{"id":397747,"date":"2025-09-05T03:08:12","date_gmt":"2025-09-05T03:08:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/397747\/"},"modified":"2025-09-05T03:08:12","modified_gmt":"2025-09-05T03:08:12","slug":"wie-man-mit-kindern-und-lustigen-hunden-was-ueber-unsere-kleidung-lernen-kann-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/397747\/","title":{"rendered":"Wie man mit Kindern und lustigen Hunden was \u00fcber unsere Kleidung lernen kann \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Es sieht aus wie ein Kinderbuch. Eigentlich ist es auch eins. Auch wenn die Kleinen ihre Klamotten in der Regel noch nicht selber kaufen. Aber eigentlich kann man auch nie fr\u00fch genug anfangen, den Kindern zu erkl\u00e4ren, was in der Welt der Erwachsenen falsch l\u00e4uft. Und warum unsere Welt daran kaputtgeht. Denn w\u00e4hrend Kinder gern was lernen und begreifen, sind viele Erwachsene nicht nur lernunwillig. Sie stellen sich ganz bewusst doof. Auch beim Kauf ihrer Kleidung. Zeit f\u00fcr eine sch\u00f6ne gro\u00dfe Runde mit Hund.<\/p>\n<p>Um Hunde geht es zwar eigentlich nicht. Aber die Leipziger Grafikerin <a href=\"https:\/\/www.neon-pantheon.com\/info\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Nadine Prange<\/a> hat die vielen nicht immer lustigen Themen in diesem Buch fr\u00f6hlich und unbeirrt mit lauter lustigen Hunden illustriert, die dann in den witzigen Zeichnungen das tun, was die Menschen sonst tun. Nur dass Menschen nicht so knuffig sind und so cool aussehen, wenn sie sich Klamotten kaufen, Uniform anziehen oder Maden begutachten. Maden?<\/p>\n<p>Stimmt schon: Denn wie illustriert man solche Labels wie \u201eMade in Germany\u201c oder \u201eMade in Bangladesh\u201c? Dieser kleine Stofffetzen in der Kleidung sollen zwar verraten, wo das Teil hergestellt wurde, sind aber oft genug nur Augenwischerei, weil nur ein winziger Teil des Produkts tats\u00e4chlich da zusammengefriemelt wurde, wo es das Stofffetzchen behauptet.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/118f71c05cfc4f188770e8ecb01de913.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/09\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/09\/1\"\/><\/p>\n<p>Woher kommt den unsere schnelle Mode?<\/p>\n<p>Aber wie kommt Nadine Prange dazu, so freche Zeichnungen zu einem ernsten Thema zu fertigen? Der Grund ist in der August-Bebel-Stra\u00dfe in Leipzig zu finden. Da sitzt die <a href=\"https:\/\/www.lokaltextil.de\/textiles-wissen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">lokaltextil UG<\/a>, die sich als \u201eNetzwerk f\u00fcr lokale Textilproduktion\u201c versteht. \u201eWir informieren \u00fcber die vielf\u00e4ltigen textilen Produktionsm\u00f6glichkeiten und Macher\/-innen direkt vor unseren Haust\u00fcren. Wir zeigen ihre Herk\u00fcnfte und Perspektiven.<\/p>\n<p>Wir berichten \u00fcber textile Nachhaltigkeitsthemen und \u00fcber Schwierigkeiten der Branche. Wir vernetzen lokal Schaffende aus Traditionshandwerken, Innovationsunternehmen, Forschung und kreativen Bereichen miteinander und machen entstehende Synergien nutzbar.\u201c<\/p>\n<p>All das macht nat\u00fcrlich erst richtig Sinn, wenn man wei\u00df, woher die Mode in unseren Warenh\u00e4usern und Online-Shops kommt. Denn das Allerwenigste wird heute noch in Deutschland oder auch in Europa hergestellt. Das Meiste wird unter ziemlichen \u00fcblen Bedingungen irgendwo in Fernost hergestellt. Mit Textilien, die in ihrer Herstellung selbst schon hochgradig umweltbelastend sind.<\/p>\n<p>Die Kleiderwelt war nicht immer so, wie sie heute ist. Wie die Menschen zu ihrem heutigen Kleiderfimmel kamen, hat nat\u00fcrlich eine lange Vorgeschichte, die die Dresdner Autorin <a href=\"http:\/\/www.fraukeangel.