{"id":396858,"date":"2025-09-04T18:37:11","date_gmt":"2025-09-04T18:37:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/396858\/"},"modified":"2025-09-04T18:37:11","modified_gmt":"2025-09-04T18:37:11","slug":"mehr-ungleichheit-der-westen-muss-wieder-lernen-seine-ideale-zu-verteidigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/396858\/","title":{"rendered":"Mehr Ungleichheit! Der Westen muss wieder lernen, seine Ideale zu verteidigen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Der Sozialismus ist nicht tot, sondern quicklebendig: im staatlichen Handeln, an den Universit\u00e4ten, sogar in Kinderb\u00fcchern. Die Freunde des Westens m\u00fcssen wieder lernen, ihre Ideale zu verteidigen.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Einer macht es richtig.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"7360\" height=\"4912\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/5335d6d2-746f-43fa-a6ad-f52ebe1c6233.jpg\" loading=\"eager\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Einer macht es richtig. <\/p>\n<p>Francesco Carta Fotografo \/ Getty<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j49tj9r42\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Sie lesen einen Auszug aus dem Newsletter \u00abDer andere Blick am Abend\u00bb, heute von Marc Felix Serrao, Chefredaktor der NZZ in Deutschland. <a href=\"https:\/\/abo.nzz.ch\/benutzerkonto\/newsletter\/NZZ-Deutschland-Paid\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos<\/a>. 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Irgendwann ist er ganz allein. Verzweifelt f\u00e4ngt er an, seine Schuppen doch noch zu verteilen. Am Ende sehen alle gleich aus, und der Aussenseiter wird wieder in der Gemeinschaft aufgenommen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4an9r3o0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Meine Tochter hat den \u00abRegenbogenfisch\u00bb auch geschenkt bekommen, da war sie drei Jahre alt war. Ein einziges Mal habe ich ihr das Buch vorgelesen. Danach habe ich es weggeschmissen. Kinder stehen ohnehin unter einem enormen Konformit\u00e4tsdruck. Entwicklungspsychologen sprechen von der \u00abfear of being different\u00bb. Wer ihnen schon im Kindergartenalter beibringt, dass Anderssein ungl\u00fccklich macht, potenziert diese Angst, statt sie aufzul\u00f6sen. Der d\u00e4nische Erziehungsexperte Jesper Juul r\u00e4t zu Recht, Kindern beizubringen, dass Anderssein nicht Isolation, sondern Bereicherung bedeutet.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckkehr des Sozialismus<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4an9r3u0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Der zweite Grund ist politisch. Meine Kinder werden das Elend des Sozialismus fr\u00fch genug kennenlernen; wir leben in Berlin. Aber solange ich kann, werde ich sie vor dessen gr\u00f6sster Irrlehre bewahren: dass Ungleichheit etwas Schlechtes sei. Oder, mit dem Fisch aus dem Buch gesprochen: Erst, wenn ich mich nicht mehr von anderen unterscheide, kann ich gl\u00fccklich sein.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Eines der erfolgreichsten Kinderb\u00fccher der vergangenen Jahrzehnte \u2013 und zugleich eines der schrecklichsten: \u00abDer Regenbogenfisch\u00bb.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"452\" height=\"600\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Eines der erfolgreichsten Kinderb\u00fccher der vergangenen Jahrzehnte \u2013 und zugleich eines der schrecklichsten: \u00abDer Regenbogenfisch\u00bb. <\/p>\n<p>PD<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4an9r3u1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Wer meint, dass dieses Denken nach dem Ende des Warschauer Pakts nur in akademischen Nischen und Kinderb\u00fcchern \u00fcberlebt hat, irrt. Der Sozialismus mag die systemische Rivalit\u00e4t des 20.\u00a0Jahrhunderts offiziell verloren haben. In Wahrheit ist er l\u00e4ngst wieder da, auch in den L\u00e4ndern des vermeintlich siegreichen Westens. Hier erl\u00e4sst man staatliche \u00abMietpreisbremsen\u00bb und klagt sp\u00e4ter \u00fcber mangelnden Wohnraum. Dort schreibt man per Gesetz immer h\u00f6here Mindestl\u00f6hne vor und wundert sich \u00fcber steigende Arbeitslosigkeit. Und \u00fcberall warnt man inzwischen fast t\u00e4glich vor einer zu grossen <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/mythos-ungleichheit-die-einkommensschere-oeffnet-sich-weniger-als-viele-meinen-ld.1890933\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00abVerm\u00f6gensungleichheit\u00bb<\/a>.