{"id":397264,"date":"2025-09-04T22:22:14","date_gmt":"2025-09-04T22:22:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/397264\/"},"modified":"2025-09-04T22:22:14","modified_gmt":"2025-09-04T22:22:14","slug":"freedom-day-initiative-kauft-schwarzfahrer-frei-ruhrgebiet-nachrichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/397264\/","title":{"rendered":"Freedom Day: Initiative kauft Schwarzfahrer frei &#8211; Ruhrgebiet &#8211; Nachrichten"},"content":{"rendered":"<p class=\"text small\">Um kurz vor 11 Uhr geht die rote Gef\u00e4ngnist\u00fcr auf und Nico Schween tritt auf den B\u00fcrgersteig. <br \/>Er winkt, denn vor der JVA in <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/uebersicht-dortmund-100.html\" rel=\"neutral nofollow noopener\" title=\"\u00dcbersicht Dortmund\" target=\"_blank\">Dortmund<\/a> stehen Kamerateams und warten auf ihn. &#8222;Ich bin frei&#8220;, ruft der 36-j\u00e4hrige und strahlt \u00fcber das ganze Gesicht. Acht Tage lang hat er in einer Viererzelle gesessen. Da tritt man sich st\u00e4ndig auf die F\u00fc\u00dfe erz\u00e4hlt er und sagt immer wieder, wie froh er ist, jetzt raus zu sein.<\/p>\n<p>Freigekauft vom &#8222;Freiheitsfonds&#8220;<\/p>\n<p class=\"text small\">Ein paar Meter weiter steht Leo Ih\u00dfen. Er ist der Mann mit dem Koffer. Einem silbernen, schmalen Koffer, gef\u00fcllt mit F\u00fcnf- und Zehn-Euro-Scheinen. Knapp tausend Euro hat er mitgebracht, um nicht nur Nico sondern auch noch einen weiteren Mann freizukaufen. &#8222;Damit verhindern wir zwei Monate Haft&#8220;, sagt er. <\/p>\n<p class=\"text small\">Er h\u00e4tte das Geld nat\u00fcrlich \u00fcberweisen k\u00f6nnen. Aber so gibt es gute Bilder f\u00fcr die Presse, die reichlich erschienen ist. Und diese Bilder braucht Leo Ih\u00dfen. Denn er kommt von der Berliner Initiative &#8222;Freiheitsfonds&#8220;. Die will, dass Schwarzfahren keine Straftat mehr ist. <\/p>\n<p>&#8222;Vor 90 Jahren von den Nazis eingef\u00fchrt&#8220;<\/p>\n<p class=\"text small\">&#8222;Dieses Gesetz darf kein Jahr \u00e4lter werden&#8220;, ist ein Satz, den der 29-j\u00e4hrige Student immer wieder in die Mikrofone spricht. Am Montag ist der 90. Jahrestag der Einf\u00fchrung der Strafbarkeit f\u00fcr Schwarzfahren. Und Ih\u00dfen \u00e4rgert es, denn jeder wisse, dass vor allem arme Menschen, Drogenabh\u00e4ngige oder psychische Kranke wegen Schwarzfahrens ins Gef\u00e4ngnis m\u00fcssen. <\/p>\n<p class=\"text small\">Er fummelt einen Fahrschein aus der Hosentasche und h\u00e4lt ihn hoch. &#8222;Wegen 3,60 Euro sitzen hier Menschen im Gef\u00e4ngnis.