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Frauke Angel<\/a> gleich mal zu Beginn dieses Ausflugs in die Welt der Mode erz\u00e4hlt \u2013 von den J\u00e4gern und Sammlern, die sich schon in Felle kleideten, \u00fcber R\u00f6mer und \u00c4gypter bis in die mittelalterliche Geschichte, als die Kirche begann, ihre pr\u00fcde Moral zum Ma\u00dfstab der Kleidervorschriften zu machen.<\/p>\n<p>Nacktheit wurde auf einmal verp\u00f6nt, die Scham hielt Einzug und jede Kleinigkeit in der Kleidung wurde vorgegeben. Bis hin zur Farbe, die nicht nur die Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Stand signalisierte, sondern oft auch \u2013 wie die Farbe Gelb \u2013 die Stigmatisierung von Randgruppen.<\/p>\n<p>Die moderne Mode-Raserei<\/p>\n<p>Da werden viele Kinder mit den Augen rollen. Aber wer sagt denn, dass menschliche Geschichte vern\u00fcnftig sein muss? Dazu gibt es zu viele machtbessene M\u00e4nner, die mit ihren n\u00e4rrischen Vorstellungen ganze Zeitalter verkorksen. Muss aber sein. Die kleinen Buchbetrachter sollen ja ein bisschen lernen, wie die Menschen anfingen, die Mode zu erfinden und damit die n\u00e4rrische Kleiderschau nicht nur optisch auf die Spitze trieben.<\/p>\n<p>Denn mit der Erfindung der Mode kam auch etwas ins Spiel, was aus dem n\u00fcchternen Kauf n\u00fctzlicher Kleidung etwas machte, was zu einer der gr\u00f6\u00dften Umweltzerst\u00f6rungsindustrien wurde, die der Kapitalismus je in Gang gesetzt hat.<\/p>\n<p>Mit riesigen wasserhungrigen Baumwollplantagen, bauf\u00e4lligen Textilfabriken, gewaltiger Umweltverschmutzung und Millionen Tonnen von Kleidung, die \u2013 wenn sie denn \u00fcberhaupt den Kunden erreicht \u2013 oft nicht mal eine Saison h\u00e4lt, weil gleichzeitig das Tempo der Stile und Moden online immer weiter angeheizt wird und den Konsumenten eingeredet wird, sie m\u00fcssten auch noch den neuesten hei\u00dfen Schei\u00df kaufen, der gerade an d\u00fcrren Models im Internet zu sehen ist.<\/p>\n<p>Puh. Luft holen.<\/p>\n<p>So w\u00fctend klingt das bei Frauke Angel nicht. Die Kinder sollen ja nicht w\u00fctend werden, sondern etwas lernen \u00fcber die Kleidung, die es im Laden gibt. \u00dcber die Herkunft der Fasern, aus denen die Stoffe sind, und \u00fcber die dramatischen Folgen dieser industriellen Hochbeschleunigung, bei der sich die Menschen ihren Kleiderschrank immer mehr mit aktuellen St\u00fccken f\u00fcllen, die sie oft nur ein oder zweimal anziehen.<\/p>\n<p>Und dann schleppen sie das Zeug zum \u00fcberf\u00fcllten Textilcontainer. Was nicht hei\u00dft, dass irgendwer es noch tragen kann. Denn viele Kleidungsst\u00fccke sind so schnell zusammengeschustert, dass sie nach der Saison sowieso nur noch ein Putzlappen sind. Und noch schlimmer: Die meisten Stoffe sind Mischgewebe mit jeder Menge Chemie drin, die nicht mal mehr recycelt werden k\u00f6nnen. Also das Gegenteil von nachhaltig oder haltbar.<\/p>\n<p>Es geht auch anders<\/p>\n<p>Und auch wenn Kleidungsst\u00fccke aus Baumwolle wenigstens aus einer Naturfaser bestehen, ist der Baumwollanbau und deren Verarbeitung f\u00fcr viele Regionen eine echte Katastrophe. Erst recht, weil eben daraus auch wieder nur Teile f\u00fcr die Saison gen\u00e4ht werden, die dann auch wieder weggeschmissen werden. Was v\u00f6llig unsinnig ist. Und deshalb spielen auch viele Menschen dieses gedankenlose Spiel nicht mehr mit, sondern besorgen sich lieber haltbare Klamotten, die sie jahrelang tragen k\u00f6nnen, in denen sie sich wohlf\u00fchlen und die sie dann auch lieber flicken oder zur Schneiderin geben, wenn mal was kaputtgeht daran.<\/p>\n<p>Man muss gar nicht erst bis zu diesem Satz bl\u00e4ttern, um zu merken, dass es so nicht weitergeht: \u201eDie beliebten Rohstoffe werden auf der ganzen Welt knapper.