00fcrlich ein Raunen durch die &#8222;Tax the Rich&#8220;-Bubble. Alle anderen sind so verwirrt, dass sie vermutlich kurzzeitig denken, Merz k\u00f6nne eventuell Melanie Schweizer meinen. &#8222;H\u00e4, wen?&#8220;, fragt man da zu Recht. Daher an dieser Stelle ein kurzer Serviceeinschub: Die 1988 geborene Nahostexpertin Melanie Schweizer ist Volljuristin. Voll jetzt im Sinne von zweites Jura-Staatsexamen.<\/p>\n<p>Arbeit muss sich wieder Melonen<\/p>\n<p>Die Schweizer (Melanie) arbeitet mittlerweile mindestens 200 Stunden weniger als die Schweizer (Eidgenossen). N\u00e4mlich gar nicht mehr. Bis zum 28. Februar war sie im Bundesarbeitsministerium t\u00e4tig, damals noch unter Hubertus Heil. Ihr Hang zur Schoah-Verharmlosung (&#8222;Gaza ist das gr\u00f6\u00dfte Konzentrationslager der Welt&#8220;) und andere antisemitische Ausf\u00e4lle brachten ihr den Hauptgewinn in der FAFO-Lotterie: Entlassung als Beamtin. FAFO \u00fcbrigens (das f\u00fcr alle Politikexperten ohne popkulturellen Hintergrund) ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr &#8222;F**k around, find out&#8220;. Zu deutsch etwa: Mach ruhig, wenn du das Echo vertragen kannst.<\/p>\n<p>Um sich geb\u00fchrend beim Polit-Establishment zu r\u00e4chen, trat Melanie Schweizer f\u00fcr die selektivpazifistische Splitterpartei MERA25 als Bundestagskandidatin an. Eine wohltuend gem\u00e4\u00dfigt israelkritische Partei, die zuweilen Salman Abu-Sitta auf ihren Veranstaltungen hofiert. Einen Historiker, der Hamas glorifiziert und stolz verk\u00fcndet, er h\u00e4tte gerne am Terroranschlag des 7. Oktobers teilgenommen. Nun wird Rache am besten kalt serviert. Sollte das zutreffend sein, ist bei Melanie Schweizer Tropenklima. Nur ungef\u00e4hr zwei Dutzend W\u00e4hler verirrten sich mit ihrem Kreuz zu MERA25, der einzigen Partei mit der Nettozahl ihrer Sympathisanten im Parteinamen.<\/p>\n<p>Aber ich schweife ab. Es geht hier um richtige Politiker. Friedrich Merz vornehmlich. Seine Bilanz sieht fast so ramponiert aus wie die Verkaufszahlen von Tesla. Vor der Wahl versprach er, die AfD zu halbieren, nie Mehrheiten mit ihr zu schaffen, die Schuldenbremse einzuhalten, die Stromsteuer f\u00fcr alle zu senken, illegal Einreisende an der Grenze abzuweisen und die M\u00fctterrente zu erh\u00f6hen. Regiert hat er bislang umgekehrt proportional zu diesen Ank\u00fcndigungen. Inzwischen sind die meisten CDU-Stammw\u00e4hler erleichtert, dass Merz nie angek\u00fcndigt hatte, er w\u00fcrde das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln.<\/p>\n<p>In der Koalition bleibt man dennoch optimistisch. Vize-Kanzler Klingbeil verk\u00fcndete j\u00fcngst, er sei &#8222;zuversichtlich, dass wir besser aus dem Sommer rauskommen, als wir reingegangen sind&#8220;. Das ist auch bitter n\u00f6tig. 78 Prozent der Deutschen scheinen bei der Bewertung der bisherigen Regierungsleistung eher B\u00e4rbel Bas zitieren zu wollen als in Euphorie zu verfallen. Ob sich das kommende Woche \u00e4ndert, erfahren Sie dann hier als Erstes. Also, wenn ein Raum frei ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Und t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Merzeltier: Man kann \u00fcber D\u00f6nerfotos, Robbenbabys, die Kl\u00f6ckner von Notre Dame, gefeuerte Volljuristinnen, Putin-Propaganda,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":396092,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[32036,296,384,29,775,30,28296,16,640,13527],"class_list":{"0":"post-396091","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-baerbel-bas","9":"tag-berlin","10":"tag-buergergeld","11":"tag-deutschland","12":"tag-friedrich-merz","13":"tag-germany","14":"tag-julia-kloeckner","15":"tag-politik","16":"tag-rtl","17":"tag-stefan-raab"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115145826994254324","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/396091","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=396091"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/396091\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/396092"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=396091"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=396091"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=396091"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}