{"id":396661,"date":"2025-09-04T16:48:17","date_gmt":"2025-09-04T16:48:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/396661\/"},"modified":"2025-09-04T16:48:17","modified_gmt":"2025-09-04T16:48:17","slug":"mein-groesster-wunsch-waere-dass-menschen-ihre-vorurteile-ablegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/396661\/","title":{"rendered":"\u201eMein gr\u00f6\u00dfter Wunsch w\u00e4re, dass Menschen ihre Vorurteile ablegen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/nsb-waffa_kuwider_ausstellung_dkh_dsc_9457_23.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-342349\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/nsb-waffa_kuwider_ausstellung_dkh_dsc_9457_23.jpg\" alt=\"\" width=\"999\" height=\"658\"  \/><\/a>Waffa Kuwider kam 2007 nach Dortmund Foto: Helmut Sommer f\u00fcr Nordstadtblogger.de<\/p>\n<p>Als Waffa Kuwider im Jahr 2007 in Dortmund landet, tra\u0308gt sie einen Koffer voller Erinnerungen an Syrien bei sich \u2013 und viele Hoffnungen fu\u0308r die Zukunft. Heute ist sie 47 Jahre alt, arbeitet als Sozialbetreuerin beim Deutschen Roten Kreuz und hat vier Kinder. Doch der Neuanfang war alles andere als leicht.<\/p>\n<p>Der Wunsch nach einer besseren Zukunft<\/p>\n<p>\u201eZum Glu\u0308ck habe ich den Fluchtweg nicht erleben mu\u0308ssen\u201c. Sie kam mit einem Visum nach Dortmund um zu ihrem Mann zu ziehen. Er war bereits einige Jahre zuvor u\u0308ber Russland, Griechenland und Kroatien nach Deutschland gekommen.\u00a0\u201eEr war Anfang zwanzig und suchte eine bessere Zukunft \u2013 Freiheit, Chancen auf Arbeit, ein sicheres Leben.\u201c<\/p>\n<p>Das Leben in Syrien war fu\u0308r Kuwider gepra\u0308gt von Na\u0308he und Gemeinschaft. \u201eIn Damaskus kannte ich die ganze Nachbarschaft. Jeder gru\u0308\u00dfte jeden, man wurde eingeladen zum Kaffee, zum Essen, zu Hochzeiten\u201c, erinnert sie sich. \u201eHier in Deutschland ist es anders \u2013 manchmal sagt der Nachbar Hallo, manchmal nicht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wollte immer mit Flu\u0308chtlingen arbeiten und ihnen bei der Integration helfen, da ich wei\u00df, wie schwer es ist\u201c.<\/p>\n<p>In Syrien war Kuwider Lehrerin. Den Beruf konnte sie in Deutschland nicht mehr aus\u00fcben. Aber sie suchte sich eine neue Aufgabe. Nach einem Praktikum bei einer Auslandsgesellschaft begann sie, ehrenamtlich bei der Initiative \u201eTrain of Hope\u201c mitzuarbeiten. Seit fu\u0308nf Jahren begleitet sie dort Geflu\u0308chtete, hilft bei Antra\u0308gen oder organisiert Workshops. \u201eIch wollte immer mit Flu\u0308chtlingen arbeiten und ihnen bei der Integration helfen, da ich wei\u00df, wie schwer es ist. Viele mo\u0308chten etwas erza\u0308hlen, ko\u0308nnen aber noch nicht genug Deutsch. Dann bin ich ihre Stimme.\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nordstadtblogger.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/nsb-waffa_kuwider_ausstellung_dkh_dsc_9382_3.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-342347\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/nsb-waffa_kuwider_ausstellung_dkh_dsc_9382_3-300x192.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"192\"  \/><\/a>Waffa Kuwider bei der Initiative \u201eTrain of Hope\u201c Foto: Helmut Sommer f\u00fcr Nordstadtblogger.de<\/p>\n<p>Es blieb aber nicht bei ehrenamtlichen Engagement. Vor zwei Jahren bekam sie eine feste Anstellung beim Deutschen Roten Kreuz als Sozialbetreuerin.\u00a0\u201eAuch hier u\u0308bersetze ich viel, bereite Workshops vor und helfe bei Antra\u0308gen \u2013 zum Beispiel bei der Arbeitserlaubnis. Au\u00dferdem vereinbare ich oft Termine bei der Agentur fu\u0308r Arbeit.<\/p>\n<p>Kuwider findet ihre Erf\u00fcllung in ihrem Beruf. \u201eViele Menschen bedanken sich, manche weinen vor Erleichterung, weil endlich jemand zuho\u0308rt. Oft gebe ich auch meine Kontaktdaten weiter und helfe den Menschen sp\u00e4ter privat. Das macht mich glu\u0308cklich \u2013 vor allem, wenn ich merke, dass ich wirklich etwas vera\u0308ndern kann.<\/p>\n<p>In ihrer Freizeit trifft sie sich \u00f6fter mit Freundinnen zum Kaffee trinken oder sie geht gemeinsam mit ihnen shoppen. \u201eIch war immer motiviert, hier wirklich klarzukommen. Das sind Grundbedingungen zur Integration \u2013 Motivation und Durchhaltevermo\u0308gen. Einfach ist es nicht, aber man darf nicht aufgeben.\u201c<\/p>\n<p>Sprache als Schlu\u0308ssel zur Integration<\/p>\n<p>Am Anfang war es auch f\u00fcr Kuwider schwierig, sich zurechtzufinden. \u201eDie Sprache war die gro\u0308\u00dfte Hu\u0308rde. Mit Englisch kam ich ein bisschen durch, aber nicht lange. Ich habe verstanden was die Leute sagten, wenn sie mich auf der Stra\u00dfe beleidigten, ich konnte aber nicht antworten\u201c, erza\u0308hlt sie.