{"id":396544,"date":"2025-09-04T15:41:16","date_gmt":"2025-09-04T15:41:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/396544\/"},"modified":"2025-09-04T15:41:16","modified_gmt":"2025-09-04T15:41:16","slug":"vom-schutzraum-zur-pilzfarm-der-mysterioese-bunker-in-zehlendorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/396544\/","title":{"rendered":"Vom Schutzraum zur Pilzfarm \u2013 der mysteri\u00f6se Bunker in Zehlendorf"},"content":{"rendered":"<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Seit Beginn des <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/ukraine-krieg\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine<\/a> sind sie wieder zum Thema geworden: Zivilschutzbauten, Schutzr\u00e4ume oder einfach Bunker genannt. Eine Zeitenwende \u2013 doch die hat Deutschland im Bereich des Bunkerbaus schon ein paar Mal erlebt. Erster Akt: Der Zweite Weltkrieg. Nachdem alliierte Bomber 1940 die Verwundbarkeit der \u201eHeimatfront\u201c demonstriert hatten, r\u00fcstete das Dritte Reich eilig nach. Milit\u00e4r und Wirtschaft wurde eingebunkert und f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung ein Bunkerprogramm aufgelegt, das insbesondere in der Reichshauptstadt seine Spuren hinterlie\u00df. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Rund 360 Bunker gab es im kriegszerst\u00f6rten Berlin nach 1945. Die Alliierten befahlen in der Regel die Sprengung, was aber nicht bei allen gelang. Einer der verfallenen Betonkolosse, der in Westberlin Jahrzehnte lang vor sich hin rottete und an die Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft mahnte \u2013 bis er einem Neubauprojekt im Weg stand: Der Doppel-Flachbunker an der Sachtlebenstra\u00dfe in Zehlendorf. Alle Infos zu dem ehemaligen Lost Place.<\/p>\n<p>  Das sind die Fakten zum Doppelbunker Sachtlebenstra\u00dfe:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Adresse: <\/strong>Walterh\u00f6ferstra\u00dfe 50\/54 (ehemals Sachtlebenstra\u00dfe 1\u20133), 14165 Berlin-Zehlendorf<\/li>\n<li><strong>Geschichte: <\/strong>Anfang der 1940er-Jahren als Luftschutzbunker errichtet; in der Nachkriegszeit von den Alliierten zur Champignonzucht freigegeben; anschlie\u00dfend Leerstand<\/li>\n<li><strong>Bunkertyp:<\/strong> Flachbunker vom Typ 2x2D mit 36 Kammern; Schutzkapazit\u00e4t f\u00fcr 379 Personen<\/li>\n<li><strong>F\u00fchrungen: <\/strong>Keine<\/li>\n<li><strong>Denkmalschutz:<\/strong> Nein<\/li>\n<li><strong>Status: <\/strong>Ehemaliger<strong> <\/strong>Lost Place. 1997 im Rahmen eines Neubauprojekts aufwendig abgerissen<\/li>\n<\/ul>\n<p>  Wo lag der Doppelbunker Sachtlebenstra\u00dfe genau?<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Der Bunker lag auf dem Grundst\u00fcck an der heutigen Adresse Walterh\u00f6ferstra\u00dfe 50 \u201354. Bis in die 1990er-Jahre, als die Stra\u00dfenf\u00fchrung in diesem Abschnitt leicht ge\u00e4ndert wurde, war die Adresse des Bunkers, der mit seiner L\u00e4ngsseite parallel zu der Stra\u00dfe lag, Sachtlebenstra\u00dfe 1\u20133. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) f\u00fcr das Objekt lauten: C792+J4F Berlin. Mit den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln ist das Grundst\u00fcck am besten mit den Buslinien 623, 101 und N10 (Haltestelle Ludwigsfelder Stra\u00dfe\/Sachtlebenstra\u00dfe) zu erreichen. Von der Station ist das Anwesen bereits zu sehen. <strong>Achtung:<\/strong> Von dem Bunker haben sich keine sichtbaren \u00dcberreste erhalten. Es handelt sich um Privatgel\u00e4nde.