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4an9r3v0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die B\u00fcrger des Westens m\u00f6gen allesamt satt und sicher sein. Trotzdem empfinden sie es mehrheitlich als Skandal, dass einige wenige von ihnen deutlich mehr besitzen als der Durchschnitt. In Deutschland etwa sprachen sich k\u00fcrzlich 70 Prozent der Befragten in einer repr\u00e4sentativen Umfrage f\u00fcr eine h\u00f6here Besteuerung hoher Einkommen aus. Zur Erinnerung: Das Land hat bereits die zweith\u00f6chste Steuer- und Abgabenlast aller Industrienationen. Nur Belgien liegt dr\u00fcber.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4an9r400\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Wie konnte sich das Leitmotiv des Sozialismus \u2013 Neid \u2013 so erfolgreich in den K\u00f6pfen auch im Westen festsetzen? Oder anders gefragt: Wie konnte die Ungleichheit, die jedem Streben nach Erfolg innewohnt, in ein derart tr\u00fcbes Licht geraten?<\/p>\n<p>Am Ende droht die Knechtschaft<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4an9r410\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Eine fulminante Antwort hat nun Carlos Carvalho gegeben, der Pr\u00e4sident der University of Austin. Diese noch junge amerikanische Hochschule versteht sich als <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/gegen-zensur-in-texas-entsteht-eine-anti-woke-universitaet-ld.1654936\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bastion gegen akademische Wokeness und Cancel-Culture<\/a>. \u00abIn Defense of Inequality\u00bb lautete der Titel der Rede, die Carvalho zu Wochenbeginn vor der \u00abClass of 2029\u00bb und deren Eltern gehalten hat. Zur Verteidigung der Ungleichheit.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4an9r411\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Der Statistik-Professor zitiert unter anderem Alexis de Tocquevilles ber\u00fchmte Studie \u00ab\u00dcber die Demokratie in Amerika\u00bb aus dem fr\u00fchen 19.\u00a0Jahrhundert. Der Analytiker der modernen Demokratie hatte als einer der Ersten auf die Schattenseite von deren Gleichheitsideal hingewiesen. Die rechtliche Gleichheit der B\u00fcrger sei zwar die Grundbedingung der Freiheit, so Tocqueville. Doch Gleichheit als politisches Ziel f\u00fchre zu einem paternalistischen Staat, der diese Freiheit schleichend wieder einschr\u00e4nke. Am Ende des Weges stehe die Knechtschaft.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4an9r420\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Tocqueville wollte nicht zur\u00fcck zum alten St\u00e4ndestaat. Er warb f\u00fcr eine Aristokratie der Leistungstr\u00e4ger, ohne die es keinen Fortschritt gebe. Diese \u00dcberzeugung macht sich der Pr\u00e4sident der University of Austin zu eigen. Auf die Frage, wie man die gleiche W\u00fcrde einer jeden Person achten und zugleich die individuelle Exzellenz kultivieren k\u00f6nne, g\u00e4ben fast alle amerikanischen Hochschulen heute Antworten zulasten der Exzellenz, sagt er. Als ein Beispiel nennt er die Inflation sehr guter Noten. Die kennt man auch in Europa.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4an9r421\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Seine Universit\u00e4t wolle anders sein, sagt Carvalho: aristokratisch in Tocquevilles Sinn. Seinen neuen Studenten sagt er: \u00abIhr habt euch entschieden, zu rebellieren. Nicht gegen die Hierarchie, sondern gegen deren Aufgabe.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4an9r430\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/uatx.substack.com\/p\/in-defense-of-inequality\" rel=\"nofollow noopener\">diese wunderbare und \u00fcberf\u00e4llige Rede<\/a> m\u00f6glichst viele Menschen lesen und verbreiten w\u00fcrden: Hochschullehrer, Politiker, Unternehmer, gerne auch Kinderbuchautoren. Der Sozialismus und seine Apologeten der Gleichheit sind schon viel zu weit gekommen. H\u00f6chste Zeit, ihnen zu widersprechen. Je lauter, desto besser.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4an9r431\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Es ist nicht nur in Ordnung, in einem Ozean glanzloser Fische zu schillern. Es ist das Beste, was einem passieren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Sozialismus ist nicht tot, sondern quicklebendig: im staatlichen Handeln, an den Universit\u00e4ten, sogar in Kinderb\u00fcchern. 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