\u201c L\u00e4ngst wird mit v\u00f6llig anderen Materialien f\u00fcr die Textilproduktion experimentiert. Und gerade Menschen in der Gro\u00dfstadt bringen ihre noch guten Klamotten lieber zum Tauschmarkt und decken ihren Bedarf an neuer Kleidung im Second-Hand-Laden. Es gibt l\u00e4ngst hunderte Initiativen, die sich um einen nachhaltigeren Umgang mit Kleidung bem\u00fchen, Initiativen, deren Anliegen bei lokaltextil geb\u00fcndelt werden.<\/p>\n<p>Dort wei\u00df man, dass es vor allem um Wissen geht, Wissen vor allem um die Umweltbelastung unserer heutigen Kleidermode. Und um die m\u00f6glichen Alternativen, wie man ganz bewusst seinen Umgang mit Kleidung \u00e4ndern kann. Denn nat\u00fcrlich steht die Frage: \u201eWas kann ich alleine schon ausrichten?\u201c<\/p>\n<p>Die Antwort lautet \u2013 wie bei allen Klimathemen: nicht viel.<\/p>\n<p>Wie man Kleidung kaufen kann<\/p>\n<p>Aber dieses \u201enicht viel\u201c summiert sich, wenn ganz viele Menschen ihren Umgang mit Kleidung \u00e4ndern. Die dann etwa im Laden auf eine m\u00f6glichst umweltschonende Herstellung ihrer Kleidung achten und auf eine m\u00f6glichst lange Tragbarkeit. Und nat\u00fcrlich darauf, dass man sich nicht vom Modegebimmel n\u00e4rrisch machen l\u00e4sst. Ehrlich mal: Die meisten \u201ehei\u00dfen Teile\u201c der Saison stehen nur den allerwenigsten Menschen. Die meisten kaufen das Zeug zwar \u2013 aber wenn sie sich darin im Spiegel sehen, kommt das Entsetzen und sie ziehen das Teil nie wieder an.<\/p>\n<p>Mit Kleidung aber, die man danach kauft, ob man sich darin wohlf\u00fchlt und eins mit sich, ist das anders. Gerade das emsige Fragen am Ende des Buches \u00f6ffnet den Weg zu einem anderen Umgang mit seinem Kleiderschrank und seinen (Lieblings-)Kleidungsst\u00fccken.<\/p>\n<p>Denn Kinder wissen es noch: In manchen Klamotten f\u00fchlt man sich erst richtig wohl, die will man am liebsten nicht wieder ausziehen. Und nichts ist schlimmer, als wenn sie auf einmal zu klein werden. Kleidung ist etwas zutiefst Pers\u00f6nliches. Darum geht es eigentlich. Und wenn wir anfangen, mit unserer ganz pers\u00f6nlichen Kleidung sorgsamer und schonender umzugehen, dann gehen wir auch mit der Welt schonender um.<\/p>\n<p>Darum geht es eigentlich.<\/p>\n<p>Es ist ein Buch, das zum Nachdenken und Fragenstellen anregt. \u201eLiebt eure Kleider\u201c!\u201c, lautet einer der frechen Spr\u00fcche, die Nadine Prange an den Rand gemalt hat. Und: \u201eDas Tr\u00e4umen nicht vergessen!\u201c<\/p>\n<p>Irgendwann lernt man \u2013 wenn man sich nicht total bl\u00f6d anstellt \u2013 in welchen Klamotten man sich wirklich wohlf\u00fchlt. Und dass Kleidung vielleicht f\u00fcr andere Leute was mit Status und Eitelkeit zu tun hat, aber f\u00fcr einen selbst z\u00e4hlt eigentlich das Gef\u00fchl, dass man sich in der Kleidung gut f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Das ist schwer genug. Stimmt. Aber es lohnt sich, danach zu suchen. Und so nach und nach zu lernen, dass man wirklich gute Kleidung gar nicht wegschmei\u00dfen muss. So wie das ganze Billigzeug der Saison, das nur den Schrank verstopft. Meist muss man daf\u00fcr gar nicht weit gehen, nur wissen, wohin man gehen kann.<\/p>\n<p>Vielleicht mit Hund, der dann drau\u00dfen vor der T\u00fcr seine M\u00e4tzchen machen kann, w\u00e4hrend man drin das Teil sucht, das einen wirklich die n\u00e4chsten zehn Winter w\u00e4rmen kann.<\/p>\n<p><strong>Frauke Angel, Nadine Prange, lokaltextil \u201eHunderunde \u2013 wie weit wir f\u00fcr unsere Kleidung gehen\u201c<\/strong>, oekom Verlag, M\u00fcnchen 2025, 22 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es sieht aus wie ein Kinderbuch. Eigentlich ist es auch eins. 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