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\"><strong>Auch interessant: <\/strong><a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/vermischtes\/article237534537\/lost-places-verlassene-orte-trend-hausfriedensbruch-anwalt-haft-botschaft-sambia.html\" data-category-full-path=\"\/vermischtes\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1675441736\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eLost Places\u201c: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch<\/a><\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Das sind die wichtigsten <strong>Etappen der Geschichte des Doppelbunkers Sachtlebenstra\u00dfe<\/strong>:<\/p>\n<p>Ausgangslage: Luftschutz-Sofortprogramm f\u00fcr Berlin im Zweiten Weltkrieg <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/407867876_1733831879_v16_9_1200.jpeg\" class=\"block w-full object-cover relative z-10 aspect-[16\/9] \" alt=\"Berlin,Brandenburger Tor, Tarnnetze\" title=\"Der Bunkerbau war nicht die einzige Ma\u00dfnahme, die getroffen wurde. Tarnnetze sollten die Sicht der anfliegenden Aufkl\u00e4rer und Bomber behindern. Aufnahme der Charlottenburger Chaussee mit Blick auf das Brandenburger Tor um 1941\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Der Bunkerbau war nicht die einzige Ma\u00dfnahme, die getroffen wurde. Tarnnetze sollten die Sicht der anfliegenden Aufkl\u00e4rer und Bomber behindern. Aufnahme der Charlottenburger Chaussee mit Blick auf das Brandenburger Tor um 1941<br \/>\n      \u00a9 picture-alliance \/ akg-images | akg-images\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Als 1940 Luftangriffe der Alliierten erstmals die Reichshauptstadt trafen, reagierte die NS-F\u00fchrung hektisch mit einem Bunkerbau-Sofortprogramm: Betonbauten schossen in Berlin aus dem Boden. Unter der Federf\u00fchrung der \u201eBaugruppe Langer\u201c des Generalbauinspektors \u2013 einer von Albert Speer geleiteten Beh\u00f6rde \u2013 entstanden Normbunker f\u00fcr die Zivilverteidigung und hunderte Bauten, die milit\u00e4rische Ziele sch\u00fctzen sollten: Milit\u00e4r-, Flak, Nachrichten- und Kommandobunker.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Berlin wurde mit einem Netz von Schutzbauten \u00fcberzogen \u2013 in der Innenstadt, aber auch in den gr\u00fcnen Au\u00dfenbezirken. Im S\u00fcdwesten Berlins, im heutigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf, wurden Kolosse errichtet wie der <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/article240787108\/lost-places-hochbunker-heckeshorn-steglitz-zehlendorf-vergessene-orte.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1712650169\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bunker Heckeshorn auf der Wannsee-Insel<\/a>, Hochbunker wie an der <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/article241918662\/lost-places-hochbunker-lankwitz-steglitz-zehlendorf.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1717323834\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Eiswaldstra\u00dfe<\/a> und Sonderanfertigungen wie der als Wohnhaus getarnte <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/article406730773\/lost-places-berlin-hochbunker-eiderstedter-weg-steglitz-zehlendorf.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1724127900\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bunker Eiderstedter Weg<\/a>. Anders als bei Hochbunkern lagen die Schutzr\u00e4ume von Flachbunkern unter der Erde. Einer der gr\u00f6\u00dften im S\u00fcdwesten war der Doppelbunker an der Sachtlebenstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Doppelbunker Sachtlebenstra\u00dfe: Schutzbau der \u201eersten Welle\u201c <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/407868052_1733832722_v16_9_1200.jpeg\" class=\"block w-full object-cover relative z-10 aspect-[16\/9] \" alt=\"Unterricht mit Volksgasmaske 1939 - Lesson with gasmasks \/ 1939 -\" title=\"Unterricht im Selbstschutz mit der Volksgasmaske \u201aVM 37\u2018 in einer Luftschutzschule in Berlin: M\u00e4dchen des BDM beim Unterricht im September 1939\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Unterricht im Selbstschutz mit der Volksgasmaske \u201aVM 37\u2018 in einer Luftschutzschule in Berlin: M\u00e4dchen des BDM beim Unterricht im September 1939<br \/>\n      \u00a9 picture-alliance \/ akg-images | akg-images\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Der Bunker geh\u00f6rte zur \u201eersten Welle\u201c der w\u00e4hrend des Bunker-Sofortprogramms von 1940\/1941 in Berlin errichteten Schutzbauten. Insgesamt waren es an die 1000 Anlagen, die gebaut wurden, wovon etwa 500 Flachbunker f\u00fcr einhundert bis dreihundert Personen in dicht besiedelten Wohngebieten entstanden. Die Schl\u00fcssel f\u00fcr eine Kammer mit jeweils zwei 3-Stockbetten wurde bevorzugt an kinderreiche Familie aus der Umgebung vergeben. Zus\u00e4tzlich gab es zumeist Aufenthalts- und Sanit\u00e4rr\u00e4ume sowie Schleusen, R\u00e4ume f\u00fcr die Bunkertechnik und f\u00fcr das Luftschutzpersonal beziehungsweise den Bunkerwart.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Auf dem Baugrund an der damaligen Andr\u00e9ezeile an der Einbiegung zur Sachtlebenstra\u00dfe hatte sich zuvor eine Gr\u00fcnfl\u00e4che befunden. Die Umgebung war noch gepr\u00e4gt vom l\u00e4ndlichen Zehlendorf, das sich in den 1930er-Jahren zu st\u00e4dtischen Wohnraum wandelte: Noch immer gab es ausgedehnte Ackerfl\u00e4chen, H\u00f6fe und H\u00fchnerfarmen in der Umgebung, doch sie lagen jetzt in Nachbarschaft zu den zunehmend Raum nehmenden Wohnsiedlungen, die zwischen Sch\u00f6now und dem 1928 eingemeindeten D\u00fcppel entstanden. Anfang der 1940er-Jahre versammelten sich die Kinder der Nachbarschaft und beobachten staunend die Aktivit\u00e4ten, als schweres Ger\u00e4t an der Andr\u00e9ezeile vorfuhr, Arbeiter den Boden aufrissen und der Bau des Betonriesen an der Sachtlebenstra\u00dfe begann.<\/p>\n<p>Doppelbunker Sachtlebenstra\u00dfe: So war der Bunker aufgebaut <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/407868008_1733832549_v16_9_1200.jpeg\" class=\"block w-full object-cover relative z-10 aspect-[16\/9] \" alt=\"Etwa 1992 fotografierter Hinweis auf eine Gasschleuse in einem Luftschutzbunker der Nazis im Bereich Dresdner Stra\u00dfe, Berlin, Deutschland, Europa\" title=\"Berlin bunkerte sich ein. Fotografie in einem Luftschutzbunker Berlin-Dresdner Stra\u00dfe. Fotografie um 1992\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Berlin bunkerte sich ein. Fotografie in einem Luftschutzbunker Berlin-Dresdner Stra\u00dfe. Fotografie um 1992<br \/>\n      \u00a9 picture alliance \/ imageBROKER | Stephan Laude\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Bei dem Anfang der 1940er-Jahre errichteten Bunker in der Sachtlebenstra\u00dfe handelte es sich um einen R\u00fccken an R\u00fccken gebauten Doppel-Flachbunker vom Typ 2x2D mit insgesamt 36 Schutzkammern. Der Bunker war mit seiner L\u00e4ngsseite an der Stra\u00dfenflucht der Andr\u00e9ezeile ausgerichtet. Sp\u00e4ter wurde der Stra\u00dfenabschnitt in die Sachtlebenstra\u00dfe einbezogen.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Dicke Eisent\u00fcren mit Sichtl\u00f6chern riegelten jeweils die dahinterliegenden Schutzr\u00e4ume hermetisch ab. Vorbei an Sanit\u00e4rr\u00e4umen und der Bunkeraufsicht f\u00fchrten in jedem der beiden Bunker zwei parallele G\u00e4nge mit je sechs Kammern sowie einer Kammerzeile in der Mitte zum hinteren Ausgang. Dort gab es einen gr\u00f6\u00dferen Aufenthaltsraum, einen Sanit\u00e4rraum, einen Heizungsraum, einen gro\u00dfen Sandfilter, L\u00fcftungsger\u00e4te und Schutzt\u00fcren, die die zweite Schleuse des hinteren Notausgangs sicherten. Es gab Toiletten, einen Wasserzulauf und einen Generator f\u00fcr Elektrizit\u00e4t.