&#8220; <\/p>\n<p>Nicht alle Verkehrsbetriebe stellen Anzeige<\/p>\n<p class=\"text small\">Eigentlich nat\u00fcrlich wegen mehr. Jedes Mal wenn jemand schwarz f\u00e4hrt, erschleicht er sich laut Gesetz eine Dienstleistung. Die meisten Verkehrsbetriebe berechnen daf\u00fcr ein &#8218;erh\u00f6htes Bef\u00f6rderungsentgelt&#8216; von 60 Euro. Wer also \u00f6fter kein Geld f\u00fcr den Fahrschein hat, hat schnell mehrere hundert Euro auf der Uhr. <\/p>\n<p class=\"text small\">Wer dann nicht zahlt, wird von vielen Verkehrsunternehmen angezeigt. Nicht von allen. Die Verkehrsbetriebe in D\u00fcsseldorf zeigen nicht mehr an, die DSW21 in Dortmund gibt an, 2023 insgesamt 5.456 Strafantr\u00e4ge gestellt zu haben. Grunds\u00e4tzlich sind die Verkehrsverb\u00fcnde nicht f\u00fcr eine Abschaffung der Strafbarkeit &#8211; aus Fairness den zahlenden Fahrg\u00e4sten gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Schwarzfahren Straftat nicht Ordnungswidrigkeit<\/p>\n<p class=\"text small\">Anders als zum Beispiel Falschparken ist Schwarzfahren eine Straftat und kann mit Geld- oder Freiheitsstrafen geahndet werden. Wer das Geld nicht aufbringen kann bekommt eine Ersatzfreiheitsstrafe. In Dortmund waren das von August 2024 bis August 2025 insgesamt 134 F\u00e4lle. Mal m\u00fcssen die Betroffenen zwei Wochen in Haft, mal vier. Jeder Tag kostet gut 200 Euro. Nicht nur der &#8222;Freiheitsfonds&#8220; fordert, das zu \u00e4ndern. <\/p>\n<p class=\"text small\">NRWs Justizminister Benjamin Limbach sagt auf Anfrage des <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/index.html\" rel=\"neutral nofollow noopener\" title=\"\u00dcbersicht WDR - Informationen und Nachrichten vom Westdeutschen Rundfunk\" target=\"_blank\">WDR<\/a>: &#8222;Jeder ersparte Tag einer Ersatzfreiheitsstrafe ist ein Gewinn f\u00fcr das Land, die betroffenen Menschen und den Steuerzahler. (&#8230;) Die Strafbarkeit beim Fahren ohne Fahrschein geh\u00f6rt abgeschafft &#8211; besser heute als morgen.&#8220;<\/p>\n<p>Sozialarbeiterinnen unzufrieden mit der Situation<\/p>\n<p class=\"text small\">Vor der JVA in Dortmund stehen an diesem Morgen auch Daniela Engelbracht und Miriam Squarra. Sie sind Sozialarbeiterinnen in der JVA und stellen die Antr\u00e4ge zum Freikauf beim &#8222;Freiheitsfonds&#8220;. Sie sehen die Freiheitsstrafen f\u00fcr das Schwarzfahren kritisch. H\u00e4ufig k\u00e4men die Menschen sowieso aus prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen, seien psychisch krank, obdachlos oder drogenabh\u00e4ngig. <\/p>\n<p class=\"text small\">Und dann m\u00fcsse man sie wegen der Haftstrafe von allen Leistungen abmelden. &#8222;Manchmal melden wir die Gefangenen Montag ab und Donnerstag wieder an, damit das hinterher auch alles wieder klappt&#8220;, sagt Daniela Engelbracht. <\/p>\n<p class=\"text small\">Insgesamt 100 Menschen kauft die Initiative &#8222;Freiheitsfonds&#8220; in ganz Deutschland rund um diesen Jahrestag, den 1.9., den Freedom Day, frei. In Dortmund sind es sieben. Einer von ihnen, Nico Schween, l\u00e4uft nach dem ganzen Medienrummel beschwingt die Stra\u00dfe runter. Auf dem Weg zur U-Bahn, er will seine Freundin \u00fcberraschen. Und einen Fahrschein kaufen. Vielleicht gleich eine Tageskarte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Um kurz vor 11 Uhr geht die rote Gef\u00e4ngnist\u00fcr auf und Nico Schween tritt auf den B\u00fcrgersteig. 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