<\/p>\n<p>Das konnte sie nicht auf sich sitzen lassen: Integrationskurse, Online-Lernen, Sprachkurse fu\u0308r Studierende, die schneller und strenger waren. \u201eDas hat mir am meisten geholfen. Die Sprache ist der Schlu\u0308ssel zur Integration \u2013 ohne sie geht es nicht. Danach kommt die Arbeit.\u201c<\/p>\n<p>Heimat Dortmund \u2013 mit Hindernissen<\/p>\n<p>Die ersten Jahre in Deutschland waren nicht einfach. Die Familie zog nach Hombruch, da ihnen ihre Wohnung in der Nordstadt mit vier kleinen Kindern zu klein wurde. Doch die junge Familie fu\u0308hlte sich unwillkommen. \u201eDie Nachbarn haben sich u\u0308ber den Kinderla\u0308rm beschwert, sogar obszo\u0308ne Bilder an unsere Tu\u0308r geklebt.\u201c In Nette kam die Familie dann an: \u201eHier ist die Umgebung vielfa\u0308ltiger. Hier wohnen Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen: Tu\u0308rken, Araber, Polen und Deutsche. Das ist angenehmer als die Nachbarschaft in Hombruch.\u201c<\/p>\n<p>Rassismus als st\u00e4ndiger Begleiter<\/p>\n<p>Spa\u0308ter folgte eine andere schmerzhafte Erfahrung. Eine Lokalzeitung hatte ein Portra\u0308t u\u0308ber sie vero\u0308ffentlicht, und dieses Portr\u00e4t kommentierten die Leser in den sozialen Medien.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nordstadtblogger.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/nsb-waffa_kuwider_ausstellung_dkh_dsc_9451_18.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-342348\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/nsb-waffa_kuwider_ausstellung_dkh_dsc_9451_18-300x194.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"194\"  \/><\/a>Waffa Kuwider f\u00fcr 10 Jahre Wir schaffen das Foto: Helmut Sommer f\u00fcr Nordstadtblogger.de<\/p>\n<p>\u201eIn der ersten Woche war es schlimm\u201c, sagt sie. \u201eEs gab Hasskommentare, vor allem wegen meines Kopftuchs.\u201c Sie w\u00fcnscht sich mehr Empathie: \u201eMein gro\u0308\u00dfter Wunsch wa\u0308re, dass Menschen ihre Vorurteile ablegen.\u201c Nicht alle Gefl\u00fcchteten seien gleich, aber sie seien alle geflohen, weil sie in Gefahr waren. Die Wohngegenden in Syrien sind fast alle zerbombt.<\/p>\n<p>Im Jahr 2015, als Angela Merkel den Satz \u201eWir schaffen das!\u201c pra\u0308gte, lebte Waffa Kuwider schon viele Jahre in Dortmund. Fu\u0308r sie ist dieser Satz eine Ermutigung. \u201eMit diesem Satz hat sie uns Verantwortung gegeben: Dass wir an uns glauben d\u00fcrfen, daf\u00fcr aber auch mithelfen m\u00fcssen.\u201c Viele Menschen seien skeptisch gewesen und h\u00e4tten gesagt, Gefl\u00fcchtete w\u00fcrden es nicht schaffen. Ihnen habe Merkel die Aufgabe gegeben, diese Menschen vom Gegenteil zu \u00fcberzeugen. \u201eViele Geflu\u0308chtete haben sich sehr angestrengt, hier Fu\u00df zu fassen. Es gab viele Hindernisse, aber trotzdem haben es viele geschafft. Ich finde wichtig, dass man das auch anerkennt.\u201c<\/p>\n<p>Ein Leben zwischen zwei Welten<\/p>\n<p>Obwohl Syrien immer ein Teil ihrer Geschichte bleiben wird, ist eine Ru\u0308ckkehr fu\u0308r sie keine Option. \u201eUnsere Heimat ist komplett zerbombt.\u201c Und doch bleibt das Gefu\u0308hl zwiespa\u0308ltig: \u201eIn Deutschland fu\u0308hle ich mich manchmal fremd. Aber in Syrien wu\u0308rde ich mich nach all den Jahren auch fremd fu\u0308hlen. Es ist nicht leicht, dieses Gefu\u0308hl auszuhalten.\u201c<\/p>\n<p>                    <a href=\"#\" rel=\"nofollow\" onclick=\"window.print(); return false;\" title=\"Printer Friendly, PDF &amp; Email\"><br \/>\n                    <img decoding=\"async\" class=\"pf-button-img\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/printfriendly-pdf-email-button-md.png\" alt=\"Print Friendly, PDF &amp; Email\" style=\"width: 194px;height: 30px;\"\/><br \/>\n                    <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Waffa Kuwider kam 2007 nach Dortmund Foto: Helmut Sommer f\u00fcr Nordstadtblogger.de Als Waffa Kuwider im Jahr 2007 in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":396662,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1833],"tags":[3364,29,217,30,1209],"class_list":{"0":"post-396661","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-dortmund","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-dortmund","11":"tag-germany","12":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115147053870828998","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/396661","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=396661"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/396661\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/396662"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=396661"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=396661"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=396661"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}