<\/p>\n<p>Doppelbunker Sachtlebenstra\u00dfe: Schutz unter meterdickem Stahlbeton<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Im Sanit\u00e4rbereich befanden sich Toiletten- und Waschr\u00e4ume, au\u00dferdem verf\u00fcgte der Doppelbunker \u00fcber zwei behelfsm\u00e4\u00dfige K\u00fcchen. Die 36 Schutzzellen des Bunkers waren als Schlafkammern mit einer Grundfl\u00e4che von etwa sechs Quadratmetern ausgelegt, in denen jeweils zwei dreist\u00f6ckige Betten standen. Das Bauwerk war durch Luftschutzsymbole als Zufluchtsst\u00e4tte gekennzeichnet.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Die Rettungswege im Bunker wurden mit im Dunkeln leuchtender Farbe gekennzeichnet. So konnte Fluchtwege auch bei einem Totalausfall der Bunkertechnik noch genutzt werden. Die L\u00e4nge und Breite des Gesamtbauwerks betrugen rund 80 mal 20 Meter auf einer Baufl\u00e4che von knapp 1500 Quadratmetern. Die Deckenst\u00e4rke betrug 1,40 Meter; die Wandst\u00e4rke aus massiven Stahlbeton 1,80 Meter. Mehrere seitliche Zug\u00e4nge f\u00fchrten \u00fcber Treppen in die unter dem Stra\u00dfenniveau liegenden R\u00e4umlichkeiten des Schutzbauwerks.<\/p>\n<p>  Doppelbunker Sachtlebenstra\u00dfe: Anlage rettete Anwohner vor Bombensturm<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Als sich in den letzten Kriegsjahren die Bombenangriffe auf Berlin verst\u00e4rkten, wurden bomben-, tr\u00fcmmer- und splittersichere Luftschutzbauten als Zuflucht f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung immer wichtiger. Das Schutzbauwerk in der Sachtlebenstra\u00dfe rettete mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Menschenleben \u2013 denn mit den schweren Bombenangriffen, die auch den S\u00fcdwesten Berlins seit 1943 trafen, gab es auch Einschl\u00e4ge und zerst\u00f6rte Wohnh\u00e4user in der unmittelbaren Umgebung des Bunkers.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Besonders verheerend war f\u00fcr den S\u00fcdwesten Berlins der Angriff in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1943 \u2013 die sogenannte Lankwitzer Bombennacht. Ein fehlgeleiteter Angriff, der eigentlich dem Stadtzentrum Berlins galt, bedeutete das Ende des bis dahin bekannten Lankwitz. Ein Hagel aus Sprengbomben, Luftminen und Brandbomben ging \u00fcber dem Stadtteil nieder. Aus 727 britischen Flugzeugen fielen Bomben; Lankwitz wurde zu 85 Prozent zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Doppelbunker Sachtlebenstra\u00dfe: Sprengung von Berlins Bunkern nach dem Krieg <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/407868093_1733832985_v16_9_1200.jpeg\" class=\"block w-full object-cover relative z-10 aspect-[16\/9] \" alt=\"Berlin, Mauerstra\u00dfe \/ Bunkersprengung 1947\" title=\"Die Alliierten befahlen die  Sprengung der Berliner Bunker, was nicht bei allen gelang  Sprengung des Bunkers der Gauleitung der NSDAP in der Mauerstra\u00dfe (Berlin-Mitte) 1947\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Die Alliierten befahlen die  Sprengung der Berliner Bunker, was nicht bei allen gelang  Sprengung des Bunkers der Gauleitung der NSDAP in der Mauerstra\u00dfe (Berlin-Mitte) 1947<br \/>\n      \u00a9 picture alliance \/ akg-images | akg-images\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Nach Kriegsende wurde bis 1948 \u00fcber die H\u00e4lfte der Bunker und Luftschutzstollen Berlins im Rahmen der Entmilitarisierung durch die Alliierten abgebaut oder gesprengt. Die Zivilbev\u00f6lkerung reagierte mit Unverst\u00e4ndnis: Schlie\u00dflich geh\u00f6rten die Bunker in manchen Stadtteilen zu den wenigen noch intakten kommunalen Bauwerken. In den ersten Nachkriegsmonaten fanden in ihnen ausgebombte Familien, Kriegsheimkehrer, Fl\u00fcchtlinge und K\u00e4lteopfer einen Unterschlupf. F\u00fcr die Beseitigung der Stahlbetongiganten waren Tonnen an Sprengstoff n\u00f6tig.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">\u00dcberall in der Stadt detonierten Sprengladungen \u2013 doch viele der Betonkolosse hielten den Abrissma\u00dfnahmen stand; manche wurden kurzerhand zugesch\u00fcttet oder erhielten eine zivile Funktion als Notunterkunft oder als Lager f\u00fcr Lebensmittel, Hausrat oder von Mitteln des t\u00e4glichen Bedarfs. Die gleichbleibenden Temperaturen unter Erde und der Schutz vor Witterung hinter meterdickem Beton bot sich f\u00fcr diese Zwecke an. Einige der Zivilschutzbunker wurden auch f\u00fcr die Lagerung der Senatsreserve herangezogen.<\/p>\n<p>Doppelbunker Sachtlebenstra\u00dfe: Champignonzucht ersetzte Sirenen und Bomben\u00a0<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">F\u00fcr den erhalten gebliebenen Doppelbunker in der Sachtlebenstra\u00dfe interessierten sich zun\u00e4chst wenige. Zehlendorf war nach Kriegsende zusammen mit den Bezirken Tempelhof, Sch\u00f6neberg, Steglitz, Neuk\u00f6lln und Kreuzberg Teil des US-amerikanischen Sektors der geteilten Stadt geworden. Die US-Milit\u00e4radministration lie\u00df das Bunkerbauwerk stehen und als das Ern\u00e4hrungsamt Zehlendorf bei der Abwicklungsstelle f\u00fcr die Bauten des ehemaligen Generalbauinspektors f\u00fcr die Reichshauptstadt (GBI) anfragte, ob es m\u00f6glich sei, einige der Schutzbauten zur Einrichtung von Pilzkulturen zu nutzen, gab es von Seiten der Beh\u00f6rden gr\u00fcnes Licht.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Die intakten Weltkriegsrelikte wurden f\u00fcr die neuen Erfordernisse umger\u00fcstet und konnten bald Erfolge in der Versorgung der Bev\u00f6lkerung mit Pilzen feiern, die als eiwei\u00dfreicher Fleischersatz die nachkriegsdeutschen Speisekammern bereicherten. In den Flachbunkern an der Sachtlebenstra\u00dfe, in denen \u201eeine umfangreiche Champignonzucht angelegt wurde\u201c, berichtete der Tagesspiegel im Artikel \u201eDas Ende der Berliner Bunker\u201c im November 1946, \u201ekonnte gerade in diesen Tagen \u00fcber die ersten, \u00fcberraschend guten Anbauerfolge berichtet werden\u201c. F\u00fcr einige Zeit hatten die dunklen Gem\u00e4uer des Zehlendorfer Weltkriegsbunkers eine zivile Nachnutzung erfahren, mit deren Ende in den 1950er-Jahren die Anlage in einen Jahrzehnte w\u00e4hrenden Dornr\u00f6schenschlaf versank.<\/p>\n<p>Doppelbunker Sachtlebenstra\u00dfe: Lost Place in der Zeit des Kalten Kriegs<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Mehr als vier Jahrzehnte lang fristete das in Beton gegossene Weltkriegsbollwerk im S\u00fcdwesten Zehlendorfs in den Friedensjahren der Bonner Republik ein Schattendasein. Die Planspiele und Szenarien eines Dritten Weltkriegs, auf den sich die GIs mit Nato-\u00dcbungen im Grunewald und auf ihrem <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/article406594886\/hier-probten-die-usa-das-horrorszenario-des-dritten-weltkriegs.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1719574532\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eParks Range\u201c genannten Trainingsgel\u00e4nde in Lichterfelde-S\u00fcd<\/a> vorbereiteten, sollten \u2013 zum Gl\u00fcck \u2013 nicht Realit\u00e4t werden und so brauchte sich kein Berliner in der Frontstadt des Kalten Krieges in die \u00dcberreste des Doppelbunkers fl\u00fcchten, der mit den Jahren zu einer modernen Ruine verfiel. Auch wenn die massive Bauweise nie den geringsten Zweifel an der Statik des Bauwerks aufkeimen lie\u00df, verwilderte das Gel\u00e4nde rings um den Betongiganten. Moos \u00fcberzog die alten Betonw\u00e4nde und im Inneren griff N\u00e4sse die verbliebenen Bunkereinbauten an, deren Teile mit der Zeit vermoderten.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">In den Berliner Adressb\u00fcchern des Jahres 1970 wurde als Eigent\u00fcmer des Grundst\u00fccks Sachtlebenstra\u00dfe 1\u20133 noch das \u201eDeutsche Reich\u201c angegeben, dessen Rechtsnachfolger die Bundesrepublik Deutschland geworden war. Der Bunker verblieb als Lost Place bis in Nachwendezeit im Besitz des Bundes, bis sich Ende der 1990er-Jahren auf dem Zehlendorfer Grundst\u00fcck endlich etwas tat. Erneut rollte schweres Ger\u00e4t auf das Gel\u00e4nde: Dieses Mal mit dem Auftrag die steingewordenen Relikte des Weltkriegs im S\u00fcdwesten Zehlendorfs zu beseitigen.<\/p>\n<p>Doppelbunker Sachtlebenstra\u00dfe: Bunker stand Neubauprojekt im Weg <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Um die Bebauung des Grundst\u00fccks mit drei dreigeschossigen Flachbauten plus Pkw-Stellfl\u00e4chen zu erm\u00f6glichen, wurde der Doppelbunker in der Sachtlebenstra\u00dfe 1997 ohne viel Aufhebens, aber mit enormen Aufwand, abgetragen. Vor dem Abbruch wurde f\u00fcr die l\u00e4rmempfindlichen Ohren der Zehlendorfer Anrainer extra L\u00e4rmschutzw\u00e4nde installiert, bevor sich die Abbruchh\u00e4mmer und Betonfr\u00e4sen in m\u00fchevoller Kleinarbeit durch die tonnenschweren und mit Stahlmatten durchzogenen Betonw\u00e4nde arbeiteten. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Das in Tr\u00fcmmer gelegte Bauwerk wurde f\u00fcr die Vorbereitung des Baugrunds abgetragen und die Baufl\u00e4che planiert. Heute zeugen auf dem Grundst\u00fcck der drei baugleichen Reihenh\u00e4user an der Walterh\u00f6ferstra\u00dfe 50\u201354 keine Spuren mehr von der Geschichte des Schutzbunkers, der hier seit dem Weltkrieg existierte. F\u00fcr den neuentflammten Diskurs um den <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/article407759667\/schutz-im-kriegsfall-bund-und-laender-suchen-neue-bunker.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1732552196\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schutz im Kriegsfall<\/a> d\u00fcrfte bei aller <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/panorama\/article406974400\/luxus-bunker-boomen-inklusive-haifischbecken-und-go-kart-bahn.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/panorama\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1723299478\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">aufbl\u00fchender Bunkermentalit\u00e4t<\/a> das beschauliche Eckgrundst\u00fcck nahe der Stadtgrenze keine Rolle mehr spielen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sind sie wieder zum Thema geworden: Zivilschutzbauten, Schutzr\u00e4ume oder einfach&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":396545,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":{"0":"post-396544","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115146790901706818","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/396544","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=396544"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/396544\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/396545"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=396544"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=396544"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=396544"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}